Seeotter
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Kurz erklärt
Der Seeotter ist ein Marder, der fast sein ganzes Leben im Meer verbringt. Er lebt an den Küsten des Nordpazifiks, frisst Seeigel, Krabben und Muscheln und knackt harte Schalen mit einem Stein. Statt einer Fettschicht wärmt ihn das dichteste Fell aller Säugetiere. Wegen dieses Fells wurde er fast ausgerottet, heute ist er stark gefährdet.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Enhydra lutris |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Männchen 1,20 bis 1,50 m, Weibchen 1,00 bis 1,40 m lang; der Schwanz misst 25 bis 35 cm |
| Körpergewicht | Männchen in Alaska 27 bis 39 kg, Weibchen 16 bis 27 kg; Seeotter in Kalifornien sind etwas leichter; einzelne Tiere bis 45 kg |
| Ernährung | Fleischfresser: vor allem Seeigel, Krabben, Muscheln, Schnecken, Seesterne und Kraken, im Norden auch Fische |
| Lebenserwartung | In freier Natur höchstens etwa 23 Jahre (geschätzt) |
| Sozialverhalten | Gesellig: ruhen in Gruppen (Flößen), Männchen und Weibchen meist getrennt; Männchen verteidigen Reviere |
| Herkunft | Nordpazifik |
| Verbreitung | Küsten des Nordpazifiks: Kurilen und Kommandeurinseln (Russland), Aleuten, Alaska, British Columbia, Washington und Mittelkalifornien AsienNordamerikaMeer |
| Entdeckung | 1758 von Carl von Linné beschrieben |
| Gefährdung | EN Stark gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2021) |
| Sonstiges | Es werden drei Unterarten unterschieden: der Asiatische oder Russische Seeotter (E. l. lutris), der Nördliche Seeotter (E. l. kenyoni) und der Südliche oder Kalifornische Seeotter (E. l. nereis). Rund 90 Prozent aller Seeotter leben in Alaska. |
Ein Otter, der im Meer lebt
Der Seeotter (Enhydra lutris) gehört zu den Mardern, wie Dachs, Nerz und der Eurasische Fischotter. Von den 14 Otterarten der Welt ist er die einzige, die vollständig im Wasser lebt. Er frisst, schläft und putzt sich im Wasser und zieht dort auch seine Jungen auf. An Land ist er unbeholfen und entfernt sich dort nur wenige Meter vom Wasser. Er ist außerdem das größte Mitglied der Marderfamilie.
Einen Überblick über alle Otterarten, vom Zwergotter bis zum Riesenotter, findest du auf unserer Seite über Otter.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht: Männchen werden 1,20 bis 1,50 m lang, Weibchen 1,00 bis 1,40 m. Davon entfallen 25 bis 35 cm auf den Schwanz, der damit kürzer ist als ein Drittel der Körperlänge. Seeotter in Alaska sind etwas größer als ihre Verwandten in Kalifornien:
- Alaska: Männchen wiegen 27 bis 39 kg, Weibchen 16 bis 27 kg.
- Kalifornien: Männchen wiegen im Durchschnitt etwa 29 kg, Weibchen etwa 20 kg.
- Höchstgewicht: Einzelne Tiere erreichen bis zu 45 kg.
Kopf und Pfoten: Der Kopf ist rund mit kurzer Nase, kleinen runden Augen und Ohren und langen Schnurrhaaren. Mit diesen Tasthaaren spürt der Seeotter Beutetiere zwischen Felsen und Tang auf. Die Hinterbeine sind lang, die Hinterpfoten breit, flach und mit Schwimmhäuten versehen. Die kurzen Vorderpfoten tragen einziehbare Krallen und sind sehr geschickt: Mit ihnen greift, rollt und zerlegt der Otter seine Beute.
Eingebaute Taschen: Unter jedem Vorderbein hat der Seeotter eine lose Hautfalte. Darin verstaut er beim Tauchen Beutetiere und seinen Lieblingsstein, sodass die Pfoten frei bleiben.
Gebiss: Seeotter sind die einzigen Raubtiere mit nur vier Schneidezähnen im Unterkiefer. Ihre Zähne sind darauf ausgelegt, harte Schalen von Muscheln, Seeigeln und Krabben zu zerdrücken.
Das dichteste Fell aller Säugetiere
Wale und Robben schützen sich mit einer dicken Fettschicht vor dem kalten Wasser. Der Seeotter hat keine solche Schicht. Ihn wärmt sein Fell, das dichteste Fell aller Säugetiere. Wie viele Haare genau auf einem Quadratzentimeter wachsen, geben Fachleute unterschiedlich an: Die Schätzungen reichen von rund 100.000 bis zu mehreren Hunderttausend.
Das Fell besteht aus zwei Schichten: einer dichten, dunklen Unterwolle und längeren, helleren Deckhaaren. Zusammen halten sie eine Luftschicht an der Haut fest, sodass die Haut trocken bleibt. Diese Luft isoliert viermal so gut wie eine gleich dicke Fettschicht. Damit das funktioniert, muss der Seeotter sein Fell ständig pflegen. Er kämmt und knetet es, entfernt Salz und Schmutz und plustert es mit Luft auf. Die Unterwolle ist braun bis schwarz, die Deckhaare können braun, schwarz oder silbrig sein.
Verbreitung und Lebensraum
Seeotter leben an den kühlen Küsten des Nordpazifiks. Früher reichte ihr Verbreitungsgebiet in einem großen Bogen von Niederkalifornien in Mexiko über Alaska und die Aleuten bis nach Kamtschatka und zu den nördlichen Inseln Japans. Heute gibt es sie in Russland, Alaska, British Columbia (Kanada), im US-Bundesstaat Washington und in Kalifornien. Rund 90 Prozent aller Seeotter leben in Alaska.
Fachleute unterscheiden drei Unterarten:
- Asiatischer Seeotter (E. l. lutris): von den Kurilen bis zu den Kommandeurinseln vor Russland
- Nördlicher Seeotter (E. l. kenyoni): Aleuten, Süd-Alaska, British Columbia und Washington
- Südlicher oder Kalifornischer Seeotter (E. l. nereis): an der Küste Mittelkaliforniens, etwa zwischen Half Moon Bay und Point Conception
Seeotter brauchen flache Küstengewässer mit felsigem oder sandigem Grund. Besonders wichtig sind die Tangwälder aus Riesentang. Nach Norden begrenzt das Meereis ihr Vorkommen, nach Süden das Ende der Tangwälder. In Kalifornien leben Seeotter auch in Flussmündungen und Häfen.
Ernährung
Seeotter sind Fleischfresser. Sie fressen fast alle wirbellosen Meerestiere, die sie finden: Seeigel, Krabben, Muscheln, Schnecken, Seesterne, Käferschnecken und Kraken. Nördliche Seeotter fressen auch Fische. Jedes Tier hat dabei seinen eigenen Geschmack. Ein Otter frisst vielleicht fast nur Seeigel und Krabben, ein anderer vor allem Fisch.
Weil Seeotter keine Fettschicht haben, verbrauchen sie viel Energie, um warm zu bleiben. Jeden Tag fressen sie etwa ein Viertel ihres Körpergewichts. Ein 30 kg schwerer Otter braucht also rund 7,5 kg Futter am Tag. Sein Wasser bekommt er größtenteils aus der Nahrung, er trinkt aber auch Meerwasser.
So jagt der Seeotter: Er taucht zum Meeresgrund und sucht dort mit Tasthaaren und Pfoten nach Beute. Meist jagt er in Wasser bis 30 m Tiefe, kann aber mindestens 45 m tief tauchen. Ein Tauchgang dauert meist ein bis zwei Minuten. Gefressen wird immer an der Wasseroberfläche: Der Otter legt sich auf den Rücken und benutzt seinen Bauch als Tisch.
Werkzeuggebrauch: der Stein als Nussknacker
Seeotter gehören zu den wenigen Säugetieren, die Werkzeuge benutzen. Um eine harte Muschel oder Krabbe zu öffnen, holt der Otter einen Stein vom Meeresgrund. Manche Tiere legen den Stein auf die Brust und schlagen die Beute dagegen. Andere legen die Beute auf den Bauch und klopfen mit dem Stein darauf. Einen guten Stein behält der Otter oft für viele Tauchgänge und trägt ihn in seiner Hauttasche unter dem Arm mit sich.
Schlüsselart im Tangwald
Seeigel fressen Tang. Gibt es zu viele Seeigel, raspeln sie ganze Tangwälder kahl. Zurück bleiben öde Felsflächen, die nur noch mit Seeigeln bedeckt sind. Seeotter fressen viele Seeigel und halten ihre Zahl so in Grenzen. Dadurch können die Tangwälder wachsen, und in ihnen finden viele Fische und andere Meerestiere Nahrung und Schutz.
Weil ein einziges Tier so große Auswirkungen auf seinen Lebensraum hat, nennen Fachleute den Seeotter eine Schlüsselart. In der Elkhorn Slough, einer Flussmündung in Kalifornien, schützt er auf ähnliche Weise Seegraswiesen: Er frisst Krabben. Dadurch können sich kleine Meeresnacktschnecken vermehren, die Algen vom Seegras abweiden.
Verhalten und Lebensweise
Seeotter sind tagaktiv und gehen vor allem morgens und abends auf Nahrungssuche. Sie sind gesellig: Zum Ausruhen treiben sie in Gruppen zusammen, die man Flöße nennt. Schon über 1.000 Tiere wurden an einer Stelle gemeinsam beobachtet. Männchen und Weibchen bilden meist getrennte Gruppen. Fortpflanzungsfähige Männchen verteidigen Reviere, in denen sich Weibchen aufhalten. Streit tragen sie meist mit Spritzen und Lauten aus, ernste Kämpfe sind selten.
Schlafen im Wasser: Zum Ruhen liegt der Seeotter auf dem Rücken. Damit er nicht abtreibt, wickelt er sich in Tang ein. Die Hinterpfoten ragen aus dem Wasser, die Vorderpfoten legt er auf die Brust oder über die Augen.
Schwimmen: Unter Wasser schwimmt der Seeotter mit wellenförmigen Bewegungen des Körpers und erreicht bis zu 9 km/h. Er lebt meist jahrelang im selben Gebiet und wandert nicht weit. Sein Aktionsraum misst je nach Gebiet nur wenige bis etwa 40 Quadratkilometer.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Seeotter können sich das ganze Jahr über fortpflanzen. In Kalifornien kommen die meisten Jungen von Januar bis März zur Welt, auf den Aleuten von Mai bis Juni.
- Tragzeit: 4 bis 12 Monate, im Mittel etwa 6 Monate. Die Spanne ist so groß, weil sich der Keim erst verzögert in der Gebärmutter einnistet (Keimruhe).
- Wurfgröße: ein Junges. Zwillinge gibt es bei etwa 2 Prozent der Geburten, die Mutter kann aber nur eines aufziehen.
- Geburtsgewicht: 1,4 bis 2,3 kg
- Säugezeit: etwa 3 bis 6 Monate, Seeotter-Milch enthält 20 bis 25 Prozent Fett
- Selbstständig: nach etwa 6 bis 8 Monaten
- Geschlechtsreif: Weibchen mit 2 bis 5 Jahren, Männchen mit 4 bis 6 Jahren; viele Männchen paaren sich aber erst deutlich später
Das Junge liegt auf dem Bauch der schwimmenden Mutter und trinkt dort. Sein flauschiges Babyfell hält so viel Luft, dass es nicht untergehen kann. Taucht die Mutter nach Futter, wickelt sie ihr Junges in Tang ein, damit es nicht wegtreibt. Mit etwa zwei Monaten beginnt das Junge selbst zu tauchen. Väter kümmern sich nicht um den Nachwuchs. In freier Natur werden Seeotter nach Schätzungen höchstens etwa 23 Jahre alt.
Feinde und Gefährdung
Zu den natürlichen Feinden gehören Weiße Haie, Schwertwale (Orcas), Kojoten, Seelöwen und Weißkopfseeadler, die vor allem Jungtiere erbeuten. In Kalifornien sind Haibisse eine der wichtigsten Todesursachen.
Fast ausgerottet wegen des Fells
Im 18. Jahrhundert begannen russische Entdecker mit dem Pelzhandel, danach jagten Pelzhändler die Seeotter fast überall an der Pazifikküste. Ihr dichtes Fell war äußerst begehrt und wurde zu Mützen und Mänteln verarbeitet. Anfang des 20. Jahrhunderts lebten weltweit nur noch etwa 1.000 bis 2.000 Seeotter. Vielerorts waren sie ganz verschwunden.
Im Jahr 1911 verboten die USA, Russland, Japan und Großbritannien in einem internationalen Abkommen die Jagd auf Meeressäuger mit wertvollem Fell. Danach erholten sich die Bestände im 20. Jahrhundert deutlich. In Kalifornien galt der Seeotter lange als ausgestorben, bis 1938 vor der Küste von Big Sur eine Gruppe von etwa 50 Tieren entdeckt wurde. Diese Gruppe wurde zum Grundstock für die heutigen Kalifornischen Seeotter. Heute leben dort wieder rund 3.000 Tiere.
Gefahren heute
Die Rote Liste der IUCN stuft den Seeotter als stark gefährdet (EN, 2021) ein. Die wichtigsten Gefahren sind:
- Ölunfälle: Seeotter verbringen viel Zeit an der Wasseroberfläche. Öl verklebt ihr Fell, das dann nicht mehr wärmt. Beim Tankerunglück der Exxon Valdez 1989 in Alaska starben etwa 5.000 Seeotter.
- Krankheiten und Parasiten: In Kalifornien erkranken Seeotter an Parasiten wie Toxoplasma gondii, die unter anderem über Katzenkot ins Meer gespült werden.
- Fressfeinde: Im Südwesten Alaskas ist der Bestand in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Fachleute vermuten unter anderem, dass Orcas dort mehr Seeotter jagen als früher. Sicher belegt ist das nicht.
- Fischerei: Seeotter können sich in Netzen und Fallen verfangen.
Weil Seeotter nur langsam Nachwuchs bekommen, erholen sich ihre Bestände nach solchen Verlusten nur langsam.
Häufige Fragen zum Seeotter
Warum schwimmen Seeotter auf dem Rücken?
Auf dem Rücken liegend können Seeotter fressen, schlafen und ihr Fell pflegen, ohne an Land zu gehen. Ihr Bauch dient als Esstisch, auf dem sie Muscheln mit einem Stein aufschlagen. Mütter tragen ihre Jungen auf dem Bauch.
Wie schlafen Seeotter?
Seeotter schlafen auf dem Rücken im Wasser. Damit sie nicht abtreiben, wickeln sie sich in Seetang ein. Mütter wickeln auch ihre Jungen in Tang, wenn sie zum Fressen tauchen.
Was frisst ein Seeotter?
Seeotter fressen vor allem Seeigel, Krabben, Muscheln, Schnecken, Seesterne und Kraken, im Norden auch Fische. Jeden Tag brauchen sie etwa ein Viertel ihres Körpergewichts an Nahrung.
Was ist der Unterschied zwischen Seeotter und Fischotter?
Der Eurasische Fischotter lebt vor allem an Flüssen und Seen und ist wie fast alle Otter teils im Wasser, teils an Land unterwegs. Der Seeotter lebt im Nordpazifik ganz im Meer, wird bis zu 45 kg schwer und ist das größte Mitglied der Marderfamilie.
Wie viele Seeotter gibt es noch?
Eine genaue weltweite Zahl gibt es nicht. Anfang des 20. Jahrhunderts waren nur noch 1.000 bis 2.000 Tiere übrig, seitdem haben sich die Bestände in vielen Gebieten erholt. Rund 90 Prozent leben heute in Alaska, in Kalifornien sind es etwa 3.000.
Sind Seeotter gefährlich?
Seeotter sind Wildtiere mit kräftigem Gebiss und sollten nie angefasst oder angelockt werden, auch wenn sie sich nähern. Das Monterey Bay Aquarium rät, immer Abstand zu halten, zum Schutz von Mensch und Tier.
Ähnliche Tiere
- Otter - Überblick über alle 14 Otterarten
- Seeigel - die wichtigste Beute des Seeotters
- Seelöwe - lebt an denselben Küsten und erbeutet manchmal Seeotter
- Walross - ein Meeressäuger des Nordpazifiks, der Muscheln frisst
- Nerz - ein kleinerer Verwandter aus der Familie der Marder
Quellen
- Doroff, A., Burdin, A. & Larson, S. (2021): Enhydra lutris. The IUCN Red List of Threatened Species 2021
- Enhydra lutris (Sea Otter) - Animal Diversity Web, University of Michigan Museum of Zoology
- Northern Sea Otter Species Profile - Alaska Department of Fish and Game
- Sea Otter - Monterey Bay Aquarium
- Enhydra lutris - IUCN SSC Otter Specialist Group
Größenvergleich
Ein Seeotter erreicht eine Körpergröße von 1 bis 1,5 m. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und einen Erwachsenen (1,8 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Seeotter ist etwa 6-mal so groß wie ein Fußball.
Gewichtsvergleich
Ein Seeotter bringt 14 bis 45 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine Hauskatze (4 kg), aber leichter als ein Erwachsener (75 kg). Anders ausgedrückt: Der Seeotter wiegt so viel wie etwa 7 Hauskatzen.