Waldkauz
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Kurz erklärt
Der Waldkauz ist eine mittelgroße Eule mit rundem Kopf, dunklen Augen und ohne Federohren. Er ist eine der häufigsten Eulen in Deutschland und lebt in Wäldern, aber auch in Parks, auf Friedhöfen und in Städten. Nachts jagt er fast lautlos, vor allem Mäuse. Sein schauriges „Huu-hu-huhuhuuu“ kennen viele aus Filmen.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Strix aluco |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Körperlänge 37 bis 43 cm, Flügelspannweite 90 bis 104 cm |
| Körpergewicht | Männchen 330 bis 500 g, Weibchen 400 bis 630 g |
| Ernährung | Fleischfresser: vor allem Mäuse, außerdem Maulwürfe, Ratten, junge Kaninchen, Vögel, Frösche, Kröten, Käfer und Regenwürmer |
| Lebenserwartung | Erwachsene Waldkäuze leben im Schnitt etwa 4 Jahre; in freier Natur bis zu 19 Jahre, ein in Großbritannien beringter Vogel wurde über 23 Jahre alt |
| Sozialverhalten | Paare bleiben meist ein Leben lang zusammen und das ganze Jahr in ihrem Revier |
| Herkunft | Europa, Nordafrika und Asien |
| Verbreitung | Fast ganz Europa außer Irland und dem hohen Norden, Nordwestafrika, Türkei, Naher Osten, Iran und Teile Westsibiriens AfrikaAsienEuropa |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2024) |
| Sonstiges | In Deutschland brüten etwa 42.000 bis 74.000 Paare, die Art ist nicht gefährdet. Vogel des Jahres 2017. |
Was ist ein Waldkauz?
Der Waldkauz (Strix aluco) ist eine Eule aus der Familie der Eigentlichen Eulen. Er gehört zu den häufigsten Eulen in Deutschland und kommt hier fast überall vor. Trotzdem sieht man ihn selten, denn er ist nachts unterwegs und versteckt sich am Tag. Viel öfter hört man ihn: Sein lang gezogenes „Huu-hu-huhuhuuu“ wird in Filmen und Krimis gern eingespielt, wenn es nachts unheimlich werden soll.
Im Jahr 2017 war der Waldkauz in Deutschland Vogel des Jahres. Alte Namen wie „Katzenauff“ oder „Katzenäugel“ gehen auf seinen runden Kopf zurück, der an eine Katze erinnert.
Aussehen und Körperbau
Größe: Der Waldkauz ist 37 bis 43 cm lang und damit etwa so groß wie eine Krähe. Seine breiten, runden Flügel spannen 90 bis 104 cm.
Gewicht: Männchen wiegen etwa 330 bis 500 g, Weibchen 400 bis 630 g. Die Weibchen sind etwas größer und rund ein Viertel schwerer als ihre Partner.
Kopf: Typisch ist der große, runde Kopf ohne Federohren. Die großen Augen sind schwarzbraun und blicken nach vorn. Das helle Gesicht, der Gesichtsschleier, ist dunkel umrahmt. Von der Stirn zum Schnabel zieht sich ein dunkler Keil, links und rechts davon liegen zwei helle „Augenbrauen“. Der stark gekrümmte Schnabel ist gelblich.
Gefieder: Es gibt graubraune und rotbraune Waldkäuze. Die Farbe hängt nicht vom Geschlecht oder Alter ab. Es sind einfach zwei Farbvarianten, ähnlich wie verschiedene Haarfarben beim Menschen. Das Gefieder ist mit dunklen Flecken und feinen Strichen gemustert und sieht aus wie Baumrinde. So ist der Waldkauz am Tag gut getarnt.
Waldkauz oder Waldohreule?
Am häufigsten wird der Waldkauz mit der Waldohreule verwechselt. Die Waldohreule ist schlanker, hat lange Federohren auf dem Kopf und orangefarbene Augen. Der Waldkauz ist kräftiger, hat keine Federohren und dunkle Augen. Der seltene Habichtskauz hat ebenfalls dunkle Augen, ist aber fast doppelt so groß.
Superkräfte eines Nachtjägers
Lautloser Flug: Wie alle Eulen fliegt der Waldkauz fast geräuschlos. Die Oberseite seiner Flügel ist mit einem dichten, samtartigen Polster bedeckt. An den Kanten der äußersten Flügelfedern sitzen kleine kammartige Zähnchen. Beides verwirbelt die Luft so, dass kaum ein Geräusch entsteht.
Augen: Die großen Augen fangen besonders viel Licht ein. Solange noch ein wenig Restlicht da ist, sieht der Waldkauz im Dunkeln ausgezeichnet. Bewegen kann er seine Augen allerdings nicht.
Drehbarer Kopf: Dafür kann er seinen Kopf um 270 Grad drehen. Möglich machen das 14 Halswirbel, doppelt so viele wie beim Menschen.
Gehör: In völliger Dunkelheit jagt der Waldkauz nur nach Gehör. Der Gesichtsschleier wirkt wie ein Trichter und leitet Geräusche zu den großen Ohren, die unter den Federn versteckt sind. Die Ohren sitzen leicht versetzt. Deshalb kommt ein Geräusch an einem Ohr minimal früher an als am anderen. So kann der Waldkauz genau bestimmen, wo eine Maus raschelt.
Verbreitung und Lebensraum
Verbreitung: Der Waldkauz lebt fast überall in Europa. Er fehlt nur in Irland, im Norden Skandinaviens und im europäischen Russland. Außerhalb Europas besiedelt er Teile Westsibiriens, das Atlasgebirge in Nordafrika, Teile der Türkei und des Irans sowie den Libanon und Israel.
Bestand: In Deutschland brüten nach Angaben des NABU etwa 42.000 bis 74.000 Paare. In ganz Europa schätzt man 530.000 bis 940.000 Brutpaare.
Lebensraum: Am wohlsten fühlt sich der Waldkauz in lichten Laub- und Mischwäldern mit alten Bäumen, am liebsten mit Lichtungen, Waldrändern und angrenzenden Feldern. Er ist aber keineswegs nur im Wald zu Hause. Er lebt auch in Parks, Alleen, auf Friedhöfen, in Gärten mit alten Bäumen, in Burgruinen und mitten in Städten. Wichtig ist vor allem, dass er eine passende Höhle zum Brüten findet.
Standvogel: Der Waldkauz bleibt das ganze Jahr in seinem Revier. Untersuchungen an beringten Vögeln zeigen, dass 80 bis 90 Prozent der Paare ihr Leben lang im selben Gebiet bleiben. Weil sie dort jedes Versteck und jede Futterquelle kennen, überstehen sie auch harte Winter. Die jungen Käuze entfernen sich auf der Suche nach einem eigenen Revier meist nicht weiter als 50 km von ihrem Geburtsort.
Ernährung
Der Waldkauz ist ein Fleischfresser und bei der Wahl seiner Beute sehr flexibel. Das ist einer der Gründe, warum er so häufig ist.
- Mäuse: Sie stehen ganz oben auf dem Speiseplan. Ein erwachsener Waldkauz braucht etwa vier Feldmäuse am Tag.
- Andere Säugetiere: Maulwürfe, Ratten und junge Kaninchen
- Vögel: Gibt es wenige Mäuse, weicht er auf Vögel aus. Bei Waldkäuzen in Städten machen Vögel oft den größten Teil der Nahrung aus.
- Weitere Tiere: Frösche, Kröten, Käfer und sogar Regenwürmer, selten auch Fische
Der Waldkauz kann Tiere bis etwa 300 g überwältigen. Manchmal frisst er sogar kleinere Eulen wie den Raufußkauz oder den Sperlingskauz.
So jagt er: Etwa 20 Minuten nach Sonnenuntergang beginnt der Waldkauz mit der Jagd. Meist sitzt er auf einem Ast und lauert. Entdeckt er eine Beute, stürzt er sich lautlos auf sie. Kleine Beute bis zur Größe einer Maus verschluckt er im Ganzen, größere reißt er in Stücke. Je nach Nahrungsangebot ist sein Jagdgebiet 8 bis 75 Hektar groß.
Der Ruf des Waldkauzes
Der Reviergesang: Das bekannte, lang gezogene „Huu-hu-huhuhuhuu“ ist der Gesang des Waldkauzes. Er ist vor allem im Herbst und im Spätwinter zu hören, wenn die Käuze balzen und ihr Revier markieren. Meist singt das Männchen. Jeder Kauz klingt dabei ein bisschen anders, man kann die Tiere am Ruf unterscheiden.
Der Kontaktruf: Fast das ganze Jahr über hört man ein kurzes „ku-witt“. Beide Geschlechter können beide Rufe äußern, beim Weibchen klingen sie höher und heiserer.
Aberglaube: Früher hatten Eulen einen schlechten Ruf. Das nächtliche „ku-witt“ deuteten manche Menschen als „Komm mit“ und hielten es für eine Ankündigung des Todes. Manche nagelten sogar tote Eulen ans Scheunentor, um das Unglück abzuwehren. Heute weiß man, dass der Ruf nur der Verständigung dient.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Paare: Hat sich ein Paar gefunden, bleibt es meist ein Leben lang zusammen. Nach der Brutzeit verbringen die Partner den Tag an verschiedenen Plätzen. Mit der Balz im Herbst finden sie wieder zueinander.
Brutplatz: Der Waldkauz brütet vor allem in Baumhöhlen. Er nimmt aber auch Nistkästen, ruhige Winkel in Gebäuden und Scheunen, Felsnischen oder alte Nester von Krähen und Greifvögeln an.
Brut in Zahlen:
- Eiablage: je nach Wetter im Februar oder März, in Städten oft schon im Januar
- Gelege: meist 2 bis 4 Eier, gelegt im Abstand von etwa zwei Tagen
- Brutdauer: etwa 28 bis 30 Tage, nur das Weibchen brütet
- Ästlinge: mit etwa einem Monat verlassen die Jungen das Nest
- Flugfähig: etwa zwei bis drei Wochen später
- Bruten: eine pro Jahr, in schlechten Mäusejahren fällt die Brut manchmal ganz aus
Das Weibchen beginnt oft schon nach dem ersten Ei zu brüten, deshalb schlüpfen die Küken nacheinander. Frisch geschlüpft wiegen sie nur etwa 28 g. Während das Weibchen brütet, bringt das Männchen die Nahrung.
Ästlinge: Wenn die jungen Käuze die Bruthöhle verlassen, können sie noch nicht fliegen. Sie sitzen dann auf Ästen in der Nähe und wirken verlassen. Das sind sie aber nicht: Mit heiseren Rufen zeigen sie ihren Eltern, wo sie sind, und werden weiter gefüttert. Ein solcher Ästling ist also kein verlassenes Findelkind, denn die Eltern kümmern sich weiter um ihn. Mit etwa drei Monaten sind die Jungen selbstständig. Zu Beginn der Herbstbalz vertreiben die Eltern sie aus dem Revier.
Wehrhafte Eltern: Waldkäuze verteidigen ihre Jungen sehr entschlossen. Sie greifen Störenfriede lautlos und ohne Vorwarnung von hinten an. So vertreiben sie selbst Uhu, Habicht und Sperber, die ihren Jungen gefährlich werden können. Auch Menschen, die den Jungen zu nahe kommen, werden angegriffen.
Lebenserwartung: Nur etwa die Hälfte der jungen Waldkäuze überlebt nach Angaben des LBV das erste Jahr, britische Beringungsdaten ergeben sogar nur etwa 30 Prozent. Erwachsene Käuze leben im Schnitt noch etwa vier Jahre. In freier Natur können sie bis zu 19 Jahre alt werden, ein in Großbritannien beringter Waldkauz wurde über 23 Jahre alt.
Gefährdung und Schutz
Weltweit: Der Waldkauz ist weit verbreitet. Auf der Roten Liste der IUCN gilt er als nicht gefährdet (IUCN, 2024).
In Deutschland: Auch hier ist er nicht gefährdet. Von 1988 bis etwa 1997 ging der Bestand deutlich zurück, seitdem ist er stabil.
Gefahren: Fast zwei Drittel aller Todesfälle gehen auf Zusammenstöße mit künstlichen Hindernissen zurück. Die Hälfte davon verursacht der Straßenverkehr: Auf Straßen jagen Waldkäuze Mäuse und werden dabei von Autos erfasst. Genauso häufig fliegen sie nachts gegen Zäune, Stromleitungen und Leitungen an Bahnstrecken. Manche Käuze suchen in Kaminen oder Lüftungsschächten nach einer Bruthöhle und kommen nicht mehr heraus. Außerdem fehlen vielerorts alte Bäume mit Höhlen.
Was hilft: Alte Höhlenbäume im Wald, in Parks und Gärten erhalten, Nistkästen aufhängen und auf Mäusegift verzichten, denn Mäuse sind die wichtigste Beute des Waldkauzes.
Häufige Fragen zum Waldkauz
Wie sieht ein Waldkauz aus?
Der Waldkauz ist eine kompakte Eule von 37 bis 43 cm mit großem, rundem Kopf, schwarzbraunen Augen und ohne Federohren. Sein Gefieder ist graubraun oder rotbraun mit dunklen Flecken und Strichen und sieht aus wie Baumrinde.
Wie klingt der Ruf des Waldkauzes?
Der Reviergesang ist ein lang gezogenes „Huu-hu-huhuhuhuu“, das vor allem im Herbst und Spätwinter zu hören ist. Dazu kommt ein kurzer Kontaktruf, der wie „ku-witt“ klingt.
Was frisst ein Waldkauz?
Vor allem Mäuse, etwa vier am Tag. Außerdem frisst er Maulwürfe, Ratten, junge Kaninchen, Vögel, Frösche, Käfer und Regenwürmer.
Wo lebt der Waldkauz?
In Laub- und Mischwäldern mit alten Bäumen, aber auch in Parks, auf Friedhöfen, in Gärten und in Städten. Er braucht vor allem eine Baumhöhle oder einen anderen geschützten Platz zum Brüten.
Wie alt wird ein Waldkauz?
Viele junge Waldkäuze sterben im ersten Jahr. Erwachsene leben im Schnitt etwa vier Jahre, in freier Natur können sie bis zu 19 Jahre alt werden. Ein in Großbritannien beringter Waldkauz erreichte ein Alter von über 23 Jahren.
Kann ein Waldkauz seinen Kopf ganz umdrehen?
Nicht ganz. Er kann ihn aber um 270 Grad drehen, also um drei Viertel eines Kreises. Das gleicht aus, dass er seine Augen nicht bewegen kann.
Ähnliche Tiere
- Waldohreule - schlanker, mit Federohren und orangefarbenen Augen
- Schleiereule - eine helle Eule mit herzförmigem Gesicht
- Steinkauz - ein kleiner Kauz, der Reviere mit Waldkäuzen meidet
- Uhu - die größte Eule Europas
- Schneeeule - eine große weiße Eule aus der Arktis
Quellen
- Waldkauz - Vogelporträt des NABU
- Waldkauz - Artenporträt des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz (LBV)
- Waldkauz - Deutsche Wildtier Stiftung
- Waldkauz - Artenporträt von BirdLife Österreich
- Tawny Owl - BirdFacts des British Trust for Ornithology (BTO)
- BirdLife International (2024): Strix aluco. The IUCN Red List of Threatened Species
Größenvergleich
Ein Waldkauz erreicht eine Körpergröße von 37 bis 43 cm. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Ein Kind wäre dagegen noch rund 3-mal so groß.
Gewichtsvergleich
Ein Waldkauz bringt 330 bis 630 g auf die Waage. Das ist schwerer als eine Tafel Schokolade (100 g), aber leichter als eine Hauskatze (4 kg). Anders ausgedrückt: Der Waldkauz wiegt so viel wie etwa 5 Tafeln Schokolade.