Tintenfisch

Zuletzt aktualisiert:

Gemeiner Kalmar mit gesprenkeltem, durchscheinendem Mantel, Flossen und zwei langen Fangarmen vor schwarzem Hintergrund
Hans Hillewaert / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kurz erklärt

Tintenfische sind keine Fische, sondern Weichtiere aus dem Meer, verwandt mit Schnecken und Muscheln. Zu ihnen gehören Kraken, Kalmare und Sepien, zusammen rund 750 Arten. Sie haben Arme mit Saugnäpfen, einen harten Schnabel und können blitzschnell die Farbe wechseln. Bei Gefahr spritzen sie eine dunkle Tintenwolke aus und schwimmen mit Rückstoß davon.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameColeoidea (früher Dibranchiata)
Abstammung
  • Klasse: Kopffüßer (Cephalopoda)
  • Unterklasse: Tintenfische (Coleoidea)
KörpergrößeJe nach Art sehr verschieden: Zwergkalmare sind etwa so groß wie ein Fingernagel, der Riesenkalmar erreicht mindestens 15 m Gesamtlänge (davon etwa zwei Drittel Fangarme)
KörpergewichtJe nach Art sehr verschieden; der Riesenkalmar wiegt mindestens 220 kg, ein Koloss-Kalmar aus dem Rossmeer rund 470 kg
ErnährungFleischfresser: meist Fische, Krebse und Muscheln, in der Tiefsee auch Schlangensterne und Ringelwürmer; wenige Arten fressen Plankton
LebenserwartungSelten mehr als 3 Jahre; viele Kalmare sterben schon nach etwa einem Jahr, kurz nach der Paarung
SozialverhaltenJe nach Art Einzelgänger oder in Schwärmen; viele Kalmare bilden Schwärme
HerkunftMeere
Verbreitung Nur im Meer, vom Äquator bis zu den Polen und vom flachen Wasser bis in die lichtlose Tiefsee Meer
SonstigesGruppenseite: Die Rote Liste bewertet einzelne Arten, nicht alle Tintenfische zusammen. Zu den Tintenfischen gehören Kraken (Octopoda), Kalmare (Teuthida) und Sepien (Sepiida); Beispiele sind der Riesenkalmar (Architeuthis dux, IUCN: nicht gefährdet, LC 2014) und der Koloss-Kalmar (Mesonychoteuthis hamiltoni).

Was ist ein Tintenfisch?

Trotz des Namens ist ein Tintenfisch kein Fisch. Tintenfische sind Weichtiere, genau wie Schnecken und Muscheln. Sie gehören zur Klasse der Kopffüßer (Cephalopoda), bei denen die Arme direkt am Kopf sitzen. Das Lexikon der Biologie nennt "Tintenfische" deshalb eine verbreitete, aber irreführende Bezeichnung.

Fachleute nennen die Tintenfische Coleoidea, früher auch Dibranchiata, also "Zweikiemer". Zu ihnen gehören alle heute lebenden Kopffüßer mit Ausnahme der Perlboote. Etwa 750 Arten sind bekannt. Von den Perlbooten mit ihrem äußeren, gekammerten Gehäuse gibt es dagegen nur 6 lebende Arten.

Die Tintenfische teilen sich in zwei große Gruppen:

  • Zehnarmige Tintenfische (Decabrachia): Bei ihnen sind zwei der zehn Arme zu langen Fangarmen umgebildet. Dazu gehören die Kalmare und die Sepien.
  • Achtarmige Tintenfische (Octobrachia): Dazu gehören die Kraken, die acht Arme und keine Fangarme haben.

Diese Seite gibt einen Überblick über alle Tintenfische. Mehr zu den einzelnen Gruppen steht auf den Seiten der Kraken, Kalmare und Sepien.

Krake, Kalmar oder Sepie?

Die drei Gruppen unterscheiden sich vor allem in ihrer inneren Schale und in der Zahl der Arme:

GruppeArmeWas von der Schale übrig ist
Kraken8 Arme, keine Fangarmenur kleine Plättchen
Kalmare8 Arme und 2 Fangarmeeine dünne Rückenplatte aus Chitin (Gladius)
Sepien8 Arme und 2 Fangarmeeine gekammerte Schale im Mantel

Kalmare haben meist einen langen, schlanken Körper. Die Rückenplatte stützt den Mantel und gibt den Muskeln Halt. Kraken haben gar kein festes Skelett mehr.

Aussehen und Körperbau

Der Körper eines Tintenfischs besteht aus drei Teilen:

  • Kopf: Er trägt große, sehr leistungsfähige Linsenaugen.
  • Arme: Sie stehen im Kreis um den Mund und tragen auf der Innenseite Saugnäpfe. Bei manchen Arten sind die Saugnäpfe zusätzlich mit Haken besetzt.
  • Mantel: Der muskulöse Mantel umhüllt die Eingeweide. Unter dem Kopf führt ein Rohr, der Trichter, aus der Mantelhöhle nach außen.

Arme und Trichter sind aus dem Fuß entstanden. Daher kommt der Name Kopffüßer: Das griechische Wort Cephalopoda bedeutet "Kopf-Fuß". Viele Tintenfische haben am Mantel zusätzlich Hautsäume, die Flossen. Mit ihnen schwimmen sie langsam.

Im Mund sitzen zwei harte Kiefer, die wie ein umgedrehter Papageienschnabel aussehen. Damit töten Tintenfische ihre Beute und schneiden Stücke heraus. Eine Raspelzunge, die Radula, befördert die Bissen in den Schlund.

Herz und Kreislauf: Wie andere Kopffüßer haben Tintenfische drei Herzen: zwei pumpen das Blut durch die Kiemen, eines durch den übrigen Körper. Den Sauerstoff transportiert bei ihnen der Blutfarbstoff Hämocyanin. Ihr Kreislauf ist viel leistungsfähiger als der anderer Weichtiere.

Gehirn: Tintenfische haben das leistungsfähigste Nervensystem aller Weichtiere. Ihre wichtigsten Nervenknoten sind zu einem Gehirn verschmolzen, das in einer Kapsel aus Knorpel liegt. Am höchsten entwickelt ist es bei den Kraken. Jeder Saugnapf hat einen eigenen kleinen Nervenknoten. Kalmare und Sepien besitzen außerdem besonders dicke Nervenfasern, die Signale sehr schnell weiterleiten.

Vom Winzling zum Riesenkalmar

Die Größe der Tintenfische ist sehr unterschiedlich. Manche Zwergkalmare sind nur etwa so groß wie ein Fingernagel.

Am anderen Ende stehen die größten wirbellosen Tiere der Erde:

  • Riesenkalmar (Architeuthis dux): Sein Körper wird mindestens 2 Meter lang, mit den Fangarmen erreicht er mindestens 15 Meter. Etwa zwei Drittel dieser Länge entfallen auf die beiden Fangarme. Er wiegt mindestens 220 Kilogramm. Sein Auge ist etwa so groß wie ein Volleyball und gehört zu den größten Augen im ganzen Tierreich.
  • Koloss-Kalmar (Mesonychoteuthis hamiltoni): Von ihm kennt man noch schwerere Tiere. 2007 holte ein Fischereischiff im Rossmeer vor der Antarktis ein Tier aus 1.500 Meter Tiefe an Bord. Es wog gefroren etwa 495 Kilogramm, ohne das anhaftende Eis schätzten Fachleute rund 470 Kilogramm. Laut Te Papa wurden seit seiner Beschreibung 1925 nur neun Tiere gefunden, die größer als Jungtiere waren.

Beide Riesen leben in der Tiefsee und sind kaum erforscht. Mehr über sie steht auf der Seite Kalmar.

Farbwechsel und Leuchten

In der Haut der Tintenfische liegen zwei Arten von Zellen, die für ihre Farben sorgen:

  • Chromatophoren enthalten Farbstoff und können sich ausdehnen oder zusammenziehen.
  • Flitterzellen (Iridocyten) enthalten winzige Kristalle aus Guanin, die Licht zurückwerfen.

Ihr Zusammenspiel erlaubt sehr schnelle Farbwechsel. Die Muster dienen als Tarnung, zeigen aber auch Stimmungen wie Erregung oder Paarungsbereitschaft an. Viele Tintenfische haben außerdem Leuchtorgane, vor allem auf der Unterseite. Bei Sepien leuchten darin Bakterien, die mit dem Tintenfisch zusammenleben. Kalmare erzeugen das Licht dagegen mit eigenen Stoffen, und manche leuchten sogar in mehreren Farben.

Die Tinte: Schutz, Doppelgänger und Farbe

Die Tinte hat den Tintenfischen ihren Namen gegeben. Sie entsteht in einem Tintenbeutel, dessen Ausgang in den Enddarm mündet. Ihre schwarzbraune Farbe stammt vom Farbstoff Melanin.

Bei Gefahr stoßen Tintenfische die Tinte über den Trichter aus. Je nachdem, wie viel Schleim sie beimischen, entstehen ganz verschiedene Formen:

  • Wolken, die dem Angreifer die Sicht nehmen
  • Doppelgänger (Pseudomorphe): dunkle Kleckse mit viel Schleim, die ungefähr die Form eines Tintenfischs haben und den Angreifer ablenken
  • Lange Schleimfäden, die bei Tiefseekalmaren möglicherweise nesselnde Tiere (Siphonophoren) nachahmen

In Versuchen bremste eine Tintenwolke zwischen Futter und einem heranschwimmenden Fisch dessen Angriff. Bei manchen Arten soll die Tinte Angreifer sogar vorübergehend lähmen. Für Artgenossen ist sie ein Warnsignal: Beim Karibischen Riffkalmar (Sepioteuthis sepioidea) zeigt die Tinte anderen Kalmaren Gefahr an.

Einige Tiefseearten stoßen statt dunkler Tinte eine leuchtende Wolke aus. Bei Tiefseearten der Gattung Heteroteuthis enthält sie Leuchtbakterien. Manchen Tintenfischen fehlt der Tintenbeutel ganz, zum Beispiel vielen Kraken der Tiefsee aus der Gruppe der Cirrata.

Auch Menschen nutzen die Tinte seit Jahrtausenden. Von der Antike bis ins 19. Jahrhundert schrieb und malte man mit der Tinte von Sepien, die unter dem Namen Sepia bekannt wurde. In der Küche färbt Tintenfischtinte zum Beispiel schwarzen Reis, Risotto und Nudelsoßen. In versteinerten Tintenbeuteln eines rund 160 Millionen Jahre alten Kopffüßers aus der Jurazeit war das Melanin so gut erhalten, dass man damit noch malen konnte.

Verbreitung und Lebensraum

Tintenfische leben ausschließlich im Meer. Man findet sie vom Äquator bis zu den Polen und vom flachsten Wasser bis in große, lichtlose Tiefen. Manche Arten leben am Meeresboden, andere schwimmen frei im Wasser. Die Larven vieler Arten treiben im Plankton.

Fortbewegung mit Rückstoß

Zum schnellen Schwimmen nutzen Tintenfische den Rückstoß: Sie ziehen ihren Muskelmantel zusammen und pressen das Wasser aus der Mantelhöhle durch den Trichter. Der bewegliche Trichter bestimmt dabei die Richtung. Manche Kalmare werden so schnell, dass sie aus dem Wasser schießen und bis zu 50 Meter weit über die Oberfläche gleiten. Deshalb heißen einige Arten "Fliegende Kalmare".

Ernährung

Alle Tintenfische sind Fleischfresser. Auf dem Speiseplan stehen meist:

  • Fische
  • Krebse
  • Muscheln
  • in der Tiefsee auch Schlangensterne und Ringelwürmer

Nur wenige Arten ernähren sich von Plankton. Die Saugnäpfe halten die Beute fest und führen sie zum Mund. Dort töten die kräftigen Kiefer das Opfer. Kalmare fressen auch andere Kalmare.

Fortpflanzung und Lebensdauer

Tintenfische sind getrenntgeschlechtlich, es gibt also Männchen und Weibchen. Oft sehen beide unterschiedlich aus. Besonders groß ist der Unterschied beim Papierboot (Argonauta). Bei den Männchen ist meist ein Arm zum Begattungsarm (Hectocotylus) umgebaut. Mit ihm übergibt das Männchen dem Weibchen ein Samenpaket.

Die Weibchen legen ihre Eier meist in Gruppen ab. Aus Eiern mit viel Dotter schlüpfen Jungtiere, die schon am Boden leben. Aus Eiern mit wenig Dotter schlüpfen Larven, die zuerst im Plankton treiben. Die Jungtiere tragen von Anfang an ein typisches Farbmuster und wachsen schnell.

Tintenfische leben nur kurz: Die Lebenserwartung liegt selten über drei Jahren. Kalmare sterben meist schon im Alter von etwa einem Jahr, kurz nach der Paarung.

Feinde und Gefährdung

Tintenfische haben viele Feinde. Kalmare werden zum Beispiel von Fischen, Haien, Robben und Pottwalen gefressen. In den Mägen gestrandeter Pottwale findet man häufig die Schnäbel von Riesenkalmaren.

Auch der Mensch fängt Tintenfische in großen Mengen. Schon 1998 wurden nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO weltweit rund 2,6 Millionen Tonnen Kopffüßer als Fang gemeldet, vor allem Kalmare, die in Schwärmen leben. Die meisten Kalmararten gelten nicht als gefährdet, Überfischung ist aber eine Bedrohung.

Eine Gefährdungseinstufung für alle Tintenfische gibt es nicht, weil die Rote Liste der IUCN einzelne Arten bewertet. Riesenkalmar und Koloss-Kalmar gelten zum Beispiel als nicht gefährdet (LC, 2014).

Eine sehr alte Tiergruppe

Kopffüßer sind als Fossilien schon seit dem Erdzeitalter Kambrium bekannt. Schon die ältesten Kopffüßer trugen eine gekammerte Schale. Aus derselben Entwicklungslinie wie die ausgestorbenen Ammoniten und Belemniten gingen die heutigen Tintenfische hervor. Bei ihnen ist die Schale ins Körperinnere gewandert oder fast ganz verschwunden.

Häufige Fragen zum Tintenfisch

Ist ein Tintenfisch ein Fisch?

Nein. Tintenfische sind Weichtiere und damit näher mit Schnecken und Muscheln verwandt als mit Fischen. Sie haben keine Wirbelsäule und keine Gräten. Der Name ist alt und wissenschaftlich irreführend.

Wie viele Arme hat ein Tintenfisch?

Das hängt von der Gruppe ab. Kraken haben acht Arme. Kalmare und Sepien haben acht Arme und zusätzlich zwei lange Fangarme, also insgesamt zehn.

Warum spritzen Tintenfische Tinte?

Die Tinte schützt sie vor Feinden. Eine dunkle Wolke nimmt dem Angreifer die Sicht, ein Tinten-Doppelgänger lenkt ihn ab. In dieser Zeit flüchtet der Tintenfisch mit Rückstoß.

Wie viele Herzen hat ein Tintenfisch?

Drei. Zwei Kiemenherzen pumpen das Blut durch die Kiemen, das dritte Herz versorgt den restlichen Körper.

Wie groß wird der größte Tintenfisch?

Der Riesenkalmar erreicht mit seinen Fangarmen mindestens 15 Meter. Noch schwerer kann der Koloss-Kalmar werden: Ein Tier aus dem Rossmeer wog rund 470 Kilogramm.

Wie alt werden Tintenfische?

Meist nicht älter als drei Jahre. Viele Kalmare werden nur etwa ein Jahr alt und sterben kurz nach der Paarung.

Ähnliche Tiere

  • Oktopus (Krake) - Tintenfische mit acht Armen und ohne Fangarme
  • Kalmar - schlanke Zehnarmige mit Riesenkalmar und Koloss-Kalmar
  • Sepien - Zehnarmige mit Kalkschale im Inneren
  • Meeresnacktschnecke - ebenfalls ein Weichtier des Meeres ohne äußere Schale
  • Pottwal - der bekannteste Jäger von Riesenkalmaren

Quellen