Specht

Zuletzt aktualisiert:

Buntspecht mit schwarz-weißem Gefieder und roter Unterschwanzregion klammert sich an einen Baumstamm
Marat Rysbekov / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kurz erklärt

Spechte sind Vögel, die mit ihrem harten Schnabel Löcher in Bäume hacken. Sie klettern an Stämmen hoch und holen mit ihrer langen, klebrigen Zunge Insekten aus dem Holz. Mit schnellen Schnabelschlägen trommeln sie, um ihr Revier zu zeigen. Ihre alten Baumhöhlen sind für viele andere Tiere ein wichtiges Zuhause.

Steckbrief

Wissenschaftl. NamePicidae
Abstammung
  • Klasse: Vögel
  • Ordnung: Spechtartige (Piciformes)
  • Familie: Spechte (Picidae)
KörpergrößeJe nach Art 8 cm (tropische Zwergspechte) bis 55 cm (Elfenbeinspecht und Kaiserspecht); in Deutschland vom Kleinspecht (15 cm) bis zum Schwarzspecht (46 cm)
KörpergewichtJe nach Art von Spatzen- bis Krähengröße
ErnährungVor allem Insekten und ihre Larven aus Holz und Rinde, Grünspecht, Grauspecht und Wendehals vor allem Ameisen; der Buntspecht frisst auch Samen von Fichten und Kiefern, weiche Früchte und gelegentlich Eier oder Jungvögel
LebenserwartungÄlteste bekannte wilde Spechte laut EURING-Liste: Grünspecht 15 Jahre (Großbritannien), Schwarzspecht 14 Jahre (Finnland), Buntspecht über 12 Jahre und 8 Monate (Schweden)
SozialverhaltenRevierbildend; Männchen trommeln und rufen zur Revieranzeige und Partnersuche, Weibchen trommeln seltener und leiser
HerkunftAmerika, Europa, Asien und Afrika
Verbreitung Fast überall, wo es Bäume gibt; Spechte fehlen in Australien, Neuseeland, auf Madagaskar und den Pazifikinseln, in den Polargebieten und in baumarmen Wüsten wie der Sahara; besonders artenreich sind Teile Südamerikas und Südostasiens AfrikaAsienEuropaNordamerikaSüdamerika
SonstigesGruppenseite ohne eigene Gesamteinstufung. Beispiele aus der Roten Liste der IUCN: Buntspecht (Dendrocopos major) und Wendehals (Jynx torquilla) nicht gefährdet (LC, 2025); Grünspecht (Picus viridis), Schwarzspecht (Dryocopus martius) und Grauspecht (Picus canus) nicht gefährdet (LC, 2024); Kleinspecht (Dryobates minor) nicht gefährdet (LC, 2018); Elfenbeinspecht (Campephilus principalis) und Kaiserspecht (Campephilus imperialis) vom Aussterben bedroht (CR, 2020). In Deutschland brüten 950.000 bis 1.250.000 Buntspecht-, 69.000 bis 125.000 Grünspecht- und 43.000 bis 67.000 Schwarzspechtpaare.

Was sind Spechte?

Spechte bilden eine Familie von Vögeln mit dem wissenschaftlichen Namen Picidae. Laut dem Cornell Lab of Ornithology gibt es mehr als 230 Arten. Fachleute teilen sie in drei Gruppen ein:

  • Wendehälse: nur zwei Arten mit kurzem, spitzem Schnabel, weichem Schwanz und tarnfarbenem braun-grauem Gefieder. Sie suchen ihr Futter meist am Boden und fressen vor allem Ameisen.
  • Zwergspechte: etwa 30 kleine, rundliche Arten mit kurzem, weichem Schwanz. Die meisten leben in Südamerika, einige in Südostasien und eine Art in Afrika. Auch sie trommeln und hacken eigene Höhlen.
  • Echte Spechte: mehr als 200 Arten, zu denen alle bekannten heimischen Spechte gehören.

Aussehen und Körperbau

Spechte reichen von Spatzen- bis Krähengröße. Die kleinsten tropischen Zwergspechte sind nur 8 Zentimeter lang, die größten Arten, der Elfenbeinspecht und der Kaiserspecht aus Amerika, 55 Zentimeter.

Echte Spechte erkennt man an diesen Merkmalen:

  • Meißelschnabel: Der Schnabel ist kräftig, spitz und wie ein Meißel geformt. Damit hacken Spechte Rinde auf, zimmern Höhlen und trommeln.
  • Kletterfüße: Zwei Zehen zeigen nach vorn, zwei nach hinten. So können sich Spechte gut an Baumstämmen festhalten.
  • Kurze Beine und ein Stützschwanz aus steifen Federn: Beim Klettern stützen sie sich auf ihren Schwanz wie auf einen Hocker. Die Schwanzfedern sind oft durch eingelagerten schwarzen Farbstoff besonders fest.

Viele Spechte sind schwarz, weiß und rot gefärbt. Es gibt aber auch grüne, gelbe, graue, braune und sogar weiße Arten. Bei vielen Arten unterscheiden sich die Geschlechter: Meist hat das Männchen einen roten Fleck, der dem Weibchen fehlt.

Die lange Zunge

Spechte haben eine lange, klebrige Zunge, die zum Teil mit Widerhaken besetzt ist. Damit erreichen sie Insekten und Larven tief in feinen Spalten im Holz. Besonders lang ist die Zunge des Grünspechts: Sie kann bis zu 10 Zentimeter aus dem Schnabel herausschnellen. Für seine Jagd auf Ameisen ist das ideal.

Verbreitung und Lebensraum

Spechte gibt es fast überall auf der Welt, wo Bäume wachsen. Sie leben in Europa, Asien, Afrika, Nordamerika und Südamerika. Besonders artenreich sind Teile Südamerikas und Südostasiens, wo zum Teil mehr als ein Dutzend Spechtarten vorkommen.

Wo es keine Spechte gibt:

  • in Gebieten mit extremen Temperaturen und kaum Bäumen, etwa in der Sahara und den Polargebieten
  • in Australien, Neuseeland, auf Madagaskar und auf den Pazifikinseln

In Australien und auf diesen Inseln könnten Spechte eigentlich leben. Fachleute vermuten, dass sie diese Gebiete nie erreicht haben, weil die meisten Spechte keine guten Langstreckenflieger sind und Inseln deshalb schwer erreichen.

Heimische Spechte

In Deutschland leben mehrere Spechtarten, in Niedersachsen zum Beispiel sechs Brutvogelarten plus der Wendehals. Drei bekannte Beispiele:

Buntspecht

Der Buntspecht ist etwa so groß wie eine Amsel. Der NABU nennt ihn unseren häufigsten "Trommler", in Deutschland brüten 950.000 bis 1.250.000 Paare. Er hat schwarz-weiße Flügel, einen hellen Bauch und leuchtend rote Federn unter dem Schwanz. Das Männchen trägt einen roten Fleck am Scheitel, Jungvögel haben einen ganz roten Scheitel.

Buntspechte leben in Laub- und Nadelwäldern, Parks und großen Gärten. Sie fressen Insekten und Larven aus dem Holz, außerdem Samen von Fichten und Kiefern, weiche Früchte und manchmal Eier oder Jungvögel. Bekannt sind ihre Spechtschmieden: Sie klemmen Zapfen in Rindenspalten und meißeln dann die Samen heraus. Unter manchen Spechtschmieden sollen schon mehrere tausend leere Zapfen gefunden worden sein. Im Winter besuchen Buntspechte gern Futterstellen.

Grünspecht

Der Grünspecht hat einen grünen Rücken, einen gelbgrünen Bürzel, einen roten Scheitel und ein dunkles Gesicht. Männchen haben einen roten, Weibchen einen schwarzen Bartstreif. Mit 32 Zentimetern ist er der zweitgrößte Specht Deutschlands.

Der Grünspecht ist ein Ameisenspezialist. Er sucht am Boden nach Ameisen, ihren Larven und Puppen. Sein Ruf klingt wie ein lautes Lachen: "klü-klü-klü-klü". Trommeln hört man ihn dagegen nur sehr selten. In Deutschland brüten 69.000 bis 125.000 Paare.

Schwarzspecht

Der Schwarzspecht ist mit 46 Zentimetern der größte Specht Europas und etwa so groß wie eine Krähe. Er ist ganz schwarz und hat einen hellen Schnabel. Beim Männchen ist der ganze Scheitel rot, beim Weibchen nur der hintere Teil.

Er braucht große, zusammenhängende Wälder mit alten Bäumen, die über 80 Jahre alt sind. Dort frisst er vor allem Käfer und ihre Larven, außerdem Ameisen. Sein Trommeln klingt ein wenig wie ein Presslufthammer und ist bis zu 3 Kilometer weit zu hören. In Deutschland brüten 43.000 bis 67.000 Paare.

Trommeln: Die Sprache der Spechte

Spechte haben keinen abwechslungsreichen Gesang wie Singvögel, ihre Balzrufe sind eher eintönig. Dafür haben sie eine besondere Art, sich zu verständigen: das Trommeln. Dabei hämmert der Specht in schneller Folge mit dem Schnabel auf einen hohlen Stamm oder etwas anderes, das gut klingt.

  • Ein Specht schlägt etwa 20-mal pro Sekunde zu.
  • Jeder Schlag trifft mit rund 25 Kilometern pro Stunde auf das Holz.
  • Das Trommeln bedeutet "Hier bin ich!". Es lockt Weibchen an und warnt Rivalen, dass das Revier besetzt ist.
  • Auch Weibchen trommeln, aber seltener und leiser als die Männchen.

Erfahrene Vogelkundler erkennen manche Spechtarten am Trommeln, weil Rhythmus, Länge und Lautstärke verschieden sind. Buntspechte trommeln mitunter auch auf Nistkästen oder sogar auf Sirenen, Hauptsache, es hallt gut.

Warum bekommen Spechte keine Kopfschmerzen?

Lange glaubten Forscher, der Schädel des Spechts wirke wie ein Stoßdämpfer und schütze so das Gehirn. Diese Idee hat sogar Ingenieure inspiriert, die stoßdämpfende Materialien und Helme entwickeln.

Eine Studie von Van Wassenbergh und Kollegen aus dem Jahr 2022 kam zu einem anderen Ergebnis. Die Forscher maßen bei drei Spechtarten, wie stark der Kopf beim Hacken abgebremst wird, und berechneten die Kräfte mit Computermodellen. Ergebnis:

  • Der Kopf des Spechts funktioniert nicht als Stoßdämpfer, sondern als steifer Hammer. Ein Stoßdämpfer würde Kraft schlucken, und der Specht könnte nicht mehr so gut hacken.
  • Das Gehirn ist trotzdem sicher. Berechnungen zur Größe und Form des Spechtgehirns zeigen, dass der Druck darin unter der Grenze bleibt, ab der bei Primaten, also Affen und Menschen, eine Gehirnerschütterung droht.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Spechte brüten in Höhlen, die sie meist selbst in Baumstämme zimmern. Manche Arten hacken ihre Höhlen auch in Kakteen oder Uferböschungen. Der Buntspecht baut seine Bruthöhle 20 bis 50 Zentimeter tief in Stämme oder dicke Äste. Als Polster dienen Holzspäne.

  • Die Brutsaison beginnt bei heimischen Spechten ab April.
  • Spechte legen je nach Art 2 bis 12 glänzend weiße Eier. Beim Schwarzspecht sind es drei bis fünf.
  • Die Brutzeit ist kurz: Selbst beim großen Schwarzspecht schlüpfen die Jungen schon nach etwa 13 Tagen.

Der Grünspecht bessert oft zusammen mit seinem Partner alte Höhlen aus, statt neue zu bauen. Der Wendehals hackt überhaupt keine eigene Höhle. Er nutzt Spechtlöcher, natürliche Baumhöhlen oder Nistkästen.

Spechthöhlen: Wohnungen für viele Tiere

Spechte sind die Baumeister des Waldes. Ihre verlassenen Höhlen werden von vielen anderen Tieren als "Nachmieter" genutzt, zum Beispiel von:

  • Meisen und Staren
  • Fledermäusen
  • Eichhörnchen

Besonders wichtig ist der Schwarzspecht. Mit seinen großen Höhlen in alten Bäumen erschließt er vielen anderen Höhlenbrütern den Wald. Der NABU nennt ihn deshalb einen "Pionier des Waldes". Wirtschaftliche Nutzung und zu viel Ordnung im Wald gefährden diesen Lebensraum.

Gefährdung

Die heimischen Arten Buntspecht, Grünspecht und Schwarzspecht gelten in Deutschland als nicht gefährdet. Seltener sind andere Spechte: In Niedersachsen gelten Grauspecht und Wendehals als vom Erlöschen bedroht. Dem Wendehals fehlen vor allem die Ameisen, seine wichtigste Nahrung.

Auch weltweit sind Buntspecht, Grünspecht, Schwarzspecht und Wendehals laut der Roten Liste der IUCN nicht gefährdet. Einige Arten sind aber extrem selten: Die beiden größten Spechte, der Elfenbeinspecht und der Kaiserspecht aus Nordamerika, gelten als vom Aussterben bedroht (2020).

Manchmal geraten Spechte mit Menschen aneinander: In Siedlungen hacken sie Löcher in gedämmte Hausfassaden.

Häufige Fragen zum Specht

Warum klopft der Specht?

Spechte klopfen aus mehreren Gründen: Sie hacken nach Insekten im Holz, zimmern Bruthöhlen und trommeln, um ihr Revier anzuzeigen und Partner anzulocken.

Warum bekommt der Specht keine Gehirnerschütterung?

Eine Studie von 2022 zeigt: Sein Kopf ist kein Stoßdämpfer, sondern ein steifer Hammer. Berechnungen zur Größe und Form seines Gehirns ergaben, dass die Belastung trotzdem unter der Grenze für eine Gehirnerschütterung bleibt.

Wie lang ist die Zunge eines Spechts?

Spechte haben eine lange, klebrige Zunge, oft mit kleinen Widerhaken. Beim Grünspecht kann sie bis zu 10 Zentimeter aus dem Schnabel schnellen.

Wie viele Spechtarten gibt es in Deutschland?

In Niedersachsen zum Beispiel brüten Buntspecht, Schwarzspecht, Mittelspecht, Kleinspecht, Grünspecht und Grauspecht. Dazu kommt der Wendehals. Der häufigste ist der Buntspecht.

Gibt es überall Spechte?

Nein. In der Sahara und in den Polargebieten fehlen Spechte, weil es dort kaum Bäume gibt. In Australien, Neuseeland, auf Madagaskar und auf den Pazifikinseln gibt es ebenfalls keine Spechte. Vermutlich haben sie diese Gebiete nie erreicht.

Wie alt werden Spechte?

Der älteste bekannte wilde Grünspecht wurde laut der europäischen Beringungsvereinigung EURING 15 Jahre alt, ein Schwarzspecht 14 Jahre und ein Buntspecht über 12 Jahre.

Ähnliche Tiere

  • Tukan - ein Verwandter aus der Ordnung der Spechtartigen
  • Kolibri - kleiner Vogel mit langer Zunge
  • Eisvogel - brütet ebenfalls in einer Höhle
  • Fledermaus - nutzt Spechthöhlen als Quartier

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Specht
8 bis 55 cm

Der Specht wird 8 bis 55 cm groß - eher kompakt. Auf unserer Größenskala liegt er zwischen einer 1-Euro-Münze (2,3 cm) und einem Kind (1,2 m). Im direkten Vergleich ist der Specht rund 14-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze, aber ein Kind übertrifft den Specht noch um das 4-Fache.