Spinosaurus
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Kurz erklärt
Der Spinosaurus war ein riesiger Raubdinosaurier mit einem hohen Segel auf dem Rücken. Er lebte vor rund 99 bis 94 Millionen Jahren in Nordafrika, wurde etwa 14 Meter lang und fraß vor allem Fische. Mit seiner langen, schmalen Schnauze erinnerte er an ein Krokodil. Ob er richtig schwimmen und tauchen konnte oder eher wie ein Reiher im flachen Wasser jagte, streiten Fachleute bis heute.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Spinosaurus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 14 m |
| Körpergewicht | 7,4 t |
| Ernährung | Fleischfresser: vor allem Fische, vermutlich auch andere Wirbeltiere |
| Lebenserwartung | Unbekannt |
| Sozialverhalten | Unbekannt |
| Herkunft | Nordafrika |
| Verbreitung | Fossilien vor allem aus Ägypten und Marokko, eine zweite Art aus dem Niger; einzelne, meist bruchstückhafte Funde auch aus Algerien und Tunesien Afrika |
| Entdeckung | Erste Knochen 1912 in der Oase Bahariya (Ägypten), beschrieben 1915 von Ernst Stromer |
| Sonstiges | Ausgestorben. Lebte in der Oberkreide vor etwa 99 bis 94 Millionen Jahren. Länge und Gewicht sind Schätzungen, da kein vollständiges Skelett bekannt ist. |
Was war der Spinosaurus?
Der Spinosaurus war ein großer Raubdinosaurier aus der Kreidezeit. Sein Name bedeutet „Dornechse“ oder „Stachelechse“. Er bezieht sich auf die sehr langen Knochenfortsätze auf seinem Rücken, die ein Segel trugen.
Wie der Tyrannosaurus rex gehörte der Spinosaurus zu den Theropoden. Das sind Dinosaurier, die auf zwei Beinen liefen und meist Fleisch fraßen. Innerhalb dieser Gruppe zählt er zur Familie der Spinosauriden. Ihre Mitglieder hatten lange, schmale Schnauzen und fraßen viel Fisch.
Die bekannteste Art heißt Spinosaurus aegyptiacus, also „ägyptische Dornechse“. Im Jahr 2026 beschrieb ein Team um den Paläontologen Paul Sereno eine zweite Art aus dem Niger: Spinosaurus mirabilis. Sie trug einen gebogenen, säbelförmigen Knochenkamm auf dem Kopf.
Entdeckung und Fundorte
Der erste Fund: Im Herbst 1912 grub der Fossiliensammler Richard Markgraf in der Oase Bahariya in der Wüste Ägyptens Knochen eines unbekannten Raubsauriers aus. Der deutsche Paläontologe Ernst Stromer beschrieb sie 1915 und gab dem Tier den Namen Spinosaurus aegyptiacus. Zu dem Fund gehörten Teile des Unterkiefers, Zähne, Rippen und mehrere Wirbel mit langen Rückenstacheln.
Im Krieg zerstört: Die Knochen lagen in einem Museum in München. Im Zweiten Weltkrieg, im April 1944, wurde das Gebäude bei einem Bombenangriff schwer beschädigt, die Spinosaurus-Fossilien wurden dabei zerstört. Übrig blieben nur Stromers Beschreibungen, Zeichnungen und einige Fotos. Deshalb blieb der Spinosaurus jahrzehntelang einer der rätselhaftesten Dinosaurier.
Neue Funde: Ab den 1980er-Jahren tauchten in Nordafrika wieder Knochen und Zähne auf, meist aber nur einzelne Stücke. Wichtig wurde ein Teilskelett aus den Kem-Kem-Schichten in Marokko. Der Paläontologe Nizar Ibrahim und sein Team beschrieben es 2014. In den folgenden Jahren gruben Forschende an derselben Stelle weiter und fanden unter anderem einen großen Teil des Schwanzes. Er wurde 2020 veröffentlicht.
Heute bekannte Fundorte: Die meisten Spinosaurus-Fossilien stammen aus Ägypten und Marokko. Die neue Art Spinosaurus mirabilis wurde im Niger gefunden, mitten in der Sahara. Einzelne, meist bruchstückhafte Funde kennt man außerdem aus Algerien und Tunesien. Ein vollständiges Skelett hat bis heute niemand entdeckt.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht: Nach dem Natural History Museum in London war der Spinosaurus etwa 14 Meter lang und rund 7,4 Tonnen schwer. Auf dieselben Werte kam 2022 eine Studie, für die Forschende ein dreidimensionales Computermodell des Skeletts gebaut haben. Frühere Schätzungen lagen höher, die Beschreibung des Skeletts aus Marokko von 2014 ging zum Beispiel von über 15 Metern aus. Weil kein vollständiges Skelett existiert, bleiben alle Zahlen Schätzungen.
Der längste Raubdinosaurier: Mit rund 14 Metern ist der Spinosaurus nach Angaben des Natural History Museum länger als jeder andere bekannte fleischfressende Dinosaurier. Allerdings hatte er kurze Hinterbeine. Ein Tyrannosaurus war deshalb an der Hüfte höher gebaut.
Kopf und Zähne: Der Schädel war lang, flach und schmal, ähnlich wie bei einem Krokodil. Im Maul saßen gerade, kegelförmige Zähne ohne Sägekanten. Mit solchen Zähnen lassen sich glitschige Fische gut festhalten. Die Nasenlöcher lagen weit hinten auf der Schnauze. Vor den Augen saß ein kleiner Knochenkamm.
Arme und Beine: Die Arme waren kräftig und hatten drei Finger mit Krallen, die Kralle am ersten Finger war besonders groß. Die Hinterbeine waren dagegen kurz, und das Becken war für einen so großen Raubsaurier klein. Die Knochen der Beine waren innen nicht hohl, sondern massiv. Die flachen Krallen an den Zehen deuten darauf hin, dass der Spinosaurus gut auf weichem, schlammigem Boden laufen konnte.
Der Schwanz: Auch am Schwanz saßen lange, dünne Knochenfortsätze, oben und unten. Dadurch war der Schwanz hoch und flach wie ein Paddel, ähnlich wie bei einem Molch oder Krokodil.
Wofür hatte der Spinosaurus ein Segel?
Das auffälligste Merkmal sind die Rückenstacheln. Es sind sehr lange Fortsätze der Wirbel. Das Natural History Museum gibt die Höhe des Segels mit etwa 1,5 Metern an. Wahrscheinlich waren die Stacheln von Haut überzogen und bildeten so ein Segel.
Wofür das Segel gut war, weiß niemand sicher. Diese Ideen gibt es:
- Wärme regeln: Über die große Fläche hätte der Körper Wärme aufnehmen oder abgeben können.
- Imponieren: Das Segel ließ das Tier größer wirken. Es könnte Rivalen eingeschüchtert oder Partner angelockt haben, ähnlich wie das Rad eines Pfaus.
- Hilfe im Wasser: Manche Forschende vermuten, dass das Segel beim Schwimmen half.
Früher gab es auch die Idee, dass der Spinosaurus statt eines dünnen Segels einen dicken Fetthöcker wie ein Bison trug. Nach heutigem Wissen ist ein dünnes Segel am wahrscheinlichsten.
Ernährung
Der Spinosaurus war ein Fleischfresser. Schnauze, Zähne und Kiefer zeigen, dass er vor allem Fische fing. In den Flüssen seines Lebensraums schwammen große Fische, zum Beispiel Quastenflosser und Sägerochen-Verwandte. Vorn im Kiefer hatte er eine Lücke zwischen den Zähnen, wie sie auch andere Spinosauriden besaßen. Damit konnte er Fische gut packen.
Wahrscheinlich fraß er nicht nur Fisch. Eine Studie von 2024 kommt zu dem Schluss, dass Spinosaurier nicht nur auf Fische oder kleine Wassertiere beschränkt waren. Der Spinosaurus und seine nächsten Verwandten konnten demnach auch recht große Wirbeltiere verarbeiten. Bei einem Verwandten, dem Baryonyx aus England, fand man im Magenbereich Fischschuppen und Knochen eines jungen Pflanzenfressers. Solche Mageninhalte kennt man vom Spinosaurus selbst nicht.
Seine Kiefer waren nicht auf Zerquetschen gebaut, sondern auf schnelles Zuschnappen. Das ist typisch für Tiere, die im Wasser jagen.
Lebensraum und Zeitalter
Der Spinosaurus lebte in der Oberkreide, vor etwa 99 bis 94 Millionen Jahren. Nordafrika sah damals ganz anders aus als heute. Statt Wüste gab es an der Küste des Tethys-Meeres weite Wattflächen und Mangrovenwälder, weiter im Landesinneren große Flusssysteme. In der heißesten Zeit des Jahres trockneten viele Seen und Flüsse aus. Nach dem Natural History Museum musste der Spinosaurus dann womöglich auch an Land jagen.
Er war nicht der einzige große Raubsaurier dort. Im selben Gebiet lebte zum Beispiel der Carcharodontosaurus. Fachleute vermuten, dass sich die großen Jäger das Futter aufteilten: Spinosaurier fraßen vor allem Fische, andere Raubsaurier jagten eher große Pflanzenfresser. Außerdem lebten dort Krokodilverwandte, Schildkröten, Flugsaurier und viele Fischarten.
Konnte der Spinosaurus schwimmen? Der Forschungsstand
Kaum eine Frage wird bei Dinosauriern so heftig diskutiert. Einig sind sich fast alle Fachleute, dass der Spinosaurus am Wasser lebte und viel Fisch fraß. Umstritten ist, wie viel Zeit er im Wasser verbrachte.
- 2014: Ibrahim und Kollegen beschreiben das Skelett aus Marokko. Kurze Beine, massive Knochen und weit hinten liegende Nasenlöcher deuten sie als Anpassungen an ein Leben halb im Wasser. Sie vermuten auch, dass der Spinosaurus an Land auf allen vieren ging.
- 2020: Dasselbe Team stellt den paddelförmigen Schwanz vor. Versuche mit einem Roboter-Modell zeigen, dass diese Schwanzform im Wasser mehr Vortrieb erzeugt als die Schwänze anderer Raubdinosaurier. Die Forschenden sehen darin den Beweis für einen schwimmenden Dinosaurier.
- 2021: Andere Paläontologen halten dagegen. Der Körper mit dem großen Segel sei für schnelles Schwimmen schlecht gebaut. Der Spinosaurus habe eher am Ufer gejagt.
- 2022: Eine Studie im Fachblatt Nature untersucht die Dichte von Knochen. Der Spinosaurus hatte sehr dichte Knochen, wie Tiere, die unter Wasser nach Nahrung suchen. Die Forschenden folgern, dass er tauchen konnte.
- 2022: Ein Team um Paul Sereno kommt mit einem Computermodell zu einem anderen Ergebnis. An Land lief der Spinosaurus demnach auf zwei Beinen, im tiefen Wasser war er ein langsamer und wackeliger Schwimmer an der Oberfläche. Er habe wie ein Reiher im flachen Wasser gelauert.
- 2026: Bei der Beschreibung von Spinosaurus mirabilis bezeichnen Sereno und Kollegen die großen Spinosaurier als Spezialisten, die im flachen Wasser aus dem Hinterhalt jagten. Die neue Art stammt aus Ablagerungen eines Flusslebensraums in der zentralen Sahara, wo auch langhalsige Dinosaurier gefunden wurden.
Fazit: Der Spinosaurus war eng ans Wasser gebunden. Ob er ein guter Schwimmer und Taucher war oder eher ein riesiger „Watvogel“, ist bis heute offen. Neue Funde könnten die Frage klären.
Fortpflanzung
Über Paarung, Eiablage und Brutpflege des Spinosaurus verraten die bisherigen Funde nichts. Dinosaurier legten Eier, Eier oder Nester des Spinosaurus sind aber nicht bekannt.
Einen Hinweis auf den Nachwuchs gibt es trotzdem: In Marokko fand man eine nur 2,1 Zentimeter lange Zehenkralle eines sehr jungen Spinosaurus. Nach einer Schätzung war das Jungtier nur etwa 1,8 Meter lang, falls es wie eine kleine Ausgabe der Erwachsenen gebaut war. Die Kralle hat die gleiche flache Form wie bei großen Tieren. Die besonderen Füße für weichen Boden oder zum Paddeln hatte der Spinosaurus also schon von klein auf. Auch das Skelett aus Marokko stammt von einem Tier, das noch nicht ganz ausgewachsen war.
Der Spinosaurus im Film
Berühmt wurde der Spinosaurus durch den Film „Jurassic Park III“ aus dem Jahr 2001. Dort ist er der Hauptgegner und besiegt sogar einen Tyrannosaurus. Das ist reine Filmfantasie: Die beiden Dinosaurier lebten auf verschiedenen Kontinenten und im Abstand von Millionen Jahren. Der Tyrannosaurus lebte viel später in Nordamerika. Der Film zeigt den Spinosaurus außerdem nach dem Wissen von damals. Seit den Funden ab 2014 wissen Fachleute, dass seine Hinterbeine viel kürzer waren als früher gedacht.
Häufige Fragen zum Spinosaurus
Wie groß war der Spinosaurus?
Der Spinosaurus war nach heutigen Schätzungen etwa 14 Meter lang und rund 7,4 Tonnen schwer. Das Segel auf seinem Rücken war etwa 1,5 Meter hoch. Da nie ein vollständiges Skelett gefunden wurde, sind das Schätzungen.
War der Spinosaurus größer als der Tyrannosaurus rex?
Er war länger, aber nicht höher. Mit rund 14 Metern gilt der Spinosaurus als der längste bekannte Raubdinosaurier. Wegen seiner kurzen Beine stand der Tyrannosaurus aber an der Hüfte höher. Gekämpft haben die beiden nie, denn sie lebten zu unterschiedlichen Zeiten auf verschiedenen Kontinenten.
Was hat der Spinosaurus gefressen?
Vor allem Fische. Das zeigen seine lange, schmale Schnauze und die kegelförmigen Zähne. Vermutlich erbeutete er auch andere Wirbeltiere.
Wann und wo lebte der Spinosaurus?
Er lebte vor etwa 99 bis 94 Millionen Jahren in der Oberkreide. Seine Fossilien stammen aus Nordafrika, vor allem aus Ägypten und Marokko. Dort gab es damals Küsten mit Mangrovenwäldern und große Flüsse.
Wie alt wurde ein Spinosaurus?
Das ist nicht bekannt. Von keinem Spinosaurus kennt man ein vollständiges Skelett, und zu seinem Höchstalter gibt es keine Angaben. Man weiß nur, dass manche Funde von jungen, noch wachsenden Tieren stammen.
Wie hat sich der Spinosaurus fortgepflanzt?
Wie andere Dinosaurier legte er vermutlich Eier. Eier oder Nester des Spinosaurus hat man aber nicht gefunden. Eine winzige Zehenkralle aus Marokko zeigt, dass es Jungtiere von nur etwa 1,8 Metern Länge gab.
Ähnliche Tiere
- Tyrannosaurus rex - ebenfalls ein riesiger Raubdinosaurier, lebte aber später in Nordamerika
- Dilophosaurus - ein viel älterer Raubsaurier, dem man ebenfalls Fischfang zutraut
- Velociraptor - ein kleiner Raubdinosaurier aus der Oberkreide Asiens
- Gangesgavial - ein heutiges Krokodil mit langer, schmaler Fischfänger-Schnauze
- Krokodil - der Schädel des Spinosaurus erinnert an den eines Krokodils
Quellen
- Spinosaurus - Dino Directory, Natural History Museum London
- Ibrahim, N. et al. (2014): Semiaquatic adaptations in a giant predatory dinosaur. Science 345, 1613-1616
- Ibrahim, N. et al. (2020): Tail-propelled aquatic locomotion in a theropod dinosaur. Nature 581, 67-70
- Fabbri, M. et al. (2022): Subaqueous foraging among carnivorous dinosaurs. Nature 603, 852-857
- Maganuco, S. & Dal Sasso, C. (2018): The smallest biggest theropod dinosaur: a tiny pedal ungual of a juvenile Spinosaurus from the Cretaceous of Morocco. PeerJ 6, e4785
- Sereno, P. C. et al. (2022): Spinosaurus is not an aquatic dinosaur. eLife 11, e80092
- D'Amore, D. C. et al. (2024): Prey size and ecological separation in spinosaurid theropods based on heterodonty and rostrum shape. The Anatomical Record 308, 1331-1348
- Sereno, P. C. et al. (2026): Scimitar-crested Spinosaurus species from the Sahara caps stepwise spinosaurid radiation. Science 391, eadx5486
Größenvergleich
Ein Spinosaurus erreicht eine Körpergröße von 14 m. Damit passt er bequem zwischen ein Haus (10 m) und einen Blauwal (25 m) auf unserer Vergleichsskala.
Gewichtsvergleich
Ein Spinosaurus bringt 7,4 t auf die Waage. Das ist schwerer als ein Elefant (5 t), aber leichter als ein Schulbus (12 t).