Taube
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Kurz erklärt
Tauben sind eine Vogelfamilie mit über 300 Arten, die auf allen Kontinenten außer der Antarktis leben. Die kleinsten sind 15 Zentimeter lang, die größten 75 Zentimeter. Tauben fressen vor allem Samen und Früchte und füttern ihre Jungen mit Kropfmilch. Die Stadttaube stammt von der Felsentaube ab und war früher als Brieftaube unterwegs.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Columbidae (Familie mit über 300 Arten) |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Je nach Art 15 bis 75 cm; heimische Beispiele: Ringeltaube 38 bis 43 cm, Stadttaube 29 bis 35 cm, Türkentaube 29 bis 33 cm, Turteltaube 25 bis 28 cm |
| Körpergewicht | Je nach Art 30 g bis über 2 kg |
| Ernährung | Vor allem Samen, Getreide und Früchte; gelegentlich Insekten, Schnecken, Würmer, Blätter, Knospen und Blüten. Jungvögel bekommen Kropfmilch |
| Lebenserwartung | Älteste bekannte Taube: eine Carolinataube (Zenaida macroura) mit 19 Jahren und 4 Monaten. Von den erwachsenen Tauben überleben jedes Jahr nur 40 bis 65 Prozent |
| Sozialverhalten | Je nach Art einzeln oder in Schwärmen von mehreren tausend Vögeln; Paare leben in Einehe, oft über Jahre |
| Herkunft | Alle Kontinente außer der Antarktis |
| Verbreitung | Weltweit außer in der Antarktis und der hohen Arktis, vom Meeresspiegel bis 5.000 m Höhe; die meisten Arten leben in Südamerika, Australasien und auf den Pazifikinseln. Die Felsentaube wurde in vielen Ländern eingeführt AfrikaAsienEuropaNordamerikaSüdamerikaAustralien |
| Sonstiges | Gruppenseite: Die Rote Liste bewertet die Arten einzeln. Beispiele: Felsentaube und Stadttaube (Columba livia; nicht gefährdet, LC 2025), Ringeltaube (Columba palumbus; LC 2018), Türkentaube (Streptopelia decaocto; LC 2019), Turteltaube (Streptopelia turtur; gefährdet, VU 2019), Wandertaube (Ectopistes migratorius; ausgestorben, EX 2019), Dodo (Raphus cucullatus; ausgestorben, EX 2024). |
Was ist eine Taube?
Tauben bilden eine eigene Vogelfamilie, die Columbidae, aus der Ordnung der Taubenvögel. Zu ihr gehören über 300 Arten. Die Übersicht der University of Michigan (Stand 2004) nennt fünf Unterfamilien mit 42 Gattungen und 308 Arten. Tauben leben auf allen Kontinenten außer der Antarktis.
Im Englischen werden kleinere Arten oft „dove“ und größere „pigeon“ genannt. Einen echten Unterschied gibt es aber nicht, beide Namen werden durcheinander verwendet. Grob lassen sich zwei Gruppen unterscheiden:
- Samenfresser wie die Stadttaube oder die Ringeltaube sind meist grau, braun oder beige gefärbt.
- Fruchttauben (Unterfamilie Treroninae) fressen Früchte und sind oft bunt, mit Orange- und Grüntönen.
Daneben gibt es besondere Gruppen wie die Krontauben (Gourinae) mit grauem Gefieder und weißem Flügelfleck oder die Zahntauben (Didunculinae). Auch der ausgestorbene Dodo war eine Taube.
Aussehen und Körperbau
Tauben sind gedrungene Vögel mit kleinem Kopf, kurzem Schnabel und kurzen Beinen. Am Schnabelansatz haben sie eine weiche, nackte Hautstelle. Um die Augen liegt ein Ring aus nackter Haut, der je nach Art rot, blau, gelb oder weiß ist. Viele Arten tragen schillernde Federn an Hals, Brust, Rücken oder Flügeln, manche auch Federhauben.
Tauben sind ausgezeichnete Flieger. Ihre Flugmuskeln machen bis zu 44 Prozent des Körpergewichts aus. Sie sind sehr wendig, und manche Arten fliegen jeden Tag bis zu 40 Kilometer von ihrem Schlafplatz zum Futterplatz.
Ein besonderes Organ ist der Kropf, ein zweilappiger Vorratsbehälter zwischen Speiseröhre und Magen. Darin speichern Tauben Körner, und darin entsteht die Kropfmilch für die Jungen.
Tauben in Deutschland
| Art | Größe | Erkennungsmerkmal | Bestand in Deutschland |
|---|---|---|---|
| Ringeltaube | 38 bis 43 cm | weißer und türkisfarbener Halsfleck, weiße Flügelspiegel im Flug | 3,55 bis 4,25 Millionen Brutpaare |
| Stadttaube (Straßentaube) | 29 bis 35 cm | meist grau mit rosa und grün schillerndem Hals, viele Farbvarianten | etwa 305.000 Reviere |
| Türkentaube | 29 bis 33 cm | beige-grau mit schwarzem Nackenring | 140.000 bis 260.000 Brutpaare |
| Turteltaube | 25 bis 28 cm | orange gesäumte Federn, schwarz-weiß gestreifter Halsfleck | 16.500 bis 29.000 Brutpaare |
Die Ringeltaube ist deutlich größer als die Stadttaube und lebt in Wäldern, Gärten, Dörfern und Städten. Futter sucht sie oft in kleinen Gruppen auf Feldern. Ihr flaches, lockeres Nest baut sie gern in Nadelbäume oder dichte Laubbäume. Beim Auffliegen macht sie laute Fluggeräusche. Ihr Bestand hat in Deutschland stark zugenommen.
Die Türkentaube kam ursprünglich von Vorderasien bis Westchina und Sri Lanka vor. Sie ist aus den westasiatischen Steppen nach Europa eingewandert und lebt heute in weiten Teilen Mitteleuropas, gern in der Nähe von Bauernhöfen. Junge Türkentauben siedeln sich bis zu 200 Kilometer von ihrem Geburtsort entfernt an und können schon drei bis vier Monate nach dem Schlüpfen selbst brüten.
Die Turteltaube ist unsere kleinste Taube und ein Langstreckenzieher. Sie überwintert in den Savannen Afrikas südlich der Sahara. In Deutschland ist ihr Bestand um 89 Prozent geschrumpft, sie gilt hier als stark gefährdet. Gründe sind die intensive Landwirtschaft und die Jagd auf dem Zugweg.
Verbreitung und Lebensraum
Tauben kommen fast überall auf der Welt vor, nur nicht in der Antarktis und in der hohen Arktis. Die meisten Arten leben in Südamerika, in Australasien und auf den Inseln im Pazifik. Am artenreichsten sind tropische Regenwälder.
Tauben besiedeln fast alle Lebensräume an Land: Regenwälder und Nadelwälder, Savannen, Wüsten, Felsen, Mangroven, Korallenatolle, Felder und Städte. Man findet sie vom Meeresspiegel bis in 5.000 Meter Höhe. Weil sie so gut fliegen, haben Tauben viele abgelegene Inseln im Ozean erreicht. Die Felsentaube haben Menschen in vielen Ländern eingeführt.
Ernährung: Was fressen Tauben?
Tauben ernähren sich vor allem pflanzlich. Die einen fressen Samen und Körner, die anderen Früchte. Gelegentlich nehmen sie auch Insekten, Schnecken, Würmer, Blätter, Knospen oder Blüten.
- Körner picken sie vom Boden auf und schlucken sie ganz. Im Kropf werden sie gespeichert, im Muskelmagen zerreiben kleine Steinchen die Nahrung.
- Früchte pflücken sie von den Bäumen. Große Arten fressen größere Früchte, kleine Arten erreichen Früchte an dünnen Zweigen.
- Samenfresser müssen viel trinken. Tauben haben dabei eine Besonderheit: Sie tauchen den Schnabel ins Wasser und saugen es auf. Die meisten anderen Vögel nehmen Wasser in den Schnabel und heben den Kopf zum Schlucken.
In der Natur sind Tauben wichtige Verbreiter von Pflanzensamen.
Kropfmilch: Tauben füttern ihre Jungen mit „Milch“
Tauben gehören zu den wenigen Vögeln, die ihre Jungen mit einer Art Milch füttern. Die Kropfmilch entsteht im Kropf der Eltern, und zwar bei Männchen und Weibchen. Bei Haustauben (Columba livia) beginnen beide Eltern zwei Tage vor dem Schlüpfen des ersten Jungen damit.
Kropfmilch ist eine quarkartige Masse. Sie besteht aus Zellen der Kropfwand, die sich mit Fett füllen und abgestoßen werden. Die Eltern würgen sie hervor und geben sie den Jungen. Ohne Wasser gerechnet besteht sie zu etwa 60 Prozent aus Eiweiß und zu 32 bis 36 Prozent aus Fett. Sie enthält außerdem Abwehrstoffe (Antikörper). Gesteuert wird ihre Bildung vom Hormon Prolaktin, das auch bei Säugetieren die Milchbildung anregt.
Kropfmilch ist für die Jungen lebenswichtig: Ohne sie gedeihen sie nicht. Meist bekommen die Küken drei bis vier Tage nur Kropfmilch, danach zusätzlich Samen oder Früchte. Eine ähnliche Nahrung bilden auch Flamingos und männliche Kaiserpinguine.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Tauben leben in Einehe, viele Paare bleiben über Jahre zusammen. Bei der Balz bläht das Männchen den Kropf auf, verbeugt sich, fächert den Schwanz und gurrt. Manche Arten zeigen Balzflüge mit lautem Flügelklatschen.
- Nest: Das Männchen bringt Zweige, das Weibchen baut daraus eine flache Plattform. Der Nestbau dauert zwei bis vier Tage.
- Gelege: meist ein bis zwei weiße oder beige Eier. Fruchttauben legen meist nur ein Ei.
- Brutzeit: 11 bis 30 Tage je nach Art, beide Eltern brüten
- Nestlingszeit: Die Jungen sind beim Schlüpfen hilflos und verlassen das Nest nach 10 bis 36 Tagen.
Bei Haustauben werden die beiden Eier im Abstand von einem Tag gelegt, und die Jungen schlüpfen nach 18 Tagen. Weil die Gelege so klein sind, brüten viele Tauben mehrmals im Jahr, manche Arten bis zu fünfmal. Mit 6 bis 12 Monaten sind junge Tauben geschlechtsreif.
Brieftauben: Wie finden Tauben nach Hause?
Tauben sind berühmt für ihren Orientierungssinn. Früher trugen Brieftauben Nachrichten über weite Strecken, auch in Kriegen. Heute fliegen sie als Reisetauben bei Wettbewerben. Brieftauben und Stadttauben stammen beide von der Felsentaube ab.
Wie Tauben den Heimweg finden, untersuchen Forscher seit Langem. Nach gängigen Modellen bestimmen sie zu Beginn ihre Lage mit Hilfe des Erdmagnetfelds, von Gerüchen oder von sichtbaren Merkmalen der Landschaft. Die Richtung halten sie dann mit einem Sonnenkompass, der ihre innere Uhr berücksichtigt, oder mit einem Magnetkompass.
Forscher der Universität Oxford statteten Brieftauben mit kleinen GPS-Geräten aus. Nach 20 Flügen vom selben Ort flog jede Taube ihre eigene, feste Route nach Hause. Diese Route war nicht die kürzeste, die Tauben flogen 18 bis 25 Prozent weiter als nötig. Manche folgten über Kilometer einer Straße. Ließ man die Tauben an einem neuen Ort neben ihrer Route frei, kehrten die meisten zu ihrer gewohnten Strecke zurück. In vertrauter Umgebung orientieren sich Tauben also an Landmarken, die sie sich gemerkt haben.
Stadttauben
Die Stadttaube oder Straßentaube stammt von der Felsentaube ab. Aus entflogenen Haus- und Brieftauben sind in den Städten viele Bestände entstanden, die perfekt an das Leben bei den Menschen angepasst sind. Sie brüten in Nischen und unter Dächern, mehrmals im Jahr. Schätzungen zufolge leben weltweit etwa 500 Millionen Tauben in Städten.
Weil sie oft in großen Gruppen leben und ihr Kot Gebäude verschmutzt, gelten Stadttauben vielen als lästig. In vielen Städten ist das Füttern verboten. Einige Städte bieten betreute Taubenschläge an, um die Bestände gesund und klein zu halten.
Ausgestorbene Tauben: Wandertaube und Dodo
Die Wandertaube
Die Wandertaube (Ectopistes migratorius) aus Nordamerika war einst der häufigste Vogel der Welt. Im 19. Jahrhundert gab es schätzungsweise drei bis fünf Milliarden Wandertauben. Ihre Schwärme waren so dicht, dass sie die Sonne verdunkelten. Ein Schwarm, den man 1740 beobachtete, war rund fünf bis sechs Kilometer lang und 1,6 Kilometer breit.
Innerhalb weniger Jahrzehnte verschwand die Art, 1914 war sie ausgestorben. Lange machte man vor allem die Jagd durch den Menschen dafür verantwortlich. Eine Erbgut-Studie aus dem Jahr 2014 zeigt, dass der Bestand schon früher natürlich stark schwankte. Die Forscher vermuten, dass diese Schwankungen zusammen mit der Jagd das schnelle Aussterben verursacht haben.
Der Dodo
Der Dodo (Raphus cucullatus) war eine riesige, flugunfähige Taube von der Insel Mauritius im Indischen Ozean. Er wurde etwa 70 Zentimeter groß und wog wohl rund 12 Kilogramm. Sein nächster lebender Verwandter ist die Kragentaube (Caloenas nicobarica) aus Südostasien. Die Vorfahren des Dodos konnten noch fliegen. Auf der Insel ohne Raubtiere lebten sie immer mehr am Boden, wurden größer und verloren die Flugfähigkeit.
Niederländische Seefahrer landeten 1598 auf Mauritius. Weniger als hundert Jahre später war der Dodo ausgestorben: Die letzte glaubwürdige Sichtung stammt von 1662, vielleicht auch erst von 1680.
Feinde und Gefährdung
Schlangen plündern oft Taubennester, Falken und andere Greifvögel jagen erwachsene Tauben. Tauben fressen deshalb gern in Schwärmen, in denen viele Augen aufpassen. Am Nest täuschen manche Arten einen gebrochenen Flügel vor, um Feinde wegzulocken.
Einige Arten haben vom Menschen profitiert und sich stark ausgebreitet, zum Beispiel die Felsentaube und die Türkentaube. Viele andere werden seltener, vor allem durch:
- Zerstörung und Zerschneidung ihrer Lebensräume
- Jagd
- eingeschleppte Tierarten
- Landwirtschaft und Pestizide
Am stärksten bedroht sind Tauben, die auf Inseln leben.
Häufige Fragen zur Taube
Wie viele Taubenarten gibt es?
Die Familie der Tauben umfasst über 300 Arten. Die Übersicht der University of Michigan nennt (Stand 2004) 308 Arten in 42 Gattungen. In Deutschland brüten unter anderem Ringeltaube, Stadttaube, Türkentaube und Turteltaube.
Was ist Kropfmilch?
Kropfmilch ist eine quarkartige, fett- und eiweißreiche Nahrung, die im Kropf der Tauben entsteht. Männchen und Weibchen bilden sie und würgen sie für ihre Jungen hervor. Ohne Kropfmilch können junge Tauben nicht richtig wachsen.
Wie finden Brieftauben nach Hause?
Tauben nutzen das Erdmagnetfeld und den Stand der Sonne, um die Richtung zu bestimmen. Wahrscheinlich helfen auch Gerüche. In bekannter Umgebung folgen sie Landmarken wie Straßen und fliegen dabei oft immer wieder dieselbe Route.
Was fressen Tauben?
Tauben fressen vor allem Samen, Getreide und Früchte. Die Körner schlucken sie ganz, im Muskelmagen werden sie mit kleinen Steinchen zerrieben. Selten fressen sie auch Insekten, Schnecken oder Würmer.
Wie alt werden Tauben?
Viele Tauben werden nicht alt: Von den erwachsenen Tieren überleben jedes Jahr nur 40 bis 65 Prozent. Die älteste bekannte Taube war eine Carolinataube (Zenaida macroura), die 19 Jahre und 4 Monate alt wurde.
Woher kommen die Stadttauben?
Stadttauben stammen von der Felsentaube ab. Sie sind Nachfahren entflogener Haus- und Brieftauben, die in den Städten verwildert sind.
Ähnliche Tiere
- Dodo - die ausgestorbene Riesentaube von Mauritius
- Spatz - lebt wie die Stadttaube eng mit dem Menschen zusammen
- Amsel - ein bekannter heimischer Singvogel
- Elster - ein auffälliger Rabenvogel aus Feld und Siedlung
Quellen
- Camfield, A. (2004): Columbidae - doves and pigeons. Animal Diversity Web, University of Michigan Museum of Zoology
- Gillespie, M. J. et al. (2011): Histological and global gene expression analysis of the 'lactating' pigeon crop. BMC Genomics 12, 452
- Biro, D., Meade, J. & Guilford, T. (2004): Familiar route loyalty implies visual pilotage in the homing pigeon. PNAS 101, 17440-17443
- Hung, C.-M. et al. (2014): Drastic population fluctuations explain the rapid extinction of the passenger pigeon. PNAS 111, 10636-10641
- The dodo bird: the real facts about this icon of extinction - Natural History Museum London
- NABU-Vogelporträts: Straßentaube, Ringeltaube, Türkentaube, Turteltaube
Größenvergleich
Eine Taube erreicht eine Körpergröße von 15 bis 75 cm. Damit passt sie bequem zwischen eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Die Taube ist etwa 20-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze. Ein Kind wäre dagegen noch rund 3-mal so groß.
Gewichtsvergleich
Eine Taube bringt 30 g bis 2 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine 1-Euro-Münze (7,5 g), aber leichter als eine Hauskatze (4 kg). Anders ausgedrückt: Die Taube wiegt so viel wie etwa 135 1-Euro-Münzen.