Seepferdchen
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Kurz erklärt
Seepferdchen sind kleine Meeresfische mit einem Kopf wie ein Pferd, einem Greifschwanz und einem Panzer aus Knochenplatten. Das Besondere: Nicht die Weibchen, sondern die Männchen tragen die Jungen in einer Bauchtasche aus und bringen sie zur Welt. Es gibt rund 46 Arten, die meisten leben in warmen Küstengewässern. Eine Art kommt sogar in der deutschen Nordsee vor.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Hippocampus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Je nach Art unter 2 cm (Zwergseepferdchen) bis über 30 cm (Dickbauch-Seepferdchen aus Australien), gemessen von der Schwanzspitze bis zum Scheitel |
| Ernährung | Räuber: saugen lebende Kleintiere ein, vor allem kleine Krebstiere, außerdem Fischlarven und andere Wirbellose |
| Lebenserwartung | Etwa 1 Jahr bei den kleinsten Arten, im Mittel 3 bis 5 Jahre bei größeren Arten; in freier Natur kaum erforscht |
| Sozialverhalten | Meist paarweise; viele Arten bleiben während einer Brutsaison demselben Partner treu |
| Herkunft | Flache Küstengewässer tropischer und gemäßigter Meere |
| Verbreitung | Küstenmeere etwa zwischen 50 Grad Nord und 50 Grad Süd, die meisten Arten im Westatlantik und im Indopazifik; in Europa zwei Arten, eine davon mit einem kleinen Bestand in der deutschen Nordsee EuropaMeer |
| Sonstiges | Die Rote Liste der IUCN bewertet jede Art einzeln. Die beiden europäischen Arten: Kurzschnäuziges Seepferdchen nicht gefährdet (LC, 2026), Langschnäuziges Seepferdchen potenziell gefährdet (NT, 2026). Der internationale Handel mit Seepferdchen ist durch Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) beschränkt. |
Was sind Seepferdchen?
Seepferdchen sehen aus, als hätte jemand mehrere Tiere zusammengesetzt: Sie haben einen Kopf wie ein Pferd, einen Greifschwanz wie ein Affe und eine Bauchtasche wie ein Känguru. Ihre Augen bewegen sich unabhängig voneinander in alle Richtungen, ähnlich wie bei einem Chamäleon. Trotzdem sind Seepferdchen ganz normale Fische. Sie gehören wie Lachs und Thunfisch zu den Strahlenflossern. Legt man ein Seepferdchen gedanklich lang auf den Bauch, erkennt man die Fischform gut.
Zusammen mit den Seenadeln bilden Seepferdchen die Familie Syngnathidae. Der Name kommt aus dem Griechischen und bedeutet „zusammengewachsene Kiefer“. Alle Seepferdchen gehören zur Gattung Hippocampus, was so viel heißt wie „Pferd-Seeungeheuer“.
Wie viele Arten es genau gibt, ist unter Fachleuten umstritten. Die Forschungsgruppe Project Seahorse an der University of British Columbia in Kanada zählt derzeit 46 Arten. Diese Zahl kann sich durch neue Untersuchungen noch ändern. Diese Seite stellt die Gruppe als Ganzes vor. Wo es um eine bestimmte Art geht, steht ihr Name dabei.
Aussehen und Körperbau
Panzer statt Schuppen: Seepferdchen haben keine Schuppen. Ihre dünne Haut spannt sich über eine Reihe von Knochenplatten, die man als Ringe um den Körper sieht. Manche Arten tragen zusätzlich Stacheln, Höcker oder Hautfäden. Oben auf dem Kopf sitzt eine Gruppe von Stacheln, die an eine Krone erinnert. Fachleute nennen sie „Krönchen“ oder Koronet.
Größe: Die Größe eines Seepferdchens misst man von der Schwanzspitze bis zum Scheitel. Die Unterschiede zwischen den Arten sind riesig. Die kleinsten Zwergseepferdchen sind weniger als 2 Zentimeter groß, das Dickbauch-Seepferdchen aus Australien wird 30 Zentimeter oder größer. Wie schwer ein Seepferdchen ist, hängt von Alter und Fortpflanzungszustand ab.
Flossen: Erwachsene Seepferdchen haben nur wenige Flossen: eine Rückenflosse, eine winzige Afterflosse und zwei kleine Brustflossen an den Kopfseiten. Zum Schwimmen schlägt die Rückenflosse sehr schnell hin und her. Mit den Brustflossen steuern sie und halten das Gleichgewicht. Seepferdchen sind deshalb wendig, aber langsam.
Tarnung: Seepferdchen sind Meister der Tarnung. Sie können ihre Farbe ändern und Hautfäden wachsen lassen, um sich ihrer Umgebung anzupassen. Kurzfristige Farbwechsel zeigen sie auch beim Werben um einen Partner und bei der täglichen Begrüßung.
Männchen oder Weibchen? Männchen erkennt man an ihrer Bruttasche. Weibchen haben keine.
Verbreitung und Lebensraum
Alle Seepferdchen leben im Meer. Man findet sie in flachen tropischen und gemäßigten Küstengewässern, meist zwischen Seegraswiesen, Mangrovenwurzeln und Korallenriffen. Einige Arten leben auch in Flussmündungen und vertragen dort wechselnde Salzgehalte. Das Verbreitungsgebiet reicht ungefähr von 50 Grad nördlicher bis 50 Grad südlicher Breite. Die meisten Arten leben im westlichen Atlantik und im Indopazifik.
Seepferdchen in Europa und Deutschland
In europäischen Meeren leben zwei Arten:
| Art | Verbreitung | Größe |
|---|---|---|
| Kurzschnäuziges Seepferdchen (Hippocampus hippocampus) | Ostatlantik von den Britischen Inseln bis Guinea und im Mittelmeer, in 0 bis 60 Meter Tiefe | erwachsen 7 bis 13 cm |
| Langschnäuziges Seepferdchen (Hippocampus guttulatus) | Ostatlantik von den Britischen Inseln und den Niederlanden bis Marokko, Kanaren, Madeira und Azoren, im Mittelmeer und im Schwarzen Meer, in 0 bis 30 Meter Tiefe | erwachsen 8,5 bis 18 cm |
Das Kurzschnäuzige Seepferdchen hat eine sehr kurze, leicht nach oben gebogene Schnauze. Das Langschnäuzige Seepferdchen erkennt man an weißen Punkten, die oft zu waagerechten Wellenlinien zusammenlaufen, und häufig an einer „Mähne“ aus Hautfäden an Kopf und Hals. Es lebt vor allem zwischen Algen und Seegras.
Auch in Deutschland gibt es Seepferdchen: Vor der Nordseeküste von Schleswig-Holstein lebt laut der Roten Liste der Meeresfische Deutschlands ein kleiner Bestand des Kurzschnäuzigen Seepferdchens. Die Art ist dort sehr selten und erreicht hier den nördlichen Rand ihres Verbreitungsgebiets. Ob sie in Deutschland gefährdet ist, lässt sich mangels Daten nicht sagen (Kategorie „Daten unzureichend“, 2025). Das Langschnäuzige Seepferdchen führt die Rote Liste dagegen als in deutschen Gewässern nicht etabliert. Meldungen beruhen dort vermutlich auf Verwechslungen mit dem Kurzschnäuzigen Seepferdchen.
Ernährung
Seepferdchen haben weder Zähne noch einen Magen. Sie fressen ausschließlich lebende, sich bewegende Beute. Dabei gehen sie geschickt vor: Sie warten regungslos, bis ein Beutetier nah genug herankommt, und saugen es blitzschnell durch ihre röhrenförmige Schnauze ein. Weil sich beide Augen getrennt bewegen, können sie gleichzeitig in verschiedene Richtungen nach Futter Ausschau halten.
Auf dem Speiseplan steht alles, was ins kleine Maul passt. Das sind vor allem kleine Krebstiere wie Flohkrebse, aber auch Fischlarven und andere wirbellose Tiere. Seepferdchen sind gefräßige Räuber, und ihre Verdauung arbeitet nicht sehr gründlich.
Verhalten und Lebensweise
Seepferdchen sind keine Dauerschwimmer. Meist halten sie sich mit dem Greifschwanz an Seegras, Algen oder Korallen fest. Die beiden europäischen Arten bleiben dabei auf sehr kleinem Raum: Beim Kurzschnäuzigen Seepferdchen umfasst das Wohngebiet nur etwa 0,7 bis 18 Quadratmeter, beim Langschnäuzigen Seepferdchen im Mittel rund 20 Quadratmeter. Im Winter ziehen sich die europäischen Arten manchmal in tieferes Wasser zurück. Über weite Strecken gelangen Seepferdchen vermutlich nur, wenn Stürme sie fortreißen oder wenn sie sich an treibende Gegenstände klammern.
Die meisten untersuchten Arten leben in freier Natur monogam. Das heißt: Ein Paar bleibt mindestens eine Brutsaison zusammen, vielleicht auch mehrere. Bei manchen Arten, vor allem in Gefangenschaft, wechseln die Tiere aber auch den Partner. Feste Paare begrüßen sich jeden Morgen mit einem Tanz. Dabei wechseln beide die Farbe, schwimmen nebeneinander her und drehen sich umeinander. Nach einigen Minuten trennen sie sich bis zum nächsten Tag.
Fortpflanzung: Die Männchen werden schwanger
Bei den Seepferdchen tragen die Männchen den Nachwuchs aus. Trotzdem sind sie Männchen, denn sie liefern wie alle männlichen Tiere die Samenzellen, während die Weibchen die Eier bilden.
So läuft es ab:
- Das Weibchen legt seine Eier in die Bruttasche des Männchens.
- Dort befruchtet das Männchen die Eier.
- Die Bruttasche arbeitet ähnlich wie eine Gebärmutter: Sie versorgt die Embryos mit Nährstoffen und Sauerstoff und führt Abfallstoffe ab. Die Flüssigkeit in der Tasche gleicht sich langsam an das Meerwasser an. So haben es die Jungen bei der Geburt leichter.
- Nach etwa zwei Wochen bis einem Monat kommen die Jungen zur Welt. Je wärmer das Wasser, desto kürzer dauert die Tragzeit. Beim Langschnäuzigen Seepferdchen sind es meist 21 Tage.
- Die Geburt findet meist nachts statt. Das Männchen zieht sich stundenlang zusammen und stößt die Jungen aus der Tasche.
Die Jungen sehen aus wie winzige Erwachsene. Die meisten sind bei der Geburt 7 bis 12 Millimeter groß. Von Anfang an sind sie auf sich allein gestellt, die Eltern kümmern sich nicht weiter um sie. Wie viele Junge ein Männchen bekommt, hängt von der Art und seiner Größe ab: Meist sind es 100 bis 200, bei kleinen Arten auch nur 5. Ein Männchen der Art Hippocampus reidi brachte einmal 1.572 Junge zur Welt.
Feinde
Erwachsene Seepferdchen haben vermutlich wenige Feinde. Sie sind gut getarnt, bewegen sich wenig, und ihre Knochenplatten und Stacheln machen sie zu einer unattraktiven Beute. Trotzdem fand man sie schon in den Mägen großer Raubfische wie Thunfisch und Goldmakrele. Auch Rochen, Pinguine und andere Wasservögel fressen Seepferdchen, sogar im Magen einer Unechten Karettschildkröte wurde eines entdeckt. Krabben sind wohl ebenfalls gefährlich, darauf deuten verletzte Schwänze hin. Am stärksten bedroht sind die Jungen, die vielen Fischen zum Opfer fallen. Für manche Bestände ist allerdings der Mensch der größte Feind.
Gefährdung und Handel
Seepferdchen sind besonders empfindlich gegenüber Überfischung. Der wichtigste Grund für den Rückgang ist nicht der gezielte Fang, sondern der Beifang: Grundschleppnetze, die eigentlich Garnelen fangen sollen, holen viele Seepferdchen mit aus dem Meer. Dazu kommen die Zerstörung von Seegraswiesen und Flussmündungen, Verschmutzung, eingeschleppte Arten und der Klimawandel.
Gleichzeitig werden Seepferdchen in großer Zahl gehandelt. Project Seahorse schätzt den Handel auf zig Millionen Tiere aus mehr als 20 Arten, die von rund 80 Ländern aus- und eingeführt werden. Die meisten Tiere werden getrocknet verkauft, vor allem für die Traditionelle Chinesische Medizin, in der Seepferdchen seit mehr als 600 Jahren verwendet werden. Ein Teil wird lebend für Aquarien gefangen. Größter Exporteur ist offenbar Thailand, gefolgt von Guinea und Senegal. Getrocknete Seepferdchen gehen vor allem nach China, Taiwan und Hongkong, lebende Tiere vor allem in die USA.
Schutz durch CITES: 2002 beschlossen die Vertragsstaaten, Seepferdchen in Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) aufzunehmen. Sie waren die ersten Meeresfische überhaupt, die auf diese Liste gewählt wurden. Seit die Regel gilt, darf ein Land Seepferdchen nur ausführen, wenn es mit einer Genehmigung bestätigt, dass die Tiere legal gefangen wurden und die Ausfuhr den Beständen in der Natur nicht schadet.
Rote Liste: Die IUCN bewertet jede Seepferdchen-Art einzeln, deshalb gibt es für die ganze Gruppe keinen gemeinsamen Status. Für viele Arten fehlen Daten. Die beiden europäischen Arten wurden 2026 eingestuft: Das Kurzschnäuzige Seepferdchen gilt als nicht gefährdet (LC), das Langschnäuzige Seepferdchen als potenziell gefährdet (NT).
Häufige Fragen zu Seepferdchen
Ist ein Seepferdchen ein Fisch?
Ja. Auch wenn es nicht so aussieht, ist das Seepferdchen ein Fisch. Es gehört wie Lachs und Thunfisch zu den Strahlenflossern und bildet mit den Seenadeln eine gemeinsame Familie.
Stimmt es, dass männliche Seepferdchen schwanger werden?
Ja. Das Weibchen legt die Eier in die Bruttasche des Männchens. Dort werden sie befruchtet und zwei bis vier Wochen lang versorgt, bis das Männchen die fertigen Jungen zur Welt bringt.
Wie viele Babys bekommt ein Seepferdchen?
Meist 100 bis 200 auf einmal, bei kleinen Arten nur wenige. Der bekannte Rekord liegt bei 1.572 Jungen eines Männchens der Art Hippocampus reidi. Nach der Geburt müssen die Jungen allein zurechtkommen.
Was fressen Seepferdchen?
Seepferdchen fressen nur lebende Beute, vor allem kleine Krebstiere, außerdem Fischlarven und andere Kleintiere. Sie saugen die Beute mit ihrer röhrenförmigen Schnauze ein, denn Zähne haben sie nicht.
Gibt es Seepferdchen in der Nordsee?
Ja. Vor der Nordseeküste von Schleswig-Holstein lebt ein kleiner Bestand des Kurzschnäuzigen Seepferdchens. Die Art ist dort sehr selten.
Wie alt werden Seepferdchen?
Das ist in der Natur kaum erforscht. Die kleinsten Arten werden etwa ein Jahr alt, größere Arten im Mittel drei bis fünf Jahre. Für das Langschnäuzige Seepferdchen nimmt man vier bis sieben Jahre an.
Ähnliche Tiere
- Großer Fetzenfisch - ein Verwandter aus derselben Familie, mit blattartigen Hautlappen getarnt
- Koralle - Korallenriffe sind ein wichtiger Lebensraum vieler Seepferdchen
- Rochen - gehören zu den Fressfeinden der Seepferdchen
- Meeresschildkröte - im Magen einer Unechten Karettschildkröte wurde schon ein Seepferdchen gefunden
- Clownfisch - ein weiterer kleiner Fisch aus Korallenriffen
Quellen
- Seahorse FAQs - Project Seahorse, University of British Columbia
- Controlling legal trade - Project Seahorse, University of British Columbia
- Kurzschnäuziges Seepferdchen (Hippocampus hippocampus) - Rote-Liste-Zentrum, nach Thiel et al. (2025): Rote Liste der Fische und Neunaugen der marinen Gewässer Deutschlands
- Hippocampus hippocampus - FishBase
- Hippocampus guttulatus - FishBase
- IUCN Red List 2026: Pollom, R. et al.: Hippocampus hippocampus und Pollom, R. & Fonseca, C.: Hippocampus guttulatus