Tigerhai

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Tigerhai mit stumpfer, breiter Schnauze schwimmt dicht über einem sandigen Meeresboden
Albert kok / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Der Tigerhai ist einer der größten Raubhaie der Welt. Junge Tiere tragen dunkle Streifen auf dem Rücken, die im Alter verblassen und ihm den Namen geben. Er frisst fast alles: Meeresschildkröten, Fische, Rochen, Seevögel und sogar Aas. In seinem Magen finden sich immer wieder auch Dosen und Plastikmüll.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameGaleocerdo cuvier
Abstammung
  • Klasse: Knorpelfische
  • Unterklasse: Haie und Rochen (Elasmobranchii)
  • Ordnung: Grundhaie
  • Familie: Tigerhaie (Galeocerdonidae)
  • Gattung: Galeocerdo
  • Art: Tigerhai
Körpergröße3,25 bis 5,5 m
Körpergewicht385 bis 862 kg
ErnährungFleischfresser: Meeresschildkröten, Fische, Rochen, Seevögel, Tintenfische und Aas
LebenserwartungIm Mittel etwa 27 Jahre, Einzeltiere bis 50 Jahre
SozialverhaltenEinzelgänger, an großen Kadavern auch in losen Gruppen
HerkunftTropische und warm-gemäßigte Meere
Verbreitung Tropische und warm-gemäßigte Meere weltweit, nicht im Mittelmeer Meer
EntdeckungErstbeschreibung 1822 durch Péron und Lesueur als Squalus cuvier
GefährdungNT Potenziell gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2019)
SonstigesÜbliche Länge erwachsener Tiere 325 bis 425 cm (Florida Museum), dokumentierte Höchstlänge 550 cm. Die Gewichtsspanne 385 bis 862 kg stammt vom Animal Diversity Web; die größten Tiere werden auf über 900 kg geschätzt. FishBase nennt als Maximallänge 750 cm und als höchstes veröffentlichtes Gewicht 807 kg.

Aussehen und Körperbau

Der Tigerhai gehört zu den größten Raubhaien der Welt. Erwachsene Tiere sind nach Angaben des Florida Museum of Natural History meist 325 bis 425 cm lang und wiegen 385 bis 635 kg. Die größten dokumentierten Exemplare messen über 5,5 Meter, ihr Gewicht wird auf mehr als 900 kg geschätzt. FishBase führt als Maximallänge 750 cm und nennt einen einzelnen, vor Indochina gefangenen Hai von 740 cm Länge und 3.110 kg. Diese Angabe ist ein alter Bericht und nicht überprüft; schon Tiere über 5 Meter bekommt man kaum je zu Gesicht.

Der Körper ist vorn kräftig und wird nach hinten deutlich schlanker. Auffällig sind:

  • eine stumpfe, sehr breite Schnauze, die von oben fast eckig wirkt
  • ein großer Kopf mit großen Augen
  • ein Maul mit langen Furchen an den Mundwinkeln
  • eine breite erste Rückenflosse, eine viel kleinere zweite
  • ein Kiel am Schwanzstiel und ein langer, schmaler oberer Schwanzflossenlappen

Der Rücken ist dunkelgrau bis fast schwarz, der Bauch auffallend hell bis weiß. Diese Färbung nennt man Gegenschattierung: Von oben verschwimmt der Hai mit dem dunklen Wasser, von unten mit dem hellen Himmel.

Warum heißt er Tigerhai?

Den Namen verdankt er seiner Zeichnung. Junge Tigerhaie haben auf dem Rücken dunkle Flecken, die sich beim Heranwachsen zu senkrechten Streifen verbinden. Sie erinnern an das Fell eines Tigers. Mit zunehmendem Alter verblassen diese Streifen, bei großen erwachsenen Tieren sind sie oft nur noch zu erahnen.

Der wissenschaftliche Gattungsname Galeocerdo setzt sich aus zwei altgriechischen Wörtern zusammen: galeos für einen Hai und kerdo für Fuchs.

Das Gebiss

Kein anderer Hai hat ein so unverwechselbares Gebiss. Die Zähne sind:

  • gleich geformt in Ober- und Unterkiefer - das ist bei Haien ungewöhnlich, meist unterscheiden sich obere und untere Zähne deutlich
  • kräftig, mit einer stark nach hinten gebogenen Spitze
  • an den Rändern fein gesägt
  • an der Außenseite tief eingekerbt, und in dieser Kerbe sitzen viele kleine Nebenzacken

Mit dieser Kombination kann der Tigerhai Dinge zerteilen, an denen andere Haie scheitern. Er beißt zu, schüttelt den Kopf heftig hin und her und arbeitet sich wie mit einer Säge durch den Panzer einer Meeresschildkröte oder aus einem großen Kadaver ein Stück heraus.

Verbreitung und Lebensraum

Tigerhaie leben in allen tropischen und warm-gemäßigten Meeren der Erde. Im Mittelmeer kommen sie nicht vor. Einzelne Tiere wurden bis nach Island und Großbritannien nachgewiesen; sie waren vermutlich dem warmen Golfstrom nach Norden gefolgt.

Am liebsten hält sich der Tigerhai in trübem Küstenwasser auf: in Flussmündungen, Häfen und Buchten, wo Süßwasser vom Land einströmt und viel Beute lockt. Auch die Lagunen und Korallenatolle großer Inselgruppen gehören zu seinem Lebensraum, etwa rund um Hawaii. Er ist aber ebenso im offenen Ozean unterwegs.

Die meiste Zeit schwimmt er in geringer Tiefe. Nach Daten des Animal Diversity Web verbringt er rund 36 Prozent seiner Zeit in flachen Küstengewässern, meist in 2,5 bis 145 Metern Tiefe; nachgewiesen ist er dort bis in 350 Meter Tiefe. FishBase gibt für die Art sogar einen Tiefenbereich bis 800 Meter an.

Tigerhaie wandern mit den Jahreszeiten: In den warmen Monaten ziehen sie in gemäßigte Gewässer, im Winter kehren sie in die Tropen zurück. Zwischen Inselgruppen legen sie dabei sehr weite Strecken zurück.

Ernährung: der Allesfresser unter den Haien

Der Tigerhai hat das breiteste Nahrungsspektrum aller Haie. Auf seinem Speiseplan stehen unter anderem:

  • Meeresschildkröten - er ist einer der wenigen Räuber, die einen Panzer knacken können
  • Rochen und andere Haie
  • Knochenfische und Tintenfische
  • Seevögel, die auf dem Wasser sitzen
  • Krebstiere und Muscheln
  • Delfine und Seekühe
  • Aas, etwa tote Wale, die im Meer treiben

Welche Beute überwiegt, hängt stark von der Region ab. Der Tigerhai ist kein schneller Dauerjäger, sondern ein Lauerjäger: Er nähert sich langsam und gut getarnt und beschleunigt erst im letzten Moment. Bevorzugt jagt er nachts, wenn er näher an die Küste und dichter unter die Wasseroberfläche kommt.

Müll im Magen

Tigerhaie verschlucken regelmäßig Dinge, die nichts mit Nahrung zu tun haben. In einem großen Weibchen, das im nördlichen Golf von Akaba gefangen wurde, fand man nach Angaben des Florida Museum zwei leere Dosen, eine Plastikflasche, zwei Jutesäcke, einen Tintenfisch und einen 20 cm langen Fisch. Besonders häufig stecken solche Gegenstände in Haien, die in Häfen und Flussmündungen gefangen werden - also dort, wo Menschen ihren Abfall ins Wasser werfen.

Das ist kein Zeichen von Dummheit, sondern eine Folge seiner Jagdweise: Der Tigerhai prüft treibende Gegenstände, indem er hineinbeißt. Unverdaulicher Müll kann ihn dabei allerdings ernsthaft schädigen.

Verhalten und Lebensweise

Tigerhaie sind Einzelgänger und vor allem nachts aktiv. Nur an einem großen Kadaver kommen mehrere Tiere zusammen. Dann bildet sich eine lose Rangordnung: Die größten Haie fressen zuerst, die kleineren kreisen in der Nähe und warten. Ernsthafte Kämpfe gibt es dabei kaum.

Die Wanderungen eines einzelnen Tieres können riesig sein. Besenderte Tigerhaie schwammen an einem einzigen Tag bis zu 16 km weit und kehrten fast ein Jahr lang nicht an denselben Ort zurück.

Zum Aufspüren von Beute nutzt der Tigerhai mehrere Sinne gleichzeitig:

  • Lorenzinische Ampullen: mit Gallerte gefüllte Poren an der Schnauze, die schwache elektrische Felder wahrnehmen. Jedes Muskelzucken eines Fisches erzeugt ein solches Feld.
  • Seitenlinie: ein Kanal, der auf beiden Körperseiten vom Kiemenbereich bis zum Schwanz verläuft und Druckwellen im Wasser registriert.
  • Geruchs- und Sehsinn für die Orientierung auf größere Entfernung.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Der Tigerhai bringt lebende Junge zur Welt, ernährt sie im Mutterleib aber nicht über einen Mutterkuchen. Zuerst zehren die Embryonen von einem großen Dottersack. Ist der aufgebraucht, trinken sie eine nährstoffreiche Flüssigkeit, die in der Gebärmutter gebildet wird. Diese besondere Form der Ernährung wurde erst 2016 genauer beschrieben.

Die Trächtigkeit dauert 13 bis 16 Monate. Ein Wurf umfasst nach Angaben des Florida Museum 10 bis 82 Junge; das Animal Diversity Web nennt als Durchschnitt 35 bis 55 Junge. Die Neugeborenen sind bereits 51 bis 76 cm lang und vollständig selbstständig; die Mutter kümmert sich nicht um sie. Auf der Nordhalbkugel findet die Paarung zwischen März und Mai statt, die Jungen kommen von April bis Juni des folgenden Jahres zur Welt.

Ein Weibchen bekommt nur etwa alle drei Jahre Nachwuchs. Geschlechtsreif werden Männchen nach Angaben des Florida Museum mit 226 bis 290 cm, Weibchen mit 250 bis 325 cm Länge. Diese langsame Vermehrung ist der Hauptgrund, warum sich die Bestände nach starker Befischung nur schwer erholen.

Wie gefährlich ist der Tigerhai für Menschen?

Nach dem Weißen Hai ist der Tigerhai die Art mit den zweitmeisten gemeldeten Angriffen auf Menschen. Zusammen mit dem Bullenhai bilden die drei die sogenannten „Big Three". Das liegt auch daran, dass diese drei Arten so auffällig aussehen, dass Betroffene und Zeugen sie erkennen können; kleinere Requiemhaie lassen sich dagegen kaum unterscheiden.

Trotzdem gilt: Tigerhaie verhalten sich gegenüber Tauchern meist neugierig und nicht aggressiv. Weil sie groß sind, kräftig zubeißen und gern in trübem Küstenwasser jagen, rät das Florida Museum dennoch zu großer Vorsicht und Respekt.

Feinde und Gefährdung

Ausgewachsene Tigerhaie haben kaum natürliche Feinde. Jungtiere werden von größeren Haien gefressen.

Die Weltnaturschutzunion IUCN führt den Tigerhai als potenziell gefährdet (NT). Die Einstufung wurde 2018 vorgenommen und 2019 veröffentlicht. Weltweit wird ein Rückgang von knapp 30 Prozent über drei Generationen vermutet - das sind beim Tigerhai 53 bis 68 Jahre, denn eine Generation dauert 17,5 bis 22,5 Jahre.

Die wichtigsten Ursachen:

  • Fischerei. Der Tigerhai wird gezielt wegen seiner Flossen, seines Fleisches und seines Lebertrans gefangen und geht außerdem als Beifang ins Netz.
  • Hai-Abwehrprogramme. In Queensland und New South Wales (Australien), in Südafrika und auf La Réunion werden mit Netzen und Köderhaken gezielt große Haie gefangen. In Nordqueensland sanken die Fangraten bis in die 2000er Jahre auf rund 66 Prozent des Ausgangswerts.
  • Regionale Einbrüche. In den Vereinigten Arabischen Emiraten gingen die Anlandungen um rund 90 Prozent zurück, im Roten Meer fehlt die Art in neueren Untersuchungen ganz. Für die Region Arabisches Meer gilt sie als gefährdet (VU).

In anderen Regionen, etwa im westlichen Nordatlantik und vor Südafrika, blieben die Bestände zuletzt stabil oder nahmen sogar zu. Genau dieses uneinheitliche Bild ist der Grund, warum die IUCN die Art bisher nicht in eine höhere Gefährdungsstufe eingeordnet hat.

Rekorde und Besonderheiten

  • Größe: Der Tigerhai steht in unserer Liste der größten Tiere. Länger werden unter den Haien nur Walhai und Riesenhai, beides harmlose Planktonfresser, sowie der Weiße Hai.
  • Alter: Das Animal Diversity Web nennt ein mittleres Alter von 27 Jahren in freier Natur, FishBase als höchstes gemeldetes Alter 50 Jahre.
  • Eigene Familie: Lange wurde der Tigerhai zu den Requiemhaien (Carcharhinidae) gestellt. Neuere Untersuchungen stellen ihn in eine eigene Familie, die Galeocerdonidae.

Häufige Fragen zum Tigerhai

Wie groß wird ein Tigerhai?

Erwachsene Tigerhaie sind meist 3,25 bis 4,25 Meter lang. Die größten dokumentierten Tiere messen über 5,5 Meter und wiegen geschätzt mehr als 900 kg. FishBase führt als Maximallänge 7,5 Meter und einen unbestätigten Einzelbericht über einen 7,4 Meter langen Hai. Tiere über 5 Meter sind sehr selten.

Was frisst ein Tigerhai?

Fast alles, was im Meer lebt oder treibt: Meeresschildkröten, Rochen, andere Haie, Knochenfische, Tintenfische, Krebse, Seevögel, Delfine und Aas. Er ist der am wenigsten wählerische aller Haie. Dabei verschluckt er auch Müll wie Dosen, Flaschen oder Stofffetzen.

Warum heißt der Tigerhai Tigerhai?

Junge Tigerhaie haben dunkle Flecken auf dem Rücken, die zu senkrechten Streifen zusammenwachsen und an das Fell eines Tigers erinnern. Mit dem Alter verblasst dieses Muster, bei großen Tieren ist es kaum noch zu sehen.

Wie viele Junge bekommt ein Tigerhai?

Ein Wurf umfasst 10 bis 82 Junge, im Durchschnitt nach Angaben des Animal Diversity Web 35 bis 55. Die Trächtigkeit dauert 13 bis 16 Monate. Die Jungen kommen lebend zur Welt, sind schon 51 bis 76 cm lang und müssen von Anfang an allein zurechtkommen. Ein Weibchen bekommt nur etwa alle drei Jahre Nachwuchs.

Ist der Tigerhai gefährlich für Menschen?

Nach dem Weißen Hai ist er die Art mit den zweitmeisten gemeldeten Angriffen weltweit. Angriffe bleiben trotzdem sehr selten. Tigerhaie verhalten sich gegenüber Tauchern meist neugierig statt aggressiv, sind wegen ihrer Größe und ihres Gebisses aber mit Respekt zu behandeln.

Ist der Tigerhai bedroht?

Die IUCN stuft ihn als potenziell gefährdet (NT) ein, zuletzt 2018 bewertet und 2019 veröffentlicht. Weltweit wird ein Rückgang von knapp 30 Prozent über drei Generationen vermutet. Hauptursachen sind Fischerei und Hai-Abwehrprogramme an Badestränden.

Ähnliche Tiere

  • Weißer Hai - der einzige Hai mit noch mehr gemeldeten Angriffen
  • Bullenhai - der dritte der „Big Three", schwimmt auch in Flüsse hinein
  • Hammerhai - Grundhai mit auffälligem Kopf
  • Zebrahai - heißt wegen der Streifen seiner Jungtiere so und ist völlig harmlos
  • Walhai - der größte Fisch der Welt, frisst nur Plankton
  • Meeresschildkröte - eine der wichtigsten Beutearten des Tigerhais
  • Tiere im Meer - alle Meerestiere im Lexikon
  • Tiere mit T - weitere Tiere, die mit T beginnen

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Tigerhai
3,25 bis 5,5 m

Mit 3,25 bis 5,5 m gehört der Tigerhai zu den größeren Tieren in unserem Lexikon. Ein Erwachsener (1,8 m) ist dagegen kleiner, während ein Haus mit 10 m noch etwas an Größe drauflegt.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Tigerhai
385 bis 862 kg

Ein Tigerhai bringt 385 bis 862 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Erwachsener (75 kg), aber leichter als ein Auto (1,5 t). Anders ausgedrückt: Der Tigerhai wiegt so viel wie etwa 8 Erwachsene.