Walross

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Walrossbulle mit langen Stoßzähnen und dichtem Schnurrbart liegt auf Steinen am Ufer
Joel Garlich-Miller, U.S. Fish and Wildlife Service / Wikimedia Commons / Public domain

Kurz erklärt

Das Walross ist eine sehr große Robbe aus der Arktis. Männchen wiegen bis zu 1.500 kg und tragen zwei lange Stoßzähne, die bis zu 90 cm lang werden. Mit seinen empfindlichen Schnurrhaaren sucht es am dunklen Meeresboden nach Muscheln. An Land liegen oft Hunderte Walrosse dicht nebeneinander.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameOdobenus rosmarus
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Raubtiere
  • Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
  • Familie: Walrosse (Odobenidae)
  • Gattung: Odobenus
  • Art: Walross
Körpergröße2,7 bis 3,2 m
Körpergewicht600 kg bis 1,5 t
ErnährungFleischfresser: vor allem Muscheln und andere Bodentiere
LebenserwartungBis zu 40 Jahre
SozialverhaltenHerden, an Liegeplätzen oft Hunderte bis Tausende Tiere
HerkunftArktis
Verbreitung Arktische Küstengewässer von Alaska und Kanada über Grönland und Spitzbergen bis Russland AsienEuropaNordamerikaMeer
EntdeckungErstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné
GefährdungVU Gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2025)
SonstigesLänge und Gewicht gelten für ausgewachsene Männchen. Weibchen bleiben mit etwa 2,5 m und 600 bis 700 kg deutlich kleiner. Bullen des Pazifischen Walrosses werden nach Angaben der Wildtierbehörde Alaskas bis zu 3,7 m (12 Fuß) lang und rund zwei Tonnen schwer.

Aussehen und Körperbau

Das Walross ist eine Robbe und gehört damit zur Ordnung der Raubtiere, genau wie Bären, Katzen und Hunde. Es ist die einzige lebende Art seiner Familie, der Walrosse (Odobenidae). Niemand kann es mit einer anderen Robbe verwechseln: Kein anderes Meeressäugetier der Arktis hat gleichzeitig lange Stoßzähne, einen dicken Schnurrbart und eine derart faltige Haut.

Größe und Gewicht: Erwachsene Männchen, die Bullen, werden nach Angaben der Meeressäuger-Kommission NAMMCO etwa 3 Meter lang und wiegen 1.200 bis 1.500 kg. Weibchen bleiben mit rund 2,5 Metern und 600 bis 700 kg kleiner. Das Animal Diversity Web der University of Michigan nennt für die Art eine Spanne von 270 bis 320 cm Länge und 600 bis 1.500 kg. Damit steht das Walross in unserer Liste der größten Raubtiere auf Platz 2, gleich hinter dem See-Elefanten.

Zwei Unterarten: Das Pazifische Walross (Odobenus rosmarus divergens) lebt vor allem im Beringmeer, das Atlantische Walross (Odobenus rosmarus rosmarus) von Kanada über Grönland bis Spitzbergen und Russland. Die pazifischen Tiere sind größer: Nach Angaben der Wildtierbehörde Alaskas wird ein Bulle bis zu 3,7 Meter (12 Fuß) lang und rund zwei Tonnen schwer. Eine dritte Unterart im Laptewmeer, das Laptew-Walross, ist umstritten; die Fachwelt zählt diese Tiere heute meist zum Pazifischen Walross.

Haut und Speck: Die Haut ist zimtbraun bis grau, stark gefaltet und an Hals und Schultern der Bullen bis zu 10 cm dick. Alte Männchen wirken fast rosa, wenn sie sich in der Sonne aufwärmen und mehr Blut in die Haut fließt. Unter der Haut liegt eine dicke Speckschicht, der Blubber. Sie hält das Tier im eiskalten Wasser warm und wird je nach Quelle 15 bis 25 cm dick.

Flossen: Walrosse schwimmen vor allem mit den hinteren Flossen und steuern mit den vorderen. An Land können sie die Hinterflossen nach vorn klappen und sich auf allen vieren fortbewegen. Das unterscheidet sie von Seehund und Kegelrobbe, die sich an Land nur robbend schieben.

Die Stoßzähne: verlängerte Eckzähne

Die Stoßzähne sind das Markenzeichen des Walrosses. Es sind keine Hörner, sondern stark verlängerte Eckzähne im Oberkiefer. Sie wachsen das ganze Leben lang weiter.

  • Beide Geschlechter tragen Stoßzähne. Bei den Bullen werden sie länger und dicker.
  • Sie erreichen nach dem Animal Diversity Web eine Länge von bis zu 90 cm, im Durchschnitt etwa 50 cm. NAMMCO nennt in Einzelfällen sogar bis zu einem Meter. Ein Zahn kann mehrere Kilogramm wiegen.
  • Mit den Zähnen können Walrosse Eis von bis zu 20 cm Dicke durchschlagen und sich so Atemlöcher offen halten.
  • Sie helfen den schweren Tieren, sich aus dem Wasser auf Eisschollen oder Felsen zu hieven. Der wissenschaftliche Name Odobenus bedeutet ungefähr „der mit den Zähnen geht“.
  • Bei Rangkämpfen zeigen und benutzen die Bullen ihre Zähne. Wer die längsten Zähne und den größten Körper hat, steht oben in der Rangordnung.

Anders als früher oft behauptet graben Walrosse ihre Nahrung nicht mit den Stoßzähnen aus. Die Zähne schleifen zwar über den Boden, gefunden wird die Beute aber mit den Schnurrhaaren.

Der Schnurrbart als Tastorgan

Rund um die Schnauze sitzt ein dichter Kranz steifer Borsten, der Fachbegriff dafür lautet Vibrissen. NAMMCO gibt bis zu 700 Borsten an, die bis zu 30 cm lang werden. Jede einzelne sitzt in einem Nervenpaket und reagiert schon auf kleinste Berührungen.

Das ist wichtig, denn am Meeresboden der Arktis ist es dunkel und oft trüb. Die Augen des Walrosses sind klein und sehen nur auf kurze Entfernung gut. Am Meeresboden kann es seine Nahrung oft gar nicht sehen. Statt zu sehen, tastet das Walross seine Beute.

Verbreitung und Lebensraum

Walrosse leben rund um den Nordpol in den flachen Randmeeren der Arktis, also in Nordamerika, im Norden Europas und Asiens. Sie brauchen drei Dinge: flaches Wasser mit vielen Muscheln im Boden, offenes Wasser über diesen Futterplätzen und Eis oder Land zum Ausruhen in der Nähe.

Die meisten Tauchgänge sind flach und reichen nicht tiefer als etwa 50 Meter. Der bisher gemessene Tiefenrekord liegt bei 462 Metern. Im Winter hält sich das Pazifische Walross auf dem Packeis des Beringmeers auf. Im Frühjahr ziehen Weibchen mit ihren Jungen mit dem zurückweichenden Eis nach Norden in die Tschuktschensee, während die meisten Bullen weiter südlich bleiben.

Zum Ruhen kommen Walrosse an Land oder auf Eisschollen. Solche Liegeplätze heißen auf Englisch „haul-outs“. An Küsten können sich dort Zehntausende Tiere sammeln. Sie liegen dicht an dicht und halten dabei gern Körperkontakt.

Ernährung

Das Walross ist ein Bodenfresser. Seine Hauptnahrung sind Muscheln, dazu kommen Schnecken, Würmer, Seegurken, Krebse und Manteltiere. Nach Untersuchungen in Grönland machen allein die weichen Teile von Muscheln, also Fuß und Siphon, rund 95 Prozent des Nahrungsgewichts aus.

So läuft eine Mahlzeit ab: Das Walross schwimmt dicht über den Grund, wirbelt mit Schnauze und Wasserstrahlen den Schlamm auf und ertastet mit den Borsten eine Muschel. Dann setzt es die Lippen auf die Schale und zieht mit der kräftigen Zunge den Weichkörper heraus, wie bei einem Strohhalm. Die Schale bleibt liegen.

Weil eine Muschel wenig Energie liefert, braucht ein Walross große Mengen. In einer Studie in Nordostgrönland machte ein besendertes Walross in 74 Stunden 412 Tauchgänge. Jeder davon dauerte 5 bis 7 Minuten und führte in 6 bis 32 Meter Tiefe. Im Schnitt fraß das Tier rund 53 Muscheln je Tauchgang, hochgerechnet etwa 57 kg Muschelfleisch pro Tag. Das sind fast 5 Prozent seines eigenen Körpergewichts.

Sehr selten fressen große Bullen auch Robben oder Seevögel. Das ist die Ausnahme, nicht die Regel.

Verhalten und Lebensweise

Walrosse sind ausgesprochen gesellig. Außerhalb der Paarungszeit halten sich Männchen und Weibchen meist in getrennten Gruppen auf. An Liegeplätzen kann die Gruppe von wenigen Tieren bis zu mehreren Tausend anwachsen.

In der Rangordnung zählen Alter, Körpergröße und Zahnlänge. Auseinandersetzungen laufen oft ohne Kampf ab: Ein Tier zeigt seine Zähne, das schwächere weicht aus. Kommt es doch zum Kampf, können die Stiche schwere Wunden verursachen.

Walrosse sind sehr laut. Sie grunzen, bellen und schnauben. Unter Wasser erzeugen die Bullen in der Paarungszeit glockenartige Töne und Klopfgeräusche, um Weibchen anzulocken und Rivalen zu warnen. An Land hören sie gut, unter Wasser nehmen sie Schall über das Gewebe des Kopfes wahr.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Die Paarung findet im Winter zwischen Januar und April statt, und zwar im Wasser. Ein großer Bulle verteidigt dabei eine Gruppe von Weibchen. Weibchen werden mit etwa 4 bis 10 Jahren geschlechtsreif, Männchen mit 6 bis 10 Jahren. Trotzdem können sich junge Bullen meist erst mit rund 15 Jahren gegen die älteren durchsetzen.

Die Tragzeit dauert etwa 15 Monate. Darin enthalten sind vier bis fünf Monate, in denen sich das befruchtete Ei noch nicht in die Gebärmutter einnistet. Fachleute nennen das Keimruhe. Deshalb kommen die Jungen erst im Frühjahr des folgenden Jahres zur Welt, meist zwischen April und Juni.

Ein Kalb ist bei der Geburt schon rund 120 cm lang und wiegt etwa 60 kg. Es kann sofort schwimmen. Die ersten Monate trinkt es ausschließlich Milch, oft im Wasser. Die Säugezeit dauert etwa zwei Jahre, manche Jungtiere bleiben noch länger bei der Mutter. Ein Weibchen bekommt deshalb nur alle zwei bis drei Jahre ein Junges. Das ist für ein so großes Tier eine sehr langsame Vermehrung.

Feinde und Gefährdung

Ausgewachsene Walrosse haben kaum natürliche Feinde. Gefährlich werden ihnen der Eisbär und der Schwertwal, und zwar vor allem für Jungtiere. Ein erwachsenes Walross kann sich mit seinen Stoßzähnen wehren.

Die Weltnaturschutzunion IUCN führt das Walross als gefährdet (VU). Die aktuelle Bewertung wurde 2024 erstellt und 2025 veröffentlicht; schon die Einstufung von 2016 lautete „gefährdet“. Noch im Jahr 2008 galt die Art als „unzureichende Datenlage“ (DD), denn Walrosse sind extrem schwer zu zählen: Sie liegen in großen Haufen übereinander, verteilen sich über riesige, abgelegene Gebiete und halten sich teils im Wasser auf. Eine Zählung aus der Luft im Jahr 2006 kam für das Pazifische Walross auf rund 129.000 Tiere, die mögliche Spanne reichte aber von 55.000 bis 507.000.

Die größten Probleme sind heute:

  • Rückgang des Meereises. Wenn das Eis über den flachen Futtergründen verschwindet, müssen die Tiere an Land ausweichen und von dort viel weiter zum Futter schwimmen. An überfüllten Liegeplätzen kann es zu Panik und dadurch zu Verletzungen kommen.
  • Versauerung der Meere. Sie macht es Muscheln schwerer, ihre Schalen zu bilden. Muscheln sind die Hauptnahrung des Walrosses.
  • Schiffsverkehr, Lärm und Verschmutzung in der Arktis nehmen zu.
  • Jagd. Früher wurde das Walross wegen Elfenbein, Tran und Haut kommerziell gejagt und in vielen Gebieten fast ausgerottet. Heute dürfen es in Alaska, Kanada, Grönland und Russland indigene Gemeinschaften in begrenztem Umfang für den Eigenbedarf jagen.

Besonderheiten

  • Zweitschwerstes Raubtier: Nur der See-Elefant ist als Vertreter der Ordnung Raubtiere noch schwerer als das Walross.
  • Alter an Zähnen ablesbar: In den Stoßzähnen bilden sich Wachstumsschichten. Fachleute können daran das Alter eines Tieres bestimmen, ähnlich wie bei Jahresringen im Baum.
  • Zahnloser Kauapparat: Außer den Stoßzähnen hat das Walross nur wenige, flache Zähne. Es kaut nicht, sondern saugt.
  • Fast nackt: Die Haut ist nur spärlich behaart, alte Bullen wirken beinahe kahl.

Häufige Fragen zum Walross

Wie groß und wie schwer wird ein Walross?

Bullen werden rund 3 Meter lang und wiegen 1.200 bis 1.500 kg, also mehr als ein Kleinwagen. Weibchen bleiben mit etwa 2,5 Metern und 600 bis 700 kg kleiner. Besonders große Bullen des Pazifischen Walrosses erreichen 3,7 Meter Länge und rund zwei Tonnen.

Wofür braucht das Walross seine Stoßzähne?

Vor allem zum Klettern und zum Kämpfen. Mit den Zähnen zieht sich das schwere Tier auf Eisschollen, hält Atemlöcher offen und schlägt Eis von bis zu 20 cm Dicke durch. Bullen messen sich außerdem an der Länge ihrer Zähne. Zum Nahrungsuchen benutzen sie die Zähne nicht.

Was frisst ein Walross?

Hauptsächlich Muscheln, die es am Meeresboden aus dem Schlamm holt. Dazu kommen Schnecken, Würmer, Krebse und Seegurken. Bei einem einzigen Tauchgang saugt ein Walross im Schnitt rund 53 Muscheln aus. Die Schalen frisst es nicht mit.

Wie findet ein Walross im dunklen Wasser seine Nahrung?

Mit dem Schnurrbart. Um die Schnauze sitzen bis zu 700 steife Tastborsten, die bis zu 30 cm lang werden. Damit ertastet das Walross Muscheln im Schlamm, ohne sie zu sehen.

Ist das Walross gefährdet?

Ja. Die IUCN führt das Walross als gefährdet (VU), zuletzt bestätigt in der Bewertung von 2024, die 2025 veröffentlicht wurde. Der wichtigste Grund ist der Rückgang des Meereises in der Arktis. Ohne Eis über den flachen Futtergründen müssen die Tiere weiter schwimmen und drängen sich an wenigen Küstenplätzen zusammen.

Wie alt wird ein Walross?

Walrosse können bis zu 40 Jahre alt werden. Sie vermehren sich langsam: Ein Weibchen bekommt nur alle zwei bis drei Jahre ein einziges Junges, das etwa zwei Jahre lang gesäugt wird.

Ähnliche Tiere

  • Robbe - Überblick über die Gruppe, zu der das Walross gehört
  • See-Elefant - die einzige noch größere Robbe
  • Kegelrobbe - Robbe an Nord- und Ostsee
  • Eisbär - jagt in der Arktis vor allem Robben und junge Walrosse
  • Narwal - arktischer Wal mit einem langen Stoßzahn
  • Seelöwe - Robbe, die sich an Land ebenfalls auf allen vieren bewegt
  • Säugetiere - alle Säugetiere im Lexikon
  • Tiere mit W - weitere Tiere, die mit W beginnen

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Walross
2,7 bis 3,2 m

Ein Walross erreicht eine Körpergröße von 2,7 bis 3,2 m. Damit passt es bequem zwischen einen Erwachsenen (1,8 m) und einen Elefanten (3,5 m) auf unserer Vergleichsskala.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Walross
600 kg bis 1,5 t

Ein Walross bringt 600 kg bis 1,5 t auf die Waage. Das ist schwerer als ein Erwachsener (75 kg), aber leichter als ein Elefant (5 t). Anders ausgedrückt: Das Walross wiegt so viel wie etwa 14 Erwachsene.