Spatz
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Kurz erklärt
Spatz ist der volkstümliche Name für den Haussperling. Der kleine Singvogel lebt seit Jahrhunderten dort, wo Menschen wohnen, und ist mit 4,5 bis 6,5 Millionen Brutpaaren einer der häufigsten Vögel Deutschlands. Er ernährt sich vor allem von Körnern und Samen, füttert seine Jungen aber mit Insekten. Spatzen sind sehr gesellig und brüten am liebsten in kleinen Kolonien.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Passer domesticus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 14 bis 16 cm |
| Körpergewicht | 24 bis 31 g |
| Ernährung | Allesfresser: vor allem Körner und Samen, Jungvögel bekommen Insekten |
| Lebenserwartung | Meist wenige Jahre, Ringfunde bis 13 Jahre |
| Sozialverhalten | Sehr gesellig, brütet in kleinen Kolonien |
| Herkunft | Eurasien und Nordafrika |
| Verbreitung | Ursprünglich Eurasien und Nordafrika, vom Menschen nach Amerika, Australien, Neuseeland und ins südliche Afrika gebracht AfrikaAsienEuropaNordamerikaSüdamerikaAustralien |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2019) |
| Sonstiges | Bestand in Deutschland: 4,45 bis 6,45 Millionen Brutpaare (NABU). Weltweit schätzt BirdLife International den Bestand auf 896 Millionen bis 1,31 Milliarden erwachsene Vögel, der Trend ist rückläufig. |
Spatz oder Haussperling?
„Spatz" ist der volkstümliche Name, „Haussperling" der offizielle. Gemeint ist immer derselbe Vogel: Passer domesticus, ein kleiner Singvogel aus der Familie der Sperlinge. Wer „Spatz" sagt, meint fast immer den Haussperling - manchmal ist damit aber auch sein naher Verwandter, der Feldsperling, gemeint.
Der Haussperling gehört zu den erfolgreichsten Vögeln der Welt. BirdLife International schätzt den weltweiten Bestand auf 896 Millionen bis 1,31 Milliarden erwachsene Vögel. In Deutschland leben nach Angaben des NABU 4,45 bis 6,45 Millionen Brutpaare. Bei den NABU-Zählaktionen „Stunde der Gartenvögel" und „Stunde der Wintervögel" landet er regelmäßig auf Platz 1.
Aussehen und Körperbau
Der Haussperling ist 14 bis 16 cm groß und wiegt im Schnitt 27 g; die meisten Vögel liegen zwischen 24 und 31 g. Die Flügel messen von der Beuge bis zur Spitze etwa 77 mm.
Er wirkt gedrungen und kräftig. Auffällig sind:
- ein verhältnismäßig großer Kopf
- ein kurzer, kegelförmiger und sehr kräftiger Schnabel, mit dem er harte Körner knackt
- ein schwarz-braun gestreifter Rücken, den beide Geschlechter tragen
- kurze Beine, auf denen er am Boden hüpft statt zu laufen
Männchen und Weibchen unterscheiden
Anders als bei vielen Singvögeln sind die Geschlechter beim Haussperling leicht auseinanderzuhalten:
- Männchen haben einen aschgrauen Scheitel, graue Wangen, einen kastanienbraunen Streifen an den Kopfseiten sowie eine schwarze Kehle mit einem schwarzen Latz auf der Brust.
- Weibchen sind insgesamt unscheinbar grau und mattbraun gezeichnet, ohne Latz und ohne grauen Scheitel.
Wer in einem Trupp ein Weibchen erkennt, kann daraus schließen, dass die übrigen Vögel höchstwahrscheinlich ebenfalls Haussperlinge sind - denn beim Feldsperling sehen beide Geschlechter gleich aus.
Haussperling oder Feldsperling?
Die beiden Arten werden ständig verwechselt. Zwei Merkmale reichen zur Unterscheidung:
| Merkmal | Haussperling | Feldsperling |
|---|---|---|
| Kopfoberseite | grau (Männchen) | schokoladenbraun |
| Wange | einfarbig, kein Fleck | deutlicher schwarzer Fleck |
| Geschlechter | sehen unterschiedlich aus | sehen gleich aus |
| Größe | etwas größer | etwas kleiner |
| Lebensraum | Siedlungen, Städte, Höfe | Obstgärten, Hecken, Dörfer |
Beide Arten sind Höhlenbrüter und lassen sich nicht sauber in „Stadt" und „Land" aufteilen: Auch Haussperlinge sind auf Feldern unterwegs, und Feldsperlinge tauchen am Stadtrand auf.
Verbreitung und Lebensraum
Ursprünglich stammt der Haussperling aus Eurasien und Nordafrika. Von dort hat ihn der Mensch in fast alle bewohnten Teile der Erde gebracht: nach Nord- und Südamerika, nach Australien und Neuseeland sowie ins südliche Afrika. Die Einführung nach Nordamerika ist genau datiert: 1851 wurden in Brooklyn (New York) rund 100 Vögel aus England freigelassen.
Der Haussperling ist ein Kulturfolger. Er lebt praktisch nur dort, wo Menschen wohnen oder wirtschaften: in Städten und Dörfern, auf Bauernhöfen, in Kleingartenanlagen, Vorstadtvierteln und Parks. In unbewohnten Wäldern, Wüsten oder reinen Graslandschaften fehlt er.
Zwei Dinge braucht er das ganze Jahr über:
- Körner und Samen als verlässliche Nahrungsquelle
- Nischen und Höhlen zum Brüten, meist an Gebäuden
Haussperlinge sind Standvögel. Sie ziehen nicht weg, sondern bleiben das ganze Jahr in ihrer Umgebung. Deshalb kann man sie jeden Monat beobachten.
Ernährung
Der Haussperling ist in erster Linie ein Körnerfresser. Sein kräftiger Kegelschnabel ist genau dafür gebaut. Untersuchungen von Mageninhalten in den USA ergaben folgende Zusammensetzung:
- rund 60 Prozent Viehfutter wie Mais, Weizen und Hafer
- 18 Prozent Getreide von Feldern und aus Lagern
- 17 Prozent Samen von Wildkräutern
- 4 Prozent Insekten
Im Siedlungsraum kommen Knospen, Brotkrümel und Speisereste dazu. In Städten sieht man Spatzen regelmäßig unter den Tischen von Straßencafés nach Krümeln suchen. Auch am Futterhäuschen gehören sie zu den ersten Gästen.
Eine wichtige Ausnahme ist die Brutzeit: Die Jungen bekommen tierische Nahrung, vor allem Insekten und deren Larven. Ohne genügend Insekten in der Nähe des Nestes wächst eine Spatzenbrut nicht auf.
Verhalten und Lebensweise
Der Spatz ist ein ausgesprochen geselliger Vogel. Er sucht in Trupps nach Futter, badet gemeinsam in Pfützen und nimmt gern Sandbäder, um Parasiten aus dem Gefieder zu bekommen.
Sein Ruf ist sein Markenzeichen: ein rhythmisches „tschilp", das vom Dach oder aus einer Hecke schallt. Bei Aufregung geht das Tschilpen in lautes Gezeter über.
So gesellig er sonst ist, so entschlossen verteidigt er sein Nest. Ein Spatzenpaar bewacht nur ein kleines Gebiet rund um die Bruthöhle, nicht aber sein Futterrevier. Nach Angaben des Animal Diversity Web wurden Haussperlinge dabei beobachtet, wie sie 70 verschiedene Vogelarten aus ihrer Nestumgebung vertrieben. Dabei greifen Männchen Männchen an und Weibchen Weibchen.
Am Boden bewegt sich der Spatz hüpfend fort. Sein Flug ist geradlinig, mit durchgehendem Flügelschlag und ohne lange Gleitphasen.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Haussperlinge leben in der Brutzeit in einer einehigen Partnerschaft und brüten gern in lockeren Kolonien, also mehrere Paare nah beieinander.
Bei der Wahl des Nistplatzes sind sie nicht wählerisch. Meist nutzen sie Nischen und Höhlen an Gebäuden, auch Baumhöhlen, gelegentlich bauen sie ein freies Nest in einem dichten Busch. Nistkästen mit großer Einflugöffnung nehmen sie gern an. Das Nest besteht aus trockenen Pflanzenteilen, Federn, Schnüren und Papier.
Der Ablauf einer Brut:
- Gelege: typisch 4 bis 5 Eier, beobachtet wurden 2 bis 7. Ein Ei misst etwa 22 x 16 mm und wiegt rund 2,9 g.
- Brutdauer: etwa 12 bis 15 Tage.
- Nestlingszeit: rund 14 bis 17 Tage. Die Jungen schlüpfen nackt und blind und werden von beiden Eltern gefüttert.
- Bruten pro Jahr: meist 2 bis 3, ausnahmsweise 4.
Schon am Ende ihres ersten Lebensjahres sind Spatzen geschlechtsreif. Die meisten Vögel leben nur wenige Jahre. Der älteste in Großbritannien beringte Haussperling erreichte 12 Jahre und 12 Tage, ein nordamerikanischer Ringfund nennt 13 Jahre und 4 Monate.
Der Spatz und der Mensch
Kaum ein Vogel steckt in so vielen Redewendungen: „Dreckspatz", „Spatzenhirn", „Das pfeifen die Spatzen von den Dächern". Beliebt war der Spatz allerdings nicht immer. Weil er sich an Getreide auf den Feldern bediente, galt er lange als Schädling.
Eine Verordnung von 1745 gegen die „Spatzenplage" stellte fest, dass die Vögel dem Landmann erheblichen Schaden zufügten, und befahl allen Bürgern, jedes Jahr 20 Spatzenköpfe abzuliefern. Erst im 20. Jahrhundert änderte sich der Blick auf den Vogel grundlegend.
2002 wählte der NABU den Haussperling zum Vogel des Jahres, um auf seinen Rückgang aufmerksam zu machen.
Gefährdung: warum es weniger Spatzen gibt
Weltweit stuft die Weltnaturschutzunion IUCN den Haussperling als nicht gefährdet (LC) ein. Die Einstufung von 2016 wurde 2019 veröffentlicht. Der weltweite Bestand ist riesig, der Trend aber rückläufig: In Europa zeigen Daten von 1980 bis 2013 einen deutlichen Rückgang.
In Deutschland gilt die Art als nicht gefährdet, der NABU meldet zuletzt einen stabilen Bestand. Trotzdem nimmt die Zahl der Vögel, die man in Gärten zählt, seit Jahren ab. Die Gründe:
- Weniger Nistplätze. Bei der energetischen Sanierung von Häusern werden Fassaden glatt verputzt und Lücken geschlossen. Genau diese Nischen braucht der Spatz zum Brüten.
- Weniger Nahrung. Versiegelte Flächen und kurz gemähte Rasen liefern kaum noch Samen. Auch Insekten für die Jungenaufzucht fehlen.
- Weniger Struktur. Pflasterflächen und Schottergärten ersetzen Hecken, Stauden und offene Sandstellen.
Helfen kann man ihm einfach: Nistkästen mit großer Öffnung aufhängen - am besten als „Spatzenhaus" mit mehreren Kammern nebeneinander, weil Spatzen gern in Gemeinschaft brüten. Dazu heimische Sträucher und samentragende Stauden pflanzen, eine offene Sandstelle zum Baden freilassen und eine flache Wasserschale bereitstellen.
Häufige Fragen zum Spatz
Ist der Spatz dasselbe wie der Haussperling?
Ja. „Spatz" ist der volkstümliche Name, „Haussperling" der wissenschaftlich korrekte deutsche Name für Passer domesticus. Gelegentlich wird auch der nah verwandte Feldsperling umgangssprachlich Spatz genannt.
Wie groß und wie schwer ist ein Spatz?
Er wird 14 bis 16 cm groß und wiegt durchschnittlich 27 g; die meisten Vögel liegen zwischen 24 und 31 g. Zum Vergleich: Eine Tafel Schokolade wiegt rund viermal so viel.
Was fressen Spatzen?
Vor allem Körner und Samen: Getreide, Wildkräutersamen und Vogelfutter. In Städten nehmen sie auch Knospen, Brotkrümel und Essensreste. Ihre Jungen füttern sie dagegen mit Insekten und Larven, denn Körner könnten die Küken noch nicht verdauen.
Wie unterscheide ich Haussperling und Feldsperling?
Am Kopf. Der Feldsperling hat einen schokoladenbraunen Scheitel und einen deutlichen schwarzen Fleck auf der Wange. Beim männlichen Haussperling ist der Scheitel grau und die Wange fleckenlos. Beim Feldsperling sehen zudem Männchen und Weibchen gleich aus.
Wie viele Junge bekommt ein Spatzenpaar?
Ein Gelege umfasst typisch 4 bis 5 Eier, beobachtet wurden 2 bis 7. Pro Jahr ziehen die Eltern meist 2 bis 3 Bruten groß, in Ausnahmefällen 4. Die Eier werden 12 bis 15 Tage bebrütet, die Jungen bleiben danach 14 bis 17 Tage im Nest.
Werden Spatzen weniger?
Der weltweite Bestand ist noch sehr groß, geht aber zurück; in Europa ist der Rückgang seit 1980 deutlich messbar. In Deutschland nennt der NABU den Bestand derzeit stabil. Die größten Probleme sind fehlende Nistnischen an sanierten Häusern und zu wenig Nahrung in aufgeräumten Gärten.
Wie alt wird ein Spatz?
Die meisten leben nur wenige Jahre. Der älteste in Großbritannien beringte Haussperling erreichte 12 Jahre und 12 Tage, aus Nordamerika ist ein Vogel mit 13 Jahren und 4 Monaten bekannt.
Ähnliche Tiere
- Buchfink - ein ähnlich großer Körnerfresser mit kräftigem Schnabel
- Kohlmeise - der zweithäufigste Gartenvogel und ebenfalls Höhlenbrüter
- Blaumeise - kleiner Höhlenbrüter, oft am selben Futterhaus
- Amsel - häufiger Gartenvogel, der am Boden nach Futter sucht
- Rotkehlchen - gut erkennbarer Gartenvogel mit orangeroter Brust
- Stieglitz - bunter Finkenvogel, der ebenfalls Samen frisst
- Vögel - alle Vögel im Lexikon
- Tiere mit S - weitere Tiere, die mit S beginnen
Quellen
- Vogelporträt Haussperling - NABU
- Haus- und Feldsperling korrekt unterscheiden - NABU
- Der Haussperling: „Über die Maßen unkeusch" - NABU (Verordnung von 1745)
- House Sparrow - BirdFacts, British Trust for Ornithology (BTO)
- Passer domesticus - Animal Diversity Web, University of Michigan
- BirdLife International (2019): Passer domesticus. The IUCN Red List of Threatened Species
Größenvergleich
Ein Spatz erreicht eine Körpergröße von 14 bis 16 cm. Damit passt er bequem zwischen eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) und einen Fußball (22 cm) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Spatz ist etwa 7-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze.
Gewichtsvergleich
Mit 24 bis 31 g gehört der Spatz zu den leichteren Tieren in unserem Lexikon. Zum Vergleich: Eine 1-Euro-Münze wiegt nur 7,5 g, während eine Tafel Schokolade mit 100 g deutlich mehr auf die Waage bringt. Man bräuchte ungefähr 4 1-Euro-Münzen, um so viel zu wiegen wie ein Spatz!