Stachelrochen
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Kurz erklärt
Stachelrochen, von Fachleuten meist Stechrochen genannt, sind flache Knorpelfische mit einem Giftstachel am Schwanz. Sie liegen gut versteckt am Meeresboden und fressen Krebse, Muscheln, Würmer und kleine Fische. Je nach Art ist ihre Körperscheibe etwa 35 cm bis über 2 Meter breit. Den Stachel setzen sie nur zur Verteidigung ein, zum Beispiel wenn jemand auf sie tritt.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Dasyatidae |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Scheibenbreite je nach Art etwa 35 cm (Blaupunktrochen) bis 2,2 m (Riesen-Süßwasserstechrochen) |
| Körpergewicht | Je nach Art sehr unterschiedlich, bis etwa 300 kg (Riesen-Süßwasserstechrochen) |
| Ernährung | Fleischfresser: Krebstiere, Muscheln, Schnecken, Würmer und kleine Fische |
| Lebenserwartung | Je nach Art verschieden |
| Sozialverhalten | Meist Einzelgänger, manche Arten zeitweise in Gruppen |
| Herkunft | Weltmeere |
| Verbreitung | Tropische bis gemäßigte Meere, vor allem im Indopazifik; einige Arten auch in Flussmündungen und Flüssen Meer |
| Sonstiges | Die Werte gelten für die ganze Familie mit rund 90 Arten. Die Gefährdung ist je nach Art verschieden, zum Beispiel VU beim Gewöhnlichen Stechrochen und EN beim Riesen-Süßwasserstechrochen. |
Stachelrochen oder Stechrochen?
„Stachelrochen“ ist vor allem ein Wort aus der Umgangssprache. Gemeint sind Rochen, die am Schwanz einen spitzen Giftstachel tragen. In Fachbüchern heißen diese Tiere meist Stechrochen (Familie Dasyatidae), auf Englisch „Stingrays“.
Die Stechrochen zählen zur Ordnung der Stechrochenartigen (Myliobatiformes). Zu dieser größeren Gruppe gehören auch Adlerrochen, Schmetterlingsrochen, die Süßwasserstechrochen aus Südamerika und die riesigen Mantarochen.
Diese Seite beschreibt die Stechrochen im engeren Sinn. Bei einer großen Überarbeitung im Jahr 2016 zählten Fachleute 89 Arten. Das Foto oben zeigt einen Blaupunktrochen (Taeniura lymma), einen kleinen, auffällig gefärbten Stechrochen aus Korallenriffen im Indischen Ozean und Westpazifik. Einen Überblick über alle Rochen findest du auf der Seite Rochen.
Aussehen und Körperbau
Stachelrochen sehen aus wie ein flacher Pfannkuchen mit Schwanz. Ihre Brustflossen sind mit dem Kopf und dem Rumpf zu einer breiten Körperscheibe verwachsen. Diese Scheibe ist je nach Art rundlich, oval oder rautenförmig. Der Schwanz ist dünn und bei vielen Arten lang wie eine Peitsche. Beim Südlichen Stechrochen kann er doppelt so lang sein wie der Körper.
Größe: Weil der Schwanz unterschiedlich lang ist, messen Fachleute bei Rochen meistens die Breite der Körperscheibe. Kleine Arten wie der Blaupunktrochen erreichen nur etwa 35 cm Scheibenbreite, der Gewöhnliche Stechrochen bis etwa 75 cm. Der Südliche Stechrochen aus der Karibik wird bis 2 Meter breit und bis 97 kg schwer. Der größte Stechrochen ist der Riesen-Süßwasserstechrochen aus Südostasien. Ein Weibchen, das 2022 im Mekong in Kambodscha gefangen, vermessen und wieder freigelassen wurde, war 2,2 Meter breit, mit Schwanz fast 4 Meter lang und wog etwa 300 kg.
Augen und Spritzlöcher: Die Augen sitzen oben auf dem Kopf. Direkt dahinter liegen zwei Öffnungen, die Spritzlöcher. Durch sie saugt der Rochen Atemwasser von oben ein, während er flach auf dem Boden liegt. Die Kiemenspalten und das Maul liegen auf der hellen Unterseite.
Haut: Stachelrochen haben keine Schuppen wie ein Karpfen. Ihre Haut ist je nach Art glatt oder mit kleinen Hautzähnchen und Höckern besetzt, oft als Band in der Mitte des Rückens.
Der Stachel: Auf dem Schwanz sitzt ein harter, flacher Stachel, manchmal auch mehr als einer. Er ist an beiden Seiten gezähnt, die Zähnchen zeigen nach hinten wie Widerhaken. Beim Südlichen Stechrochen zählten Forschende 52 bis 80 solcher Zähnchen pro Seite. Beim Gewöhnlichen Stechrochen wird der Stachel bis zu 35 cm lang. Der Stachel steckt in einer dünnen Hülle mit Giftgewebe. Beim Stich reißt sie auf, und das Gift gelangt in die Wunde. Der Stachel hält nicht ein Leben lang: Er wird von Zeit zu Zeit abgeworfen und durch einen neuen ersetzt, bei manchen Arten etwa einmal im Jahr.
Verbreitung und Lebensraum
Stechrochen leben in tropischen, subtropischen und gemäßigten Meeren. Die meisten Arten gibt es im Indopazifik, vom Roten Meer bis nach Australien. Fast alle Arten leben nur im Meer, einige wandern aber in Flussmündungen und Flüsse. Der Riesen-Süßwasserstechrochen bewohnt große Flüsse und Flussmündungen in Südostasien und auf Borneo, zum Beispiel den Mekong.
In Europa kommt der Gewöhnliche Stechrochen (Dasyatis pastinaca) vor. Er lebt im Mittelmeer, im Schwarzen Meer und im Ostatlantik. Sein Gebiet reicht nach Süden bis Angola und nach Norden bis in die Nordsee. Er hält sich über Sand- und Schlammböden auf, meist in 20 bis 35 Meter Tiefe, manchmal bis 200 Meter. Auch in Lagunen, flachen Buchten und Flussmündungen ist er zu finden.
Die meisten Stechrochen bleiben in Küstennähe. Sie mögen flache Sand- und Schlammflächen, Seegraswiesen und den Sand zwischen Korallenriffen. Dort graben sie sich gern teilweise in den Boden ein, sodass sie kaum zu entdecken sind.
Die bekannten Süßwasserstechrochen aus dem Amazonas und dem Paraná in Südamerika gehören übrigens nicht zu den Stechrochen im engeren Sinn, sondern zu einer eigenen Familie (Potamotrygonidae).
Ernährung
Stachelrochen sind Fleischfresser und suchen ihre Nahrung am Boden. Auf ihrem Speiseplan stehen:
- Krebstiere wie Krabben, Garnelen und Fangschreckenkrebse
- Muscheln und Schnecken
- Würmer, die im Sand leben
- kleine Fische und manchmal Tintenfische
Der Gewöhnliche Stechrochen frisst vor allem Krebstiere, Weichtiere und am Boden lebende Fische. Der Blaupunktrochen schwimmt bei steigender Flut in Gruppen auf flache Sandflächen, um dort Muscheln, Würmer, Garnelen und Krabben zu fressen. Bei Ebbe zieht er sich in Höhlen und unter Felsvorsprünge zurück.
So finden sie ihre Beute: Das Maul liegt auf der Unterseite, die Augen oben. Beim Fressen sehen Rochen ihre Beute also gar nicht. Sie spüren sie stattdessen mit einem besonderen Sinn: Stechrochen nehmen die schwachen elektrischen Signale wahr, die lebende Tiere aussenden. Dazu kommen ein guter Geruchs- und Tastsinn. Mit ihren Brustflossen wirbeln sie den Sand auf und legen so versteckte Krebse und kleine Fische frei.
Verhalten und Lebensweise
Die meisten Stechrochen sind Einzelgänger. Viele liegen lange Zeit ruhig und teilweise eingegraben im Sand. Der Südliche Stechrochen frisst sowohl tagsüber als auch nachts.
Stechrochen schwimmen, indem sie die Ränder ihrer Körperscheibe wellenförmig bewegen. Das sieht aus, als würde ein Tuch durch das Wasser gleiten.
Wichtig zu wissen: Stachelrochen greifen nicht an. Der Stachel ist eine reine Verteidigungswaffe. Tritt jemand auf einen eingegrabenen Rochen, schlägt er den Schwanz nach oben und vorne. Dabei bohrt sich der Stachel in Fuß oder Bein. Wie friedlich die Tiere sonst sind, zeigt die „Stingray City“ auf den Cayman Islands. Dort schwimmen Taucher und Schnorchler zwischen Südlichen Stechrochen.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Stechrochen legen keine Eier ins Wasser, sondern bringen lebende Junge zur Welt. Die Jungen entwickeln sich im Körper der Mutter. Sie haben keine Plazenta wie Säugetiere. Stattdessen bildet die Gebärmutter eine nährstoffreiche Flüssigkeit, die Fachleute „Uterusmilch“ nennen. Damit werden die Embryonen versorgt.
Beim Gewöhnlichen Stechrochen dauert die Tragzeit etwa vier Monate. Ein Weibchen bekommt 4 bis 7 Junge. Beim Südlichen Stechrochen dauert die Tragzeit 4 bis 11 Monate. Die Weibchen bekommen 2 bis 10 Junge, im Durchschnitt 4. Die Neugeborenen sind schon 20 bis 34 cm breit. Der Blaupunktrochen bringt bis zu 7 Junge zur Welt.
Die jungen Rochen sehen bei der Geburt schon aus wie kleine Ausgaben ihrer Eltern und müssen sich allein durchschlagen.
Feinde und Gefährdung
Zu den natürlichen Feinden der Stachelrochen gehören große Haie und große Raubfische. Der Stachel schützt sie nicht immer.
Die größte Gefahr für viele Arten ist der Mensch. Stechrochen werden gefischt oder landen als Beifang in Netzen. Weil sie nur wenige Junge bekommen, erholen sich ihre Bestände nur langsam. Die Rote Liste der IUCN bewertet jede Art einzeln:
- Gewöhnlicher Stechrochen: gefährdet (VU, Einstufung 2021)
- Riesen-Süßwasserstechrochen: stark gefährdet (EN, Einstufung 2021)
- Blaupunktrochen: nicht gefährdet (LC, Einstufung 2026)
Wie gefährlich ist ein Stachelrochen für Menschen?
Stiche von Stachelrochen sind sehr schmerzhaft. Der Schmerz setzt sofort ein und erreicht innerhalb von etwa 90 Minuten seinen Höhepunkt. Dazu können Übelkeit, Schwäche, Ohnmacht und Atemprobleme kommen. Gefährlich ist oft nicht nur das Gift, sondern auch die Wunde selbst: Der gezähnte Stachel reißt die Haut auf. Todesfälle sind selten, wurden aber beschrieben.
So schützt du dich: Die meisten Unfälle passieren, wenn jemand im flachen Wasser auf einen eingegrabenen Rochen tritt. Schlurfe deshalb mit den Füßen über den Sand, statt sie anzuheben. Die Rochen spüren die Bewegung und schwimmen weg. Beim Tauchen und Schnorcheln gilt: Rochen nicht anfassen und nicht bedrängen.
Erste Hilfe: Die Wunde sollte immer ärztlich versorgt werden. Oft wird empfohlen, die betroffene Stelle 30 bis 90 Minuten in heißes, aber nicht verbrühendes Wasser von etwa 40 bis 45 Grad zu halten, bis der Schmerz nachlässt. Ob das wirklich hilft, ist unter Fachleuten allerdings nicht geklärt.
Besonderheiten
- Rekord im Fluss: Das 2022 im Mekong vermessene Weibchen des Riesen-Süßwasserstechrochens ist laut Guinness World Records der größte je offiziell gemessene Süßwasserfisch.
- Stachel mit Ersatz: Wenn ein neuer Stachel nachwächst, bevor der alte abgeworfen ist, sitzen vorübergehend zwei Stacheln auf dem Schwanz.
- Gift für die Forschung: Wissenschaftler untersuchen das Gift der Stachelrochen, weil es vielleicht einmal in der Medizin nützlich sein könnte.
Häufige Fragen zum Stachelrochen
Sind Stachelrochen gefährlich?
Stachelrochen greifen Menschen nicht an. Sie setzen ihren Giftstachel nur ein, wenn sie sich bedroht fühlen, zum Beispiel wenn jemand auf sie tritt. Ein Stich ist sehr schmerzhaft und muss ärztlich behandelt werden. Tödliche Unfälle sind selten.
Was fressen Stachelrochen?
Sie fressen Tiere, die am oder im Meeresboden leben: Krebse, Garnelen, Muscheln, Schnecken, Würmer und kleine Fische. Ihre Beute spüren sie mit ihrem Sinn für elektrische Signale auf, denn das Maul liegt auf der Unterseite und die Augen oben.
Wie groß wird ein Stachelrochen?
Das hängt von der Art ab. Der Blaupunktrochen wird nur etwa 35 cm breit, der Gewöhnliche Stechrochen bis etwa 75 cm. Der Riesen-Süßwasserstechrochen erreicht über 2 Meter Breite und rund 300 kg Gewicht.
Gibt es Stachelrochen in der Nordsee oder Ostsee?
In der Nordsee liegt die nördliche Grenze des Gebiets, in dem der Gewöhnliche Stechrochen vorkommt. Sein Hauptgebiet sind wärmere Gewässer wie das Mittelmeer und der Ostatlantik bis nach Angola. Die Ostsee gehört nicht zu seinem Verbreitungsgebiet.
Legen Stachelrochen Eier?
Nein. Stechrochen bringen lebende Junge zur Welt. Die Jungen wachsen im Körper der Mutter heran und werden dort mit einer nährstoffreichen Flüssigkeit versorgt, der sogenannten Uterusmilch.
Was ist der Unterschied zwischen Stachelrochen und Mantarochen?
Beide gehören zur Ordnung der Stechrochenartigen. Mantarochen schwimmen aber im offenen Wasser und ernähren sich von Plankton, das sie beim Schwimmen aus dem Wasser holen. Stachelrochen leben am Boden, fressen Bodentiere und tragen einen Giftstachel am Schwanz.
Ähnliche Tiere
- Rochen - Überblick über alle Rochen
- Mantarochen - der riesige Verwandte aus dem offenen Meer
- Hammerhai - wie alle Haie ein Knorpelfisch
- Feuerfisch - ein anderer Meeresfisch mit Giftstacheln
- Flunder - ebenfalls flach und am Meeresboden, aber ein Knochenfisch
Quellen
- Last, P. R., Naylor, G. J. P. & Manjaji-Matsumoto, B. M. (2016): A revised classification of the family Dasyatidae (Chondrichthyes: Myliobatiformes) based on new morphological and molecular insights. Zootaxa 4139 (3)
- Dasyatis pastinaca, Common stingray - FishBase
- Southern Stingray - Florida Museum of Natural History
- Stingray Stings - Merck Manual Professional Edition
- Record-breaking ray confirmed as world's largest freshwater fish - Guinness World Records (2022)
- Sting Rays at California State Beaches - California State Parks