Vampirfledermaus

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Gemeiner Vampir mit graubraunem Fell, kurzer Schnauze und großen Ohren
Acatenazzi at English Wikipedia / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Die Vampirfledermaus ist eine kleine Fledermaus aus Mittel- und Südamerika, die sich nur von Blut ernährt. Am bekanntesten ist der Gemeine Vampir. Mit einem Wärmesinn in der Nase findet er Stellen, an denen das Blut dicht unter der Haut fließt. Er ritzt die Haut mit seinen scharfen Zähnen an und leckt das Blut auf. Hungrige Artgenossen bekommen von ihm etwas ab.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameDesmodus rotundus
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Unterklasse: Höhere Säugetiere
  • Überordnung: Laurasiatheria
  • Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
  • Überfamilie: Hasenmaulartige (Noctilionoidea)
  • Familie: Blattnasen (Phyllostomidae)
  • Unterfamilie: Vampirfledermäuse (Desmodontinae)
  • Gattung: Desmodus
  • Art: Gemeiner Vampir
KörpergrößeKopf-Rumpf-Länge 7 bis 9 cm, Flügelspannweite 35 bis 40 cm, kein Schwanz
Körpergewicht15 bis 50 g
ErnährungBlut, vor allem von Nutztieren wie Rindern, außerdem von Wildtieren und selten von Menschen
LebenserwartungIn freier Natur durchschnittlich etwa 9, höchstens rund 12 Jahre; in Menschenobhut rund 20 Jahre
SozialverhaltenLebt in Kolonien von meist 20 bis 100 Tieren, teilt Nahrung mit hungrigen Artgenossen
HerkunftMittel- und Südamerika
Verbreitung Von Mexiko über Mittelamerika bis nach Chile und Argentinien, bis in 2.400 m Höhe NordamerikaSüdamerika
EntdeckungErstbeschreibung 1810 durch Étienne Geoffroy Saint-Hilaire
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2015)
SonstigesEs gibt drei Arten von Vampirfledermäusen: Gemeiner Vampir, Kammzahnvampir und Weißflügelvampir.

Was ist eine Vampirfledermaus?

Vampirfledermäuse sind Fledermäuse, die sich von Blut ernähren. Sie leben nur in Amerika. Weltweit gibt es drei Arten:

  • Gemeiner Vampir (Desmodus rotundus): die häufigste und bekannteste Art. Um ihn geht es auf dieser Seite vor allem.
  • Kammzahnvampir (Diphylla ecaudata): die seltenste der drei Arten. Er trinkt vor allem das Blut von Vögeln.
  • Weißflügelvampir (Diaemus youngii): eine weitere Art aus Mittel- und Südamerika.

Die drei Arten bilden zusammen die Unterfamilie der Vampirfledermäuse (Desmodontinae). Sie gehört zur Familie der Blattnasen, einer Fledermausfamilie aus Amerika.

Vampire aus der Wirklichkeit: Vampirfledermäuse ernähren sich ausschließlich von Blut. Mit den Vampiren aus Gruselgeschichten haben sie aber nur den Namen gemeinsam. Sie saugen kein Blut aus, sondern lecken es aus einer kleinen Wunde.

Aussehen und Körperbau

Größe und Gewicht: Der Gemeine Vampir ist eine kleine Fledermaus. Von der Nasenspitze bis zum Hinterende misst er nur 7 bis 9 cm, die Flügel spannen 35 bis 40 cm. Er wiegt 15 bis 50 g. Nach einer Blutmahlzeit kann sich sein Gewicht verdoppeln.

Fell: Das Fell ist graubraun, am Bauch etwas heller als am Rücken.

Kein Schwanz, lange Daumen: Der Gemeine Vampir hat keinen Schwanz. Der Daumen an seinem Flügel ist lang und kräftig entwickelt.

Scharfe Zähne: Der Schädel ist so gebaut, dass vorn Platz für große, rasiermesserscharfe Schneide- und Eckzähne bleibt. Mit ihnen ritzt die Fledermaus die Haut ihrer Opfer an.

Wärmesinn in der Nase: Im Gesicht sitzen besondere Grubenorgane, mit denen der Gemeine Vampir Wärmestrahlung spüren kann. Unter den Wirbeltieren können das sonst nur Boas, Pythons und Grubenottern. Forscher haben 2011 herausgefunden, wie das funktioniert: Ein Eiweiß in den Nerven, das normalerweise schmerzhafte Hitze meldet, ist bei den Vampiren so verändert, dass es schon bei etwa 30 °C anspringt. So spürt die Fledermaus warme Stellen am Körper ihrer Beute, an denen das Blut dicht unter der Haut fließt.

Verbreitung und Lebensraum

Der Gemeine Vampir lebt von Mexiko über Mittelamerika bis nach Südamerika. Im Süden reicht sein Verbreitungsgebiet bis nach Chile und Argentinien. Man findet ihn vom Tiefland bis in 2.400 m Höhe.

Schlafplätze: Tagsüber schlafen Vampirfledermäuse an dunklen, geschützten Orten, zum Beispiel in Höhlen, hohlen Bäumen, Brunnen, alten Bergwerksschächten und verlassenen Gebäuden.

Kolonien: Meist leben 20 bis 100 Tiere zusammen. Es wurden aber auch viel größere Kolonien mit bis zu 5.000 Tieren gemeldet.

Ernährung

Der Gemeine Vampir ernährt sich nur von Blut. Er ist nachts unterwegs und findet seine Beute mit Echoortung, mit den Augen und mit seinem Wärmesinn.

Beutetiere: Am liebsten trinkt er das Blut von Nutztieren wie Rindern, weil es davon besonders viele gibt. Er beißt aber auch wilde Tiere und manchmal Menschen. Vampire erkennen einzelne Tiere am Atemgeräusch und kehren oft Nacht für Nacht zum selben Tier zurück.

So trinkt ein Vampir:

  1. Anschleichen: Meist landet die Fledermaus nicht direkt auf dem Tier, sondern daneben auf dem Boden. Dann läuft oder hüpft sie heran.
  2. Stelle suchen: Mit dem Wärmesinn sucht sie eine Stelle, an der das Blut dicht unter der Haut fließt.
  3. Anritzen: Mit den scharfen Schneidezähnen macht sie einen etwa 3 mm kleinen Schnitt in die Haut.
  4. Lecken: Sie leckt das Blut aus der Wunde auf. Ein Stoff in ihrem Speichel, das Draculin, verhindert, dass das Blut gerinnt. So kann sie sich satt trinken.

Eine Mahlzeit kann mehr als 30 Minuten dauern, ohne dass das Tier aufwacht.

Immer hungrig: Findet ein Gemeiner Vampir zwei Nächte hintereinander kein Blut, stirbt er.

Verhalten und Lebensweise

Laufen und Springen: Anders als die meisten Fledermäuse können Vampirfledermäuse auf allen vieren laufen, rennen und springen. Das hilft ihnen, sich am Boden an ihre Beute heranzuschleichen.

Nahrung teilen: Vampirfledermäuse sind für ein erstaunliches Verhalten berühmt: Sie teilen ihr Blut. Hat ein Tier in der Nacht nichts gefunden, würgt ein satter Koloniegenosse etwas Blut hoch und gibt es ihm. Auch Mütter füttern ihre Jungen so. Das kann dem hungrigen Tier das Leben retten.

Wer bekommt etwas ab? In einem Versuch über zwei Jahre ließen Forscher 20 Gemeine Vampire einzeln hungern und beobachteten, wer ihnen Blut abgab. Das Ergebnis:

  • Am wichtigsten war, ob das hungrige Tier dem Spender früher selbst geholfen hatte. Das zählte 8,5-mal mehr als die Verwandtschaft.
  • 64 Prozent der Paare, die Blut teilten, waren nicht miteinander verwandt.
  • Meistens ging das Teilen vom Spender aus, nicht vom bettelnden Tier.
  • Tiere, die Nahrung teilten, putzten sich auch gegenseitig das Fell.

Gegenseitige Fellpflege: Die Weibchen einer Kolonie pflegen sich oft gegenseitig das Fell. Meist sind sie eng verwandt oder schlafen am selben Platz.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Geburtszeiten: Besonders viele Junge kommen im April und Mai sowie im Oktober und November zur Welt.

Lange Tragzeit: Die Tragzeit dauert etwa sieben Monate, das sind rund 189 Tage.

Ein Junges: Meist bringt das Weibchen ein einzelnes Junges zur Welt, selten Zwillinge. Die Mutter säugt es zunächst mit Milch und gibt ihm später hochgewürgtes Blut.

Erwachsen: Weibchen und Männchen werden mit etwa 285 Tagen geschlechtsreif, also mit gut neun Monaten.

Lebenserwartung: In freier Natur werden Gemeine Vampire im Durchschnitt etwa 9 Jahre alt, höchstens rund 12 Jahre. In Menschenobhut leben sie länger, rund 20 Jahre.

Feinde und Gefährdung

Natürliche Feinde: Zu den Feinden der Vampirfledermäuse gehören Eulen und Schlangen. Die schnellen Reflexe der Fledermäuse helfen ihnen, zu entkommen.

Tollwut: Der Gemeine Vampir kann Tollwut auf Menschen und Nutztiere übertragen. In Lateinamerika entstehen der Rinderhaltung dadurch jedes Jahr Verluste in Millionenhöhe.

Gefährdung: Der Gemeine Vampir gilt auf der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet (IUCN, 2015). Er ist weit verbreitet. Seit in Südamerika viele Rinder und andere Nutztiere gehalten werden, findet er sogar mehr Nahrung als früher, und seine Bestände haben zugenommen.

Der Kammzahnvampir

Der Kammzahnvampir ist die seltenste der drei Vampirarten. Er wiegt 30 bis 40 g und lebt in tropischen und subtropischen Wäldern, Grasland und Buschland vom Süden von Texas bis in den Osten Perus und den Süden Brasiliens.

Er trinkt vor allem Vogelblut. Auch er findet warme Stellen mit Wärmesensoren an der Nase und ritzt eine kleine, V-förmige Wunde in die Haut. Eine Mahlzeit dauert etwa 30 Minuten. Mit 26 Zähnen hat er mehr Zähne als die anderen Vampirarten. Seine oberen Schneidezähne reiben aneinander und schärfen sich dabei ständig selbst.

Häufige Fragen zur Vampirfledermaus

Ist eine Vampirfledermaus für Menschen gefährlich?

Der Biss selbst ist klein, gefährlich ist vor allem die Tollwut. Der Gemeine Vampir kann diese Krankheit auf Menschen und Nutztiere übertragen. Meist beißt er aber Rinder und andere Tiere und nur selten Menschen.

Saugt eine Vampirfledermaus Blut?

Nein. Sie ritzt die Haut mit ihren scharfen Schneidezähnen an und leckt das Blut auf. Ein Stoff in ihrem Speichel sorgt dafür, dass die Wunde weiterblutet.

Wie groß ist eine Vampirfledermaus?

Der Gemeine Vampir ist mit 7 bis 9 cm Körperlänge klein, seine Flügel spannen 35 bis 40 cm. Er wiegt 15 bis 50 g, nach einer Mahlzeit kann es doppelt so viel sein.

Wo leben Vampirfledermäuse?

Nur in Amerika, von Mexiko über Mittelamerika bis nach Chile und Argentinien. In Europa gibt es keine Vampirfledermäuse.

Wie lange überlebt eine Vampirfledermaus ohne Blut?

Nicht lange. Findet ein Gemeiner Vampir zwei Nächte hintereinander kein Blut, stirbt er. Oft retten ihn Koloniegenossen, die ihm etwas von ihrer Mahlzeit abgeben.

Wie viele Arten von Vampirfledermäusen gibt es?

Drei: den Gemeinen Vampir, den Kammzahnvampir und den Weißflügelvampir. Alle drei leben in Amerika.

Ähnliche Tiere

  • Fledermaus - Überblick über die Fledermäuse
  • Blutegel - trinkt ebenfalls Blut und verhindert mit seinem Speichel die Gerinnung
  • Zecke - ein kleiner Blutsauger, der wie der Vampir Krankheiten übertragen kann
  • Asiatische Tigermücke - bei Mücken stechen nur die Weibchen, um Blut zu trinken

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Vampirfledermaus
7 bis 9 cm

Mit 7 bis 9 cm gehört die Vampirfledermaus zu den kleineren Tieren in unserem Lexikon. Eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) ist dagegen deutlich kleiner, während ein Fußball mit 22 cm noch einiges an Größe drauflegt.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Vampirfledermaus
15 bis 50 g

Mit 15 bis 50 g gehört die Vampirfledermaus zu den leichteren Tieren in unserem Lexikon. Zum Vergleich: Eine 1-Euro-Münze wiegt nur 7,5 g, während eine Tafel Schokolade mit 100 g deutlich mehr auf die Waage bringt. Man bräuchte ungefähr 4 1-Euro-Münzen, um so viel zu wiegen wie eine Vampirfledermaus!