Weberknecht
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Kurz erklärt
Weberknechte sind Spinnentiere mit sehr langen, dünnen Beinen und einem kleinen, runden Körper. Obwohl sie oft so genannt werden, sind sie keine Spinnen: Sie haben keine Spinndrüsen, bauen keine Netze und besitzen keine Giftdrüsen. Für Menschen sind sie völlig harmlos. Weltweit gibt es rund 6.800 Arten, in Deutschland 52.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Opiliones |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Körper meist wenige Millimeter bis gut 1 cm lang; die Beine sind bei vielen Arten ein Vielfaches länger |
| Ernährung | Allesfresser: kleine Insekten und andere Gliederfüßer, tote Tiere und abgestorbene Pflanzenteile |
| Lebenserwartung | Bei vielen heimischen Arten etwa ein Jahr (eine Generation pro Jahr) |
| Sozialverhalten | Meist Einzelgänger; manche Arten bilden Ruhe- und Überwinterungsgemeinschaften |
| Verbreitung | Alle Kontinente außer der Antarktis; in Deutschland 52 etablierte Arten AfrikaAsienEuropaNordamerikaSüdamerikaAustralien |
| Sonstiges | Die Angaben gelten für die ganze Ordnung mit rund 6.800 Arten. Weberknechte sind keine Spinnen, sondern eine eigene Ordnung der Spinnentiere. |
Weberknechte sind keine Spinnen
Viele Menschen halten Weberknechte für Spinnen. Das stimmt nicht. Weberknechte gehören zwar wie die Spinnen zu den Spinnentieren, bilden dort aber eine eigene Ordnung, die Opiliones.
So erkennst du einen Weberknecht:
- Körper aus einem Stück: Bei Spinnen sind Vorderkörper und Hinterleib durch eine schmale „Taille“ getrennt. Beim Weberknecht sind beide Teile auf ganzer Breite verwachsen. Der Körper sieht deshalb aus wie ein kleines Oval.
- Nur zwei Augen: Weberknechte haben zwei Augen, die auf einem kleinen Hügel oben auf dem Körper sitzen.
- Keine Spinnfäden: Weberknechte besitzen keine Spinndrüsen und bauen nie Netze.
- Kein Gift: Sie haben keine Giftdrüsen und können Menschen nicht beißen.
- Stinkdrüsen: Stattdessen haben sie Drüsen, die bei Gefahr eine übel riechende Flüssigkeit abgeben.
- Feste Nahrung: Spinnen nehmen flüssige Nahrung auf. Weberknechte fressen dagegen kleine Brocken fester Nahrung.
Verwechslungsgefahr: Die Zitterspinne hat ebenfalls sehr lange, dünne Beine und wird deshalb häufig mit dem Weberknecht verwechselt. Sie ist aber eine echte Spinne und baut Netze.
Aussehen und Körperbau
Größe: Der Körper eines Weberknechts ist meist nur wenige Millimeter bis gut 1 cm lang. Beim Hornweberknecht misst er zum Beispiel 3,5 bis 9 mm, wobei die Männchen meist kleiner sind als die Weibchen. Viel auffälliger sind aber die Beine: Beim Riesen-Weberknecht der Gattung Leiobunum werden sie bis zu 9 cm lang, der Körper nur 5 bis 6 mm. Nicht alle Weberknechte sind langbeinig. Es gibt auch gedrungene Arten mit kurzen Beinen, die eher an Milben erinnern.
Acht Beine, die wie zehn aussehen: Wie alle Spinnentiere hat der Weberknecht acht Laufbeine. Vorne am Kopf sitzen zusätzlich zwei Taster, die Pedipalpen. Weil sie bei vielen Arten wie kurze Beine aussehen, glauben manche Beobachter, fünf Beinpaare zu zählen.
Beine wie ein Lasso: Die Füße vieler Weberknechte bestehen aus sehr vielen kleinen Gliedern. So kann der Weberknecht seine Beinspitzen wie ein Lasso um Grashalme, Blätter oder Zweige schlingen und gut durch die Pflanzen klettern.
Beine als Fühler: Beim Laufen nutzt der Weberknecht sein zweites Beinpaar, meist das längste, als Fühler und tastet damit seine Umgebung ab, ähnlich wie mit einem Blindenstock. Sein Sehvermögen ist schlecht.
Farbe: Die Färbung ist je nach Art sehr verschieden. Viele heimische Weberknechte sind unauffällig grau oder bräunlich gemustert.
Verbreitung und Lebensraum
Weberknechte leben auf allen Kontinenten außer der Antarktis. Weltweit kennt man rund 6.800 Arten. Fachleute schätzen, dass es insgesamt über 10.000 Arten geben könnte.
In Deutschland kommen 52 etablierte Arten vor. 47 davon sind hier von Natur aus heimisch, fünf wurden vom Menschen eingeschleppt.
Lebensraum: Viele Arten mögen es schattig und feucht und leben in Wäldern. Weberknechte findet man in der Laubstreu am Waldboden, auf Baumrinde, in Feldern und Gärten und an Hauswänden. Manche Arten leben sogar in Höhlen.
Neu in Deutschland: Seit etwa dem Jahr 2000 breitet sich ein großer Weberknecht der Gattung Leiobunum in Europa aus, dessen genaue Art noch nicht geklärt ist. Die ersten Funde stammen von 2004 aus den Niederlanden. Heute lebt er unter anderem in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Seine Beine werden bis zu 9 cm lang, der schwarze Körper nur 5 bis 6 mm. Typisch sind große Ansammlungen von Dutzenden bis Hunderten Tieren an Mauern alter Gebäude.
Ernährung
Weberknechte bauen keine Netze. Sie suchen ihre Nahrung zu Fuß, meist in der Nacht, und sind nicht wählerisch. Die meisten Arten sind Allesfresser.
- Kleine Tiere: Beim Hornweberknecht wurden zum Beispiel Blattläuse, Raupen, Zikaden, Käferlarven, Milben, kleine Nacktschnecken und Regenwürmer als Beute nachgewiesen.
- Aas: tote Insekten und andere tote Kleintiere
- Zerfallendes: abgestorbene Pflanzenteile, anderes verrottendes Material und sogar Kot
Helfer auf dem Feld: Der Hornweberknecht lebt oft in Feldern mit Mais, Kartoffeln, Kohl oder Erdbeeren und frisst dort viele Tiere, die als Schädlinge gelten. Allein kann er einen Schädling nicht in Schach halten. Als Teil einer ganzen Gemeinschaft von Räubern hilft er aber, ihre Zahl niedrig zu halten.
Verhalten und Lebensweise
Nachtaktiv: Die meisten Weberknechte sind nachts unterwegs. Einige Arten sind aber auch bei Tageslicht aktiv.
Einzelgänger mit Treffpunkten: Meist leben Weberknechte allein. Manche Arten sammeln sich aber zu großen Gruppen, vor allem bei Trockenheit. Dicht gedrängt verlieren sie vermutlich weniger Wasser. Der Riesen-Weberknecht der Gattung Leiobunum bildet an Mauern Ansammlungen aus Dutzenden bis Hunderten Tieren.
So wehren sie sich: Weberknechte haben mehrere Tricks gegen Feinde:
- Stinkende Flüssigkeit: Bei Gefahr geben sie ein stark riechendes Sekret aus ihren Stinkdrüsen ab.
- Totstellen: Weberknechte können sich tot stellen.
- Bein abwerfen: Wird ein Weberknecht an einem Bein gepackt, kann er es abwerfen. Das abgetrennte Bein zuckt noch eine Weile weiter und lenkt den Angreifer ab.
- Wippen: Werden Weberknechte der Gattung Leiobunum in ihren Ansammlungen gestört, schwingen alle Tiere gemeinsam auf und ab.
Fortpflanzung und Entwicklung
Anders als Spinnen haben männliche Weberknechte ein echtes Begattungsorgan, einen Penis. Männchen und Weibchen paaren sich direkt miteinander, ohne dass das Männchen ein Samenpaket übergibt. Das Weibchen besitzt eine Legeröhre, mit der es seine Eier an feuchten Stellen in Spalten im Boden oder unter Steinen ablegt.
Beispiel Hornweberknecht: Diese Art bildet in Europa eine Generation pro Jahr. Die Weibchen legen ihre Eier in Gruppen von etwa zehn bis mehreren hundert Stück in den Boden. Dort überwintern die Eier. Je nach Temperatur schlüpfen die Jungen nach drei Wochen bis fünf Monaten oder noch später. Nach mehreren Häutungen sind sie zwei bis drei Monate später erwachsen.
Kurzes Leben: Viele heimische Arten bilden wie der Hornweberknecht nur eine Generation pro Jahr. Bei dem eingeschleppten Leiobunum aus den Niederlanden findet man die erwachsenen Tiere von August bis Dezember. Sie pflanzen sich im Spätsommer fort, den Winter überstehen wahrscheinlich nur die Eier.
Brutpflege: Meist bewachen die Weibchen ihre Eier. Bei einigen südamerikanischen Weberknechten übernimmt das aber das Männchen: Es bewacht ein Gelege, in das mehrere Weibchen ihre Eier gelegt haben.
Feinde und Gefährdung
Feinde: Ihre Stinkdrüsen schützen Weberknechte vor manchen Feinden.
Gefährdung in Deutschland: Laut der Roten Liste der Weberknechte Deutschlands von 2016 sind 72 % der bewerteten Arten ungefährdet und 13 % bestandsgefährdet. Keine Art gilt als ausgestorben oder verschollen. Viele Arten leben in schattig-feuchten, oft bewaldeten Lebensräumen. Weil es davon in Deutschland noch viele gibt, ist der Anteil ungefährdeter Arten hoch. Einige Arten wie der Wandkanker gelten aber als stark gefährdet.
Besonderheiten
Der Gift-Mythos: Eine bekannte Legende behauptet, Weberknechte hätten eines der stärksten Gifte der Welt, könnten aber mit ihren kleinen Kiefern nicht zubeißen. Das ist falsch. Keine bekannte Weberknechtart besitzt Giftdrüsen. Ihre Kieferklauen sind kleine Greifscheren, die nicht durch die menschliche Haut kommen.
Uralte Tiere: Die ältesten Weberknecht-Fossilien stammen aus Schottland und sind rund 400 Millionen Jahre alt. Seitdem haben sich Weberknechte äußerlich nur wenig verändert. Ein rund 300 Millionen Jahre altes Fossil aus Frankreich zeigt, dass manche frühen Weberknechte vier statt zwei Augen hatten.
Viele Namen: Im Deutschen hat der Weberknecht mehrere Namen, zum Beispiel Schneider, Schuster oder Kanker. In „Die Biene Maja“ von Waldemar Bonsels stellt sich ein Weberknecht mit dem Namen Hannibal vor.
Häufige Fragen zum Weberknecht
Ist ein Weberknecht eine Spinne?
Nein. Der Weberknecht ist ein Spinnentier, aber keine Spinne. Er bildet eine eigene Ordnung, die Opiliones. Anders als Spinnen hat er einen Körper aus einem Stück, nur zwei Augen, keine Spinndrüsen und keine Giftdrüsen.
Ist ein Weberknecht giftig?
Nein. Weberknechte haben keine Giftdrüsen und ihre winzigen Kieferklauen können die Haut eines Menschen nicht durchdringen. Die Geschichte vom „giftigsten Tier der Welt“ ist ein Mythos. Bei Gefahr geben sie lediglich eine übel riechende Flüssigkeit ab.
Was frisst ein Weberknecht?
Weberknechte sind Allesfresser. Sie fressen kleine Tiere wie Blattläuse, Raupen, Milben, kleine Schnecken und Würmer, aber auch tote Insekten und abgestorbene Pflanzenteile.
Wie viele Beine hat ein Weberknecht?
Ein Weberknecht hat acht Beine, wie alle Spinnentiere. Dazu kommen zwei beinähnliche Taster am Kopf, weshalb es manchmal so aussieht, als hätte er zehn Beine.
Wie lange lebt ein Weberknecht?
Viele heimische Arten leben nur etwa ein Jahr. Beim Hornweberknecht überwintern die Eier im Boden. Die Jungen sind zwei bis drei Monate nach dem Schlüpfen erwachsen.
Was ist der Unterschied zwischen Weberknecht und Zitterspinne?
Beide haben sehr lange, dünne Beine. Die Zitterspinne ist aber eine echte Spinne: Ihr Körper besteht aus zwei getrennten Teilen, und sie baut Netze. Der Weberknecht hat einen ovalen Körper aus einem Stück, nur zwei Augen und spinnt keine Fäden.
Ähnliche Tiere
- Zitterspinne - wird oft mit dem Weberknecht verwechselt, ist aber eine echte Spinne
- Spinnen - ebenfalls Spinnentiere, aber mit Spinn- und Giftdrüsen
- Milben - manche kurzbeinigen Weberknechte sehen Milben ähnlich
- Skorpion - ein weiteres Spinnentier mit eigener Ordnung
Quellen
- Weberknechte (Arachnida: Opiliones) - Rote-Liste-Zentrum
- Daddy Longlegs (Harvestmen) - Missouri Department of Conservation
- Phalangium opilio (Harvestman) - Biological Control, Cornell University
- Riesen-Weberknecht (Leiobunum spec.) - Neobiota NRW, Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW
- Litavský, J. et al. (2025): An annotated checklist and the first Red List of harvestmen (Opiliones) of Slovakia. ZooKeys 1230, 1-24
- Garwood, R. J. et al. (2014): A Paleozoic stem group to mite harvestmen revealed through integration of phylogenetics and development. Current Biology 24(9), 1017-1023