Sibirischer Tiger
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Kurz erklärt
Der Sibirische Tiger, auch Amurtiger genannt, lebt in den Wäldern im Südosten Russlands und im Nordosten Chinas. Er zählt zu den größten Tigern und hat ein besonders langes Fell. In den 1930er-Jahren gab es in Russland vermutlich nur noch 20 bis 30 dieser Tiger, bei der Zählung 2021/22 waren es dort wieder mindestens 750 Tiere einschließlich der Jungen. Die IUCN stuft den Tiger als stark gefährdet ein.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Panthera tigris altaica |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Tiger allgemein: Kopf-Rumpf-Länge 150 bis 230 cm, Schwanz 90 bis 110 cm; der Sibirische Tiger zählt zu den größten Tigern |
| Körpergewicht | Ältere Angaben (Mazák 1981): Männchen 180 bis 306 kg, Weibchen 100 bis 167 kg; solche Höchstwerte sind schwer zu überprüfen. Zum Vergleich: Tigermännchen allgemein im Schnitt etwa 160 kg |
| Ernährung | Fleischfresser: vor allem Sikahirsche, Wildschweine, Rehe und Rothirsche, daneben Dachse, Marderhunde, Hasen und Kragenbären |
| Lebenserwartung | In Zoos im Mittel 16 Jahre (Männchen) und 14,3 Jahre (Weibchen) |
| Sozialverhalten | Einzelgänger; Weibchen-Reviere 100 bis 400 km², Männchen-Reviere bis 1.379 km² |
| Herkunft | Nordostasien |
| Verbreitung | Russischer Ferner Osten (Region Primorje, Region Chabarowsk, Jüdisches Autonomes Gebiet, Amur-Gebiet) und Nordosten Chinas; früher auch auf der Koreanischen Halbinsel Asien |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1844 durch Temminck nach einem Tier aus Korea |
| Gefährdung | EN Stark gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2022) |
| Sonstiges | Die Unterart wird von der IUCN nicht getrennt bewertet, der Gefährdungsstatus gilt für die Art Tiger (Panthera tigris). |
Der Tiger aus dem Schnee
Der Sibirische Tiger (Panthera tigris altaica) ist der Tiger des kalten Nordostens Asiens. Er wird auch Amurtiger genannt. Seine Heimat sind die Wälder im Fernen Osten Russlands und im Nordosten Chinas, Gegenden, in denen im Winter immer Schnee liegt. Früher lebte er auch auf der Koreanischen Halbinsel. Nach einem Tier aus Korea beschrieb der Zoologe Temminck die Unterart im Jahr 1844.
Eigene Unterart oder nicht?
Lange unterschied man sechs heute noch lebende Tiger-Unterarten, darunter den Sibirischen Tiger, den Königstiger (Bengaltiger), den Indochinesischen Tiger, den Malaysia-Tiger, den Sumatra-Tiger und den Südchinesischen Tiger.
2017 veröffentlichte eine Arbeitsgruppe der IUCN-Katzenexperten um A. C. Kitchener eine neue Einteilung der Katzen. Danach gibt es nur noch zwei Unterarten:
- Panthera tigris tigris auf dem asiatischen Festland, zu dem auch der Sibirische Tiger gehört
- Panthera tigris sondaica auf den Sunda-Inseln (Sumatra, früher auch Java und Bali)
Die Festlandtiger beschreibt die Arbeitsgruppe als größer, mit hellerem Fell und weniger Streifen. Die nördlichen Tiger (früher altaica und der ausgestorbene Kaspische Tiger virgata) unterscheiden sich in Körperbau und Lebensweise deutlich von den südlichen. Eine Studie von 2015 schlug deshalb vor, sie im Artenschutz als eigene Einheit zu behandeln. Erbgut-Untersuchungen haben gezeigt, dass Sibirischer und Kaspischer Tiger sehr eng verwandt sind. Andere Fachleute halten an mehr Unterarten fest. Die IUCN-Katzenexperten prüfen die Einteilung derzeit erneut. In Fachartikeln und in den russischen Zählberichten heißt er weiterhin Panthera tigris altaica.
Aussehen und Körperbau
Der Tiger ist die größte lebende Katzenart. Wie groß ein Tiger wird, hängt aber stark davon ab, wo er lebt. Im Norden sind Tiger größer als im Süden. Ein schwerer Körper hat im Verhältnis zu seiner Größe weniger Oberfläche und verliert deshalb weniger Wärme. Das hilft in kalten Wintern.
Wie schwer wird ein Sibirischer Tiger? Eine ältere Übersicht von 1981 nennt den Amurtiger den größten Tiger und gibt für Männchen 180 bis 306 Kilogramm an, für Weibchen 100 bis 167 Kilogramm. Ein neueres Handbuch von 2011 zählt Amur-, Bengal- und Kaspischen Tiger gemeinsam zu den größten Tigern. Fachleute weisen darauf hin, dass Rekordgewichte von Tigern schwer zu überprüfen sind, weil viele Berichte unzuverlässig sind und unterschiedlich gemessen wurde. Zum Vergleich: Ein erwachsenes Tigermännchen wiegt im Durchschnitt etwa 160 Kilogramm. Für Tiger allgemein gibt die Cat Specialist Group eine Kopf-Rumpf-Länge von 150 bis 230 Zentimetern und einen Schwanz von 90 bis 110 Zentimetern an.
Männchen sind deutlich größer als Weibchen. Bei den nördlichen Tigern ist dieser Unterschied besonders ausgeprägt.
Das Winterfell: Tiger aus dem Norden sind meist heller gefärbt als ihre Verwandten in den Tropen. Ihr Fell ist dichter und länger: Auf dem Rücken werden die Haare 40 bis 60 Millimeter lang, bei südlichen Tigern nur 7 bis 29 Millimeter. Der Sibirische Tiger hat von allen Tigern das längste Fell an Hals, Rücken und Bauch. Er wechselt sein Fell zweimal im Jahr, im Frühling und im Herbst.
Verbreitung und Lebensraum
Früher lebten Tiger in weiten Teilen Nordostasiens, im Nordosten Chinas, auf der Koreanischen Halbinsel und im Süden des Russischen Fernen Ostens. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts schrumpfte ihr Gebiet stark.
Heute lebt der größte Bestand im Sichote-Alin-Gebirge in Russland. Rund 4.000 Quadratkilometer des Tigergebiets im Sichote-Alin wurden 2001 zum UNESCO-Welterbe erklärt. Ein kleinerer Bestand lebt im Südwesten der Region Primorje an der Grenze zu China und Nordkorea. Eine Zone mit Straßen, Eisenbahnlinien, Feldern und Siedlungen trennt ihn vom Hauptbestand. Diese Tiger wandern auch über die Grenze nach China, wo es inzwischen den Nordostchinesischen Tiger-und-Leoparden-Nationalpark gibt. Im Kleinen Chingan-Gebirge nördlich des Amur ist eine neue Gruppe entstanden: Dort wurden verwaiste und auffällig gewordene Tiger nach einer Pflege wieder ausgewildert.
Im Südwesten von Primorje sind Wälder mit Koreakiefern (Pinus koraiensis) und Mongolischen Eichen (Quercus mongolica) die wichtigsten Lebensräume. Dort finden Hirsche und Wildschweine viel Nahrung, und damit auch der Tiger.
Ernährung
Der Sibirische Tiger ist ein reiner Fleischfresser und jagt vor allem große Huftiere. Im Südwesten von Primorje lebt er hauptsächlich von drei Arten:
- Sikahirsche
- Wildschweine
- Sibirische Rehe (Capreolus pygargus)
Daneben erbeutet er Dachse, Marderhunde, Mandschurische Hasen (Lepus mandshuricus) und sogar Kragenbären. In anderen Teilen Russlands gehören auch Rothirsche zur Beute.
Tiger jagen meist aus dem Hinterhalt, suchen aber auch aktiv nach Beute. Nach dem Töten ziehen sie das Tier oft in Deckung und kommen später zurück, um weiterzufressen. Bei Amurtigern waren in einer Studie weniger als 30 Prozent der Jagdversuche erfolgreich.
Fehlen die Wildschweine, wird es für den Tiger knapp: Die Afrikanische Schweinepest hat in Teilen seines Gebiets viele Wildschweine getötet.
Verhalten und Lebensweise
Tiger sind Einzelgänger. Weibchen verteidigen ein eigenes Revier, Männchen streifen weit umher und suchen nach Weibchen. Weil die Beute im Fernen Osten ungleichmäßig verteilt ist und mit den Jahreszeiten wandert, brauchen Sibirische Tiger riesige Reviere:
- Weibchen: 100 bis 400 Quadratkilometer
- Männchen: bis zu 1.379 Quadratkilometer
Zum Vergleich: Im Chitwan-Nationalpark in Nepal kommen Tigerweibchen mit 10 bis 39 Quadratkilometern aus. Im Sichote-Alin leben nur etwa 0,13 bis 0,45 Tiger auf 100 Quadratkilometern, in beutereichen Gebieten Indiens sind es bis zu 19.
Im Sichote-Alin überschneiden sich die Reviere der Weibchen kaum. Die Reviere der Männchen überlappen dagegen stark, die Tiere halten sich aber meist nicht zur selben Zeit am selben Ort auf.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Tiger treffen sich nur zur Paarung. Ein Weibchen ist etwa sieben Tage lang paarungsbereit.
- Tragzeit: etwa 103 Tage
- Wurfgröße: 1 bis 5 Junge
- Geburtsgewicht: etwa 780 bis 1.600 Gramm
- Bei der Geburt: Augen und Ohren sind noch geschlossen
Die Jungen bleiben lange bei der Mutter. Selbstständig werden sie mit 18 bis 28 Monaten. Ein Weibchen bekommt im Durchschnitt nur alle 20 bis 24 Monate Junge, manchmal erst nach drei Jahren.
Bei den Zählungen in Russland machten Jungtiere einen großen Teil des Bestands aus: 2014/15 waren es 98 bis 100 von 523 bis 540 Tigern, 2021/22 rund 200 bis 210 von 751 bis 787 Tigern.
In Zoos werden Sibirische Tiger im Mittel 16 Jahre (Männchen) beziehungsweise 14,3 Jahre (Weibchen) alt.
Wie viele Sibirische Tiger gibt es noch?
Der Sibirische Tiger stand kurz vor dem Aussterben. In den 1930er-Jahren lebten in Russland vermutlich nur noch 20 bis 30 Tiger. Seitdem hat sich der Bestand langsam erholt. In Russland werden die Tiger etwa alle zehn Jahre über ihre Spuren im Schnee gezählt, unterstützt von Fotofallen. An einer solchen Zählung sind über 1.500 Fachleute beteiligt.
| Zählung | Tiger im Russischen Fernen Osten |
|---|---|
| 1996 | 415 bis 476 |
| 2005 | 428 bis 502 |
| 2014/15 | 523 bis 540 |
| 2021/22 | 751 bis 787 |
Die Zahlen für 2014/15 und 2021/22 schließen die Jungtiere ein.
Die Zählung 2021/22 fand schon nach sieben statt nach zehn Jahren statt, weil die Afrikanische Schweinepest die Wildschweine dezimiert hatte. Das Ergebnis war erfreulich: mindestens 750 Tiger einschließlich der Jungtiere. Die meisten leben in der Region Primorje, gefolgt von der Region Chabarowsk. Das Kerngebiet der Tiger hat sich seit 2014/15 um fast 39.000 Quadratkilometer vergrößert.
Nach Angaben des russischen Amur-Tiger-Zentrums von 2026 ist der Bestand seitdem stabil geblieben. Es gebe weiterhin mindestens 750 Amurtiger, darunter mehr als 500 erwachsene Tiere. Im Amur-Gebiet, wo eine ausgewilderte Tigerin namens Elena im Winter 2022/23 Junge bekam, leben inzwischen mindestens sechs Tiger in Freiheit.
Auch in China gibt es wieder Tiger. Im Nordostchinesischen Tiger-und-Leoparden-Nationalpark wurden 2021 bis zu 60 Tiger erfasst, darunter 10 Jungtiere. Schätzungen zufolge leben aber nur etwa 14 bis 16 erwachsene Tiger überwiegend auf der chinesischen Seite, viele der erfassten Tiger wechseln zwischen China und Russland hin und her.
Gefährdung und Schutz
Die IUCN bewertet den Sibirischen Tiger nicht als eigene Unterart. Die Art Tiger stuft sie als stark gefährdet (Endangered) ein, zuletzt 2022. Weltweit lebten 2021 nach Schätzung 3.726 bis 5.578 Tiger ohne Jungtiere.
Die größten Bedrohungen für Tiger sind:
- Wilderei: Tiger werden für Fell, Knochen und andere Körperteile getötet, die vor allem in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet werden.
- Verlust und Zerschneidung des Lebensraums: Straßen, Siedlungen und Holzeinschlag zerteilen die Wälder.
- Mangel an Beute: wenn Hirsche und Wildschweine gejagt werden oder an Seuchen sterben
- Krankheiten: Im Sichote-Alin-Schutzgebiet starben Tiger an Hundestaupe.
- Konflikte mit Menschen: Tiger, die Vieh reißen, werden oft getötet.
Weil die Bestände in der Vergangenheit sehr klein waren, haben Sibirische Tiger eine geringe genetische Vielfalt. Der kleine Bestand im Südwesten von Primorje hat sich durch seine Abtrennung vom Hauptbestand auch genetisch etwas abgesondert.
Der Tiger steht in Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens, der internationale Handel ist verboten. In Russland ist die Jagd auf Tiger verboten. 2010 trafen sich die Regierungen von 13 Tigerländern in St. Petersburg und beschlossen, die Zahl der wilden Tiger zu verdoppeln. Nach Angaben des Amur-Tiger-Zentrums hat Russland seine Zusagen aus diesem Programm erfüllt.
Häufige Fragen zum Sibirischen Tiger
Ist der Sibirische Tiger der größte Tiger?
Er zählt zu den größten Tigern. Eine ältere Übersicht nennt ihn den größten Tiger überhaupt, ein neueres Handbuch zählt Amur-, Bengal- und Kaspischen Tiger gemeinsam zu den größten. Wie schwer die größten Tiere wirklich werden, ist schwer zu belegen.
Wie schwer wird ein Sibirischer Tiger?
Ältere Angaben nennen für Männchen 180 bis 306 Kilogramm und für Weibchen 100 bis 167 Kilogramm. Solche Rekordwerte sind schwer zu überprüfen. Ein erwachsenes Tigermännchen wiegt im Durchschnitt etwa 160 Kilogramm.
Wie viele Sibirische Tiger gibt es noch?
Bei der Zählung 2021/22 lebten in Russland 751 bis 787 Tiger einschließlich der Jungtiere, also mindestens 750. Dazu kommen einige Tiger auf der chinesischen Seite der Grenze.
Wo lebt der Sibirische Tiger?
Im Fernen Osten Russlands, vor allem in den Regionen Primorje und Chabarowsk, und im Nordosten Chinas. Der größte Bestand lebt im Sichote-Alin-Gebirge.
Was frisst ein Sibirischer Tiger?
Vor allem Sikahirsche, Wildschweine und Rehe. Daneben erbeutet er Dachse, Marderhunde, Hasen und manchmal sogar Kragenbären.
Ist der Sibirische Tiger vom Aussterben bedroht?
Die IUCN stuft den Tiger als stark gefährdet ein. Der Sibirische Tiger war in den 1930er-Jahren fast ausgerottet, sein Bestand in Russland ist seitdem aber deutlich gewachsen.
Ähnliche Tiere
- Tiger - die Art, zu der der Sibirische Tiger gehört
- Königstiger - der Tiger Indiens
- Südchinesischer Tiger - in freier Natur vermutlich ausgestorben
- Sumatra-Tiger - der kleinste heute lebende Tiger
- Leopard - im Fernen Osten lebt eine seltene Unterart in denselben Wäldern
- Kragenbär - Nachbar und gelegentliche Beute
Quellen
- Goodrich, J. et al. (2022): Panthera tigris. The IUCN Red List of Threatened Species 2022
- Tiger - IUCN SSC Cat Specialist Group
- Darman, Y. & Matiukhina, D. (2025): Winter Track Survey of the Amur Tiger (Panthera tigris altaica) in the Southwest Primorsky Province of Russia. Wildlife Letters
- Aramilev, S. & Shorshin, A. (2026): Summary report on the Amur tiger population in Russia. Amur Tiger Center, Vortrag bei NEASPEC
- Tiger (Panthera tigris) Fact Sheet - San Diego Zoo Wildlife Alliance Library
- Kitchener, A. C. et al. (2017): A revised taxonomy of the Felidae. Cat News Special Issue 11