Waldohreule
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Kurz erklärt
Die Waldohreule ist eine schlanke, mittelgroße Eule mit langen Federohren und orangefarbenen Augen. Sie sieht aus wie ein kleiner Uhu, ist aber nur halb so groß. Sie jagt nachts vor allem Feldmäuse und brütet in alten Nestern von Krähen und Elstern. Im Winter sitzen oft viele Waldohreulen gemeinsam in einem Baum, manchmal mitten in der Stadt.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Asio otus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Körperlänge 31 bis 37 cm, Flügelspannweite 86 bis 98 cm |
| Körpergewicht | Im Schnitt etwa 290 g, die meisten erwachsenen Vögel wiegen 215 bis 347 g; Weibchen sind schwerer als Männchen (britische Messdaten) |
| Ernährung | Fleischfresser: vor allem Feldmäuse und andere Wühlmäuse, außerdem Waldmäuse und Kleinvögel, selten große Insekten wie Maikäfer |
| Lebenserwartung | Im Schnitt etwa 4 Jahre (britische Beringungsdaten); ältester in Großbritannien beringter Vogel knapp 13 Jahre |
| Sozialverhalten | Zur Brutzeit in Saisonehe; im Winter oft zu Dutzenden, manchmal über 100 Tiere an gemeinsamen Schlafplätzen |
| Herkunft | Nordhalbkugel |
| Verbreitung | Fast alle Gebiete der Nordhalbkugel außerhalb der Tropen: Europa, Nordafrika, weite Teile Asiens bis Japan sowie Nordamerika von Kanada bis Niederkalifornien AfrikaAsienEuropaNordamerika |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2021) |
| Sonstiges | In Deutschland brüten etwa 23.000 bis 38.000 Paare, die Art ist nicht gefährdet. |
Was ist eine Waldohreule?
Die Waldohreule (Asio otus) ist eine Eule aus der Familie der Eigentlichen Eulen. Sie gehört zur Gattung der Ohreulen. Neben dem Waldkauz ist sie die häufigste Eule in Deutschland. Nach Angaben des NABU brüten hier 23.000 bis 38.000 Paare.
Trotzdem bekommt man sie selten zu sehen. Sie ist streng nachtaktiv und sitzt tagsüber gut getarnt dicht am Stamm eines Baumes. Leichter zu beobachten ist sie im Winter, wenn sich oft viele Waldohreulen an gemeinsamen Schlafplätzen versammeln.
Ihr Name ist etwas irreführend. Die Waldohreule meidet dichte, geschlossene Wälder und lebt lieber an Waldrändern und in offenen Landschaften mit einzelnen Baumgruppen. Die Arbeitsgemeinschaft Eulen meint deshalb, sie sollte besser „Waldrand-Ohreule“ heißen.
Aussehen und Körperbau
Größe: Die Waldohreule ist 31 bis 37 cm lang. Ihre langen Flügel spannen 86 bis 98 cm. Sie ist damit etwas kleiner und deutlich schlanker als der Waldkauz.
Gewicht: Britische Messungen an erwachsenen Waldohreulen ergaben einen Durchschnitt von etwa 290 g. Die meisten Vögel wiegen zwischen 215 und 347 g. Die Weibchen sind im Schnitt schwerer als die Männchen, im Gefieder unterscheiden sich die Geschlechter kaum. Männchen sind auf der Unterseite meist etwas heller.
Kopf: Namensgebend sind die langen Federohren. Ruht die Eule oder will sie sich tarnen, stellt sie die Federbüschel steil auf. Ist sie aktiv, legt sie sie meist an den Kopf an. Die Augen sind orangegelb bis orangerot. Der helle Gesichtsschleier ist dunkel umrahmt, über den Augen bilden helle „Augenbrauen“ ein deutliches V.
Gefieder: Die Oberseite ist gelblich-braun mit einer dunklen Zeichnung, die an Baumrinde erinnert. Die Unterseite ist rostgelb mit kräftigen dunklen Längsstreifen und feinen Querlinien. Im Flug fällt ein dunkler Fleck am Flügelbug auf.
Jungvögel: Junge Waldohreulen tragen im hellen Dunenkleid eine auffällige schwarze Gesichtsmaske.
Waldohreule, Uhu oder Waldkauz?
Die Waldohreule wird oft mit zwei anderen Eulen verwechselt. So kann man sie unterscheiden:
| Merkmal | Waldohreule | Uhu | Waldkauz |
|---|---|---|---|
| Körperlänge | 31 bis 37 cm | 59 bis 73 cm | 37 bis 43 cm |
| Federohren | ja, lang | ja, lang | nein |
| Augenfarbe | orangegelb bis orangerot | orangerot bis orangegelb | schwarzbraun |
| Körperform | schlank | massig und kräftig | rundlich und kompakt |
Waldohreule und Uhu: Beide haben Federohren und orangefarbene Augen. Die Waldohreule sieht deshalb aus wie ein kleiner Uhu. Der Uhu ist aber etwa doppelt so groß und viel kräftiger gebaut. Für eine Waldohreule kann ein Uhu sogar gefährlich werden, denn er erbeutet auch andere Eulen.
Waldohreule und Waldkauz: Der Waldkauz hat einen großen, runden Kopf ohne Federohren und dunkle Augen. Im Flug wirkt die Waldohreule schlanker, auch weil ihr Schwanz deutlich länger ist.
Waldohreule und Sumpfohreule: Im Flug ähnelt die Waldohreule am ehesten der seltenen Sumpfohreule.
Verbreitung und Lebensraum
Verbreitung: Die Waldohreule lebt in fast allen Gebieten der Nordhalbkugel außerhalb der Tropen. In der Alten Welt reicht ihr Verbreitungsgebiet von den Britischen Inseln, der Iberischen Halbinsel, Marokko und den Azoren bis nach Japan. Im Süden erreicht sie Nordafrika, Vorderasien, den Himalaya, die Mongolei und China. In Nordamerika reicht ihr Gebiet von Kanada bis nach Niederkalifornien in Mexiko.
Lebensraum: Die Waldohreule braucht zwei Dinge: Bäume mit Deckung für den Tag und zum Brüten und offene Flächen zum Jagen. Deshalb lebt sie an Waldrändern, in lichten Wäldern, in Feldgehölzen, Hecken und Baumgruppen. Für die Tagesruhe wählt sie gern dichte Nadelbäume. Gejagt wird auf Wiesen, Feldern, Lichtungen und Kahlschlägen mit kurzem Pflanzenwuchs. Das Innere dichter Wälder meidet sie, dort wäre sie in Konkurrenz mit dem stärkeren Waldkauz.
Standvogel und Zugvogel: Viele Waldohreulen bleiben das ganze Jahr in der Nähe ihres Brutplatzes. Vor allem Jungvögel ziehen aber zum Überwintern bis zu 2.000 km weit.
Ernährung
Die Waldohreule ist eine ausgesprochene Mäusejägerin. Ihre Nahrung ist ziemlich eintönig.
- Feldmäuse: Sie machen etwa drei Viertel der Beute aus. In Jahren mit sehr vielen Feldmäusen sind es in Mitteleuropa sogar über 90 Prozent.
- Waldmäuse: etwa ein Zehntel der Nahrung
- Kleinvögel: ebenfalls etwa ein Zehntel. Gibt es wenige Mäuse, fängt die Eule Vögel bis zur Größe einer Drossel oder eines Buntspechts, am ehesten an deren Schlafplätzen.
- Insekten: Gibt es sehr viele Maikäfer, frisst sie auch diese. Andere Insekten und Reptilien sind nur Ausnahmen.
So jagt sie: Die Waldohreule jagt überwiegend aus dem Flug. Sie gleitet dicht über den Boden und ortet die Mäuse vor allem mit dem Gehör. Hat sie eine Maus entdeckt, stößt sie kraftvoll herab und packt sie am Boden. Manchmal lauert sie auch von einem Ansitz aus. Solange nicht mehr als 20 bis 40 cm Schnee liegen, kann sie im offenen Gelände jagen.
Verhalten und Stimme
Gemeinsame Schlafplätze: Im Winter versammeln sich Waldohreulen oft an traditionellen Schlafbäumen. An manchen Plätzen sitzen Dutzende bis über 100 Eulen, und das seit Jahren. Solche Schlafbäume stehen nicht selten auf Friedhöfen, in Parks und Alleen mitten in Städten. Manchmal ruhen die Eulen sogar in kahlen Birken ganz ohne Deckung.
Stimme: Waldohreulen rufen erstaunlich leise. Der Revierruf des Männchens ist ein hohles, dumpfes „huh“, das in Abständen von zwei bis acht Sekunden viele Male wiederholt wird. Das Weibchen antwortet mit Lauten wie „üüüa“. Bei Gefahr ruft die Eule scharf krächzend „wräck-wräck“.
Fiepende Ästlinge: Einige Wochen nach dem Schlüpfen der Jungen hört man nachts oft ein klagendes Fiepen, das sich alle fünf bis zehn Sekunden wiederholt. Es stammt von jungen Waldohreulen, die das Nest schon verlassen haben. Mit diesen Rufen zeigen sie ihren Eltern, wo sie sitzen, und halten Kontakt zu ihren Geschwistern.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Balz: Die Waldohreulen leben in einer Saisonehe, das heißt, das Paar bleibt für eine Brutsaison zusammen. Oft kehren die Partner zum Brutplatz des Vorjahres zurück. Mitte Februar besetzen sie ihr Brutrevier. Bei der Balz fliegen die Eulen um den Brutplatz und schlagen dabei die Flügel unter dem Körper laut klatschend zusammen.
Brutplatz: Die Waldohreule baut kein eigenes Nest. Sie brütet in alten Nestern von Rabenkrähen und Elstern, manchmal auch in Greifvogelhorsten oder Eichhörnchenkobeln. Künstliche Nistkörbe nimmt sie ebenfalls an.
Brut in Zahlen:
- Eiablage: meist Mitte März bis Mitte April, in Jahren mit vielen Mäusen schon ab Februar
- Gelege: meist 3 bis 5 Eier, in guten Mäusejahren bis zu 8
- Brutdauer: 27 bis 28 Tage, nur das Weibchen brütet
- Ästlinge: mit etwa drei Wochen verlassen die Jungen das Nest, noch flugunfähig
- Flugfähig: mit etwa fünf Wochen
- Gefüttert: mindestens bis zur elften Lebenswoche
Während das Weibchen brütet, bewacht das Männchen die Brut und bringt die Nahrung. Das Weibchen verteilt sie an die Küken. Die Ästlinge klettern sehr geschickt in die Kronen der umstehenden Bäume. Ab etwa dem 70. Lebenstag können sie selbst sicher Beute schlagen. Viele junge Waldohreulen ziehen danach weg und suchen sich ein eigenes Gebiet.
Abhängig von den Mäusen: Wie gut eine Brut gelingt, hängt stark von der Zahl der Feldmäuse ab. Gibt es kaum Mäuse, fällt die Brut manchmal ganz aus.
Lebenserwartung: Nach britischen Beringungsdaten lebt eine Waldohreule, die das Brutalter erreicht, im Schnitt etwa vier Jahre. Der älteste in Großbritannien beringte Vogel wurde 12 Jahre und 10 Monate alt.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Die zarte Waldohreule kann sich schlecht wehren. Sie wird häufig von Uhu, Habichtskauz und Waldkauz erbeutet. Eier und Küken fallen oft Krähen und Elstern zum Opfer.
Gefahren durch den Menschen: Jedes Jahr sterben viele Waldohreulen im Straßen- und Bahnverkehr. Noch stärker wirkt sich die intensive Landwirtschaft aus. Werden Hecken und Feldgehölze beseitigt und Wiesen zu Maisfeldern, fehlen der Eule Brutplätze und Mäuse. Weil sie selbst kein Nest baut, ist sie außerdem darauf angewiesen, dass Krähen und Elstern immer wieder neue Nester bauen.
Bestand: Weil die Zahl der Waldohreulen mit den Mäusejahren stark schwankt, sind Bestandszahlen unsicher. Für Europa nennt die Arbeitsgemeinschaft Eulen 300.000 bis 750.000 Paare, die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen schätzt etwa 200.000 Paare. Langjährige Zählungen deuten auf einen schleichenden Rückgang hin. In Deutschland gilt die Art als nicht gefährdet.
Weltweit: Auf der Roten Liste der IUCN gilt die Waldohreule als nicht gefährdet (IUCN, 2021).
Häufige Fragen zur Waldohreule
Wie groß ist eine Waldohreule?
Eine Waldohreule ist 31 bis 37 cm lang und hat eine Flügelspannweite von 86 bis 98 cm. Sie wiegt im Schnitt etwa 290 g. Damit ist sie nur etwa halb so groß wie ein Uhu.
Was ist der Unterschied zwischen Waldohreule und Uhu?
Beide haben Federohren und orangefarbene Augen. Der Uhu ist aber etwa doppelt so groß, viel schwerer und kräftiger gebaut. Die Waldohreule ist schlank und wiegt nur einen Bruchteil eines Uhus.
Was frisst eine Waldohreule?
Vor allem Feldmäuse, die etwa drei Viertel ihrer Beute ausmachen. Dazu kommen Waldmäuse und Kleinvögel. In Jahren mit vielen Maikäfern frisst sie auch diese.
Wo brütet die Waldohreule?
In alten Nestern von Rabenkrähen und Elstern, manchmal auch in Greifvogelhorsten oder Eichhörnchenkobeln. Ein eigenes Nest baut sie nicht.
Warum sitzen im Winter so viele Waldohreulen in einem Baum?
Im Winter sammeln sich Waldohreulen an traditionellen Schlafplätzen in der Nähe guter Jagdgebiete. Dort können Dutzende bis über 100 Eulen zusammenkommen, oft auch in Parks und auf Friedhöfen in Städten.
Wie klingt der Ruf einer Waldohreule?
Das Männchen ruft leise und dumpf „huh“, viele Male hintereinander. Auffälliger sind die jungen Waldohreulen, die nachts klagend fiepen.
Ähnliche Tiere
- Uhu - die große Verwandte mit Federohren, etwa doppelt so groß
- Waldkauz - ebenso häufig, aber ohne Federohren und mit dunklen Augen
- Schleiereule - eine helle Eule mit herzförmigem Gesicht
- Steinkauz - ein kleiner Kauz aus Streuobstwiesen und Feldern
- Schneeeule - eine große weiße Eule aus der Arktis
Quellen
- Waldohreule - Vogelporträt des NABU
- Waldohreule - Artenporträt des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz (LBV)
- Waldohreule - Arbeitsgemeinschaft Eulen (AG Eulen)
- Die Waldohreule (Asio otus) - Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE)
- Long-eared Owl - BirdFacts des British Trust for Ornithology (BTO)
- BirdLife International (2021): Asio otus. The IUCN Red List of Threatened Species
Größenvergleich
Stell dir vor, du stellst einen Fußball (22 cm) neben eine Waldohreule: Die Waldohreule ist größer. Neben einem Kind (1,2 m) wirkt sie mit ihren 31 bis 37 cm aber wiederum geradezu winzig.
Gewichtsvergleich
Was wiegt die Waldohreule? Mit 215 bis 347 g ist sie deutlich schwerer als eine Tafel Schokolade (100 g), aber ein Fußball (430 g) toppt das noch. Selbst eine 1-Euro-Münze (7,5 g) ist im Vergleich zur Waldohreule ein Leichtgewicht.