Siebenschläfer
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Kurz erklärt
Der Siebenschläfer ist ein kleines Nagetier mit grauem Fell, großen dunklen Augen und buschigem Schwanz. Er ist der größte Bilch in Deutschland, lebt in Laub- und Mischwäldern und klettert nachts in den Bäumen herum. Seinen Namen hat er vom langen Winterschlaf, der rund sieben Monate dauert. In Jahren mit wenig Bucheckern kann er sogar bis zu elf Monate schlafen.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Glis glis |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Kopf-Rumpf-Länge 12 bis 18 cm, dazu 10 bis 15 cm Schwanz |
| Körpergewicht | Meist etwa 100 bis 200 g, vor dem Winterschlaf bis rund 270 g |
| Ernährung | Vor allem pflanzlich: Bucheckern, Eicheln, Haselnüsse, Früchte, Knospen und Blätter; gelegentlich Insekten und Vogeleier |
| Lebenserwartung | Bis 9 Jahre, einzelne Tiere bis 13 Jahre |
| Sozialverhalten | Einzelgänger oder Weibchen mit Jungen, verteidigt sein Revier |
| Herkunft | Europa und Westasien |
| Verbreitung | Große Teile Europas bis zum Kaukasus und Nordanatolien; in England eingeführt AsienEuropa |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1766 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2021) |
Aussehen und Körperbau
Der Siebenschläfer sieht aus wie eine Mischung aus Maus und Eichhörnchen. Kopf und Rumpf erinnern an eine Maus, der lange, buschige Schwanz an ein Eichhörnchen. Er ist aber deutlich kleiner als ein Eichhörnchen.
Größe und Gewicht: Kopf und Rumpf messen 12 bis 18 cm, dazu kommt ein 10 bis 15 cm langer Schwanz. Insgesamt wird ein Siebenschläfer also bis zu 30 cm lang. Sein Gewicht schwankt stark mit der Jahreszeit: Meist wiegt er etwa 100 bis 200 g. Kurz vor dem Winterschlaf hat er sich so viel Fett angefressen, dass er bis rund 270 g wiegen kann.
Fell und Gesicht: Das Fell ist dicht und graubraun, der Bauch weiß. Entlang der Wirbelsäule ist der Rücken etwas dunkler. Die Ohren sind rundlich, die Augen groß und schwarz.
Schnurrhaare: Die Tasthaare im Gesicht werden bis zu 6 cm lang. Damit prüft der Siebenschläfer im Dunkeln zum Beispiel, ob er durch ein Loch passt. Zusätzlich hat er behaarte Tasthügel im Gesicht, am Kinn und an den Unterarmen.
Kletterfüße: An den Pfoten sitzen Sohlenballen, die ein klebriges Sekret abgeben und wie Saugnäpfe wirken. Mit ihnen und den langen, beweglichen Zehen klettert der Siebenschläfer an Baumstämmen und sogar an senkrechten Wänden hoch. Der Schwanz hilft ihm, beim Klettern das Gleichgewicht zu halten.
Verbreitung und Lebensraum
Siebenschläfer leben in großen Teilen Europas, auch auf einigen Mittelmeerinseln. Im Osten reicht ihr Verbreitungsgebiet bis nach Russland, in den Kaukasus und in den Norden der Türkei.
In Deutschland: Vor allem im Süden sind Siebenschläfer häufig. Im Norden sind die Bestände in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgegangen.
Lebensraum: Am liebsten wohnen Siebenschläfer in großen Laub- und Mischwäldern mit alten Eichen und Buchen. Solche Bäume tragen erst nach etwa 20 Jahren die Früchte, von denen sich der Siebenschläfer ernährt. Reine Nadelwälder meidet er. Auch in der Nähe von Menschen fühlt er sich wohl, zum Beispiel an Streuobstwiesen, in großen Gärten und bei Scheunen.
Schlafplätze: Den Tag verschläft der Siebenschläfer in Baumhöhlen, oft in alten Höhlen von Bunt- oder Schwarzspechten, in Nistkästen oder in Erdlöchern. Manchmal zieht er in Gartenhäuschen oder auf Dachböden ein. Dort fällt er nachts durch Poltern und Quieken auf.
Eingeschleppt nach England: In England gab es ursprünglich keine Siebenschläfer. 1902 brachte der britische Zoologe Walter Rothschild einige Tiere nach Tring in der Grafschaft Hertfordshire, wo sie sich in der Natur ausbreiteten. Heute leben in den Wäldern der Chiltern Hills nach einer Schätzung von 2018 rund 23.000 Siebenschläfer.
Ernährung
Der Siebenschläfer frisst überwiegend pflanzliche Nahrung, und was er frisst, ändert sich mit den Jahreszeiten.
- Frühling und Sommer: Knospen, junge Triebe, Blätter, Rinde, Pilze und Früchte wie Brombeeren, Holunderbeeren und Äpfel
- Herbst: fettreiche Baumfrüchte wie Bucheckern, Eicheln, Haselnüsse und Kastanien. Mit ihnen frisst er sich den Winterspeck an.
- Tierische Nahrung: Gelegentlich ergänzt er seinen Speiseplan mit Insekten, Vogeleiern oder jungen Vögeln.
Bucheckern sind besonders wichtig. Buchen tragen nicht jedes Jahr gleich viele Früchte. Alle drei bis sechs Jahre gibt es ein sogenanntes Mastjahr mit sehr vielen Bucheckern. Wie gut es einem Siebenschläfer geht und ob er Junge bekommt, hängt stark davon ab.
Verhalten und Lebensweise
Nachts aktiv: Siebenschläfer sind nachtaktive Tiere. Erst bei Einbruch der Dunkelheit verlassen sie ihr Versteck und suchen in den Baumkronen nach Nahrung. Auf den Boden kommen sie selten. Ihre Sinne sind an die Nacht angepasst: Sie hören sehr gut, haben einen feinen Geruchssinn und einen ausgezeichneten Tastsinn.
Revier: Siebenschläfer leben allein oder in kleinen Familiengruppen aus einem Weibchen und seinen Jungen. Gegenüber anderen Siebenschläfern verteidigen sie ihr Revier heftig. Männchen und Weibchen treffen sich nur zur Paarung.
Schwanz als Notbremse: Packt ein Feind den Siebenschläfer am Schwanz, reißt die Haut an einer Sollbruchstelle ab und rutscht von den Schwanzwirbeln. Der Siebenschläfer kann entkommen. Die nackten Wirbel fallen später ab oder werden abgenagt. Die Wunde heilt, nur der Schwanz bleibt etwas kürzer.
Der lange Winterschlaf
In Deutschland halten Siebenschläfer meist von September oder Oktober bis Mai oder Juni Winterschlaf. Daher kommt ihr Name: Der Winterschlaf dauert rund sieben Monate.
Das Winternest: Viele Siebenschläfer graben sich dafür 50 bis 100 cm tief in den Boden ein, wo es frostfrei bleibt. Das Nest polstern sie mit Laub und Moos aus. Manche überwintern auch in Baumhöhlen, Nistkästen oder in Nischen von Gebäuden. In warmen Gebäuden schlafen sie kürzer oder gar nicht.
Sparflamme: Im Winterschlaf fährt der Körper alle Funktionen herunter. Herz und Atmung arbeiten nur noch ganz langsam, und die Körpertemperatur sinkt stark ab. Trotzdem verlieren die Tiere im Winter 35 bis 50 % ihres Körpergewichts.
Bis zu elf Monate: Forschende haben im Wienerwald die Körpertemperatur von 17 Siebenschläfern in einem Jahr ohne Buchenmast gemessen. Acht Tiere legten sich schon im Juni oder Juli wieder schlafen. Fünf von ihnen schliefen elf Monate oder länger am Stück. Für ein frei lebendes Säugetier war so ein langer Winterschlaf bis dahin noch nie nachgewiesen worden.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Etwa vier Wochen nach dem Aufwachen, im Juni, beginnt die Paarungszeit. Siebenschläfer bekommen höchstens einmal im Jahr Junge. Das Weibchen richtet dafür ein Nest in einer Baumhöhle oder einem Nistkasten ein und polstert es mit Haaren, Federn und anderem weichem Material aus. Um die Jungen kümmert es sich allein.
Die Jungen: Nach einer Tragzeit von rund vier Wochen kommen meist vier bis sechs Junge zur Welt, selten deutlich mehr. Die Geburt fällt meist in den August. Die Jungen sind bei der Geburt nackt, blind und taub. Nach rund sechs Wochen trinken sie keine Milch mehr, mit etwa zwei Monaten sind sie selbstständig. Viel Zeit bis zum ersten Winterschlaf bleibt ihnen nicht, deshalb brauchen sie ein reiches Nahrungsangebot.
Nur in guten Jahren: Siebenschläfer bekommen fast nur dann Junge, wenn im Herbst viele Bucheckern zu erwarten sind. Blühen die Buchen im Frühling nur schwach, verzichten sie auf die Fortpflanzung und sparen ihre Kraft für den nächsten Winter. Wie die Tiere das vorab erkennen, ist noch nicht vollständig geklärt.
Lange Lebensdauer: Für ein Nagetier werden Siebenschläfer sehr alt. Viele erreichen bis zu 9 Jahre, einzelne Tiere sogar 13 Jahre. Auch im hohen Alter können sie noch Junge bekommen. So gleichen sie Jahre ohne Nachwuchs aus.
Feinde und Gefährdung
Feinde: Zu den natürlichen Feinden gehören Baummarder, Mauswiesel, Waldkauz und andere größere Eulen. Auch Hauskatzen erbeuten Siebenschläfer. Wer sich im Herbst nicht genug Fett anfressen kann, hat schlechte Chancen, den Winterschlaf zu überstehen.
Gefährdung: Weltweit gilt der Siebenschläfer als nicht gefährdet (LC) (IUCN, 2021). In Deutschland ist der wichtigste Grund für Rückgänge der Verlust naturnaher Mischwälder mit alten und abgestorbenen Bäumen. In eintönigen Wirtschaftswäldern fehlen ihm Baumhöhlen und Nahrung. Weil er auf solche Wälder angewiesen ist, gilt er als Zeigerart für intakte Mischwälder.
Besonderheiten
Delikatesse der Römer: Im alten Rom wurden Siebenschläfer in besonderen Tongefäßen gehalten, gemästet und dann gegessen. Darauf geht auch der englische Name „edible dormouse“ zurück, auf Deutsch etwa „essbarer Bilch“.
Siebenschläfertag: Die Bauernregel zum 27. Juni hat nichts mit dem Tier zu tun. Der Name stammt von der christlichen Legende der „Sieben Schläfer von Ephesus“.
Tier des Jahres: 2004 war der Siebenschläfer Tier des Jahres der Deutschen Wildtier Stiftung.
Häufige Fragen zum Siebenschläfer
Warum heißt der Siebenschläfer Siebenschläfer?
Sein Name kommt vom langen Winterschlaf, der ungefähr sieben Monate dauert. In Deutschland schläft er meist von September oder Oktober bis Mai oder Juni. In schlechten Jahren kann er auch bis zu elf Monate schlafen.
Was frisst ein Siebenschläfer?
Er frisst vor allem Pflanzenkost: im Frühling und Sommer Knospen, Blätter, Rinde, Pilze und Früchte, im Herbst fettreiche Bucheckern, Eicheln und Nüsse. Ab und zu frisst er auch Insekten, Vogeleier oder junge Vögel.
Wie groß und schwer wird ein Siebenschläfer?
Kopf und Rumpf sind 12 bis 18 cm lang, der Schwanz 10 bis 15 cm. Meist wiegt ein Siebenschläfer etwa 70 bis 200 g, vor dem Winterschlaf bis rund 270 g.
Wie alt wird ein Siebenschläfer?
Siebenschläfer werden bis zu 9 Jahre alt, einzelne sogar 13 Jahre. Das ist für ein so kleines Nagetier ungewöhnlich lang.
Ist der Siebenschläfer gefährlich oder schädlich?
Für Menschen ist er nicht gefährlich. Lästig kann er werden, wenn er auf einem Dachboden oder im Gartenhaus wohnt, weil er nachts poltert und quiekt.
Was ist der Unterschied zwischen Siebenschläfer und Eichhörnchen?
Der Siebenschläfer gehört zu den Bilchen, das Eichhörnchen zu den Hörnchen. Der Siebenschläfer ist deutlich kleiner, hat ein graubraunes Fell mit weißem Bauch und ist nur nachts unterwegs. Außerdem verbringt er rund sieben Monate im Winterschlaf, während Eichhörnchen keinen Winterschlaf halten.
Ähnliche Tiere
- Bilche - die Familie des Siebenschläfers, zu der auch Haselmaus und Gartenschläfer gehören
- Eichhörnchen - sieht ähnlich aus, ist aber größer und hält keinen Winterschlaf
- Streifenhörnchen - ein kleines Hörnchen, das den Winter in Winterruhe verbringt
- Murmeltier - ein weiterer Winterschläfer unter den Nagetieren
- Maus - mit dem Siebenschläfer nur entfernt verwandt
Quellen
- Steckbrief Siebenschläfer - Deutsche Wildtier Stiftung
- Der Siebenschläfer - ein ganz besonderes Wildtier - Deutsche Wildtier Stiftung
- Hoelzl, F. et al. (2015): How to spend the summer? Free-living dormice (Glis glis) can hibernate for 11 months in non-reproductive years. Journal of Comparative Physiology B 185, 931-939
- Edible dormouse - The Mammal Society
- Amori, G. et al. (2021): Glis glis. The IUCN Red List of Threatened Species
- Tanga, C., Remigio, M. & Viciano, J. (2022): Transmission of Zoonotic Diseases in the Daily Life of Ancient Pompeii and Herculaneum (79 CE, Italy). Animals 12(2), 213