Stegosaurus

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Skelettabguss eines Stegosaurus mit zwei Reihen großer Rückenplatten, kleinem Kopf und Stacheln am Schwanzende im Senckenberg-Museum in Frankfurt am Main
EvaK / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.5

Kurz erklärt

Der Stegosaurus war ein großer, pflanzenfressender Dinosaurier mit zwei Reihen breiter Knochenplatten auf dem Rücken und vier langen Stacheln am Schwanz. Er lebte vor etwa 152 bis 145 Millionen Jahren im heutigen Nordamerika und wurde bis zu 9 Meter lang. Sein Kopf war sehr klein und sein Gehirn nur etwa so groß wie eine Pflaume. Mit dem Stachelschwanz konnte er sich gegen Raubsaurier wie den Allosaurus wehren.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameStegosaurus
Abstammung
  • Klasse: Reptilien
  • Überordnung: Dinosaurier (Dinosauria)
  • Ordnung: Vogelbeckensaurier
  • Unterordnung: Thyreophora
  • Familie: Stegosauridae
  • Gattung: Stegosaurus
  • Art: Anerkannt sind Stegosaurus stenops, Stegosaurus ungulatus und Stegosaurus sulcatus (Einteilung umstritten)
Körpergröße6,5 bis 9 m
Körpergewicht3,5 bis 5,3 t
ErnährungPflanzenfresser: vermutlich niedrig wachsende Pflanzen wie Moose, Farne, Schachtelhalme, Palmfarne und Nadelhölzer
LebenserwartungUnbekannt
SozialverhaltenUnklar; Fährten deuten darauf hin, dass manche Tiere in Gruppen unterschiedlichen Alters unterwegs waren
HerkunftWestliches Nordamerika
Verbreitung Fossilien vor allem aus dem Westen der USA (unter anderem Colorado und Wyoming), ein Fund aus Portugal EuropaNordamerika
EntdeckungErste Knochen 1877 bei Morrison in Colorado (USA) gefunden, im selben Jahr von Othniel Charles Marsh beschrieben
SonstigesAusgestorben. Lebte im Oberjura vor etwa 152 bis 145 Millionen Jahren. Länge und Gewicht sind Schätzungen aus Fossilien.

Was war der Stegosaurus?

Der Stegosaurus ist einer der bekanntesten Dinosaurier. Er war ein großer Pflanzenfresser, der auf vier Beinen lief. Typisch sind die zwei Reihen breiter Knochenplatten auf dem Rücken und die langen Stacheln am Schwanzende.

Der Name bedeutet „Dachechse“. Als der amerikanische Paläontologe Othniel Charles Marsh die ersten Knochen untersuchte, dachte er, die Platten hätten flach auf dem Rücken gelegen, ähnlich wie Dachziegel. Erst ein späterer Fund zeigte, dass sie aufrecht standen.

Der Stegosaurus gehört zu den Vogelbeckensauriern und dort zur Gruppe der Thyreophora, der gepanzerten Dinosaurier. Mit ihm verwandt ist zum Beispiel der Kentrosaurus aus Tansania in Afrika, der statt breiter Platten viele spitze Stacheln trug.

Entdeckung und Fundorte

Die ersten Funde: 1877 fanden Arthur Lakes und H. C. Beckwith nördlich des Ortes Morrison in Colorado (USA) einige Schwanzwirbel, eine Knochenplatte und weitere Knochen. Marsh beschrieb sie noch im selben Jahr als Stegosaurus armatus. Das war die Zeit der sogenannten „Knochenkriege“: Marsh und sein Rivale Edward Drinker Cope wetteiferten darum, wer mehr neue Dinosaurier beschreibt.

Ein fast vollständiges Skelett: 1885 und 1886 grub Marshall P. Felch bei Cañon City in Colorado ein beinahe vollständiges Skelett aus, samt Schädel und Platten. Es wurde zum Namensträger der Art Stegosaurus stenops und ist seit 1915 im Naturkundemuseum in Washington ausgestellt.

Sophie: Das am besten erhaltene Stegosaurus-Skelett trägt den Spitznamen „Sophie“. Es wurde 2003 in Wyoming entdeckt und ist fast vollständig erhalten. Seit Dezember 2014 steht es im Natural History Museum in London.

Weitere Fundorte: Die meisten Fossilien stammen aus dem Westen der USA, vor allem aus Colorado und Wyoming. Von über 80 Tieren sind Überreste bekannt. In Portugal fand man ebenfalls Knochen eines Stegosaurus. Es ist der erste unumstrittene Stegosaurus-Fund außerhalb Nordamerikas. Die Forschenden vermuten, dass es damals zeitweise eine Landverbindung zwischen Nordamerika und der Iberischen Halbinsel gab.

Staatsfossil: Seit 1982 ist der Stegosaurus das offizielle Fossil des US-Bundesstaates Colorado. Angestoßen hatte das eine vierte Klasse einer Grundschule mit ihrer Lehrerin.

Arten: Viele früher beschriebene Arten gelten heute als ungültig. Allgemein anerkannt sind Stegosaurus stenops, Stegosaurus ungulatus und Stegosaurus sulcatus. Die Einteilung ist unter Fachleuten aber weiter umstritten.

Aussehen und Körperbau

Größe:Stegosaurus stenops erreichte etwa 6,5 Meter Länge, Stegosaurus ungulatus etwa 7 Meter. Besonders große Tiere wurden vielleicht 7,5 bis 9 Meter lang. Das Natural History Museum nennt 9 Meter.

Gewicht: Schätzungen für ausgewachsene Tiere liegen bei etwa 3,5 bis 5,3 Tonnen. Für Sophie haben Forschende das Gewicht 2015 mit einem Computermodell berechnet: rund 1,6 Tonnen. Sophie war allerdings ein junges Tier, das noch nicht ganz ausgewachsen war.

Körperform: Die Vorderbeine waren deutlich kürzer als die Hinterbeine. Dadurch lag der Kopf tief am Boden, während der Rücken hoch gewölbt war. Der Schwanz wurde vom Boden weg in der Luft gehalten.

Kopf und Zähne: Der Kopf war lang, schmal und im Vergleich zum Körper sehr klein. Vorn im Maul saßen keine Zähne, weiter hinten kleine, stiftförmige Zähne.

Die Rückenplatten: Ein Stegosaurus hatte 17 bis 22 Platten. Sie waren nicht mit dem Skelett verbunden, sondern steckten in der Haut. Deshalb liegen sie bei Fossilfunden meist verstreut neben den Knochen. Die Platten standen in zwei Reihen, und zwar versetzt, also abwechselnd links und rechts der Wirbelsäule. Die größten saßen über der Hüfte und konnten über 60 Zentimeter breit und 1 Meter hoch sein. Zu Lebzeiten waren sie wahrscheinlich mit Horn überzogen.

Die Schwanzstacheln: Am Schwanzende saßen vier Stacheln, jeweils etwa 60 bis 90 Zentimeter lang. Sie ragten nach heutigem Wissen eher seitlich nach außen als senkrecht nach oben.

Das kleine Gehirn: Das Natural History Museum vergleicht das Gehirn des Stegosaurus mit der Größe einer Pflaume. Es wog wohl nicht mehr als etwa 80 Gramm, und das bei einem Tier von mehreren Tonnen. Schon im Verhältnis zu anderen Dinosauriern war das Gehirn klein.

Wofür waren Platten und Stacheln gut?

Die Platten: Ihr Zweck ist nicht sicher geklärt. Diese Erklärungen werden diskutiert:

  • Schutz: Marsh hielt die Platten für eine Panzerung. Andere Forschende halten sie dafür für zu zerbrechlich, außerdem ließen sie die Körperseiten ungeschützt.
  • Zeigen und Erkennen: Die großen Platten ließen das Tier größer wirken. Sie könnten Feinde abgeschreckt, Partner beeindruckt oder Artgenossen beim Erkennen geholfen haben. Eine Studie von 2015 fand bei einem nahen Verwandten zwei Plattenformen, breite und hohe. Der Forscher deutet das als Unterschied zwischen Männchen und Weibchen.
  • Wärme regeln: Auf den Platten sieht man feine Rillen, in denen wohl Blutgefäße lagen. Darüber hätte der Körper Wärme abgeben oder aufnehmen können. Gegen diese Idee spricht unter anderem der Hornüberzug.

Die Schwanzstacheln: Für die Stacheln ist die Sache klarer. Sie dienten sehr wahrscheinlich zur Verteidigung. Bei einer Untersuchung zeigten fast 10 Prozent der Stegosaurus-Stacheln Verletzungen. Außerdem fand man einen Schwanzwirbel eines Allosaurus mit einem Loch, in das ein Stegosaurus-Stachel genau hineinpasst. Der Knochen hatte sich danach entzündet.

Mythos: Hatte der Stegosaurus ein zweites Gehirn?

Nein. Marsh entdeckte im Hüftbereich des Rückenmarkkanals einen großen Hohlraum. Er war etwa 20-mal größer als das winzige Gehirn. Daraus entstand die bekannte Idee, der Stegosaurus habe im Becken ein „zweites Gehirn“ gehabt, das die Hinterbeine und den Schwanz steuerte.

Heute gilt das als Irrtum. Einen solchen Hohlraum gibt es auch bei anderen Dinosauriern und bei heutigen Vögeln. Bei Vögeln liegt darin ein Gewebe, das „Glykogenkörper“ heißt. Vermutlich versorgt es das Nervensystem mit dem Energiespeicher Glykogen. Seine genaue Aufgabe ist noch nicht geklärt, ein Gehirn ist es aber nicht.

Ernährung

Der Stegosaurus war ein Pflanzenfresser. Forschende vermuten, dass er Moose, Farne, Schachtelhalme, Palmfarne und Nadelhölzer fraß. Wegen des tief gehaltenen Kopfes weidete er wohl vor allem niedrige Pflanzen bis etwa 1 Meter Höhe ab. Ob er sich auf die Hinterbeine stellen konnte, um höher zu kommen, ist umstritten.

Seine Zähne waren klein und zum Zermahlen kaum geeignet. Eine Computerstudie von 2010 ergab, dass er dünne, grüne Zweige gut durchbeißen konnte, bei Ästen über etwa 12 Millimetern Dicke aber Probleme hatte. Früher hieß es oft, der Stegosaurus habe Magensteine geschluckt, um die Pflanzen zu zerkleinern. Dafür gibt es bei Stegosauriern aber keine Belege aus Fossilien. Wie er die großen Mengen Pflanzen verdaute, ist noch nicht gut verstanden.

Lebensweise

Der Stegosaurus war ein eher langsames Tier. Weil seine Hinterbeine viel länger waren als die Vorderbeine, konnte er nicht schnell laufen. Nach einer Schätzung schaffte er höchstens etwa 15 bis 18 Kilometer pro Stunde.

Versteinerte Fußspuren lassen vermuten, dass manche Stegosaurier in Gruppen mit Tieren unterschiedlichen Alters unterwegs waren. Eine Fährte zeigt vier oder fünf junge Stegosaurier, die in dieselbe Richtung liefen.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Über die Fortpflanzung des Stegosaurus ist sehr wenig bekannt. Wie alle Dinosaurier legte er vermutlich Eier. Eier von Stegosauriern hat man aber bisher nicht gefunden. Eine Studie von 2020 nennt Eischalen nur von wenigen Dinosauriergruppen, Stegosaurier gehören nicht dazu. Nach dieser Studie legten die ersten Dinosaurier weichschalige Eier, harte Kalkschalen entstanden erst später in einzelnen Gruppen. Das erklärt, warum man von vielen Dinosauriern keine Eischalen kennt.

Jungtiere sind dagegen bekannt. Zwei junge Stegosaurier waren nur etwa 1,5 und 2,6 Meter lang. Ein junges, noch nicht ausgewachsenes Tier aus Wyoming maß 4,6 Meter. Untersuchungen der Knochen zeigen, dass die Platten und Stacheln langsamer wuchsen als das Skelett, bis das Tier seine volle Größe erreicht hatte.

Wie lange ein Stegosaurus lebte, weiß man nicht.

Zeitalter und Umwelt

Der Stegosaurus lebte im Oberjura, vor etwa 152 bis 145 Millionen Jahren. Seine Fossilien stammen aus der Morrison-Formation, einer Gesteinsschicht im Westen der USA. Damals war die Landschaft dort eher trocken, mit Regen- und Trockenzeiten und weiten, flachen Flussebenen. An den Flüssen wuchsen Wälder aus Nadelbäumen, Baumfarnen und Farnen, dazwischen lagen Farnsavannen.

Im selben Lebensraum lebten riesige Langhals-Dinosaurier wie Brachiosaurus, Diplodocus und Barosaurus. Gefährlich wurden dem Stegosaurus Raubsaurier wie der Allosaurus und der Ceratosaurus.

Einem Tyrannosaurus rex ist der Stegosaurus nie begegnet. Der T. rex lebte erst vor 68 bis 66 Millionen Jahren. Zwischen den beiden liegen also fast 80 Millionen Jahre, mehr als zwischen dem T. rex und uns Menschen.

Häufige Fragen zum Stegosaurus

Wie groß und schwer war ein Stegosaurus?

Ausgewachsene Stegosaurier waren etwa 6,5 bis 9 Meter lang. Ihr Gewicht wird auf etwa 3,5 bis 5,3 Tonnen geschätzt. Das Skelett „Sophie“ in London stammt von einem noch nicht ganz ausgewachsenen Tier und wog berechnet rund 1,6 Tonnen.

Was hat der Stegosaurus gefressen?

Er fraß Pflanzen, vermutlich vor allem niedrig wachsende wie Farne, Moose, Schachtelhalme, Palmfarne und Nadelhölzer. Mit seinen kleinen Zähnen konnte er nur dünne Zweige und Blätter abbeißen.

Wann und wo lebte der Stegosaurus?

Er lebte vor etwa 152 bis 145 Millionen Jahren im Oberjura. Die meisten Fossilien stammen aus dem Westen der USA, vor allem aus Colorado und Wyoming. Ein Fund aus Portugal zeigt, dass er auch in Europa vorkam.

Wie hat sich der Stegosaurus fortgepflanzt?

Vermutlich legte er wie alle Dinosaurier Eier. Eier von Stegosauriern wurden aber noch nicht gefunden, und über Paarung und Brutpflege weiß man nichts. Bekannt sind Skelette von Jungtieren, die nur 1,5 bis 2,6 Meter lang waren.

Hatte der Stegosaurus zwei Gehirne?

Nein, das ist ein alter Mythos. Der Hohlraum im Becken, den man früher für ein zweites Gehirn hielt, enthielt wahrscheinlich ein Speichergewebe, wie es auch Vögel haben.

Wofür hatte der Stegosaurus Stacheln am Schwanz?

Zur Verteidigung. Verletzte Stacheln und ein durchbohrter Allosaurus-Wirbel zeigen, dass der Stegosaurus seinen Schwanz als Waffe gegen Raubsaurier einsetzte.

Ähnliche Tiere

  • Kentrosaurus - ein Verwandter aus Afrika mit vielen Stacheln
  • Brachiosaurus - riesiger Pflanzenfresser aus derselben Zeit und Gegend
  • Diplodocus - langhalsiger Nachbar in der Morrison-Formation
  • Barosaurus - ein weiterer Langhals-Dinosaurier aus dem Oberjura Nordamerikas
  • Ceratopsia - ebenfalls pflanzenfressende Vogelbeckensaurier, mit Hörnern und Nackenschild

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Stegosaurus
6,5 bis 9 m

Ein Stegosaurus erreicht eine Körpergröße von 6,5 bis 9 m. Damit passt er bequem zwischen eine Giraffe (5,5 m) und ein Haus (10 m) auf unserer Vergleichsskala.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Stegosaurus
3,5 bis 5,3 t

Ein Stegosaurus bringt 3,5 bis 5,3 t auf die Waage. Das ist schwerer als ein Auto (1,5 t), aber leichter als ein Schulbus (12 t). Anders ausgedrückt: Der Stegosaurus wiegt so viel wie etwa 3 Autos.