Stachelschwein

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Gewöhnliches Stachelschwein mit aufgestellten schwarz-weißen Stacheln steht auf sandigem Boden
Drew Avery / Wikimedia Commons / CC BY 2.0

Kurz erklärt

Das Stachelschwein ist kein Schwein, sondern ein großes Nagetier. Seine Stacheln sind umgebaute Haare und können bis zu 50 cm lang werden. Schießen kann das Tier sie nicht: Bei Gefahr stellt es die Stacheln auf, rasselt mit den hohlen Schwanzstacheln und läuft rückwärts auf den Angreifer zu.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameHystricidae
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Unterklasse: Höhere Säugetiere
  • Überordnung: Euarchontoglires
  • Ordnung: Nagetiere
  • Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricomorpha)
  • Familie: Stachelschweine (Hystricidae)
Körpergröße60 bis 93 cm
Körpergewicht10 bis 30 kg
ErnährungPflanzenfresser: Wurzeln, Knollen, Rinde und Früchte
LebenserwartungEtwa 15 Jahre, in Zoos über 20 Jahre
SozialverhaltenFamiliengruppen aus einem Elternpaar und Jungtieren
HerkunftAfrika, Asien und Südeuropa
Verbreitung Afrika, Süd- und Südostasien sowie Italien und Sizilien AfrikaAsienEuropa
EntdeckungErstbeschreibung des Gewöhnlichen Stachelschweins 1758 durch Carl von Linné
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2016)
SonstigesGröße, Gewicht und Gefährdungsstatus beziehen sich auf das Gewöhnliche Stachelschwein (Hystrix cristata), die bekannteste Art der Familie. Dazu kommt ein 8 bis 17 cm langer Schwanz.

Ein Nagetier, kein Schwein

Der Name führt in die Irre: Stachelschweine sind nicht mit Schweinen verwandt, sondern Nagetiere, wie Maus, Biber und Capybara. Sie bilden die Familie der Stachelschweine (Hystricidae) mit rund einem Dutzend heute lebender Arten in drei Gattungen: Hystrix (Eigentliche Stachelschweine), Atherurus (Quastenstachler) und Trichys (Langschwanz-Stachelschwein).

Diese Gruppe heißt auch Altwelt-Stachelschweine, weil sie in Afrika, Asien und Südeuropa lebt. Davon zu unterscheiden sind die Neuwelt-Stachelschweine (Erethizontidae) aus Nord- und Südamerika. Die beiden Familien sind nur entfernt verwandt und unterscheiden sich deutlich:

  • Altwelt-Stachelschweine leben am Boden, klettern kaum und tragen lange Stacheln, die sie zu einem Kamm aufrichten können.
  • Neuwelt-Stachelschweine klettern in Bäumen. Ihre Stacheln sind mit etwa 10 cm viel kürzer, haben dafür aber winzige Widerhaken an der Spitze und bleiben in der Haut des Angreifers stecken.

Diese Seite beschreibt vor allem das Gewöhnliche Stachelschwein (Hystrix cristata), die bekannteste Art und die größte der Familie.

Aussehen und Körperbau

Das Gewöhnliche Stachelschwein hat einen gedrungenen Körper mit kurzen Beinen. Vom Kopf bis zum Schwanzansatz misst es 60 bis 93 cm, der Schwanz ist mit 8 bis 17 cm kurz. Ausgewachsene Tiere wiegen 10 bis 30 kg. Damit gehört die Art zu den größten Nagetieren der Welt, in derselben Gewichtsklasse wie der Biber. Noch schwerer wird nur das Capybara.

Kopf, Hals, Beine und Unterseite sind mit groben dunklen Borsten bedeckt. Augen und Ohren sind klein, auf der Schnauze sitzen lange Tasthaare. Die Vorderpfoten haben vier kräftige Krallen, die Hinterpfoten fünf. Beim Laufen setzt das Tier den ganzen Fuß auf, wie ein Bär oder ein Mensch.

Die Stacheln

Stacheln sind nichts anderes als umgebaute Haare aus Keratin, demselben Material, aus dem auch unsere Fingernägel und Haare bestehen. Sie sind hohl und leicht. Ein Stachelschwein trägt mehrere Arten davon:

  • Auf Kopf, Nacken und Rücken sitzen lange, biegsame Stacheln. Sie lassen sich zu einem Kamm aufstellen, der wie eine Mähne wirkt. Die San Diego Zoo Wildlife Alliance nennt für die Altwelt-Stachelschweine Längen von bis zu 51 cm.
  • An Rücken und Hinterteil stehen kürzere, dicke und sehr harte Stacheln. Die San Diego Zoo Wildlife Alliance gibt für sie etwa 20 cm an, das Animal Diversity Web rund 35 cm. Sie sind die eigentliche Waffe und meist schwarz-weiß geringelt.
  • Am Schwanzende sitzen hohle, an der Spitze verbreiterte Rasselstacheln. Schüttelt das Tier den Schwanz, entsteht ein zischendes Rasseln.

Die Unterseite des Körpers ist nicht mit Stacheln geschützt.

Wichtig: Stachelschweine können ihre Stacheln nicht abschießen. Dieser Irrtum ist uralt, schon Aristoteles hat ihn aufgeschrieben. Tatsächlich sitzt an jedem Stachel ein kleiner Muskel, mit dem das Tier ihn aufstellt. Lockere Stacheln können beim Schütteln herausfallen und ein Stück weit fliegen, gezielt geschleudert werden sie aber nicht.

Verteidigung

Bedroht ein Feind ein Stachelschwein, läuft die Abwehr in Stufen ab:

  1. Das Tier stellt alle Stacheln auf. Dadurch wirkt es zwei- bis dreimal so groß.
  2. Es stampft mit den Hinterfüßen, grunzt und rasselt mit den Schwanzstacheln.
  3. Hilft das nicht, rennt es rückwärts oder seitlich auf den Angreifer zu und versucht, ihm die kurzen, harten Stacheln in den Körper zu rammen.

Diese Verteidigung ist wirkungsvoll. Nach Angaben des Animal Diversity Web sind dabei schon Löwen, Leoparden, Hyänen und sogar Menschen getötet worden. Eine Stichwunde kann sich entzünden, und ein verletztes Raubtier kann anschließend nicht mehr richtig jagen.

Verbreitung und Lebensraum

Das Gewöhnliche Stachelschwein lebt in Italien einschließlich Sizilien, also mitten in Europa, sowie in Afrika entlang der Mittelmeerküste und südlich davon bis in den Norden der Demokratischen Republik Kongo und bis Tansania. Weitere Arten der Familie leben in Asien, zum Beispiel das Indische Stachelschwein (Hystrix indica), und in Südostasien.

Ob die Tiere in Italien schon immer dort lebten, ist umstritten. Lange hieß es, die Römer hätten sie als Jagdwild aus Afrika mitgebracht. Es gibt aber Fossilfunde aus dem späten Pleistozän, also aus der Zeit vor der Ankunft der Römer. Seit 1974 steht die Art in Italien unter Schutz.

Stachelschweine sind wenig wählerisch: Sie leben in Wäldern, auf Felshängen, im Gebirge, auf Feldern und in trockenen Sandgebieten. Tagsüber schlafen sie in Höhlen, Felsspalten, verlassenen Bauen anderer Tiere oder in selbst gegrabenen Gängen. Solche Baue werden oft über viele Jahre genutzt und immer weiter ausgebaut. Erdferkelbaue werden gern übernommen. Nachts gehen die Tiere auf Futtersuche und legen dabei weite Strecken zurück. Klettern können sie schlecht, schwimmen dagegen gut.

Ernährung

Stachelschweine sind Pflanzenfresser. Sie fressen Wurzeln, Knollen, Zwiebeln, Rinde und heruntergefallene Früchte. In der Nähe von Feldern holen sie sich auch Erdnüsse, Kartoffeln, Kürbisse und Maniok, weshalb Bauern sie vielerorts als Schädlinge ansehen.

Gelegentlich fressen sie auch Insekten, kleine Wirbeltiere oder Aas. Auffällig ist ihre Vorliebe für Knochen: Sie nagen daran, um an Kalzium zu kommen und gleichzeitig ihre Nagezähne zu schärfen. Wie alle Nagetiere haben Stachelschweine Nagezähne, die ein Leben lang nachwachsen. Schwer verdauliche Pflanzenfasern werden in einem vergrößerten Blinddarm von Mikroorganismen zersetzt.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Das Gewöhnliche Stachelschwein lebt in Familiengruppen: ein erwachsenes Paar mit Jungtieren verschiedenen Alters, die sich ein ausgedehntes Bausystem teilen. Die Paarung findet nachts statt. Damit sich die Tiere dabei nicht verletzen, hebt das Weibchen den Schwanz und legt die Stacheln an.

Nach einer Tragzeit von etwa 112 Tagen, also rund 16 Wochen, kommen meist ein bis zwei Junge zur Welt, in einer mit Gras ausgelegten Kammer im Bau. In manchen Datenbanken steht auch der Wert 66 Tage. Er passt nicht zu den Zoo-Angaben, die für Stachelschweine 16 bis 31 Wochen nennen. Die Neugeborenen sind weit entwickelt: Die Augen sind offen, die Schneidezähne bereits durchgebrochen. Ihre Stacheln sind zunächst weich und härten in den ersten Tagen aus. Schon nach etwa einer Woche verlassen sie zum ersten Mal den Bau, nach zwei bis drei Wochen fressen sie feste Nahrung. Die Jungtiere wiegen bei der Geburt nur rund 3 Prozent des Gewichts der Mutter. Mit ein bis zwei Jahren haben sie ihr Erwachsenengewicht erreicht.

In freier Natur werden Stachelschweine etwa 15 Jahre alt, in Zoos über 20 Jahre. Für ein Nagetier ist das ein sehr hohes Alter.

Feinde und Gefährdung

Zu den Feinden zählen Löwe, Leopard, Hyäne und große Greifvögel. Erwachsene Tiere sind durch ihre Stacheln gut geschützt, gefährdet sind vor allem Jungtiere.

Die IUCN führt das Gewöhnliche Stachelschwein als nicht gefährdet (LC), so lautete schon die Einstufung von 2004 und 2008, die letzte Überprüfung stammt von 2016. Auch das Südafrikanische Stachelschwein (2016) und das Indische Stachelschwein (2021) gelten als nicht gefährdet. Einzelne Arten stehen schlechter da: Das Philippinen-Stachelschwein (Hystrix pumila) leidet unter Waldverlust und dem Handel mit Wildtieren. Örtlich werden Stachelschweine wegen ihres Fleisches gejagt, ihre Stacheln werden zu Schmuck verarbeitet, und in Ackerbaugebieten werden sie als Schädlinge verfolgt.

Häufige Fragen zum Stachelschwein

Können Stachelschweine ihre Stacheln abschießen?

Nein. Stacheln sind umgebaute Haare und stecken in der Haut. Das Tier kann sie mit kleinen Muskeln aufstellen, aber nicht abfeuern. Lose Stacheln fallen beim Schütteln heraus und können dabei ein Stück fliegen, gezielt ist das nicht.

Wie groß und wie schwer wird ein Stachelschwein?

Das Gewöhnliche Stachelschwein misst 60 bis 93 cm vom Kopf bis zum Schwanzansatz und wiegt 10 bis 30 kg. Damit ist es eines der größten Nagetiere überhaupt. Der Schwanz ist mit 8 bis 17 cm auffällig kurz.

Was frisst ein Stachelschwein?

Vor allem Pflanzen: Wurzeln, Knollen, Rinde und Früchte. Dazu nagt es an Knochen, um Kalzium aufzunehmen und seine Nagezähne zu schärfen. Insekten oder Aas frisst es nur gelegentlich.

Ist ein Stachelschwein mit dem Igel verwandt?

Nein. Das Stachelschwein ist ein Nagetier, der Igel gehört zu den Insektenfressern. Ihre Stacheln haben sich unabhängig voneinander entwickelt. Igelstacheln sind kurz und dicht, Stachelschweinstacheln lang und einzeln beweglich. Bei Gefahr rollt sich der Igel ein, das Stachelschwein greift an.

Wo leben Stachelschweine?

Altwelt-Stachelschweine leben in Afrika, in Süd- und Südostasien sowie in Italien und auf Sizilien. In Deutschland gibt es sie nur in Zoos. Sie bewohnen Wälder, Felsgebiete, Gebirge, Felder und Trockengebiete und verbringen den Tag in Höhlen oder selbst gegrabenen Bauen.

Warum rasselt ein Stachelschwein?

Am Schwanzende sitzen hohle Stacheln, die vorn breiter werden. Schüttelt das Tier den Schwanz, schlagen diese Hohlkörper gegeneinander und erzeugen ein lautes Rasseln. Das ist eine Warnung: Wer jetzt nicht weggeht, bekommt es mit den Stacheln zu tun.

Ähnliche Tiere

  • Igel - trägt ebenfalls Stacheln, ist aber nicht verwandt
  • Biber - das größte Nagetier Europas
  • Capybara - das größte Nagetier der Welt
  • Ameisenigel - Säugetier mit Stacheln, das Eier legt
  • Erdferkel - gräbt Baue in Afrika, die Stachelschweine gern übernehmen
  • Murmeltier - Nagetier, das ebenfalls in selbst gegrabenen Bauen lebt
  • Säugetiere - alle Säugetiere im Lexikon
  • Tiere mit S - weitere Tiere, die mit S beginnen

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Stachelschwein
60 bis 93 cm

Das Stachelschwein wird 60 bis 93 cm groß - eher kompakt. Auf unserer Größenskala liegt es zwischen einem Fußball (22 cm) und einem Kind (1,2 m). Im direkten Vergleich ist das Stachelschwein rund 3-mal so groß wie ein Fußball.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Stachelschwein
10 bis 30 kg

Ein Stachelschwein bringt 10 bis 30 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine Hauskatze (4 kg), aber leichter als ein Erwachsener (75 kg). Anders ausgedrückt: Das Stachelschwein wiegt so viel wie etwa 5 Hauskatzen.