Wasserspinne

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Männliche Wasserspinne mit langen, gelbbraunen Beinen und rotbraunen Kieferklauen unter Wasser zwischen fein gefiederten Wasserpflanzen
Norbert Schuller Baupi / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Die Wasserspinne ist die einzige Spinne der Welt, die fast ihr ganzes Leben unter Wasser verbringt. Sie baut zwischen Wasserpflanzen eine Glocke aus Spinnseide und füllt sie mit Luft von der Wasseroberfläche. In dieser Taucherglocke frisst, häutet und paart sie sich. Anders als bei den meisten Spinnen sind die Männchen größer als die Weibchen. In Deutschland ist die Wasserspinne gefährdet.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameArgyroneta aquatica
Abstammung
  • Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
  • Ordnung: Webspinnen (Araneae)
  • Familie: Wasserspinnenartige (Argyronetidae)
  • Gattung: Wasserspinnen (Argyroneta)
  • Art: Wasserspinne
KörpergrößeWeibchen 8 bis 9 mm, Männchen 10 bis 15 mm
ErnährungKleine Wassertiere, vor allem Wasserasseln und Insektenlarven
LebenserwartungBis etwa 18 Monate
SozialverhaltenJedes Tier baut eigene Taucherglocken; Männchen und Weibchen treffen sich zur Paarung
HerkunftEuropa und Asien
Verbreitung Von Spanien, Großbritannien und Irland über Europa, die Türkei, den Kaukasus, Russland, Iran und Zentralasien bis in die Mongolei, nach China, Korea und Japan; in stehenden und langsam fließenden, sauberen Gewässern mit vielen Wasserpflanzen AsienEuropa
EntdeckungErstbeschreibung 1757 durch Clerck (als Araneus aquaticus)
GefährdungNT Potenziell gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2026)
SonstigesSpinne des Jahres 2000. Rote Liste Deutschland (2016): gefährdet.

Die einzige Spinne, die unter Wasser lebt

Die Wasserspinne (Argyroneta aquatica) ist eine Besonderheit unter den Spinnen: Sie ist die einzige Spinnenart, die ihr ganzes Leben unter der Wasseroberfläche verbringt. Sie jagt, frisst, häutet sich, paart sich und legt ihre Eier unter Wasser ab. Nur in Ausnahmefällen verlässt sie das Wasser.

Dabei atmet die Wasserspinne Luft wie andere Spinnen auch. Ihr Trick ist eine selbst gebaute Taucherglocke: ein Gespinst zwischen Wasserpflanzen, das sie mit Luft von der Oberfläche füllt. Im Jahr 2000 wurde sie zur Spinne des Jahres gewählt.

Verwandtschaft: Wo die Wasserspinne im Stammbaum der Spinnen hingehört, war lange umstritten. Früher stellte man sie zu den Trichterspinnen, später zu den Gebirgstrichterspinnen. Genetische Untersuchungen zeigten dann eine nähere Verwandtschaft mit den Kräuselspinnen. Heute bildet sie mit einigen anderen Gattungen die eigene Familie der Wasserspinnenartigen (Argyronetidae).

Aussehen und Körperbau

Größe: Bei der Wasserspinne sind die Männchen größer als die Weibchen. Männchen werden 10 bis 15 mm lang, Weibchen nur 8 bis 9 mm. Bei den meisten anderen Spinnen ist es genau umgekehrt.

Färbung und Behaarung: Die Wasserspinne ist einheitlich braun. Ihr Hinterleib ist mit besonders feinen, dichten Haaren bedeckt, auch die Beine sind behaart. Diese Haare halten unter Wasser eine Lufthülle fest. Das Männchen ist heller gefärbt, und ihm fehlt die feine Behaarung auf der Oberseite des Hinterleibs.

Männchen: Männchen haben verlängerte Vorderbeine und kräftige, rotbraune Kieferklauen (Cheliceren).

Verwechslung: Außerhalb des Wassers sieht die Wasserspinne ein wenig wie eine Trichterspinne aus. Unter Wasser ist sie dagegen unverwechselbar, weil keine andere Spinne dort dauerhaft lebt.

Atmen unter Wasser

Für ihr Leben unter Wasser hat die Wasserspinne besondere Anpassungen.

Die Lufthülle: Spezielle Haare an den Beinen und am Hinterleib halten eine Luftblase um den Hinterleib fest. Aus dieser Lufthülle atmet die Spinne. Weil der Sauerstoff darin nach und nach verbraucht wird, muss sie die Luft regelmäßig erneuern.

Luft holen: Dazu schwimmt die Wasserspinne mit dem Bauch nach oben an die Wasseroberfläche und streckt die Spitze ihres Hinterleibs aus dem Wasser. Nun tauscht sich die Luft aus. Danach taucht sie mit einem Ruck wieder ab, sodass die Lufthülle an ihrem Körper hängen bleibt.

Atmen durch die Haut: Die Wasserspinne kann Sauerstoff auch direkt durch ihre Körperhülle (Kutikula) aufnehmen. Selbst wenn ihre Atemöffnungen verstopft sind, kann sie so mehrere Tage ohne sichtbare Schäden überleben.

Die Taucherglocke

Die meiste Zeit verbringt die Wasserspinne in ihrer Taucherglocke. Sie liegt meist zwischen Wasserpflanzen und ist mit Spinnfäden daran befestigt.

So baut sie die Glocke:

  1. Zuerst spinnt die Spinne unter Wasser ein kleines, flaches Netz zwischen den Pflanzen.
  2. Dann schwimmt sie zur Oberfläche und zieht dabei einen Sicherheitsfaden hinter sich her.
  3. Oben streckt sie den Hinterleib und die beiden Hinterbeine aus dem Wasser.
  4. Beim schnellen Abtauchen bleibt zwischen Hinterleib und Beinen eine große Luftblase hängen.
  5. Am Sicherheitsfaden hangelt sie sich zurück zu ihrem Netz.
  6. Unter dem Netz klappt sie die Beine weg. Die Luftblase steigt auf und bleibt unter dem dichten Gespinst hängen.

Das wiederholt die Spinne viele Male und verstärkt dabei immer wieder das Gespinst. Am Ende hat die Glocke etwa 15 mm Durchmesser.

Wofür sie die Glocke braucht: In der trockenen Luftblase frisst die Spinne ihre Beute, häutet sich, paart sich und zieht ihre Jungen auf. Eine Wasserspinne baut sogar mehrere Glocken für verschiedene Zwecke, etwa eine Häutungsglocke, eine Fressglocke und eine Paarungsglocke.

Eine Glocke, die wie eine Kieme funktioniert

Die Taucherglocke ist mehr als nur ein Luftvorrat. Die Forscher Seymour und Hetz haben 2011 mit winzigen Sauerstoffsensoren gemessen, was in den Glocken passiert. Ihr Ergebnis: Die Glocke nimmt Sauerstoff, der im Wasser gelöst ist, durch ihre Oberfläche auf. Sie wirkt damit wie eine physikalische Kieme.

Das reicht aus, damit die Spinne zumindest in Ruhe genug Sauerstoff bekommt, selbst unter schwierigen Bedingungen in warmem, stehendem Wasser. Ohne neue Luft von oben konnten die Spinnen mehr als einen Tag in ihrer Glocke bleiben. Größere Spinnen bauten größere Glocken. Und wenn die Spinnen mehr Sauerstoff brauchten oder das Wasser wenig Sauerstoff enthielt, vergrößerten sie ihre Glocke offenbar.

Verbreitung und Lebensraum

Verbreitung: Die Wasserspinne lebt in Europa und Asien. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Spanien, Großbritannien und Irland im Westen über Mitteleuropa bis in den Süden und die Mitte Skandinaviens und Finnlands. Nach Osten zieht es sich über die Türkei, den Kaukasus, Russland, Iran und Zentralasien bis in die Mongolei, nach China, Korea und Japan. Obwohl sie so weit verbreitet ist, ist sie an vielen Orten selten.

Lebensraum: Wasserspinnen leben in sauberen, stehenden Gewässern mit vielen Wasserpflanzen. Besonders häufig findet man sie in nährstoffarmen, dauerhaft wasserführenden Teichen und flachen Seen in Mooren. Auch Gräben mit langsam fließendem Wasser besiedeln sie. Die Größe des Gewässers spielt keine große Rolle, wichtig ist aber:

  • Das Gewässer darf nie austrocknen.
  • Viele Wasserpflanzen bieten Halt für die Glocken.
  • Sonnige Stellen werden schattigen vorgezogen.

Man findet Wasserspinnen vom Meeresspiegel bis in etwa 1.670 m Höhe. Junge Wasserspinnen werden ab und zu auch außerhalb des Wassers in Torfmoos oder auf feuchtem Wiesenboden gefunden.

Ernährung

Wasserspinnen sind Räuber. Sie fressen kleine Wassertiere, vor allem Wasserasseln und Insektenlarven, die im Wasser leben.

Zwei Jagdmethoden: Männchen und Weibchen jagen unterschiedlich. Die Weibchen warten meist in der Nähe ihres Gespinsts und reagieren auf Erschütterungen, die Beutetiere in den Fäden auslösen. Die viel beweglicheren Männchen streifen dagegen aktiv umher und suchen nach Nahrung. Forschende vermuten, dass die Anpassungen an das Leben im Wasser erklären, warum die Männchen größer sind als die Weibchen.

Fressen im Trockenen: Ihre Beute trägt die Wasserspinne in die Glocke und frisst sie dort in der Luftblase.

Fortpflanzung und Entwicklung

Paarung: Das Männchen baut eine eigene Glocke, die sich in Form und Größe deutlich von der des Weibchens unterscheidet. Darin spinnt es ein kleines Spermanetz, wie es für alle Spinnenmännchen typisch ist. Die Paarung selbst findet in einer Glocke unter Wasser statt.

Eier und Jungtiere: Auch die Eier legt das Weibchen unter Wasser ab. Die Jungen wachsen in der Glocke heran.

Das ganze Jahr: Bei Wasserspinnen findet man zu jeder Jahreszeit alle Entwicklungsstadien nebeneinander, also Jungtiere und erwachsene Spinnen. Eine Wasserspinne lebt bis zu etwa 18 Monate.

Ist die Wasserspinne giftig?

Wie andere Spinnen hat die Wasserspinne Giftdrüsen, deren Gift Beutetiere betäubt oder tötet. Für Menschen gilt sie als schwach giftig. Wenn sie zubeißt, sind Schmerzen, Rötungen und Schwellungen meist eher eine Folge des Bisses selbst als des Gifts. Ernsthaft gefährlich sind die Spinnen in unseren Breiten für Menschen nicht. Eine Ausnahme sind Allergiker: Für sie kann Spinnengift ähnlich gefährlich sein wie das Gift einer Biene oder Wespe.

Gefährdung

Weltweit: Auf der Roten Liste der IUCN gilt die Wasserspinne als potenziell gefährdet (NT, Milano et al. 2026). Ihre Bestände nehmen in weiten Teilen des Verbreitungsgebiets ab.

Deutschland: In der Roten Liste der Spinnen Deutschlands von 2016 gilt die Wasserspinne als gefährdet. In der Liste davor war sie noch als stark gefährdet eingestuft. Langfristig sind ihre Bestände stark zurückgegangen. In mehreren Bundesländern, etwa in Bayern, Baden-Württemberg, Brandenburg, Sachsen und Thüringen, gilt sie als stark gefährdet.

Bedrohungen:

  • Verlust von Feuchtgebieten: Feuchtgebiete gehen durch intensivere Landnutzung und Bebauung verloren, außerdem wird Grund- und Oberflächenwasser für Landwirtschaft und Haushalte entnommen.
  • Verschmutzung: Nährstoffe aus der Landwirtschaft sowie Pflanzenschutzmittel belasten die Gewässer.
  • Klimawandel: Wärmere Temperaturen und häufigere Dürren lassen Gewässer austrocknen. Forschende erwarten, dass sich geeignete Lebensräume nach Norden verschieben und insgesamt abnehmen. Je nach Klimaszenario könnte der Bestand bis 2030 um 26 bis 29 Prozent und bis 2050 um bis zu 43 Prozent schrumpfen.
  • Schlechte Ausbreitung: Wasserspinnen können sich kaum über weite Strecken ausbreiten. Wenn ihr Gewässer verschwindet, finden sie nur schwer ein neues.

Schutz: Am meisten hilft es, Moore, Teiche und andere Feuchtgebiete zu erhalten, wiederherzustellen und miteinander zu verbinden.

Häufige Fragen zur Wasserspinne

Wie atmet die Wasserspinne unter Wasser?

Sie atmet Luft aus einer Lufthülle, die feine Haare an ihrem Hinterleib festhalten. Außerdem baut sie eine Taucherglocke aus Spinnseide und füllt sie mit Luft von der Oberfläche. Die Glocke nimmt zusätzlich Sauerstoff aus dem Wasser auf und wirkt wie eine Kieme.

Ist die Wasserspinne die einzige Spinne, die unter Wasser lebt?

Ja. Sie ist die einzige Spinnenart der Welt, die ihr ganzes Leben unter der Wasseroberfläche verbringt.

Wie groß wird eine Wasserspinne?

Männchen werden 10 bis 15 mm lang, Weibchen nur 8 bis 9 mm. Dass die Männchen größer sind, ist bei Spinnen sehr ungewöhnlich.

Was frisst die Wasserspinne?

Kleine Wassertiere, vor allem Wasserasseln und die Larven von Insekten, die im Wasser leben. Ihre Beute frisst sie in ihrer Taucherglocke.

Ist die Wasserspinne gefährlich?

Für Menschen gilt sie als schwach giftig. Ein Biss kann wehtun, rot werden und anschwellen, ernsthaft gefährlich ist er aber nur für Allergiker.

Wo kann man Wasserspinnen finden?

In sauberen Teichen, flachen Seen, Moorgewässern und Gräben mit vielen Wasserpflanzen, die nie austrocknen. Vielerorts ist sie allerdings selten geworden.

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Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Wasserspinne
8 mm bis 1,5 cm

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