Taubenschwänzchen

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Taubenschwänzchen im Schwirrflug mit ausgestrecktem Rüssel vor einer weißen Blüte
Charles J. Sharp / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kurz erklärt

Das Taubenschwänzchen ist ein kleiner Schmetterling aus der Familie der Schwärmer. Es steht im Schwirrflug wie ein Kolibri vor Blüten und saugt mit seinem etwa 3 Zentimeter langen Rüssel Nektar. Anders als die meisten Schwärmer fliegt es am Tag. Jedes Jahr wandern Taubenschwänzchen aus Südeuropa zu uns, ihre Raupen fressen an Labkraut.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameMacroglossum stellatarum
Abstammung
  • Klasse: Insekten
  • Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
  • Familie: Schwärmer (Sphingidae)
  • Gattung: Macroglossum
  • Art: Taubenschwänzchen
KörpergrößeFlügelspannweite etwa 4 bis 5,8 cm (Angaben je nach Quelle 40 bis 45 mm oder 50 bis 58 mm); Rüssel 25 bis 30 mm lang; ausgewachsene Raupe etwa 4,5 cm
ErnährungFalter: Nektar aus Blüten, die im Schwirrflug besucht werden. Raupen: vor allem Labkraut-Arten (Galium), von Mitteleuropa an südwärts auch Färberröte (Rubia), selten andere Pflanzen wie Spornblume oder Sternmiere
LebenserwartungKeine genauen Angaben zur Lebensdauer der Falter; das Ei braucht 6 bis 8 Tage, die Raupe bei Wärme und viel Futter nur etwa 20 Tage. Als einziger Schwärmer der Region überwintert die Art als Falter
SozialverhaltenLebt einzeln; Paare balzen in schnellem Flug an Felswänden, Gebäuden oder über offenen Flächen. Weibchen legen ihre Eier einzeln ab
HerkunftPaläarktis: Südeuropa und Nordafrika bis Asien
Verbreitung Südeuropa und Nordafrika über den Nahen Osten und Zentralasien bis Japan; als Wanderfalter jeden Sommer nördlich der Alpen bis Skandinavien und Nordwestrussland; im Winter bis Südindien und ins tropische Afrika AfrikaAsienEuropa
EntdeckungErstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné (als Sphinx stellatarum)
GefährdungNE Nicht bewertet
SonstigesWeitere Namen: Karpfenschwänzchen, Kolibrischwärmer. Wanderfalter, der zunehmend auch in milden Gegenden Deutschlands überwintert.

Ein Schmetterling, der wie ein Kolibri fliegt

„Ich habe einen Kolibri im Garten gesehen!“ Solche Meldungen bekommen Naturschutzverbände jeden Sommer. Doch Kolibris leben nur in Amerika. Was da vor den Blumen schwirrt, ist fast immer ein Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum). Es ist ein kleiner Schmetterling aus der Familie der Schwärmer (Sphingidae). Andere Namen sind Karpfenschwänzchen, Kolibrischwärmer oder Sternkrautschwärmer.

Die meisten Schwärmer fliegen in der Dämmerung oder nachts. Das Taubenschwänzchen ist eine Ausnahme: Es ist vor allem tagsüber unterwegs, am liebsten bei Sonnenschein. Als Schwärmer zählt es trotzdem zu den Nachtfaltern, obwohl man es fast nur am Tag sieht.

Aussehen und Körperbau

Das Taubenschwänzchen hat einen kräftigen, breiten Körper und wirkt dadurch eher wie ein Vogel als wie ein Schmetterling.

  • Flügelspannweite: etwa 4 bis 5,8 Zentimeter. Die Angaben unterscheiden sich je nach Quelle: Ein britischer Naturschutzverband nennt 5 bis 5,8 Zentimeter, eine Fachübersicht zu den Schwärmern Europas 40 bis 45 Millimeter.
  • Vorderflügel: graubraun
  • Hinterflügel: leuchtend gelborange. Im Flug schlagen die Flügel so schnell, dass das Tier orange schimmert.
  • Hinterleib: breit, mit weißlichen, gelben und schwarzen Büscheln an den Seiten und einem schwarz-weißen Büschel am Ende

Dieses Büschel am Hinterleibsende sieht aus wie der Schwanz eines Vogels. Daher kommt der Name „Taubenschwänzchen“. Die scheinbaren Federn sind aber verlängerte Schuppen. Mit ihnen steuert der Falter, während er vor einer Blüte in der Luft steht.

Gelegentlich kommen besonders blasse Tiere vor oder solche mit fast schwarzbraunem Hinterleib und dunklen Hinterflügeln.

Der Schwirrflug

Typisch ist der Schwirrflug: Das Taubenschwänzchen bleibt in der Luft auf der Stelle stehen, ohne sich auf der Blüte niederzulassen. Dabei brummt es leise. Forschende der Universität Lund haben drei schwebende Falter mit einer Hochgeschwindigkeitskamera gefilmt. Ihre Flügel schlugen 77 bis 86 Mal pro Sekunde.

Der Schwirrflug hat Vorteile:

  • Schnelles Tanken: In fünf Minuten kann ein Taubenschwänzchen mehr als hundert Blüten besuchen.
  • Schutz vor Feinden: Weil der Falter Abstand zur Blüte hält, kann ihn eine dort versteckte Krabbenspinne kaum packen.

Lange Pausen kann er sich nicht leisten: Würde er zu lange an einer Blüte verweilen, würde seine Flugmuskulatur auskühlen.

Der lange Rüssel

Sein wichtigstes Werkzeug ist der Saugrüssel. Ausgestreckt ist er etwa 25 bis 30 Millimeter lang, in Ruhe rollt der Falter ihn ein. Mit dem Rüssel kommt der Falter auch an Nektar in tiefen, röhrenförmigen Blüten, an den Insekten mit kurzem Rüssel nicht herankommen.

Viele Leute halten den Rüssel für einen Stachel. Das Taubenschwänzchen kann aber nicht stechen und ist für Menschen völlig harmlos.

Verbreitung und Lebensraum

Das Taubenschwänzchen lebt in weiten Teilen Europas, Nordafrikas und Asiens. Dauerhaft kommt es von Südeuropa und Nordafrika über den Nahen Osten und Zentralasien bis nach Pakistan vor, im Osten bis Japan und in den Fernen Osten Russlands. Im Süden seines Gebiets lebt es nur im Gebirge, etwa im Iran, im Oman oder im Hoggar-Gebirge in Algerien. Im Winter fliegen einzelne Falter bis nach Südindien, Gambia oder in die Republik Kongo.

Taubenschwänzchen findet man überall, wo es viele Blüten mit Nektar gibt: in Gärten und mitten in Städten, an Waldrändern, auf Heiden und in Gebüschen. In den Alpen fliegen sie bis über die Baumgrenze. In der Schweiz wurden sie in 2.500 Meter Höhe beobachtet, in Österreich sogar auf dem Dachsteingletscher.

Ein Wanderfalter aus dem Süden

Das Taubenschwänzchen ist ein Wanderfalter. Jedes Frühjahr fliegen Falter aus dem Mittelmeerraum nach Norden. Je nach Jahr kommen mal mehr, mal weniger, frühestens ab Ende April. Dank ihrer guten Flugeigenschaften legen sie Strecken von bis zu 2.000 Kilometern zurück und gelangen bis nach Skandinavien. Einzelne Tiere erreichen sogar das Gebiet Archangelsk im Norden Russlands. Im Herbst fliegt ein Teil wieder zurück nach Süden.

Wie stark sich die Zahl der Falter von Jahr zu Jahr unterscheidet, zeigte der Sommer 2022: In Deutschland wurden viel mehr Taubenschwänzchen beobachtet als in den Jahren davor. In Bayern und Baden-Württemberg sahen Teilnehmende einer Zählaktion des NABU an fast jedem fünften Beobachtungsort eins. In den Jahren 2022 und 2023 fand man auch in Großbritannien und den Niederlanden ungewöhnlich viele Falter und Raupen.

Ernährung

Erwachsene Taubenschwänzchen trinken Nektar. Sie fliegen vor allem bunte Blüten an, die viel Nektar liefern, zum Beispiel:

  • Sommerflieder und Phlox
  • Geranien, Fuchsien und Lichtnelken
  • Natternkopf, Jasmin, Flieder und Ziertabak
  • Geißblatt und Rote Spornblume

Bei der Suche nach Blüten orientiert sich der Falter vor allem mit den Augen und weniger mit dem Geruchssinn. Er kann sich Futterplätze offenbar gut merken: Manche Tiere kehren jeden Tag ungefähr zur selben Zeit an dieselben Blumenbeete zurück.

Die Raupen fressen vor allem Labkraut (Galium), zum Beispiel Echtes Labkraut. Von Mitteleuropa an südwärts fressen sie auch Färberröte (Rubia), seltener Spornblume, Sternmiere oder Weidenröschen.

Verhalten und Lebensweise

Taubenschwänzchen fliegen am liebsten im hellen Sonnenschein. Anders als viele andere Insekten sind sie aber auch an kühlen, trüben Tagen und sogar bei Regen unterwegs, außerdem in der Morgen- und Abenddämmerung und manchmal nachts. Bei großer Hitze werden viele Falter träge. Sie meiden dann die Mittagszeit und fliegen vor allem morgens und abends. In Südspanien waren sie in einer Untersuchung zwischen 18 und 20 Uhr am aktivsten.

Überwintern als Falter

Das Taubenschwänzchen ist der einzige Schwärmer in Europa, der als erwachsener Falter überwintert. Im Herbst suchen die Tiere ein Versteck, etwa in Höhlen, Felsspalten, Baumlöchern, Schuppen oder leer stehenden Häusern. Frost vertragen sie nicht. An warmen Wintertagen kommen manche hervor und suchen Nektar.

Nördlich der Alpen überleben nur wenige Falter den Winter. Seit etwa 20 Jahren überwintern infolge des Klimawandels aber immer mehr Taubenschwänzchen auch in Deutschland, vor allem in milden Flusstälern im Süden. Inzwischen kann man einzelne Falter in jedem Monat des Jahres sehen.

Fortpflanzung und Entwicklung

Zur Paarung jagen sich Männchen und Weibchen in schnellem Flug an steilen Felswänden, Gebäuden oder über offenen Flächen. Die Paarung dauert selten länger als eine Stunde. Anders als andere Schwärmer kann ein Paar dabei sogar gemeinsam fliegen.

Danach sucht das Weibchen sonnige Stellen mit Labkraut. Im Schwirrflug prüft es Zweig für Zweig und legt jedes Ei einzeln zwischen die Blütenknospen. Ein Weibchen kann bis zu 200 Eier ablegen.

So entwickelt sich ein Taubenschwänzchen:

  1. Ei: fast kugelrund, etwa 1 Millimeter groß, glänzend hellgrün. Es sieht aus wie eine Blütenknospe des Labkrauts. Nach 6 bis 8 Tagen schlüpft die Raupe.
  2. Raupe: Frisch geschlüpft ist sie 2 bis 3 Millimeter lang und gelb. Später wird sie grün mit winzigen gelben Pünktchen und hellen Seitenstreifen. Am Hinterende trägt sie ein Horn, das erst rötlich und später blau mit oranger Spitze ist. Manche Raupen sind rotbraun. Ausgewachsen ist sie etwa 4,5 Zentimeter lang. Bei Wärme und viel Futter dauert dieses Stadium nur etwa 20 Tage.
  3. Puppe: 30 bis 35 Millimeter lang, hellbraun mit dunkleren Flecken, in einem lockeren Gespinst am Boden zwischen den Pflanzen
  4. Falter: schlüpft aus der Puppe. Die Puppe selbst überwintert nicht.

In Südeuropa gibt es drei bis vier Generationen im Jahr. In Deutschland legen die Überwinterer im März ihre Eier, und ab Mitte Juni fliegt die erste neue Generation. Die Nachkommen der Einwanderer aus dem Süden schlüpfen ab Mitte bis Ende Juli. Wie viele Generationen es in Deutschland insgesamt gibt, ist noch nicht geklärt.

Verwechslungsgefahr

Bei genauem Hinsehen ist das Taubenschwänzchen kaum zu verwechseln. Am ähnlichsten sind:

  • Gammaeule: saugt ebenfalls im Flug, hält sich dabei aber mit den Beinen an der Blüte fest
  • Hummelschwärmer: hat im Gegensatz zum Taubenschwänzchen durchsichtige Flügel

Gefährdung

Das Taubenschwänzchen wurde von der Weltnaturschutzunion IUCN nicht bewertet (NE). Es ist weit verbreitet, und in Deutschland überwintern wegen der milderen Winter zunehmend Falter. Als Parasiten des Taubenschwänzchens sind verschiedene Schlupfwespen, Brackwespen und Raupenfliegen bekannt.

Wer Taubenschwänzchen helfen möchte, pflanzt Blumen mit langem Kelch wie Phlox, Fuchsien, Lichtnelken oder Sommerflieder und lässt an sonnigen, offenen Stellen Labkraut für die Raupen wachsen.

Häufige Fragen zum Taubenschwänzchen

Ist das Taubenschwänzchen ein Kolibri?

Nein. Das Taubenschwänzchen ist ein Schmetterling aus der Familie der Schwärmer. Es sieht nur wegen seines Schwirrflugs und seines langen Rüssels wie ein Kolibri aus. Echte Kolibris sind Vögel und leben nur in Amerika.

Kann ein Taubenschwänzchen stechen?

Nein. Was wie ein Stachel aussieht, ist der etwa 3 Zentimeter lange Saugrüssel. Damit trinkt der Falter nur Nektar. Taubenschwänzchen sind für Menschen völlig harmlos.

Wann sieht man Taubenschwänzchen?

Die ersten Einwanderer aus dem Süden kommen frühestens Ende April. Viele Falter sieht man im Juni, Juli und im August und September. Weil manche Tiere bei uns überwintern, kann man einzelne Falter inzwischen in jedem Monat beobachten.

Wie oft schlägt ein Taubenschwänzchen mit den Flügeln?

Bei schwebenden Faltern hat man 77 bis 86 Flügelschläge pro Sekunde gemessen. Deshalb hört man beim Schwirrflug ein leises Brummen.

Was frisst die Raupe des Taubenschwänzchens?

Die Raupe frisst vor allem Labkraut, zum Beispiel Echtes Labkraut. In Südeuropa frisst sie auch Färberröte, selten andere Pflanzen.

Wie lockt man Taubenschwänzchen in den Garten?

Mit nektarreichen Blüten mit langem Kelch, etwa Phlox, Fuchsien, Lichtnelken, Geranien oder Sommerflieder. Für die Raupen braucht es sonnige Stellen mit Labkraut.

Ähnliche Tiere

  • Distelfalter - ein anderer Wanderfalter, der jedes Jahr aus dem Süden kommt
  • Nachtfalter - die große Gruppe, zu der die Schwärmer gehören
  • Kolibri - der Vogel, mit dem das Taubenschwänzchen oft verwechselt wird
  • Monarchfalter - der bekannteste Wanderfalter Amerikas
  • Hummel - brummt ebenfalls von Blüte zu Blüte
  • Raupe - alles über die Larven der Schmetterlinge

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Taubenschwänzchen
4 bis 5,8 cm

Ein Taubenschwänzchen erreicht eine Körpergröße von 4 bis 5,8 cm. Damit passt es bequem zwischen eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) und einen Fußball (22 cm) auf unserer Vergleichsskala. Ein Fußball wäre dagegen noch rund 4-mal so groß.