Tasmanischer Teufel
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Kurz erklärt
Der Tasmanische Teufel ist das größte heute lebende fleischfressende Beuteltier. Er lebt nur auf der Insel Tasmanien südlich von Australien, ist nachts unterwegs und frisst vor allem Aas, das er mitsamt Knochen und Fell vertilgt. Von allen heute lebenden Säugetieren hat er im Verhältnis zu seiner Größe den stärksten Biss. Seit 1996 bedroht ihn ein ansteckender Gesichtstumor, deshalb gilt er als stark gefährdet.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Sarcophilus harrisii |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 57 bis 65 cm |
| Körpergewicht | 4 bis 14 kg |
| Ernährung | Fleischfresser, überwiegend Aasfresser |
| Lebenserwartung | In freier Natur meist bis 5 Jahre, selten mehr als 6 Jahre; einzelne Tiere werden 7 bis 8 Jahre alt |
| Sozialverhalten | Einzelgänger, frisst aber gemeinsam an großen Kadavern |
| Herkunft | Australien |
| Verbreitung | Nur auf Tasmanien Australien |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1841 durch den französischen Naturforscher Pierre Boitard |
| Gefährdung | EN Stark gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2008) |
| Sonstiges | Die Körpergröße ist die Länge ohne Schwanz, der Schwanz misst zusätzlich 24 bis 26 cm. Weibchen wiegen meist 7 bis 8 kg, große Männchen bis 14 kg. Schulterhöhe rund 30 cm. |
Wie der Teufel zu seinem Namen kam
Der Tasmanische Teufel ist ein Beuteltier von der Größe eines kleinen Hundes. Sein Name geht auf die ersten europäischen Siedler auf Tasmanien zurück. Aus dem Busch hörten sie nachts unheimliche Schreie, Husten und Knurren. Als sie nachsahen, fanden sie ein schwarzes, gedrungenes Tier mit roten Ohren, breitem Maul und großen Zähnen. Für sie klang und sah das nach einem Teufel aus. Die Aborigines Tasmaniens hatten schon lange eigene Namen für das Tier, einer davon lautet "purinina".
Wissenschaftlich heißt der Tasmanische Teufel Sarcophilus harrisii. Der Gattungsname bedeutet so viel wie "Fleischfreund". Beschrieben wurde die Art 1841 von dem französischen Naturforscher Pierre Boitard. Ein zweiter deutscher Name ist Beutelteufel.
Aussehen und Körperbau
Der Tasmanische Teufel hat einen stämmigen, gedrungenen Körper, einen auffallend großen und breiten Kopf und einen kurzen, dicken Schwanz. Ohne Schwanz misst er etwa 57 bis 65 Zentimeter, der Schwanz kommt mit 24 bis 26 Zentimetern dazu. An der Schulter ist ein großes Männchen rund 30 Zentimeter hoch.
Das Fell ist meist ganz schwarz. Viele Tiere tragen weiße Flecken oder Streifen an Brust, Flanken und Hinterteil, etwa jeder zehnte Teufel ist dagegen komplett schwarz ohne jede Zeichnung. Dieses Schwarz-Weiß-Muster zerlegt den Umriss des Tieres und erschwert es Beutetieren, seine Form zu erkennen. Beim Drohen hebt der Teufel den Kopf, reißt das Maul auf und zeigt dabei den weißen Fleck auf der Brust.
Männchen werden größer als Weibchen. Ein typisches ausgewachsenes Weibchen wiegt 7 bis 8 Kilogramm, besonders große Männchen bringen bis zu 14 Kilogramm auf die Waage. Wie schwer ein Teufel wird, hängt stark vom Nahrungsangebot und vom Lebensraum ab. Bei sehr alten Männchen machen Kopf und Hals fast ein Viertel des Körpergewichts aus.
Die Ohren sind nur dünn behaart und sehr dünnhäutig. Wenn ein Teufel aufgeregt oder gestresst ist, füllen sie sich mit Blut und leuchten rot. Auffällig sind auch die Tasthaare: Sie sind lang und sitzen in Büscheln über den Augen, an der Schnauze und an den Wangen. Beim Fressen in der Dunkelheit helfen sie beim Abstandhalten. Berühren sich die Tasthaare zweier Teufel nicht, sind beide außerhalb der Bissreichweite.
Der stärkste Biss unter den Säugetieren
Der Schädel des Tasmanischen Teufels trägt einen kräftigen Knochenkamm in der Mitte, an dem sehr starke Kaumuskeln ansetzen. Dazu kommt ein massiger Hals, der diesen schweren Kopf tragen muss. Die Backenzähne zerbrechen Knochen, die Schneidezähne reißen Fleisch ab, die Eckzähne töten. Nachwachsen können die Zähne nicht, sie nutzen sich im Lauf des Lebens ab.
In einer Untersuchung von 2005 verglichen australische Forscher die Beißkraft vieler Raubtiere und rechneten sie auf das Körpergewicht um. Ergebnis: Unter allen heute lebenden Säugetieren hat der Tasmanische Teufel die höchste Beißkraft im Verhältnis zur Körpergröße. Die Naturschutzbehörde Tasmaniens beschreibt es anschaulich so: Ein 10 Kilogramm schwerer Teufel beißt etwa so kräftig wie ein Hund von 40 Kilogramm.
Verbreitung und Lebensraum
Heute lebt der Tasmanische Teufel ausschließlich auf Tasmanien, der großen Insel südlich des australischen Festlands. Auf den Inseln der Bass-Straße kommt er nicht vor.
Früher war das anders. Fossilien belegen, dass Teufel auch auf dem australischen Festland weit verbreitet waren. Nach Angaben des Australian Museum starben sie dort vor 3.200 bis 3.500 Jahren aus, also lange vor der Ankunft der Europäer. Als Gründe werden ein trockener werdendes Klima und die Ausbreitung des Dingos diskutiert. Nach Tasmanien gelangte der Dingo nie, weil die Bass-Straße im Weg lag.
Auf Tasmanien selbst ist der Teufel von der Küste bis ins Bergland zu finden. Er lebt in Küstenheiden, in trockenen Eukalyptuswäldern und in Mischwäldern mit Regenwaldanteil. Auch am Rand von Weiden und Feldern ist er unterwegs, weil dort viele seiner Beutetiere leben. Tagsüber versteckt er sich in hohlen Baumstämmen, unter Steinhaufen, im dichten Gebüsch, in verlassenen Wombatbauen und manchmal sogar unter Gebäuden.
Ernährung
Der Tasmanische Teufel ist in erster Linie ein Aasfresser. Er frisst, was er findet: tote Wallabys, Possums und Wombats, dazu kleine Säugetiere, Vögel und Eier. In den Mägen wild lebender Teufel wurden auch Reptilien, Amphibien, Insekten, Fische und sogar Seescheiden gefunden. In Weidegebieten fressen sie Kadaver von Schafen und Rindern. An Stränden gehen sie an angeschwemmte Wal- und Robbenkadaver.
Mit seinen kräftigen Kiefern vertilgt er einen Kadaver fast vollständig, mit Knochen, Fell, Haut und Innereien. Damit ist er die Gesundheitspolizei Tasmaniens: Er räumt tote Tiere weg, bevor sich dort Fliegenmaden entwickeln können.
Wenn ein Teufel ungestört fressen kann, schafft er in 30 Minuten bis zu 40 Prozent seines eigenen Körpergewichts. Fachleute nennen das Schlingfressen. Es lohnt sich, weil an einem großen Kadaver bald weitere Teufel auftauchen. Im Durchschnitt braucht ein wild lebender Teufel aber nur etwa 12 Prozent seines Körpergewichts an Nahrung pro Tag.
Verhalten und Lebensweise
Tasmanische Teufel sind nachtaktiv. Nachts wandern sie auf festen Pfaden bis zu 16 Kilometer weit durch ihr Streifgebiet und suchen nach Futter. Ihr Geruchssinn ist ausgezeichnet, damit spüren sie Beute und Kadaver auf. Beim Suchen verlassen sie sich mehr auf die Nase als auf die Augen. Auch ihren Kot setzen sie gezielt an gemeinsamen Latrinen ab: Daran erkennt ein Teufel, welche Artgenossen gerade in der Gegend unterwegs sind.
Normalerweise bewegt sich ein Teufel gemächlich im typischen Watschelgang. Auf einer flachen Straße wurden Tiere gemessen, die fast 25 Kilometer pro Stunde erreichten und dieses Tempo einen Kilometer lang hielten. Bei 10 Kilometern pro Stunde halten sie viele Kilometer durch. Jungtiere klettern gut, mit dem Alter lässt diese Fähigkeit nach. Schwimmen können Teufel ebenfalls, und sie legen sich an heißen Tagen gern ins Wasser.
Ein Revier verteidigen Tasmanische Teufel nicht, sie haben aber ein Streifgebiet. Sie leben einzeln und treffen sich vor allem an großen Kadavern. Dort geht es laut zu. Mindestens elf verschiedene Lautäußerungen sind bekannt, darunter Schnauben, Bellen, Knurren, Kieferklappern und ein markerschütterndes Kreischen. Ein scharfes Niesen gilt als Herausforderung und geht oft einem Kampf voraus. Vieles davon ist Bluff: Der Lärm klärt die Rangordnung, ohne dass sich die Tiere ernsthaft verletzen. Auch das berühmte weit aufgerissene Maul ist kein Angriff, sondern zeigt Unsicherheit und Angst.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Die meisten Tasmanischen Teufel paaren sich zwischen Februar und Mai. Nach nur etwa 21 Tagen Tragzeit kommen bis zu 40 winzige Junge zur Welt, jedes etwa so groß wie ein Reiskorn. Im Beutel der Mutter gibt es aber nur vier Zitzen. Nur die vier Jungtiere, die es als Erste dorthin schaffen und sich festsaugen, überleben.
Der Beutel öffnet sich nach hinten. Etwa viereinhalb Monate bleiben die Jungen darin. Danach lässt die Mutter sie in einem Bau zurück, oft in einem hohlen Baumstamm, der mit weichem Gras ausgepolstert ist. In der Nähe von Siedlungen fanden Forscher auch Nester aus gestohlenen Kleidungsstücken, Handtüchern oder Plastiktüten. Mit fünf bis sechs Monaten wiegen die Jungtiere rund 3 Kilogramm und werden entwöhnt. Bis zum Dezember, dem Hochsommer auf der Südhalbkugel, haben sie die Mutter meist verlassen.
Weibchen bekommen in der Regel am Ende ihres zweiten Lebensjahres zum ersten Mal Nachwuchs und pflanzen sich im Schnitt drei Jahre lang fort. Nur wenige Teufel bekommen nach dem vierten Lebensjahr noch Junge. In freier Natur leben die Tiere meist höchstens fünf Jahre und werden selten älter als sechs. Einzelne Teufel, die ihr erstes Jahr überstehen, erreichen sieben bis acht Jahre.
Gefährdung: der ansteckende Gesichtstumor DFTD
Die IUCN stuft den Tasmanischen Teufel seit 2008 als stark gefährdet (EN) ein. Das war nicht immer so. Ab 1830 zahlte eine Landgesellschaft Kopfgeld für erlegte Teufel, über ein Jahrhundert lang wurden sie gefangen und vergiftet und wurden sehr selten. Erst als sie im Juni 1941 unter gesetzlichen Schutz gestellt wurden, erholte sich der Bestand.
1996 tauchte eine neue Bedrohung auf: die Devil Facial Tumour Disease, kurz DFTD, auf Deutsch etwa "Gesichtstumorerkrankung der Teufel". Zuerst bilden sich kleine Knoten im Maul und im Gesicht, daraus wachsen große Geschwulste an Kopf und Hals, später auch am übrigen Körper. Manchmal drücken die Tumoren Zähne heraus, sodass die Tiere nicht mehr richtig fressen können. Infizierte Teufel sterben in der Regel wenige Monate nach dem Sichtbarwerden des Tumors an Entkräftung.
Das Besondere daran: DFTD ist ein ansteckender Krebs. Die Tumorzellen selbst werden von Tier zu Tier übertragen, vor allem beim Beißen während Paarung und Streit ums Futter. Das Immunsystem des neuen Wirts erkennt sie nicht als fremd. Weltweit sind nur wenige solcher übertragbaren Krebsarten bekannt, unter anderem bei Hunden und bei Muscheln. Bei Tasmanischen Teufeln gibt es sogar zwei verschiedene: DFTD 1 wurde 1996 entdeckt und stammt von einem Weibchen ab, DFTD 2 wurde 2014 nachgewiesen und geht auf ein Männchen zurück. Beide sind tödlich.
In Gebieten, in denen die Krankheit bereits mehrere Jahre auftritt, sind die Bestände nach Angaben des Save the Tasmanian Devil Program um bis zu 80 Prozent zurückgegangen. Fast alle geschlechtsreifen Tiere stecken sich an. Die Folge sind Populationen aus sehr jungen Tieren, in denen Weibchen oft nur ein einziges Mal Nachwuchs bekommen statt dreimal. Weitere Gefahren sind der Straßenverkehr, Lebensraumverlust und Angriffe durch Hunde.
Das Save the Tasmanian Devil Program wurde 2003 von der australischen und der tasmanischen Regierung eingerichtet. Es überwacht die Bestände, betreibt eine Reservepopulation in menschlicher Obhut und untersucht die Krankheit. Der Tasmanische Teufel steht vollständig unter Schutz: seit Mai 2008 als "endangered" nach dem tasmanischen Artenschutzgesetz und seit Mai 2009 nach dem australischen Bundesgesetz.
Häufige Fragen zum Tasmanischen Teufel
Wie groß und wie schwer wird ein Tasmanischer Teufel?
Ohne Schwanz misst er 57 bis 65 Zentimeter, der Schwanz ist noch einmal 24 bis 26 Zentimeter lang. An der Schulter ist er etwa 30 Zentimeter hoch. Weibchen wiegen meist 7 bis 8 Kilogramm, große Männchen bis zu 14 Kilogramm.
Warum heißt er Tasmanischer Teufel?
Europäische Siedler hörten nachts unheimliche Schreie und Knurrlaute aus dem Busch. Als sie das schwarze Tier mit rot leuchtenden Ohren und weit aufgerissenem Maul sahen, nannten sie es Teufel. Mit dem Verhalten hat der Name wenig zu tun, der größte Teil des Lärms ist Bluff.
Ist der Tasmanische Teufel gefährlich für Menschen?
Für Menschen ist er ungefährlich. Er ist nachtaktiv, scheu und geht Menschen aus dem Weg. Sein Drohen mit aufgerissenem Maul wirkt bedrohlich, drückt aber Unsicherheit aus.
Was frisst ein Tasmanischer Teufel?
Vor allem Aas: tote Wallabys, Possums, Wombats, Schafe und Rinder. Dazu jagt er kleine Säugetiere und Vögel. Er frisst einen Kadaver fast vollständig auf, samt Knochen und Fell, und schafft in einer halben Stunde bis zu 40 Prozent seines Körpergewichts.
Warum sind Tasmanische Teufel vom Aussterben bedroht?
Hauptgrund ist der ansteckende Gesichtstumor DFTD, der seit 1996 in Tasmanien grassiert. In lange betroffenen Gebieten sind die Bestände um bis zu 80 Prozent eingebrochen. Die IUCN führt die Art seit 2008 als stark gefährdet (EN).
Wie viele Junge bekommt ein Tasmanischer Teufel?
Bis zu 40 winzige Junge werden nach nur 21 Tagen Tragzeit geboren. Weil der Beutel nur vier Zitzen hat, überleben höchstens vier davon. Sie bleiben etwa viereinhalb Monate im nach hinten geöffneten Beutel.
Gibt es Tasmanische Teufel auch in Australien?
Auf dem australischen Festland sind sie vor 3.200 bis 3.500 Jahren ausgestorben, bekannt ist das aus Fossilien. Heute leben wild lebende Teufel nur noch auf Tasmanien.
Ähnliche Tiere
- Beutelwolf - der größte fleischfressende Beutler der Neuzeit, seit 1936 ausgestorben
- Beutelmarder - kleinere Verwandte aus derselben Familie der Raubbeutler
- Numbat - ein weiteres Beuteltier Australiens, das sich von Termiten ernährt
- Wombat - in dessen verlassenen Bauen Teufel oft Unterschlupf finden
- Quokka - ein kleines Känguru, das ebenfalls nur auf einer australischen Inselregion lebt
- Säugetiere - alle Säugetiere im Lexikon
- Tiere mit T - weitere Tiere, die mit T beginnen
Quellen
- Tasmanian Devil - Australian Museum
- Tasmanian Devil - Department of Natural Resources and Environment Tasmania
- Tasmanian Devils FAQs - Save the Tasmanian Devil Program, NRE Tasmania
- About DFTD - Save the Tasmanian Devil Program, NRE Tasmania
- Save the Tasmanian Devil Program - NRE Tasmania
- Sarcophilus harrisii - Animal Diversity Web, University of Michigan
- Tasmanian Devil - San Diego Zoo Wildlife Alliance
- Wroe, S., McHenry, C., Thomason, J. (2005): Bite club: comparative bite force in big biting mammals. Proceedings of the Royal Society B 272
- Hawkins, C.E. et al. (2008): Sarcophilus harrisii. The IUCN Red List of Threatened Species 2008
Größenvergleich
Wie groß ist der Tasmanische Teufel wirklich? Mit 57 bis 65 cm überragt er einen Fußball (22 cm) deutlich, kommt aber noch nicht an ein Kind (1,2 m) heran. Anschaulich gesprochen: Man müsste etwa 3 Fußbälle übereinander stapeln, um so groß wie ein Tasmanischer Teufel zu werden. Selbst eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) wirkt daneben noch winzig.
Gewichtsvergleich
Ein Tasmanischer Teufel bringt 4 bis 14 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Der Tasmanische Teufel wiegt so viel wie etwa 21 Fußbälle.