Tapir
Zuletzt aktualisiert:

Kurz erklärt
Tapire sind große Pflanzenfresser mit einem kurzen, beweglichen Rüssel. Sie sehen ein bisschen aus wie Schweine, sind aber mit Pferden und Nashörnern verwandt. Es gibt vier sicher anerkannte Arten: drei in Mittel- und Südamerika und den schwarz-weißen Schabrackentapir in Südostasien. Tapirkinder haben ein Fell mit hellen Streifen und Flecken. Alle Arten sind gefährdet.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Tapirus (Gattung mit vier anerkannten Arten) |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Länge je nach Art etwa 1,3 m (Kabomani-Tapir, falls als eigene Art gezählt) bis 2,5 m (Schabrackentapir); Schulterhöhe 0,8 bis 1 m; Schwanz nur 5 bis 13 cm |
| Körpergewicht | 110 bis 320 kg je nach Art; der Schabrackentapir ist am schwersten. Neugeborene wiegen 7 bis 10 kg |
| Ernährung | Pflanzenfresser: Blätter, Zweige, Gräser, Wasserpflanzen und Früchte; bis zu 34 kg Futter am Tag |
| Lebenserwartung | Mittlere Lebenserwartung 19,5 Jahre (Angabe des San Diego Zoos) |
| Sozialverhalten | Lange als Einzelgänger beschrieben; neuere Beobachtungen zeigen, dass Tapire oft auch zu zweit oder in kleinen Gruppen fressen |
| Herkunft | Mittel- und Südamerika, Südostasien |
| Verbreitung | Flachlandtapir in Südamerika von Kolumbien bis Paraguay und Brasilien; Bergtapir in den Anden von Kolumbien, Ecuador und Nordwest-Peru; Tapirus bairdii von Südost-Mexiko bis Nordkolumbien; Schabrackentapir in Thailand, Myanmar, Malaysia und auf Sumatra AsienNordamerikaSüdamerika |
| Sonstiges | Gruppenseite mit vier anerkannten Arten und ihrer Einstufung auf der Roten Liste der IUCN: Flachlandtapir (Tapirus terrestris; gefährdet, VU 2019), Bergtapir (Tapirus pinchaque; stark gefährdet, EN 2016), Baird-Tapir (Tapirus bairdii; stark gefährdet, EN 2016) und Schabrackentapir (Tapirus indicus; stark gefährdet, EN 2016). Der 2013 beschriebene Kabomani-Tapir (Tapirus kabomani) ist als eigene Art umstritten und wurde von der IUCN nicht eigenständig bewertet. |
Was ist ein Tapir?
Wer zum ersten Mal einen Tapir sieht, denkt vielleicht an ein Schwein mit Rüssel. Tatsächlich sind Tapire aber am nächsten mit Pferden und Nashörnern verwandt. Wie diese gehören sie zu den Unpaarhufern (Perissodactyla). An den Vorderfüßen haben Tapire vier Zehen, an den Hinterfüßen drei.
"Tapir" ist der Name für eine ganze Gattung mit dem wissenschaftlichen Namen Tapirus. Sicher anerkannt sind vier Arten:
- Flachlandtapir (Tapirus terrestris): lebt im tropischen Tiefland Südamerikas
- Bergtapir (Tapirus pinchaque), auch Wolltapir genannt: lebt hoch oben in den Anden
- Baird-Tapir (Tapirus bairdii): lebt in Mittelamerika und im Süden Mexikos
- Schabrackentapir (Tapirus indicus): die einzige Art in Asien, schwarz-weiß gefärbt
Dazu kommt der Kabomani-Tapir (Tapirus kabomani), dessen Beschreibung als eigene Art umstritten ist. Mehr dazu weiter unten.
Aussehen und Körperbau
Tapire haben einen tropfenförmigen Körper: vorne schmal, hinten breit. Mit dieser Form schieben sie sich gut durch dichtes Pflanzengewirr. Die Augen und Ohren sind klein, der Schwanz ist ein kurzer Stummel von nur 5 bis 13 Zentimetern. Das Fell der meisten Tapire besteht aus kurzen, borstigen Haaren.
Größe und Gewicht: Je nach Art werden Tapire 80 Zentimeter bis 1 Meter hoch und wiegen 110 bis 320 Kilogramm. Der größte und schwerste ist der Schabrackentapir: Er wird 1,8 bis 2,5 Meter lang und bis zu 320 Kilogramm schwer. Unter den vier anerkannten Arten ist der Bergtapir am kleinsten. Der umstrittene Kabomani-Tapir wäre mit bis zu 1,3 Meter Länge noch kleiner. Ungewöhnlich bei Tapiren: Die Männchen sind etwas kleiner als die Weibchen.
Die vier Arten im Vergleich:
| Art | Fell | Wo sie lebt |
|---|---|---|
| Flachlandtapir | dunkler Rücken, hellere Unterseite | Südamerika, warme und feuchte Wälder |
| Bergtapir | lang, dicht und wellig, braunschwarz, weiß um das Maul | Anden in 1.200 bis 4.800 m Höhe |
| Baird-Tapir | dunkel rotbraun bis schwarz, weiße Brust, weißes Kinn, weiße Ohrränder | Südost-Mexiko bis Nordkolumbien |
| Schabrackentapir | vorne schwarz, hinten weiß | Thailand, Myanmar, Malaysia, Sumatra |
Die schwarz-weiße Färbung des Schabrackentapirs ist eine Tarnung: Im Schatten des Waldes zerreißt sie den Umriss des Körpers, sodass man das Tier schlechter erkennt. Das dicke Fell des Bergtapirs hält dagegen in seiner kalten Bergheimat warm.
Der Rüssel: Nase, Hand und Schnorchel
Das auffälligste Merkmal ist der kurze Rüssel. Er entsteht aus Nase und Oberlippe, die zusammengewachsen sind, ähnlich wie beim Elefanten, nur viel kleiner. Der Tapir kann ihn in alle Richtungen bewegen und nutzt ihn auf vielerlei Weise:
- Als Greifwerkzeug: Er packt damit Zweige, streift die Blätter ab oder pflückt Früchte und steckt sie sich direkt ins Maul.
- Als Nase: Im dichten Wald spürt er damit Gerüche auf. Da Tapire meist nachts unterwegs sind, hilft ihnen der Rüssel, Futter im Dunkeln zu finden.
- Als Schnorchel: Taucht der Tapir unter, streckt er nur den Rüssel aus dem Wasser und atmet weiter.
Ohne den Kopf zu bewegen, kann ein Tapir mit seinem Rüssel eine Fläche von etwa 30 Zentimetern Durchmesser am Boden absuchen.
Verbreitung und Lebensraum
Heute leben Tapire nur noch in Mittel- und Südamerika und in Südostasien. Früher war die Gruppe viel weiter verbreitet: Fossilien zeigen, dass es einst 15 Tapirarten auch in Nordamerika, Europa und Asien gab. Sie starben durch Veränderungen ihres Lebensraums, durch den Klimawandel und durch Jagd aus.
Die heutigen Arten leben in ganz unterschiedlichen Landschaften:
- Der Flachlandtapir kommt in elf Ländern vor. Die meisten Tiere leben in feuchten Tiefland- und Sumpfwäldern, man findet ihn aber auch in trockenen Wäldern und in Savannen.
- Der Bergtapir lebt in Nebelwäldern und im Páramo, dem baumlosen Hochland der Anden, in Kolumbien, Ecuador und im Nordwesten Perus.
- Der Baird-Tapir lebt von Nordkolumbien über Panama, Costa Rica, Nicaragua, Honduras, Guatemala und Belize bis in den Südosten Mexikos.
- Der Schabrackentapir lebt in den Regenwäldern von Thailand, Myanmar und der Malaiischen Halbinsel sowie auf Sumatra.
Wichtig sind für alle Tapire Verstecke für den Tag und Wasser in der Nähe, etwa ein See, Fluss oder Teich.
Verhalten und Lebensweise
Tapire sind vor allem in der Dämmerung aktiv, viele auch die ganze Nacht. Trotz ihres plumpen Aussehens sind sie erstaunlich wendig. Sie klettern steile Flussufer hinauf, rennen und schwimmen sehr gut. Ihre gespreizten Zehen geben ihnen auf rutschigem Schlamm Halt. Man nimmt an, dass sie wie Flusspferde über den Grund von Flüssen laufen können.
Im Wasser verbringen Tapire viel Zeit. Sie fressen dort Wasserpflanzen, kühlen sich ab und werden lästige Hautparasiten los. Sie können mehrere Minuten unter Wasser bleiben. Bei Gefahr flüchten sie ins Wasser.
Tapire verständigen sich auf verschiedene Weise:
- Ein hoher Pfiff ist einer ihrer häufigsten Laute. Er klingt wie quietschende Autobremsen.
- Schnauben und Aufstampfen bedeutet, dass sich ein Tapir zur Verteidigung bereit macht.
- Mit Urin markieren sie ihre Pfade im Wald. Andere Tapire erkennen am Geruch, wer in der Gegend lebt.
Lange galten Tapire als strenge Einzelgänger. Neuere Beobachtungen zeigen aber, dass sie oft zu zweit oder in kleinen Gruppen fressen und größere Gebiete durchstreifen als gedacht.
Ernährung
Tapire sind Pflanzenfresser. Sie zupfen Blätter von Bäumen und Sträuchern, fressen Gräser und Wasserpflanzen und suchen am Boden nach heruntergefallenen Früchten. Ein Tapir kann bis zu 34 Kilogramm Futter am Tag fressen.
Gärtner des Regenwalds
Mit den Früchten schlucken Tapire auch die Samen. Viele davon überstehen die Reise durch den Darm und landen an einem anderen Ort im Kot, gleich mit Dünger. In einer Untersuchung von Flachlandtapiren in Peru fanden Forschende 122 verschiedene Samen im Kot.
Eine Auswertung von 39 Studien kam 2013 zu dem Ergebnis, dass Tapire eine Schlüsselrolle als Samenverbreiter spielen:
- Sie tragen Samen über weite Strecken.
- Die Tapire Amerikas können auch große Samen verbreiten, die selbst große Affen nicht weitertragen.
- Manche Samen zerstören sie aber auch beim Fressen.
Tapire gehören zu den letzten großen Pflanzenfressern, die das Aussterben vieler Großtiere im Eiszeitalter (Pleistozän) überlebt haben. Deshalb sind sie für manche Pflanzen vielleicht die letzten Tiere, die deren Samen noch verbreiten können. Vom Kot profitieren auch andere Tiere: Mistkäfer verbreiten die Samen weiter, und Eichhörnchen fressen sie.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Ein Tapirweibchen ist 13 bis 14 Monate trächtig. Dann bringt es im Stehen meist ein einziges Junges zur Welt, Zwillinge sind selten. Das Neugeborene wiegt 7 bis 10 Kilogramm, hat die Augen schon offen und steht nach ein bis zwei Stunden auf. Schon nach wenigen Tagen kann es schwimmen.
Warum sind Tapirbabys gestreift?
Alle Tapirkinder sehen gleich aus, egal welcher Art sie angehören: Ihr braunes Fell trägt helle Streifen und Flecken. Im fleckigen Sonnenlicht des Waldes ist das eine gute Tarnung, besonders wenn das Junge am Boden liegt, während die Mutter Futter sucht. Nach einigen Monaten verblasst das Muster. Mit etwa sechs Monaten sieht das Junge aus wie ein kleiner erwachsener Tapir.
Das Junge trinkt Milch, solange die Mutter welche hat oder bis das nächste Geschwister geboren wird. Mit etwa 18 Monaten ist es ausgewachsen, geschlechtsreif wird es mit 2 bis 4 Jahren. Weil Tapire so lange tragen und nur ein Junges bekommen, vermehren sie sich langsam.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde sind große Katzen und Krokodile. Den Flachlandtapir jagen zum Beispiel Jaguare, den Schabrackentapir vor allem Tiger. Erwachsene Tapire wehren sich mit ihrer dicken Haut und mit Bissen.
Viel gefährlicher ist der Mensch. Tapire werden wegen ihres Fleisches und ihrer Haut gejagt. Vor allem aber verlieren sie ihren Lebensraum, wenn Wälder für Felder, Rinderweiden, Ölpalmen- und Kautschukplantagen oder Straßen gerodet werden. Weil sie groß sind, sich langsam vermehren und empfindlich auf Störungen reagieren, gehen Tapire als Erste zurück, wenn der Mensch in ein Gebiet eingreift.
Laut der Roten Liste der IUCN sind alle vier Arten gefährdet:
| Art | Einstufung |
|---|---|
| Flachlandtapir | gefährdet (VU, 2019) |
| Bergtapir | stark gefährdet (EN, 2016) |
| Baird-Tapir | stark gefährdet (EN, 2016) |
| Schabrackentapir | stark gefährdet (EN, 2016) |
Vom Bergtapir leben weniger als 2.500 Tiere. Beim Baird-Tapir schätzt man, dass der Bestand in 30 Jahren um die Hälfte geschrumpft ist.
Der umstrittene Kabomani-Tapir
2013 beschrieb ein Forschungsteam um Mario Cozzuol aus dem Amazonas-Regenwald eine neue Tapirart, den Kabomani-Tapir. Er sollte kleiner sein als der Flachlandtapir und einen anders geformten Schädel haben. Die einheimische Bevölkerung kannte die Tiere schon lange. Es wäre die erste neu entdeckte Unpaarhuferart seit mehr als 100 Jahren gewesen.
Andere Fachleute zweifelten aber daran. Eine Studie von 2024 untersuchte das Erbgut erneut und kam zu dem Schluss, dass der Kabomani-Tapir keine eigene Art ist, sondern eine besondere Gruppe innerhalb des Flachlandtapirs. Die IUCN führt ihn nicht als eigene Art auf der Roten Liste.
Lebende Fossilien
Die ersten Tapire tauchten vor etwa 50 Millionen Jahren auf. Die älteste Fundstelle eines Tapir-Vorfahren liegt in der kanadischen Arktis. Weil die heutigen Arten ihren Vorfahren immer noch sehr ähnlich sind, bezeichnet die Tapir-Fachgruppe der IUCN sie als "lebende Fossilien".
Häufige Fragen zum Tapir
Mit welchen Tieren ist der Tapir verwandt?
Tapire sind am nächsten mit Pferden und Nashörnern verwandt. Alle drei gehören zu den Unpaarhufern. Mit Schweinen sind sie trotz der Ähnlichkeit nicht näher verwandt.
Wie schwer wird ein Tapir?
Je nach Art wiegt ein erwachsener Tapir 110 bis 320 Kilogramm. Am schwersten wird der Schabrackentapir in Südostasien.
Was frisst ein Tapir?
Tapire fressen nur Pflanzen: Blätter, Zweige, Gräser, Wasserpflanzen und Früchte. An einem Tag können es bis zu 34 Kilogramm sein.
Warum sind junge Tapire gestreift?
Die hellen Streifen und Flecken tarnen das Junge im fleckigen Licht des Waldbodens. Nach einigen Monaten verschwindet das Muster.
Können Tapire schwimmen?
Ja, sehr gut. Schon Jungtiere schwimmen nach wenigen Tagen. Tapire bleiben mehrere Minuten unter Wasser und atmen beim Schwimmen durch den Rüssel wie durch einen Schnorchel.
Wo leben Tapire?
Drei Arten leben in Mittel- und Südamerika, der Schabrackentapir in Südostasien. Sie brauchen Wald oder dichtes Grasland und Wasser in der Nähe.
Ähnliche Tiere
- Nashorn - ein naher Verwandter aus der Gruppe der Unpaarhufer
- Pferd - ebenfalls ein Unpaarhufer
- Wildschwein - sieht ähnlich aus, ist aber nicht näher verwandt
- Capybara - ein weiterer großer Pflanzenfresser in Südamerika, der gern im Wasser ist
- Jaguar - ein natürlicher Feind des Flachlandtapirs
Quellen
- Tapir - San Diego Zoo Wildlife Alliance Animals and Plants
- Tapirs - IUCN/SSC Tapir Specialist Group
- O'Farrill, G., Galetti, M. & Campos-Arceiz, A. (2013): Frugivory and seed dispersal by tapirs: an insight on their ecological role. Integrative Zoology 8(1), 4-17
- Cozzuol, M. A. et al. (2013): A new species of tapir from the Amazon. Journal of Mammalogy 94(6), 1331-1345
- Ruiz-García, M. et al. (2024): New Insights into the Molecular Evolution of Tapirus pinchaque (Tapiridae, Perissodactyla) and the Rise and Fall of Tapirus kabomani as a Full Species. Genes 15(12), 1537
- IUCN Red List of Threatened Species: Tapirus terrestris (Varela et al. 2019), Tapirus pinchaque (Lizcano et al. 2016), Tapirus bairdii (García et al. 2016), Tapirus indicus (Traeholt et al. 2016)
Größenvergleich
Ein Tapir erreicht eine Körpergröße von 1,3 bis 2,5 m. Damit passt er bequem zwischen ein Kind (1,2 m) und einen Elefanten (3,5 m) auf unserer Vergleichsskala.
Gewichtsvergleich
Ein Tapir bringt 110 bis 320 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Erwachsener (75 kg), aber leichter als ein Auto (1,5 t). Anders ausgedrückt: Der Tapir wiegt so viel wie etwa 3 Erwachsene.