Sumatra-Tiger

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Sumatra-Tiger mit orangefarbenem, dicht schwarz gestreiftem Fell läuft über einen Felsabsatz vor einer Steinwand
Captain Herbert / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Der Sumatra-Tiger lebt nur auf der indonesischen Insel Sumatra und ist der kleinste heute lebende Tiger: Männchen wiegen höchstens etwa 140 Kilogramm. Seine engsten Verwandten, die Tiger von Java und Bali, sind bereits ausgestorben. Für Indonesien wurden 2023 etwa 393 wilde Tiger gemeldet. Die IUCN stufte den Sumatra-Tiger 2008 als vom Aussterben bedroht ein, vor allem weil sein Regenwald für Plantagen gerodet und er gewildert wird.

Steckbrief

Wissenschaftl. NamePanthera tigris sumatrae
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
  • Unterordnung: Katzenartige (Feliformia)
  • Familie: Katzen (Felidae)
  • Unterfamilie: Großkatzen (Pantherinae)
  • Gattung: Eigentliche Großkatzen (Panthera)
  • Art: Tiger (Panthera tigris), Unterart Sumatra-Tiger; nach Kitchener et al. (2017) Teil der Unterart Panthera tigris sondaica, zu der auch die ausgestorbenen Tiger von Java und Bali zählen
KörpergrößeEigene Längenmaße für Sumatra-Tiger nennen die verwendeten Quellen nicht; Tiger allgemein: Kopf-Rumpf-Länge 150 bis 230 cm, Schwanz 90 bis 110 cm
KörpergewichtMännchen bis etwa 140 kg, damit der kleinste heute lebende Tiger; Tiger allgemein 75 bis 325 kg
ErnährungFleischfresser: Tiger jagen vor allem große Huftiere wie Hirsche und Wildschweine; in den Plantagen Zentralsumatras fanden Forschende häufig Spuren von Wildschweinen
LebenserwartungIn Zoos im Median 18,4 Jahre (Zooverband AZA, 2023); Tiger allgemein 12 bis 15 Jahre
SozialverhaltenEinzelgänger
HerkunftSumatra (Indonesien)
Verbreitung Nur auf der indonesischen Insel Sumatra, vor allem in 12 Tiger-Schutzlandschaften mit zusammen etwa 88.000 km²; Regenwälder vom Tiefland bis ins Gebirge, auch Torfsumpfwälder Asien
EntdeckungAls eigene Unterart 1929 von Pocock benannt
GefährdungCR Vom Aussterben bedroht (Rote Liste der IUCN, 2008)
SonstigesGefährdungsangabe für die Unterart Panthera tigris sumatrae (Linkie et al. 2008). Die Art Tiger insgesamt gilt seit 2022 als stark gefährdet (EN, Goodrich et al. 2022). Bestand in Indonesien nach dem Global Tiger Forum: 371 Tiere (2016) und 393 Tiere (2023).

Der letzte Tiger der Sundainseln

Der Sumatra-Tiger (Panthera tigris sumatrae) lebt nur auf Sumatra, der großen Insel im Westen Indonesiens. Früher gab es auch auf den Nachbarinseln Java und Bali Tiger. Beide sind ausgestorben. Der Sumatra-Tiger ist damit der letzte Tiger der Sundainseln.

Er ist außerdem der kleinste heute lebende Tiger. Seine Männchen wiegen höchstens etwa 140 Kilogramm. Zum Vergleich: Ein Sibirischer Tiger kann mehr als doppelt so schwer werden.

Allgemeines zu Körperbau, Jagd und Fortpflanzung aller Tiger steht auf der Seite Tiger. Hier geht es darum, was den Sumatra-Tiger besonders macht, wie viele es noch gibt und warum er so stark bedroht ist.

Unterart oder mehr?

Als eigene Unterart beschrieben hat den Sumatra-Tiger der Zoologe Pocock im Jahr 1929. Untersuchungen des Erbguts und des Körperbaus zeigen, dass sich die Tiger Sumatras von den Tigern anderer Gegenden unterscheiden. Einige Forschende gingen sogar so weit, den Sumatra-Tiger als eigene Art anzusehen.

2017 stellte eine Arbeitsgruppe der Katzenexperten der IUCN um A. C. Kitchener eine neue Einteilung der Katzen vor. Danach gibt es nur noch zwei Unterarten des Tigers:

  • Panthera tigris tigris: alle Tiger des asiatischen Festlands, zum Beispiel der Königstiger und der Sibirische Tiger. Sie sind größer, heller und haben weniger Streifen.
  • Panthera tigris sondaica: die Tiger auf Sumatra und früher auch auf Java und Bali. Sie sind kleiner, dunkler und dichter gestreift.

Der Name sondaica stammt übrigens vom Java-Tiger, den der Zoologe Temminck 1844 beschrieben hatte. Grundlage für die neue Einteilung war unter anderem eine Studie von 2015: Sie fand bei den Tigern der drei Inseln keine klare Trennung nach Herkunft. Eine andere Studie entdeckte dagegen kleine Unterschiede zwischen den Inseln. Die Einteilung des Tigers wird deshalb von den Katzenexperten der IUCN erneut geprüft. Die Rote Liste der IUCN hat den Sumatra-Tiger 2008 als eigene Unterart bewertet.

Aussehen und Größe

Der Sumatra-Tiger hat das typische orangefarbene Tigerfell mit schwarzen Streifen und weißem Bauch. Im Vergleich zu den Festlandtigern ist sein Fell dunkler und dichter gestreift.

Backenbart: Tigermännchen tragen einen Haarkranz um das Gesicht. Beim Sumatra-Tiger ist er besonders ausgeprägt, nach dem Zoo San Diego ist er der größte aller Tiger.

Kurzes Fell: Tiger aus dem warmen Süden haben kürzeres und weniger dichtes Fell als Tiger aus dem kalten Norden. Bei südlichen Tigern sind die Haare auf dem Rücken nur 7 bis 29 Millimeter lang, bei nördlichen 40 bis 60 Millimeter.

Größe: Die Männchen des Sumatra-Tigers wiegen höchstens etwa 140 Kilogramm. Eigene, gut belegte Längenmaße nur für Sumatra-Tiger nennen die hier verwendeten Quellen nicht. Für Tiger allgemein gelten:

  • Kopf-Rumpf-Länge: 150 bis 230 cm
  • Schwanz: 90 bis 110 cm
  • Gewicht: 75 bis 325 kg

Dass Tiger im Süden kleiner sind, erklären Fachleute mit dem Klima: Ein kleinerer Körper gibt Wärme leichter ab. Außerdem werden Tierarten auf Inseln oft kleiner als ihre Verwandten auf dem Festland.

Ein Mythos: Oft liest man, der Sumatra-Tiger habe besondere Schwimmhäute zwischen den Zehen und sei als einziger Tiger ein guter Schwimmer. Für Schwimmhäute nennen die hier verwendeten Fachquellen keinen Beleg. Kräftige Schwimmer sind nach dem Zoo San Diego alle Tiger.

Verbreitung und Lebensraum

Der Sumatra-Tiger kommt nur auf Sumatra vor. Nach der Roten Liste der IUCN leben die meisten Tiere in 12 Tiger-Schutzlandschaften, die zusammen etwa 88.000 Quadratkilometer groß sind. Davon sind rund 58.000 Quadratkilometer Wald, etwa 37.000 Quadratkilometer liegen in zehn Nationalparks. Zu den wichtigsten Schutzgebieten zählen die Nationalparks Kerinci Seblat (13.971 km²) und Gunung Leuser (7.927 km²).

Wie verbreitet ist er noch? Von 2007 bis 2009 suchten Fachleute aus acht Organisationen gemeinsam mit dem indonesischen Forstministerium auf ganz Sumatra nach Tigerspuren. Sie liefen dabei 13.511 Kilometer ab, verteilt auf 394 Planquadrate von je 17 mal 17 Kilometern. In 206 Planquadraten fanden sie Spuren. Weil Spuren leicht übersehen werden, rechneten die Forschenden nach: Demnach leben in etwa 72 Prozent der untersuchten Planquadrate Tiger. Je stärker in einem Gebiet der Wald abgeholzt wurde, desto seltener waren aber die Tiger.

Lebensraum: Der Sumatra-Tiger ist ein Waldtier. Eine Studie in Zentralsumatra zeigte:

  • Tiger bevorzugen Wald mit dichtem Unterwuchs, in dem sie sich verstecken und Beute anschleichen können.
  • Plantagen von Akazien und Ölpalmen nutzen sie viel seltener, als es ihrem Flächenanteil entspräche. Am ehesten durchstreifen sie noch Akazienplantagen.
  • Einzelne Tiger, vermutlich junge Tiere auf der Suche nach einem eigenen Revier, wanderten bis zu etwa 16 Kilometer weit von großen Wäldern entfernt durch Plantagen.
  • In Torfsumpfwäldern im Tiefland gibt es nur wenig Beute, dort fanden die Forschenden seltener Hinweise auf Tiger.
  • Menschliche Siedlungen meiden sie.

Ernährung

Wie alle Tiger ist der Sumatra-Tiger ein reiner Fleischfresser. Tiger jagen vor allem große Huftiere wie Hirsche und Wildschweine. Sie brauchen etwa 50 bis 60 große Beutetiere im Jahr. Wird große Beute knapp, fangen sie auch kleinere Tiere wie Vögel, Fische, Nagetiere oder Affen.

In den Plantagen Zentralsumatras fanden Forschende häufig Spuren von Wildschweinen. Beutetiere gab es in den meisten untersuchten Gebieten, auch in den Plantagen. Damit ein Tiger dort jagen kann, braucht er aber Deckung am Boden.

Verhalten und Fortpflanzung

Tiger sind Einzelgänger. Die Weibchen verteidigen ein eigenes Revier. Die Reviere der Männchen sind größer und überschneiden sich meist mit denen von einem bis drei Weibchen.

Für Tiger allgemein gilt: Nach etwa 103 Tagen Tragzeit bringt das Weibchen ein bis fünf Junge zur Welt. Die Jungen bleiben 18 bis 28 Monate bei der Mutter, bevor sie selbstständig werden. In freier Natur werden Tiger meist 12 bis 15 Jahre alt. Sumatra-Tiger in Zoos erreichen nach einer Auswertung des Zooverbands AZA von 2023 im Median ein Alter von 18,4 Jahren.

Wie viele Sumatra-Tiger gibt es noch?

Genaue Zahlen sind schwer zu bekommen, weil Tiger im Regenwald scheu und selten zu sehen sind. Die bekannten Schätzungen:

JahrSchätzungQuelle
1994 und 2007400 bis 500 TigerTiger-Aktionspläne der indonesischen Regierung (nach IUCN)
2008davon nur 176 bis 271 fortpflanzungsfähige Tiere, die zum Erhalt beitragenRote Liste der IUCN
2016371 Tiger in IndonesienGlobal Tiger Forum
2019etwa 370 TigerZoo San Diego, nach einer Mitteilung eines Tigerexperten
2023393 Tiger in IndonesienGlobal Tiger Forum

Da es in Indonesien nur noch auf Sumatra wilde Tiger gibt, beziehen sich die Zahlen für Indonesien auf den Sumatra-Tiger. Weltweit schätzte das Global Tiger Forum 2023 etwa 5.574 wilde Tiger. Der Sumatra-Tiger macht also nur einen kleinen Teil davon aus.

Indonesien hatte sich vorgenommen, die Zahl der Sumatra-Tiger bis 2022 zu verdoppeln.

Bedrohung: Palmöl, Papier und Wilderei

Die IUCN hat den Sumatra-Tiger 2008 als eigene Unterart bewertet und als vom Aussterben bedroht eingestuft (Critically Endangered). Die Art Tiger insgesamt gilt seit 2022 als stark gefährdet (Endangered).

Verlust des Regenwalds: Sumatra hat seit 1985 mehr als die Hälfte seiner Wälder verloren, vor allem durch die Papier- und Zellstoffindustrie und durch Ölpalmen-Plantagen. Die IUCN nannte 2008 einen Waldverlust von 3,2 bis 5,9 Prozent pro Jahr. Als Hauptgrund für den Lebensraumverlust des Tigers nennt sie neue Ölpalmen- und Akazienplantagen. In der Provinz Riau wurden innerhalb von 25 Jahren 65 Prozent der Wälder gerodet. Dort wurden jedes Jahr 9,8 Prozent des Waldes abgeholzt, und dort fanden die Forschenden auch die wenigsten Tiger. Besonders betroffen sind Wälder im Tiefland, die oft nicht geschützt sind. Geplante Straßen könnten zudem die beiden größten Tigerlandschaften zerschneiden.

Wilderei: Zwischen 1998 und 2002 wurden auf Sumatra jedes Jahr mindestens 51 Tiger getötet. 76 Prozent davon wurden für den Handel gewildert, 15 Prozent wegen Konflikten mit Menschen getötet. Begehrt sind bei Tigern vor allem Felle, Knochen und andere Körperteile. Bei Marktuntersuchungen fand man Körperteile von mindestens 23 Tigern zum Verkauf.

Konflikte mit Menschen: Auf Sumatra werden jedes Jahr ein bis fünf Menschen von Tigern getötet. Tiger, die in Dörfer kommen oder Vieh reißen, werden ihrerseits oft verfolgt.

Wenig Beute: Werden Hirsche und Wildschweine gejagt, fehlt dem Tiger die Nahrung.

Schutz

Der Tiger steht in Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens, und in Indonesien ist die Jagd auf ihn verboten. Schon 1994 legte Indonesien eine eigene Strategie zum Schutz des Sumatra-Tigers vor. 2008 vereinbarten die Gouverneure aller zehn Provinzen Sumatras, die Raumplanung abzustimmen und Ökosysteme wiederherzustellen. Die Provinz Aceh stoppte 2007 den kommerziellen Holzeinschlag und neue Plantagen.

Forschende empfehlen außerdem, Plantagen so zu bewirtschaften, dass Tiger sie durchqueren können. Waldstreifen an Flüssen und kleine Waldinseln können als Wanderwege zwischen den großen Wäldern dienen.

Ausgestorben: Bali-Tiger und Java-Tiger

Die nächsten Verwandten des Sumatra-Tigers gibt es nicht mehr:

  • Der Bali-Tiger verschwand in den 1940er-Jahren. Er war der kleinste Tiger überhaupt. Männchen wogen nur 90 bis 100 Kilogramm, Weibchen 65 bis 80 Kilogramm.
  • Der Java-Tiger verschwand in den 1960er-Jahren.

Nach den Katzenexperten der IUCN führte vermutlich ein Zusammenspiel aus Lebensraumverlust, fehlender Beute, Jagd und Krankheiten zum Aussterben dieser Tiger. Auf Java trugen auch Konflikte zwischen Menschen und Tigern dazu bei. Genau diese Gefahren bedrohen heute den Sumatra-Tiger.

Häufige Fragen zum Sumatra-Tiger

Wie viele Sumatra-Tiger gibt es noch?

Nach dem Global Tiger Forum lebten 2023 in Indonesien etwa 393 wilde Tiger, alle auf Sumatra. 2016 waren es 371. Ältere Schätzungen lagen bei 400 bis 500 Tieren.

Ist der Sumatra-Tiger der kleinste Tiger?

Ja, von den heute lebenden Tigern ist er der kleinste. Seine Männchen wiegen höchstens etwa 140 Kilogramm. Der ausgestorbene Bali-Tiger war noch kleiner.

Wo lebt der Sumatra-Tiger?

Nur auf der indonesischen Insel Sumatra. Er braucht große, zusammenhängende Wälder mit dichtem Unterwuchs, vom Tiefland bis in die Berge.

Warum ist der Sumatra-Tiger vom Aussterben bedroht?

Sein Regenwald wird vor allem für Ölpalmen- und Akazienplantagen und die Papierindustrie gerodet. Dazu kommen Wilderei für den Handel mit Tigerteilen, Konflikte mit Menschen und der Mangel an Beutetieren.

Kann der Sumatra-Tiger schwimmen?

Ja, wie alle Tiger ist er ein kräftiger Schwimmer. Dass er als einziger Tiger Schwimmhäute hat, ist in den hier verwendeten Fachquellen nicht belegt.

Was frisst der Sumatra-Tiger?

Wie alle Tiger jagt er vor allem große Huftiere wie Hirsche und Wildschweine. In Plantagen in Zentralsumatra waren Wildschweine besonders häufig.

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Quellen