Vielfraß

Zuletzt aktualisiert:

Vielfraß mit dichtem dunkelbraunem Fell, heller Flankenzeichnung und buschigem Schwanz sitzt seitlich im grünen Gras
Zefram / Wikimedia Commons / CC BY 2.5

Kurz erklärt

Der Vielfraß ist ein kräftiger Marder aus dem hohen Norden, der ein wenig wie ein kleiner Bär aussieht. Er wird bis etwa 1 Meter lang und meist 6 bis 30 Kilogramm schwer. Vielfraße leben in Nadelwäldern, Tundra und Gebirgen in Nordamerika, Nordeuropa und Nordasien. Sie fressen vor allem Aas und kleine Tiere und legen im Schnee Vorräte an.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameGulo gulo
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
  • Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
  • Familie: Marder (Mustelidae)
  • Gattung: Gulo
  • Art: Vielfraß
KörpergrößeKopf-Rumpf-Länge 65 bis 105 cm, dazu ein buschiger, 13 bis 26 cm langer Schwanz; Schulterhöhe 36 bis 45 cm
KörpergewichtJe nach Region etwa 6 bis 30 kg; in Alaska wiegen Männchen meist 11 bis 18 kg, Weibchen 6 bis 12 kg
ErnährungFleisch- und Aasfresser: im Winter vor allem Reste von Elchen, Rentieren und Karibus, das ganze Jahr über Wühlmäuse, Lemminge, Hörnchen, Hasen, Vögel und Eier; selten große Huftiere, die im Tiefschnee stecken
LebenserwartungIn freier Natur meist 5 bis 7 Jahre, einzelne Tiere bis 13 Jahre; in Zoos bis etwa 17 Jahre
SozialverhaltenEinzelgänger; Männchen und Weibchen treffen sich nur zur Paarung, das Weibchen zieht die Jungen allein auf
HerkunftNördliche Nadelwald- und Tundrazone der Nordhalbkugel
Verbreitung Alaska, Kanada und Gebirge im Westen der USA; in Europa nur noch Norwegen, Schweden, Finnland und Russland; Nordasien AsienEuropaNordamerika
EntdeckungErstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné (als Mustela gulo)
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2016)
SonstigesIn Norwegen, Schweden und Finnland leben nach einer Schätzung für 2023 zusammen etwa 1.300 Vielfraße. Die Weibchen bringen ihre Jungen in Höhlen im Schnee zur Welt.

Der größte Marder an Land

Der Vielfraß (Gulo gulo) gehört zur Familie der Marder, genau wie Dachs, Baummarder und Otter. Er ist das größte Mitglied dieser Familie, das an Land lebt. Mit seinem gedrungenen Körper, dem breiten Kopf und dem zotteligen Fell erinnert er eher an einen kleinen Bären als an einen schlanken Marder.

Vielfraße leben dort, wo es lange kalt ist und viel Schnee liegt. Sie sind sehr ausdauernd, kräftig und scheu. Weil sie so selten und in so abgelegenen Gegenden leben, bekommen Menschen sie kaum zu Gesicht.

Woher kommt der Name? Der Name klingt, als würde das Tier besonders viel fressen. Tatsächlich stammt er aber vermutlich aus dem Norwegischen: Dort bedeutete „fjeldfross“ so viel wie „Bergkater“. Hanseatische Pelzhändler im 15. Jahrhundert machten daraus ein Wort, das nach „viel fressen“ klang. Die Geschichten über die Gefräßigkeit des Tieres entstanden also erst durch den umgedeuteten Namen. Auch der wissenschaftliche Name Gulo bedeutet auf Latein „Vielfraß“ oder „Schlemmer“. Im Englischen heißt das Tier „wolverine“.

Aussehen und Körperbau

Größe und Gewicht: Ein Vielfraß ist ohne Schwanz 65 bis 105 cm lang. Dazu kommt ein buschiger Schwanz von 13 bis 26 cm. An der Schulter misst er 36 bis 45 cm. Je nach Region wiegen Vielfraße etwa 6 bis 30 kg. In Alaska sind Männchen meist 11 bis 18 kg schwer, Weibchen 6 bis 12 kg. Männchen sind also deutlich schwerer als Weibchen.

Fell: Das lange, dichte Fell ist dunkelbraun bis fast schwarz. Von jeder Schulter zieht sich ein heller, cremefarbener bis goldgelber Streifen über die Flanke bis zum Schwanzansatz. Viele Tiere haben außerdem einen hellen Fleck an Hals und Brust. Die Grannenhaare setzen kaum Reif an. Deshalb ist Vielfraßfell im Norden als Besatz für Kapuzen und Parkas beliebt.

Beine und Pfoten: Die Beine sind kurz und kräftig, jede Pfote hat fünf Zehen mit scharfen, halb einziehbaren Krallen. Vielfraße treten mit einem großen Teil der Sohle auf. So verteilt sich ihr Gewicht auf eine größere Fläche, und sie sinken im Schnee weniger ein. Auf festem Boden sind Huftiere wie Rentiere oder Elche schneller, im tiefen Schnee aber hat der Vielfraß den Vorteil.

Kopf und Gebiss: Der Kopf ist breit und flach, die Ohren sind klein und rund. Kiefer und Nackenmuskeln sind so stark, dass ein Vielfraß Knochen und gefrorenes Fleisch zerbeißen kann.

Sinne: Als Aasfresser haben Vielfraße eine sehr gute Nase. Sie hören gut, sehen aber vermutlich eher schlecht.

Verbreitung und Lebensraum

Vielfraße leben rund um die Arktis in der Taiga, also im nördlichen Nadelwald, in der Tundra und in Gebirgen an und oberhalb der Baumgrenze. In Nordamerika kommen sie in Alaska und im Norden Kanadas vor, außerdem in den Gebirgen im Westen der USA. Früher reichte ihr Gebiet in Nordamerika viel weiter nach Süden und Osten. Durch Jagd und Rodungen sind sie dort aus großen Teilen ihres früheren Lebensraums verschwunden.

In Europa gibt es Vielfraße heute nur noch in Norwegen, Schweden, Finnland und im Norden Russlands. In Asien leben sie in den nördlichen Wäldern und der Tundra.

Abhängig vom Schnee: Forschende haben 562 Wurfhöhlen von Vielfraßen in Nordamerika und Skandinavien untersucht. Alle lagen an Orten, an denen der Schnee bis ins späte Frühjahr liegen bleibt. Die Weibchen brauchen diese Schneedecke, um ihre Jungen darin zur Welt zu bringen. Auch Kälte ist für Vielfraße nützlich: Sie hält ihre Fleischvorräte länger frisch.

Riesige Reviere: Vielfraße brauchen sehr viel Platz. In Südalaska nutzen Männchen etwa 700 bis 1.000 km², Weibchen 300 bis 600 km². Das Gebiet eines Männchens überschneidet sich mit denen von zwei bis sechs Weibchen. In den Kenai-Bergen in Südalaska leben nur etwa 4,5 bis 5 Vielfraße auf 1.000 km².

Ernährung

Der Vielfraß ist vor allem ein Fleisch- und Aasfresser und frisst fast alles, was er findet oder erbeuten kann.

Im Winter lebt er hauptsächlich von Aas. Er frisst die Reste von Elchen, Rentieren und Karibus, die von Wölfen oder Jägern erlegt wurden oder verendet sind. Mit seinem kräftigen Gebiss zerlegt er auch gefrorene Kadaver und Knochen.

Das ganze Jahr über jagt er kleine und mittelgroße Tiere wie Wühlmäuse, Lemminge, Hörnchen, Murmeltiere, Schneeschuhhasen und Vögel. Auch Eier stehen auf dem Speiseplan. Weibchen mit Jungen jagen besonders viele kleine Tiere.

Große Beute: Gelegentlich tötet ein Vielfraß einen Elch, ein Rentier oder ein Wildschaf. Das gelingt meist nur, wenn das Huftier im tiefen Schnee feststeckt, während der Vielfraß auf seinen breiten Pfoten oben bleibt. Auch an toten Walen, Walrossen und Robben wurden Vielfraße schon beobachtet.

Vorratskammern: Was er nicht sofort fressen kann, versteckt der Vielfraß im Schnee oder im Boden. Diese Verstecke markiert er mit Duftstoffen aus einer Drüse am After, damit andere Tiere fernbleiben. Vielfraße können außerdem lange Zeit mit wenig Nahrung auskommen.

Verhalten und Lebensweise

Einzelgänger: Vielfraße leben die meiste Zeit des Jahres allein. Ihre Reviere markieren sie mit Urin und mit dem Sekret ihrer Duftdrüsen. Tiere des gleichen Geschlechts dulden sie in ihrem Gebiet nicht.

Tag und Nacht aktiv: Vielfraße sind zu jeder Tageszeit und das ganze Jahr über unterwegs, auch bei strengem Frost. Einen Winterschlaf halten sie nicht.

Unermüdliche Wanderer: Mit einem gleichmäßigen, hüpfenden Galopp legen Vielfraße weite Strecken zurück. In Alaska wurden Wanderungen von etwa 64 Kilometern an einem einzigen Tag nachgewiesen.

Klettern und Schwimmen: Vielfraße klettern geschickt auf Bäume und können gut schwimmen.

Wie wild ist der Vielfraß? Vielfraße haben den Ruf, besonders wild und furchtlos zu sein. In manchen Berichten vertreiben sie sogar Bären und Wölfe von deren Beute. Die Wildtierbehörde von Alaska hält diesen Ruf für übertrieben: Vielfraße meiden Wölfe und Bären eher, denn eine Begegnung kann für sie tödlich enden. Gegen andere Vielfraße und kleinere Raubtiere verteidigen sie ihre Nahrung und ihr Revier dagegen entschlossen.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Paarung im Sommer: Die Paarungszeit dauert von Mai bis August. Männchen und Weibchen bleiben dann einige Tage zusammen.

Keimruhe: Nach der Befruchtung entwickelt sich der Keim zunächst nicht weiter. Er nistet sich erst im Spätherbst oder Frühwinter in der Gebärmutter ein. Fachleute nennen das verzögerte Einnistung oder Keimruhe. Danach dauert es nur noch 30 bis 50 Tage bis zur Geburt. Insgesamt kann eine Trächtigkeit deshalb zwischen 120 und 272 Tagen dauern. Ob eine Trächtigkeit weitergeht und wie viele Junge geboren werden, hängt vermutlich davon ab, wie viel Nahrung das Weibchen findet.

Geburt in der Schneehöhle: Die Jungen kommen zwischen Februar und April zur Welt. Das Weibchen gräbt dafür eine Höhle in den Schnee, oft mit einem oder zwei Tunneln, die in Alaska bis zu 55 Meter lang sein können. Ein Wurf hat meist 2 bis 3 Junge. Die Neugeborenen sind blind und wiegen unter 400 Gramm, im Durchschnitt etwa 85 Gramm.

Schnelles Wachstum: Nach etwa 9 bis 10 Wochen trinken die Jungen keine Milch mehr. Mit 5 bis 7 Monaten, also im Herbst, werden sie selbstständig, bleiben aber oft noch eine Weile im Revier der Mutter. Ihre volle Größe erreichen sie im ersten Winter. Geschlechtsreif werden Vielfraße mit etwa zwei bis drei Jahren. Die meisten Weibchen bekommen höchstens alle zwei Jahre Junge.

Feinde und Gefährdung

Natürliche Feinde: Erwachsene Vielfraße haben wenige Feinde. Der gefährlichste ist der Wolf. Auch Pumas, Bären und Steinadler können vor allem junge oder unerfahrene Vielfraße töten. Viele Vielfraße sterben außerdem durch Hunger oder im Kampf mit Artgenossen.

Mensch: Vielfraße wurden lange wegen ihres Fells gejagt. Weil sie Tiere aus Fallen stehlen, in Hütten einbrechen und in Skandinavien gelegentlich Hausrentiere reißen, wurden sie vielerorts auch verfolgt. In Alaska werden jedes Jahr etwa 550 Vielfraße von Jägern und Fallenstellern erlegt. Weil Vielfraße wenige Junge bekommen, reagieren ihre Bestände empfindlich auf zu starke Bejagung.

Klimawandel: Da die Weibchen für ihre Wurfhöhlen Schnee brauchen, der bis in den Mai liegen bleibt, befürchten Fachleute, dass wärmere Winter den Lebensraum des Vielfraßes verkleinern.

Bestand in Europa: In Norwegen, Schweden und Finnland zusammen leben nach einer Schätzung für 2023 etwa 1.300 Vielfraße, rund 16 Prozent mehr als 2016. Ihr Verbreitungsgebiet dort umfasst etwa 745.000 km² und ist in den letzten Jahren weitgehend gleich geblieben.

Rote Liste: Die IUCN stuft den Vielfraß weltweit als nicht gefährdet (Least Concern) ein. Die Einstufung stammt aus dem Jahr 2016. In einzelnen Regionen, etwa in Europa oder im Süden Nordamerikas, ist er dennoch selten.

Häufige Fragen zum Vielfraß

Frisst der Vielfraß wirklich besonders viel?

Der Name ist dafür kein Beleg. Er stammt vermutlich vom norwegischen Wort für „Bergkater“ und wurde nur umgedeutet, die Geschichten über seine Gefräßigkeit sind erst aus dem Namen entstanden. Richtig ist aber, dass Vielfraße Vorräte anlegen und lange mit wenig Nahrung auskommen können.

Wie groß und schwer wird ein Vielfraß?

Ein Vielfraß wird ohne Schwanz 65 bis 105 cm lang, der Schwanz misst noch einmal 13 bis 26 cm. Je nach Region wiegt er etwa 6 bis 30 kg, Männchen sind deutlich schwerer als Weibchen.

Wo lebt der Vielfraß?

In kalten Gegenden im Norden: in Alaska, Kanada und Gebirgen im Westen der USA, in Norwegen, Schweden, Finnland, Russland und im Norden Asiens. Er braucht Nadelwald, Tundra oder Gebirge mit viel Schnee.

Ist der Vielfraß gefährlich für Menschen?

Vielfraße sind scheu und leben in abgelegenen Gegenden, deshalb begegnen sie Menschen nur selten. Probleme gibt es vor allem, wenn sie Tiere aus Fallen stehlen, in Hütten einbrechen oder Hausrentiere reißen.

Ist der Vielfraß ein Bär?

Nein. Er sieht zwar aus wie ein kleiner Bär, gehört aber zur Familie der Marder. Zu dieser Familie zählen auch Baummarder, Dachs und Otter.

Ist der Vielfraß vom Aussterben bedroht?

Weltweit nicht. Die IUCN stuft ihn seit 2016 als nicht gefährdet ein. In Europa lebt er aber nur noch in Skandinavien, Finnland und Russland. In Norwegen, Schweden und Finnland zusammen gibt es etwa 1.300 Tiere.

Ähnliche Tiere

  • Dachs - ebenfalls ein kräftiger, kurzbeiniger Marder
  • Baummarder - gehört wie der Vielfraß zur Familie der Marder
  • Otter - Marder, die im Wasser leben
  • Braunbär - sieht dem Vielfraß ähnlich und teilt oft seinen Lebensraum
  • Wolf - sein wichtigster natürlicher Feind und Lieferant von Aas
  • Rentier - wichtige Nahrung im Winter, meist als Aas

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Vielfraß
65 cm bis 1,05 m

Ein Vielfraß erreicht eine Körpergröße von 65 cm bis 1,05 m. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Vielfraß ist etwa 4-mal so groß wie ein Fußball.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Vielfraß
6 bis 30 kg

Ein Vielfraß bringt 6 bis 30 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine Hauskatze (4 kg), aber leichter als ein Erwachsener (75 kg). Anders ausgedrückt: Der Vielfraß wiegt so viel wie etwa 5 Hauskatzen.