Tausendfüßler

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Dunkler Doppelfüßer mit zylindrischem, geringeltem Körper kriecht über Waldboden neben einem Ast
Christian von Montfort (Symbiosus) / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Tausendfüßler, in der Fachsprache Tausendfüßer, sind vielbeinige Gliederfüßer, die nur an Land leben. Zu ihnen gehören vier Gruppen: Doppelfüßer, Hundertfüßer, Zwergfüßer und Wenigfüßer. Lange kannte man keine Art mit mehr als 750 Beinen, erst 2021 wurde in Australien eine mit 1.306 Beinen beschrieben. Weltweit sind über 16.000 Arten bekannt.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameMyriapoda (vier Klassen)
KörpergrößeJe nach Gruppe: Wenigfüßer unter 2 mm, Zwergfüßer 1 bis 8 mm; Doppel- und Hundertfüßer meist wenige Zentimeter, der Riesenschnurfüßer Scaphiostreptus seychellarum erreicht knapp 30 cm
KörpergewichtJe nach Art sehr verschieden; keine zusammenfassenden Angaben in Fachquellen
ErnährungJe nach Gruppe: Doppelfüßer fressen vor allem abgestorbene Pflanzenteile, Hundertfüßer sind Räuber
LebenserwartungJe nach Art verschieden; einzelne Doppelfüßer werden über 7 Jahre alt
SozialverhaltenLeben meist versteckt im Boden, in der Laubstreu, unter Steinen und Rinde
HerkunftAlle Kontinente außer der Antarktis
Verbreitung Auf allen Kontinenten außer der Antarktis, vor allem in tropischen und gemäßigten Gebieten: im Boden, in Laubstreu, an Baumrinde und -stämmen, auf Feldern und Weiden, in Wüsten, Höhlen und an Küsten; nur an Land AfrikaAsienEuropaNordamerikaSüdamerikaAustralien
SonstigesGruppenseite: Die Tausendfüßer umfassen vier Klassen: Doppelfüßer (Diplopoda, über 12.000 Arten), Hundertfüßer (Chilopoda, etwa 5.000 Arten), Wenigfüßer (Pauropoda, 835 Arten) und Zwergfüßer (Symphyla, 195 Arten). Die Rote Liste bewertet die Arten einzeln. Beinrekord: der Doppelfüßer Eumillipes persephone mit 1.306 Beinen.

Was sind Tausendfüßler?

Tausendfüßler, in der Fachsprache Tausendfüßer (Myriapoda), sind keine einzelne Tierart, sondern eine große Gruppe von Gliederfüßern. Der wissenschaftliche Name bedeutet ungefähr „unzählige Füße“. Alle Tausendfüßer haben einen langen Körper aus vielen gleichartigen Abschnitten und sehr viele Beine. Sie leben ausschließlich an Land. Weltweit sind über 16.000 Arten beschrieben.

Wer im Garten einen Tausendfüßler findet, sieht meist einen Doppelfüßer oder einen Hundertfüßer. Im Englischen heißen übrigens nur die Doppelfüßer „millipedes“, also wörtlich Tausendfüßer.

Sind Tausendfüßler Insekten?

Nein. Tausendfüßer sind wie Insekten, Spinnen und Krebstiere Gliederfüßer, bilden aber eine eigene Gruppe. Früher fasste man sie mit den Insekten zu einer gemeinsamen Gruppe zusammen. Untersuchungen des Erbguts haben jedoch gezeigt, dass die Insekten näher mit den Krebstieren verwandt sind. Die Tausendfüßer stehen neben dieser Gruppe aus Krebstieren und Insekten.

Die vier Gruppen der Tausendfüßler

GruppeArtenGrößeKennzeichen
Doppelfüßer (Diplopoda)über 12.000unter 2 cm bis knapp 30 cmzwei Beinpaare an den meisten Körperringen, insgesamt 13 bis 653 Beinpaare
Hundertfüßer (Chilopoda)etwa 5.000meist wenige Zentimeterein Beinpaar je Abschnitt, 15 bis über 180 Beinpaare, erstes Beinpaar als Giftklauen
Wenigfüßer (Pauropoda)835unter 2 mmverzweigte Fühler
Zwergfüßer (Symphyla)1951 bis 8 mmlange, fadenförmige Fühler, zwei Spinngriffel am Hinterende

Doppelfüßer

Die Doppelfüßer sind die artenreichste Gruppe. Ihr Kennzeichen sind Doppelsegmente: Fast jeder Körperring trägt zwei Beinpaare. Sie fressen vor allem abgestorbene Pflanzenteile. Mehr über Körperformen, Wehrsekrete und den Beinrekord steht im Steckbrief Doppelfüßer.

Hundertfüßer

Die Hundertfüßer haben an jedem Rumpfabschnitt nur ein Beinpaar. Ihr erstes Beinpaar ist zu kräftigen Giftklauen umgebaut, mit denen sie Beute packen und Gift einspritzen. Sie sind die einzige Gruppe der Tausendfüßer, die räuberisch lebt. Viele Hundertfüßer laufen sehr schnell: Spinnenläufer schaffen bei 2 bis 3 Zentimeter Körperlänge bis zu 50 Zentimeter pro Sekunde. Alles Weitere steht im Steckbrief Hundertfüßer.

Wenigfüßer und Zwergfüßer

Die beiden anderen Gruppen kennen nur wenige Menschen, weil sie so klein sind. Wenigfüßer (Pauropoda) und Zwergfüßer (Symphyla) sind winzig, durchscheinend und leben im Boden. Wenigfüßer werden keine 2 Millimeter lang und haben auffällige, verzweigte Fühler mit langen Geißeln. Zwergfüßer sind 1 bis 8 Millimeter lang, haben lange, fadenförmige Fühler und am Hinterende zwei besondere Anhänge, die Spinngriffel.

Wie die vier Gruppen miteinander verwandt sind, ist unter Forschern umstritten. Strittig ist vor allem, ob die Wenigfüßer näher mit den Doppelfüßern oder mit den Zwergfüßern verwandt sind.

Körperbau: Was haben alle Tausendfüßler gemeinsam?

Der Körper der Tausendfüßer besteht nur aus zwei Teilen: Kopf und Rumpf.

  • Kopf: Er trägt ein Paar Fühler und kräftige Oberkiefer zum Kauen. Typische Facettenaugen haben Tausendfüßer nicht, sondern auf jeder Kopfseite eine Gruppe einzelner Linsenaugen. Nur die Spinnenläufer, eine Gruppe der Hundertfüßer, haben ein Auge, das wie ein Facettenauge aussieht. Neben den Fühlern sitzen bei vielen Arten Sinnesorgane, mit denen sie Feuchtigkeit wahrnehmen.
  • Rumpf: Er besteht aus vielen fast gleich gebauten Abschnitten, die Beine tragen.
  • Atmung: Fast alle Tausendfüßer atmen über ein Röhrensystem, die Tracheen. Nur die winzigen Formen haben keine.

Die meisten Tausendfüßer bekommen beim Wachsen neue Körperabschnitte und Beine dazu. Jedes Mal, wenn sie sich häuten, kommen bei vielen Arten weitere Ringe hinzu. Nur zwei Gruppen der Hundertfüßer, die Skolopender und die Erdläufer, schlüpfen schon mit allen Abschnitten aus dem Ei.

Hat ein Tausendfüßler wirklich 1.000 Beine?

Lange Zeit nicht. Bis 2021 hielt Illacme plenipes aus Kalifornien den Rekord mit 750 Beinen. Kein bekannter Tausendfüßer hatte die tausend erreicht.

Im August 2020 fanden Forscher dann im Westen Australiens in einem 60 Meter tiefen Bohrloch einen hellen, fadendünnen Doppelfüßer. Ein Weibchen dieser neuen Art hatte 1.306 Beine an 330 Körperringen. Es war 95,7 Millimeter lang, aber keinen Millimeter breit. Die Forscher nannten die Art Eumillipes persephone, „echter Tausendfüßer“, nach Persephone, der Göttin der Unterwelt. Männchen hatten weniger Beine, zum Beispiel 778 oder 818.

Die Zahl der Beine ist sehr unterschiedlich. Manche Doppelfüßer haben nur 13 Beinpaare, viele Hundertfüßer 15 Beinpaare. Forscher vermuten, dass die Vorfahren aller Tausendfüßer nur wenige Abschnitte und Beine hatten. Sehr viele Beine sind erst im Lauf der Evolution entstanden, und zwar mehrmals unabhängig voneinander.

Verbreitung und Lebensraum

Tausendfüßer leben auf allen Kontinenten außer der Antarktis. Die meisten Arten gibt es in tropischen und gemäßigten Gebieten. Sie brauchen meist Feuchtigkeit und Verstecke:

  • im Boden und in der Laubstreu der Wälder
  • unter Steinen, unter Rinde und in morschen Baumstümpfen
  • auf Feldern und Weiden
  • in Wüsten, Höhlen und an Küsten
  • tief unter der Erde, wie Eumillipes persephone in 60 Metern Tiefe

Wenigfüßer und Zwergfüßer leben fast nur im Boden. Viele Doppelfüßer halten sich in der Laubstreu auf, nur wenige klettern auf Bäume oder Sträucher.

Ernährung: Was fressen Tausendfüßler?

Was ein Tausendfüßler frisst, hängt von der Gruppe ab:

  • Doppelfüßer fressen vor allem totes Pflanzenmaterial wie Laub und morsches Holz, selten lebende Pflanzen oder Aas. Sie sind damit wichtige Zersetzer im Boden.
  • Hundertfüßer sind Räuber. Sie jagen andere kleine Tiere und töten sie mit ihren Giftklauen.

Fortpflanzung und Entwicklung

Bei vielen Hundertfüßern setzt das Männchen ein Samenpaket ab, eine sogenannte Spermatophore, und baut dafür vorher ein kleines Gespinst. Doppelfüßer legen ihre Eier oft in feuchte Erde. Viele heimische Arten bauen dafür einen Kokon, zum Beispiel aus Erde, die schon durch ihren Darm gegangen ist.

Die Jungtiere wachsen über viele Häutungen heran. Viele Doppelfüßer werden erst nach ein bis drei Jahren geschlechtsreif. Einzelne Tiere können über sieben Jahre alt werden.

Uralte Landtiere

Tausendfüßer sind eine sehr alte Tiergruppe, Fossilien kennt man seit dem Silur. Doppelfüßer leben seit mehr als 400 Millionen Jahren auf unserem Planeten und gehörten zu den ersten Tieren, die Luft atmeten. Einige ausgestorbene Doppelfüßer wurden bis zu zwei Meter lang.

Sind Tausendfüßler gefährlich?

Einige Tausendfüßer können sich gut wehren:

  • Hundertfüßer: Alle größeren Arten können mit ihren Giftklauen zubeißen. Der Biss mancher Arten, vor allem der Skolopender, kann sehr schmerzhaft sein.
  • Doppelfüßer: Sie haben keine Giftklauen. Viele können aber aus Drüsen an den Körperseiten Sekrete abgeben, die zum Teil hochgiftig sind. Saftkugler rollen sich bei Gefahr zu einer Kugel zusammen.

Wer einen Tausendfüßler findet, sollte ihn deshalb nicht in die Hand nehmen.

Gefährdung

Für die Tausendfüßer insgesamt gibt es keine Einstufung auf der Roten Liste, weil Fachleute jede Art einzeln bewerten. Viele Arten sind noch kaum erforscht. Das zeigt auch Eumillipes persephone: Die Art wurde erst entdeckt, als Forscher Bohrlöcher von Bergbaufirmen untersuchten. Lebensräume unter der Erde gelten als besonders wenig erforscht. Wie es den heimischen Arten geht, beschreiben die Steckbriefe zu den Doppelfüßern und Hundertfüßern.

Häufige Fragen zum Tausendfüßler

Wie viele Beine hat ein Tausendfüßler?

Das hängt von der Art ab. Manche Doppelfüßer haben nur 13 Beinpaare, viele Hundertfüßer 15. Den Rekord hält ein Weibchen von Eumillipes persephone aus Australien mit 1.306 Beinen. Es ist der erste bekannte Tausendfüßer mit mehr als 1.000 Beinen.

Ist ein Tausendfüßler ein Insekt?

Nein. Tausendfüßer sind zwar wie Insekten Gliederfüßer, bilden aber eine eigene Gruppe. Ihr Körper besteht nur aus Kopf und Rumpf, und typische Facettenaugen fehlen ihnen.

Was ist der Unterschied zwischen Tausendfüßler und Hundertfüßer?

Hundertfüßer sind eine der vier Gruppen der Tausendfüßer. Von den Doppelfüßern unterscheiden sie sich deutlich: Doppelfüßer haben zwei Beinpaare an fast jedem Körperring und fressen Pflanzenreste. Hundertfüßer haben ein Beinpaar pro Abschnitt und Giftklauen und jagen andere Tiere.

Was fressen Tausendfüßler?

Doppelfüßer fressen vor allem abgestorbene Pflanzenteile wie Laub und morsches Holz. Hundertfüßer sind Räuber und fangen kleine Tiere.

Sind Tausendfüßler giftig?

Hundertfüßer haben Giftklauen, und der Biss großer Arten wie der Skolopender kann sehr schmerzhaft sein. Doppelfüßer beißen nicht, viele können sich aber mit giftigen Sekreten verteidigen. Man sollte sie deshalb nicht anfassen.

Wo leben Tausendfüßler?

Tausendfüßer leben auf allen Kontinenten außer der Antarktis, aber nur an Land. Man findet sie im Boden, in der Laubstreu, unter Steinen und Rinde, auf Feldern, in Höhlen, an Küsten und sogar in Wüsten.

Ähnliche Tiere

  • Doppelfüßer - die artenreichste Gruppe der Tausendfüßer
  • Hundertfüßer - die räuberischen Tausendfüßer mit Giftklauen
  • Landassel - ein kleiner Krebs, der ebenfalls in der Laubstreu lebt
  • Regenwurm - ein weiterer wichtiger Bodenbewohner

Quellen