Trampeltier

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Trampeltier mit dichtem, zotteligem hellbraunem Winterfell und zwei aufrechten Höckern steht im Profil in einem Zoogehege, rechts eine Raufe mit Heu
J. Patrick Fischer / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Das Trampeltier ist das Kamel mit den zwei Höckern. Es ist ein Haustier, das Menschen in den kalten Wüsten und Steppen Zentralasiens als Last- und Reittier halten und das Milch, Fleisch und Wolle liefert. In den Höckern speichert es Fett, kein Wasser. Sein wilder Verwandter, das Wildkamel, ist eine eigene Art und stark gefährdet.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameCamelus bactrianus (Hauskamel); Wildkamel: Camelus ferus
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Überordnung: Laurasiatheria
  • Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
  • Unterordnung: Schwielensohler (Tylopoda)
  • Familie: Kamele (Camelidae)
  • Gattung: Altweltkamele (Camelus)
  • Art: Trampeltier
KörpergrößeKopf-Rumpf-Länge 2,25 bis 3,45 m, dazu 35 bis 55 cm Schwanz; Schulterhöhe je nach Quelle 1,6 bis 2,3 m
KörpergewichtJe nach Quelle 300 bis 690 kg; der San Diego Zoo nennt für erwachsene Tiere 450 bis 500 kg
ErnährungPflanzenfresser und Wiederkäuer: Gräser und andere Wüstenpflanzen, auch trockene, dornige, bittere und salzige Pflanzen
LebenserwartungBei Hauskamelen ist ein Höchstalter von gut 35 Jahren belegt
SozialverhaltenHerden aus einem führenden Hengst, Stuten und Jungtieren; vertriebene junge Hengste bilden Junggesellengruppen
HerkunftZentralasien
Verbreitung Als Haustier in den kalten Wüsten und Steppen Zentral- und Nordostasiens, zum Beispiel in der Mongolei und im Norden Chinas; Wildkamele nur noch in der Wüste Gobi (Mongolei und China) sowie in den Wüsten Taklamakan und Lop Nur (China) Asien
EntdeckungErstbeschreibung 1758 durch Linnaeus; Wildkamel 1878 durch Przewalski
SonstigesDas Trampeltier ist ein Haustier und wird von der IUCN nicht bewertet. Das Wildkamel (Camelus ferus) ist eine eigene Art und gilt als stark gefährdet (EN, Einstufung von 2025). Es leben nur noch etwa 1.000 Tiere.

Trampeltier, Dromedar und Wildkamel

Das Trampeltier (Camelus bactrianus) ist das Kamel mit zwei Höckern. Man nennt es auch Baktrisches Kamel oder Hauskamel. Es ist ein Haustier: Menschen halten es seit Jahrtausenden als Last- und Reittier und nutzen seine Milch, sein Fleisch und seine Wolle. Wild lebende Trampeltiere gibt es nicht.

Zur Gattung der Altweltkamele gehören drei Arten, die man leicht verwechselt:

  • Trampeltier (Camelus bactrianus): zwei Höcker, Haustier in Zentral- und Nordostasien.
  • Dromedar (Camelus dromedarius): ein Höcker, Haustier vor allem in Nordafrika und im Nahen Osten. Etwa 90 Prozent aller Kamele auf der Welt sind Dromedare.
  • Wildkamel (Camelus ferus): zwei Höcker wie das Trampeltier, aber eine eigene, wild lebende Art. Es ist schlanker, hat kleinere Höcker und weniger Fell.

Merkhilfe: Ein liegendes D hat einen Buckel wie das Dromedar, ein liegendes B hat zwei Buckel wie das Baktrische Kamel.

Lange dachte man, das Wildkamel sei der Vorfahre des Trampeltiers. Erbgut-Untersuchungen zeigen aber etwas anderes: Die Linien von Wildkamel und Hauskamel haben sich schon vor mehreren hunderttausend Jahren getrennt. Je nach Studie werden etwa 400.000 oder rund eine Million Jahre angegeben. Das heutige Wildkamel ist also nicht der Vorfahre unserer Trampeltiere. Deren direkte wilde Vorfahren sind seit Jahrtausenden ausgestorben.

Aussehen und Körperbau

Trampeltiere sind große, hochbeinige Tiere mit langem, gebogenem Hals.

  • Größe: Der Körper ist ohne Schwanz 2,25 bis 3,45 Meter lang, der Schwanz misst 35 bis 55 Zentimeter. Die Schulterhöhe liegt je nach Quelle bei 1,6 bis 2,3 Metern.
  • Gewicht: Erwachsene Trampeltiere wiegen 300 bis 690 Kilogramm. Der San Diego Zoo nennt für erwachsene Tiere 450 bis 500 Kilogramm. Hengste sind oft deutlich größer als Stuten.
  • Fell: Das Fell ist meist dunkelbraun oder schmutzig grau. Die Haare werden bis etwa 25 Zentimeter lang. Besonders dicht ist das Fell an Kopf, Hals, Höckern, Vorderbeinen und Schwanz.
  • Höcker: In den beiden Höckern steckt Fett, kein Wasser. Hat ein Trampeltier genug zu fressen, stehen die Höcker prall und aufrecht. Hungert es, verbraucht der Körper das Fett, und die Höcker schrumpfen und kippen zur Seite.
  • Schutz vor Sand: Zwei Reihen langer Wimpern halten Sand aus den Augen. Dazu kommt eine durchsichtige Nickhaut, eine Art inneres Augenlid. Die Nasenlöcher kann das Tier verschließen, und auch die Ohren sind innen behaart.
  • Lippen: Die Oberlippe ist gespalten. Jede Hälfte bewegt sich unabhängig von der anderen. So kann das Trampeltier auch kurzes Gras dicht über dem Boden abrupfen.
  • Füße: Die breiten Füße haben dicke, schwielige Sohlen. Beim Auftreten spreizen sie sich, beim Anheben ziehen sie sich zusammen. Deshalb sinkt das Tier in Sand oder Schnee weniger ein.

Trampeltiere gehen im Passgang: Sie setzen beide Beine einer Körperseite gleichzeitig nach vorn. Daher wirkt ihr Gang schaukelnd.

Gemacht für Hitze und Kälte

In der Heimat des Trampeltiers sind die Sommer heiß und die Winter eisig. Trampeltiere halten Temperaturen von etwa minus 29 bis plus 49 Grad Celsius aus. Für den Winter wächst ihnen ein dickes, zotteliges Fell, das sie im heißen Sommer wieder verlieren.

Mit Wasser gehen sie sehr sparsam um:

  • Schwitzen erst spät: Trampeltiere haben nur wenige Schweißdrüsen. Ihre Körpertemperatur kann um etwa 6 Grad steigen, bevor sie schwitzen. So verlieren sie weniger Wasser.
  • Lange ohne Trinken: Kamele kommen nach Angaben des San Diego Zoos eine Woche oder länger ohne Wasser aus und mehrere Monate ohne Futter. Viel Feuchtigkeit nehmen sie mit den Pflanzen auf.
  • Großer Durst: Kamele überstehen einen Wasserverlust von bis zu 40 Prozent ihres Körpergewichts. Finden sie dann Wasser, trinken sie innerhalb weniger Minuten sehr viel. Für Trampeltiere werden bis zu 57 Liter angegeben. Der San Diego Zoo nennt für Kamele allgemein sogar bis zu 145 Liter in einer einzigen Trinkpause.
  • Salzwasser: Trampeltiere können auch salziges Wasser trinken. Ihre Nieren scheiden das überschüssige Salz wieder aus.

Verbreitung und Lebensraum

Trampeltiere stammen aus Zentralasien. Heute werden sie vor allem in den kalten Wüsten und Steppen Zentral- und Nordostasiens gehalten, zum Beispiel in der Wüste Gobi und in den Steppen der Mongolei.

Wo und wann Menschen das Trampeltier zum Haustier gemacht haben, ist noch nicht ganz geklärt. In Iran wurden Knochen von Hauskamelen gefunden, die aus der Zeit um 2500 bis 3000 vor Christus stammen. Eine große Erbgut-Studie aus dem Jahr 2020 kommt zu dem Schluss, dass Trampeltiere zuerst in Zentralasien domestiziert wurden, vermutlich vor mehr als 4.000 Jahren. Diese Zeitangabe ist allerdings sehr unsicher. Später wurden Trampeltiere zum wichtigsten Transportmittel auf der Seidenstraße zwischen Ost und West.

Das Wildkamel war früher in weiten Teilen Asiens verbreitet, von der großen Biegung des Gelben Flusses in China bis nach Kasachstan. Heute lebt es nur noch an wenigen Orten: in der mongolischen Gobi sowie in den chinesischen Wüsten Taklamakan und Lop Nur. Nach Angaben der Wild Camel Protection Foundation, einer Naturschutzstiftung, sind es etwa 600 Tiere in China und 450 in der Mongolei.

Ernährung

Trampeltiere sind Pflanzenfresser und fressen vor allem Gräser. Sie sind nicht wählerisch: Auch trockene, dornige, bittere und salzige Pflanzen stehen auf ihrem Speiseplan. Salzpflanzen sind sogar ein wichtiger Teil ihrer Nahrung. Im Winter graben Trampeltiere ihr Futter sogar unter dem Schnee hervor.

Wie Rinder sind Kamele Wiederkäuer: Sie würgen das Futter aus dem Magen wieder hoch und kauen es ein zweites Mal. Wenn kaum Pflanzen zu finden sind, fressen Kamele zur Not auch Fisch, Knochen oder Haut.

Verhalten und Lebensweise

Kamele sind tagaktiv und sehr gesellig. Sie leben in Herden mit einem führenden Hengst, mehreren Stuten und den Jungtieren. Junge Hengste werden vom Leithengst vertrieben und schließen sich zu Junggesellengruppen zusammen. Wildkamele ziehen meist in Herden von 6 bis 20 Tieren umher.

In der Paarungszeit kämpfen die Hengste um die Stuten. Sie drohen, beißen, spucken und schnauben. Während dieser Zeit fressen viele Hengste kaum etwas und leben von ihren Reserven.

Kamele verständigen sich mit Lauten wie Stöhnen, Blöken, lautem Brüllen und grollendem Brummen. Auch die Haltung von Kopf, Ohren und Schwanz hat eine Bedeutung: Nach vorn gerichtete Ohren zeigen Aufmerksamkeit, ein über den Rücken gebogener Schwanz bedeutet Unterwerfung.

Spucken Trampeltiere? Ja. Fühlt sich ein Kamel bedroht, schleudert es Mageninhalt und Speichel aus dem Maul. Es ist also eher ein Erbrechen als ein Spucken. Kurz vorher blähen sich die Backen auf.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Stuten haben einen Eisprung erst nach der Paarung. Die Tragzeit ist sehr lang: Sie dauert 360 bis 440 Tage, also 12 bis 14 Monate. Meist kommt ein Junges zur Welt, Zwillinge sind selten. Weil die Aufzucht so lange dauert, bekommt eine Stute höchstens alle zwei Jahre Nachwuchs.

  • Geburt: Kurz vor der Geburt sondert sich die Stute von der Herde ab und sucht einen geschützten Platz. Nach etwa zwei Wochen kehrt sie mit dem Jungen zurück.
  • Jungtier: Ein neugeborenes Trampeltier wiegt etwa 37 Kilogramm. Schon nach einer halben Stunde kann es neben der Mutter herlaufen. Höcker hat es noch keine, nur kleine Hautspitzen mit lockigem Haar an den Stellen, an denen sie später wachsen.
  • Säugezeit: Mutter und Kind summen sich zu. Kamel-Junge trinken je nach Art und Futterangebot 10 bis 18 Monate lang Milch.
  • Erwachsen werden: Stuten sind mit etwa drei Jahren geschlechtsreif, Hengste mit fünf bis sieben Jahren. Ihre volle Größe erreichen Kamele erst mit etwa sieben Jahren.

Bei Hauskamelen ist ein Höchstalter von gut 35 Jahren belegt.

Trampeltiere und Menschen

Für Hirtenvölker in Zentralasien ist das Trampeltier bis heute sehr wichtig. Ein Kamel trägt etwa 90 Kilogramm zusätzliche Last und läuft damit rund 32 Kilometer am Tag. Trampeltiere liefern außerdem Milch, Fleisch, Wolle, Leder und sogar Dung, der getrocknet als Brennstoff dient. Aus dem Haar entstehen Kleidung, Decken und Zeltstoffe.

Feinde und Gefährdung

Große Kamele haben nur wenige natürliche Feinde. An Wasserstellen werden Trampeltiere aber manchmal von Wölfen angegriffen.

Das Trampeltier ist als Haustier nicht gefährdet und wird von der IUCN nicht eingestuft.

Das Wildkamel steht dagegen kurz vor dem Verschwinden. Nach Angaben der Wild Camel Protection Foundation leben nur noch etwa 1.000 Tiere. Die Rote Liste der IUCN stuft es als stark gefährdet (EN, Einstufung von 2025) ein. Die Gründe:

  • Wildkamele werden gejagt, auch wegen ihres Fleisches.
  • Sie werden getötet, weil sie mit Hauskamelen und anderem Vieh um Weideland und Wasser konkurrieren.
  • Illegaler Bergbau zerstört ihren Lebensraum.
  • Wildkamele paaren sich teilweise mit Hauskamelen. Dadurch gelangt Erbgut der Hausform in die wilde Art. Forscher sehen darin eine Gefahr für die Eigenständigkeit des Wildkamels.

In China wurde ein Schutzgebiet für Wildkamele eingerichtet. In der Mongolei betreibt die Wild Camel Protection Foundation Zuchtstationen, um das besondere Erbgut der Art zu bewahren.

Häufige Fragen zum Trampeltier

Was ist der Unterschied zwischen Trampeltier und Dromedar?

Das Trampeltier hat zwei Höcker, das Dromedar nur einen. Trampeltiere leben in den kalten Wüsten und Steppen Zentralasiens und haben im Winter ein dickes Fell. Dromedare werden vor allem in den heißen Wüsten Nordafrikas und des Nahen Ostens gehalten.

Ist das Trampeltier ein Kamel?

Ja. „Kamel“ ist der Oberbegriff für die Gattung der Altweltkamele. Dazu gehören das Trampeltier, das Dromedar und das Wildkamel.

Was ist in den Höckern eines Trampeltiers?

Fett. Es dient als Energievorrat für Zeiten, in denen es wenig zu fressen gibt. Wenn ein Trampeltier hungert, werden die Höcker kleiner und kippen zur Seite.

Wie schwer wird ein Trampeltier?

Erwachsene Trampeltiere wiegen je nach Quelle 300 bis 690 Kilogramm, meist um die 450 bis 500 Kilogramm. Hengste sind größer und schwerer als Stuten. Ein neugeborenes Junges wiegt etwa 37 Kilogramm.

Gibt es wilde Trampeltiere?

Nein. Wild lebende Kamele mit zwei Höckern gehören zu einer eigenen Art, dem Wildkamel. Es ist kein verwildertes Trampeltier und auch nicht sein Vorfahre. Vom Wildkamel gibt es nur noch etwa 1.000 Tiere in China und der Mongolei.

Wie lange ist ein Trampeltier trächtig?

Sehr lange: Die Tragzeit dauert 360 bis 440 Tage, also 12 bis 14 Monate. Meist kommt ein einziges Junges zur Welt. Es kann schon nach einer halben Stunde laufen und trinkt viele Monate lang Milch.

Ähnliche Tiere

  • Kamel - Überblick über Dromedar, Trampeltier und Wildkamel
  • Lama - ein Verwandter aus Südamerika ohne Höcker
  • Yak - ein anderes Nutztier aus dem kalten Hochland Asiens, ebenfalls mit Wild- und Hausform
  • Esel - ebenfalls ein genügsames Last- und Reittier
  • Pferd - ein weiteres wichtiges Reit- und Lasttier

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Trampeltier
2,25 bis 3,45 m

Ein Trampeltier erreicht eine Körpergröße von 2,25 bis 3,45 m. Damit passt es bequem zwischen einen Erwachsenen (1,8 m) und einen Elefanten (3,5 m) auf unserer Vergleichsskala.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Trampeltier
300 bis 690 kg

Ein Trampeltier bringt 300 bis 690 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Erwachsener (75 kg), aber leichter als ein Auto (1,5 t). Anders ausgedrückt: Das Trampeltier wiegt so viel wie etwa 7 Erwachsene.