Waschbär
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Kurz erklärt
Der Waschbär ist ein Kleinbär aus Nordamerika mit schwarzer Augenmaske und geringeltem Schwanz. Ohne Schwanz wird er 40 bis 70 Zentimeter lang, ist nachts aktiv und frisst fast alles, was er findet. Mit seinen empfindlichen Vorderpfoten ertastet er Nahrung, auch unter Wasser, daher kommt sein Name. Seit 1934 lebt er auch frei in Deutschland und gilt in der EU als invasive Art.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Procyon lotor |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Kopf-Rumpf-Länge 40 bis 70 cm, dazu ein etwa 20 bis 30 cm langer Schwanz |
| Körpergewicht | Meist 5 bis 9 kg, Männchen meist 10 bis 30 Prozent schwerer als Weibchen; vor dem Winter deutlich schwerer als im Frühjahr |
| Ernährung | Allesfresser: in Deutschland etwa zur Hälfte Wirbellose wie Regenwürmer und Schnecken, dazu Obst, Baumfrüchte und andere Pflanzenkost sowie Fische, Amphibien, kleine Säugetiere, Vögel und Eier |
| Lebenserwartung | In freier Natur sterben die meisten in den ersten zwei Lebensjahren, einzelne werden bis 16 Jahre alt; in menschlicher Obhut bis 21 Jahre |
| Sozialverhalten | Lebt nicht in festen Rudeln: Weibchen bilden lockere, ständig wechselnde Gruppen ohne feste Rangordnung, vor allem bei der Nahrungssuche |
| Herkunft | Nord- und Mittelamerika |
| Verbreitung | Ursprünglich vom Süden Kanadas bis Mittelamerika; durch den Menschen heute auch in 27 Ländern Europas, im Kaukasus, im Iran und in Japan AsienEuropaNordamerika |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2016) |
| Sonstiges | In der EU seit 2016 als invasive Art gelistet (Unionsliste). In Deutschland leben nach aktuellen Schätzungen 1,6 bis 2 Millionen Waschbären. |
Was ist ein Waschbär?
Der Waschbär (Procyon lotor) ist ein Raubtier aus der Familie der Kleinbären. Zu dieser Familie gehört auch der Nasenbär. Mit den großen Bären wie dem Braunbären ist der Waschbär nur entfernt verwandt.
Ursprünglich stammt der Waschbär aus Nord- und Mittelamerika. Seit gut 90 Jahren lebt er aber auch frei in Deutschland und hat sich von hier aus in weite Teile Europas ausgebreitet. Neben dem „Nordamerikanischen Waschbären“ gibt es noch zwei weitere Arten in seiner Gattung: den südamerikanischen Krabbenwaschbären und den Cozumel-Waschbären von einer kleinen Insel vor Mexiko.
Woher kommt der Name? Carl von Linné gab ihm 1758 den wissenschaftlichen Namen Ursus lotor, „Waschbär“. Später bekam er die eigene Gattung Procyon. Den deutschen Namen verdankt er dem scheinbaren Waschen seines Futters.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht: Ein Waschbär ist von der Nase bis zum Schwanzansatz 40 bis 70 Zentimeter lang. Dazu kommt der Schwanz, der etwa 20 bis 30 Zentimeter lang ist. Waschbären wiegen meist 5 bis 9 Kilogramm. Männchen sind meist 10 bis 30 Prozent schwerer als Weibchen. Im Herbst fressen sich Waschbären eine dicke Fettschicht an und sind dann viel schwerer als im Frühjahr.
Fell: Das Fell ist schwärzlich bis graubraun und dicht.
Typische Merkmale: Unverwechselbar sind die schwarze Augenmaske mit weißer Umrandung und der buschige, dunkel geringelte Schwanz mit vier bis zehn schwarzen Ringen.
Pfoten: Die Vorderpfoten haben fünf Finger und erinnern an schmale Menschenhände. Mit ihnen tasten und greifen Waschbären sehr geschickt. Ihr Tastsinn ist außergewöhnlich gut.
Wäscht der Waschbär sein Futter?
Nein, nicht wirklich. In freier Natur tragen Waschbären ihr Futter nicht zum Wasser, um es zu waschen. Was wie Waschen aussieht, ist in Wahrheit Ertasten: Am Ufer oder im flachen Wasser fühlen sie mit den Vorderpfoten unter Wasser nach Krebsen und anderen kleinen Wassertieren.
Verbreitung und Lebensraum
Ursprüngliche Heimat: Waschbären lebten ursprünglich vom Süden Kanadas über die USA und Mexiko bis nach Mittelamerika.
Neue Gebiete: Durch Aussetzen und aus Gehegen entkommene Tiere leben Waschbären heute auch in 27 Ländern Europas, im Kaukasus (Georgien und Aserbaidschan), im Iran und in Japan. Ihr europäischer Verbreitungsschwerpunkt ist Deutschland.
Lebensraum: Am liebsten leben Waschbären in Laub- und Mischwäldern mit Gewässern in der Nähe. Sie sind aber sehr anpassungsfähig und kommen auch in Feldern, Dörfern und Großstädten zurecht. In Europa haben sie sich besonders in Städten angesiedelt, zum Beispiel in Berlin, Hamburg, Frankfurt am Main und Kassel.
Schlafplätze: Tagsüber schlafen Waschbären in Verstecken, zum Beispiel in Baumhöhlen. In Städten nutzen sie vor allem Gebäude: In Kassel lagen 70 Prozent der Tagesschlafplätze in Häusern, oft auf Dachböden.
Ernährung
Waschbären sind Allesfresser und fressen vor allem das, was gerade leicht und in großer Menge zu finden ist. Was sie fressen, hängt stark vom Lebensraum und von der Jahreszeit ab. In Deutschland setzt sich ihre Nahrung ungefähr so zusammen:
| Nahrung | Anteil |
|---|---|
| Wirbellose Tiere, vor allem Regenwürmer und Schnecken | etwa 50 % |
| Pflanzliche Nahrung, vor allem Obst und Baumfrüchte | etwa 30 % |
| Wirbeltiere, vor allem Fische, Amphibien und kleine Säugetiere | etwa 20 % |
Im Sommer fressen manche Waschbären fast nur Pflanzen, wenn es genug Obst gibt. Im Herbst fressen sie sich mit Mais, Eicheln, Bucheckern und Obst Fettreserven für den Winter an.
Waschbären klettern geschickt und suchen ihre Nahrung nicht nur am Boden, sondern auch in Baumhöhlen und Felsnischen. Dort finden sie zum Beispiel Vogelnester mit Eiern oder Jungvögeln. In Städten suchen sie auch in Gärten und Mülltonnen nach Futter. In Nordamerika haben sie deshalb den Spitznamen „trash pandas“, also „Müll-Pandas“.
Verhalten und Lebensweise
Nachtaktiv: Waschbären sind vor allem nachts unterwegs. Sie klettern und schwimmen gut und haben neben dem Tastsinn auch einen feinen Geruchssinn und ein gutes Gehör.
Clevere Tüftler: Waschbären gelten als sehr lernfähig. Schon vor über 100 Jahren lernten Waschbären in einem Versuch, Riegel und Haken an einer Futterkiste zu öffnen. Was sie einmal gelernt hatten, beherrschten sie auch nach mehr als einem Jahr ohne Übung noch.
Zusammenleben: Waschbären leben nicht in festen Rudeln. Weibchen bilden lockere Gruppen, die sich vor allem zur Nahrungssuche zusammenfinden und immer wieder anders zusammengesetzt sind. Eine feste Rangordnung oder ein Leittier gibt es nicht. An einem Obstbaum mit reifen Früchten treffen sich oft viele Waschbären aus der Umgebung.
Winterruhe: Waschbären halten keinen echten Winterschlaf. Bei strengem Frost und Schnee schlafen sie aber oft lange in ihrem Versteck und leben von ihrer Fettschicht. Dabei können sie bis zur Hälfte ihres Gewichts verlieren.
Fortpflanzung und Nachwuchs
- Paarung: In Deutschland paaren sich Waschbären meist im Januar und Februar.
- Tragzeit: Nach etwa 63 bis 65 Tagen kommen die Jungen zur Welt, in Deutschland meist im April oder Mai.
- Wurf: Ein Weibchen bekommt einmal im Jahr im Schnitt 3 Junge.
- Neugeborene: Die Jungen kommen blind und hilflos zur Welt. Nach knapp drei Wochen öffnen sie die Augen.
- Aufzucht: Nach etwa zehn Wochen sind die Jungen entwöhnt. Den ersten Winter verbringen sie noch bei ihrer Mutter und werden erst im folgenden Frühjahr selbstständig.
Viele Weibchen bekommen schon im ersten oder zweiten Lebensjahr Nachwuchs. Eine Untersuchung in Hessen ergab, dass sich rund 63 Prozent der ein- und zweijährigen Weibchen fortpflanzten, bei den drei- und vierjährigen waren es rund 95 Prozent.
Der Waschbär in Deutschland
Wie kam der Waschbär nach Deutschland?
Waschbärfelle waren in den 1930er-Jahren sehr begehrt. Deshalb wurden Waschbären in Pelzfarmen gezüchtet. Die heutigen Bestände in Deutschland gehen vor allem auf zwei Ereignisse zurück:
- 1934 am Edersee: In Nordhessen, in der Nähe von Kassel, wurden 1934 absichtlich Waschbären in die Freiheit entlassen.
- 1945 in Brandenburg: Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs gelangten Waschbären aus Pelzfarmen in Brandenburg ins Freie.
Von diesen beiden Orten aus haben sich die Tiere ausgebreitet. Kassel wird wegen der vielen Waschbären oft als „Waschbär-Hauptstadt Deutschlands“ bezeichnet. Dort leben stellenweise mehr als 100 Waschbären auf 100 Hektar.
Wie viele Waschbären gibt es?
Ab 1954 wurden Waschbären gejagt, zunächst mit dem Ziel, sie wieder auszurotten. Das gelang nicht: Die Tiere breiteten sich weiter aus und leben heute in allen 16 Bundesländern. Aktuelle Schätzungen gehen von 1,6 bis 2 Millionen Tieren aus. Genau zählen lässt sich die Zahl nicht. Einen Hinweis gibt die Jagdstrecke, also die Zahl der erlegten Tiere: Sie ist seit dem Jahr 2000 stetig gestiegen und lag in der Jagdsaison 2023/24 bei rund 240.000 Waschbären.
Warum gilt der Waschbär als invasive Art?
Arten, die der Mensch aus anderen Erdteilen eingeschleppt hat, nennt man gebietsfremd. Wenn sie heimischen Tieren und Pflanzen schaden, gelten sie als invasiv. Der Waschbär steht seit 2016 auf der Unionsliste der Europäischen Union mit invasiven Arten, die in der ganzen EU eingedämmt werden sollen. Gefangene Waschbären dürfen deshalb in Deutschland grundsätzlich nicht wieder freigelassen werden.
Welche Tiere sind betroffen? Studien aus Europa zeigen, dass Waschbären unter anderem folgende Tiere erbeuten und örtlich deren Bestände verringern:
- Amphibien wie Erdkröte, Grasfrosch, Kreuzkröte und Gelbbauchunke, die sie an ihren Laichgewässern fangen
- die sehr seltene Europäische Sumpfschildkröte: Waschbären graben ihre Eier aus und fressen Jungtiere
- Vögel wie Rotmilan, Uhu und Flussregenpfeifer, deren Eier und Junge sie aus den Nestern holen
- Fledermäuse und Flusskrebse
Was sagen Fachleute? Wie groß der Schaden insgesamt ist, wird unterschiedlich bewertet. Der Naturschutz sieht im Waschbären eine große Gefahr für bereits bedrohte Arten, weil er für sie ein zusätzlicher Räuber ist. Andere Forschende halten es für unwahrscheinlich, dass Waschbären Arten ganz ausrotten. Sie weisen darauf hin, dass Waschbären keine Nahrungsspezialisten sind, und halten den heutigen Wissensstand für nicht ausreichend für ein abschließendes Urteil.
Was wird gegen Waschbären getan?
In fast allen Bundesländern dürfen Waschbären gejagt werden. Wie man mit ihnen umgeht, ist aber verschieden. In Bayern setzt man vor allem auf die Jagd. In Hessen und Berlin versucht man eher, das Zusammenleben zu regeln, etwa indem man verhindert, dass Waschbären in Häuser eindringen. Ob die Jagd die Bestände wirksam verkleinert, ist umstritten.
Konflikte mit Menschen
In Städten richten Waschbären manchmal Schäden an Dachböden und in Gärten an. Außerdem können sie den Waschbärspulwurm übertragen. Menschen können sich anstecken, wenn sie Wurmeier aus Waschbärkot aufnehmen. Besonders kleine Kinder gelten als gefährdet. Erkrankungen sind aber selten. Kot von Waschbären sollte man deshalb nie mit bloßen Händen anfassen.
Feinde und Gefährdung
Feinde: In Nordamerika werden Waschbären zum Beispiel von Kojoten, Wölfen, großen Greifvögeln und Eulen gejagt, Jungtiere auch von Schlangen. In Deutschland haben sie kaum natürliche Feinde. Häufiger sterben Waschbären an Krankheiten wie Staupe, im Straßenverkehr oder durch die Jagd. In freier Natur sterben die meisten schon in den ersten zwei Lebensjahren, einzelne werden bis zu 16 Jahre alt. In Gefangenschaft wurde ein Waschbär 21 Jahre alt.
Gefährdungsstatus: Auf der Roten Liste der IUCN ist der Waschbär als nicht gefährdet (Least Concern) eingestuft (Timm et al., 2016). Er ist weit verbreitet und kommt gut mit dem Menschen zurecht.
Häufige Fragen zum Waschbären
Wie groß wird ein Waschbär?
Ohne Schwanz ist ein Waschbär 40 bis 70 Zentimeter lang, der Schwanz misst etwa 20 bis 30 Zentimeter. Er wiegt meist 5 bis 9 Kilogramm, Männchen sind schwerer als Weibchen.
Was frisst ein Waschbär?
Fast alles: Insekten, Krebse, Obst, Frösche, Kröten, kleine Säugetiere, Vogeleier und Jungvögel. In Städten sucht er auch in Gärten und Mülltonnen nach Futter.
Warum heißt der Waschbär Waschbär?
Weil es so aussieht, als würde er sein Futter waschen. In Wahrheit ertastet er mit seinen empfindlichen Vorderpfoten im Wasser nach Beute wie Krebsen oder Insektenlarven.
Seit wann gibt es Waschbären in Deutschland?
Seit 1934. Damals wurden am Edersee in Hessen Waschbären ausgesetzt. 1945 kamen Tiere dazu, die aus einer Pelzfarm in Brandenburg entkommen waren. Heute leben in Deutschland schätzungsweise 1,6 bis 2 Millionen Waschbären.
Sind Waschbären gefährlich?
Für Menschen sind sie meist harmlos, man sollte sie aber nicht anfassen oder füttern. Ihr Kot kann Eier des Waschbärspulwurms enthalten, deshalb sollte man ihn nicht anfassen. Für seltene heimische Tiere wie Amphibien und die Europäische Sumpfschildkröte ist der Waschbär ein zusätzlicher Räuber.
Hält der Waschbär Winterschlaf?
Nein. In kalten Gegenden hält er nur eine Winterruhe. Er bleibt dann viel in seinem Versteck, ist kaum aktiv und zehrt von seinen Fettreserven.
Ähnliche Tiere
- Nasenbär - ein naher Verwandter aus der Familie der Kleinbären
- Marderhund - sieht dem Waschbären ähnlich und ist ebenfalls eine eingewanderte Art
- Dachs - ein heimisches Tier mit auffälliger Gesichtszeichnung
- Roter Panda - ein Kletterer mit geringeltem Schwanz, aber aus einer eigenen Familie
- Biberratte - auch Nutria genannt, eine weitere invasive Art, die aus Südamerika stammt
Quellen
- Mösch, S. S. et al. (2024): Waschbären in Deutschland: Auswirkungen und Managementoptionen aus Sicht der Medien und Stakeholder. Natur und Landschaft 99(4)
- Faktencheck Waschbären - Projekt ZOWIAC, Goethe-Universität Frankfurt
- Frage-Antwort-Papier Waschbär - Deutscher Jagdverband (2025)
- Timm, R. et al. (2016): Procyon lotor. The IUCN Red List of Threatened Species
- Michler, B. A., Dati, F. & Michler, F.-U. (2023): Der Nordamerikanische Waschbär in Deutschland - Hintergrund, Konfliktfelder & Managementmaßnahmen. In: Voigt, C. C. (Hrsg.): Evidenzbasiertes Wildtiermanagement
- Procyon lotor - Animal Diversity Web, University of Michigan
Größenvergleich
Ein Waschbär erreicht eine Körpergröße von 40 bis 70 cm. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Waschbär ist etwa 3-mal so groß wie ein Fußball.
Gewichtsvergleich
Ein Waschbär bringt 5 bis 9 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine Hauskatze (4 kg), aber leichter als ein Kind (25 kg).