Weinbergschnecke

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Weinbergschnecke mit hellbraunem, gestreiftem Gehäuse kriecht mit ausgestreckten Fühlern zwischen Kiefernnadeln über dunklen Waldboden
H. Zell / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Die Weinbergschnecke ist die größte Gehäuseschnecke Mitteleuropas. Ihr Haus wird bis zu 5 Zentimeter breit, ausgestreckt ist sie bis zu 10 Zentimeter lang. Im Winter gräbt sie sich ein und verschließt ihr Haus mit einem Deckel aus Kalk. In Deutschland ist sie besonders geschützt: Man darf sie in der Natur nicht einfach einsammeln.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameHelix pomatia
Abstammung
  • Klasse: Schnecken (Gastropoda)
  • Ordnung: Landlungenschnecken (Stylommatophora)
  • Unterordnung: Helicina
  • Überfamilie: Helicoidea
  • Familie: Schnirkelschnecken (Helicidae)
  • Gattung: Helix
  • Art: Weinbergschnecke
KörpergrößeAusgestreckt bis etwa 10 cm lang; Gehäuse ausgewachsen etwa 3,8 bis 5 cm hoch und breit
Körpergewicht30 g
ErnährungPflanzenfresser: vor allem welke und frische Pflanzenteile sowie Algenbewuchs; braucht zusätzlich Kalk für das Gehäuse
LebenserwartungIn der Natur etwa 5 bis höchstens 8 Jahre, in Gefangenschaft auch über 10 Jahre
HerkunftMittel- und Südosteuropa
Verbreitung Vor allem Mittel- und Südeuropa, in den Alpen bis etwa 2.000 m Höhe; vom Menschen in weitere Teile Europas, nach Asien und Amerika gebracht Europa
EntdeckungWissenschaftlich beschrieben von Carl von Linné 1758
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2025)
SonstigesIn Deutschland besonders geschützt (Bundesartenschutzverordnung, Anlage 1) und in Anhang V der FFH-Richtlinie der EU aufgeführt. Das Sammeln in der Natur ist verboten, Ausnahmen kann nur die zuständige Landesbehörde erteilen.

Aussehen und Körperbau

Die Weinbergschnecke (Helix pomatia) ist die größte Gehäuseschnecke, die in Mitteleuropa lebt. Ihr Haus erreicht bis zu 5 Zentimeter Durchmesser. Kriecht sie ausgestreckt, misst sie bis zu 10 Zentimeter. Eine ausgewachsene Weinbergschnecke wiegt etwa 30 Gramm, rund ein Drittel davon entfällt auf das Gehäuse.

Wie alle Schnecken besteht ihr Körper aus drei Teilen:

  • Kopf: Er trägt vier Fühler. Auf den Spitzen der beiden langen Fühler sitzt je ein Auge, mit diesen Fühlern kann die Schnecke auch riechen. Die beiden kurzen Fühler dienen zum Tasten und Schmecken. Im Mund liegt die Raspelzunge (Radula), die mit unzähligen winzigen Zähnchen aus Chitin besetzt ist.
  • Fuß: Der große, muskulöse Kriechfuß trägt die Schnecke vorwärts.
  • Eingeweidesack: Er enthält Herz, Lunge, Verdauungs- und Fortpflanzungsorgane und steckt geschützt im Gehäuse. Bedeckt wird er vom Mantel, der das kalkhaltige Haus bildet.

Das Gehäuse ist bräunlich und rundlich. Es hat viereinhalb bis fünf Windungen, die rechts herum gedreht sind. Oft verlaufen bis zu fünf dunkelbraune Bänder um das Haus. Bei älteren Tieren ist der Rand der Gehäuseöffnung nach außen gebogen und wulstig verdickt. Daran lässt sich erkennen, dass eine Schnecke ausgewachsen ist.

Eine Besonderheit ist das Blut: Es ist nicht rot, sondern bläulich. Statt Hämoglobin mit Eisen transportiert bei der Weinbergschnecke Hämocyanin den Sauerstoff, und in dessen Mitte sitzt Kupfer.

Verbreitung und Lebensraum

Ursprünglich stammt die Weinbergschnecke aus Mittel- und Südosteuropa. Heute lebt sie vor allem in Mittel- und Südeuropa. Menschen haben sie in viele weitere Teile Europas gebracht, außerdem nach Asien und Amerika.

Die Weinbergschnecke liebt Wärme und kalkhaltigen Boden. Sie lebt in lichten Wäldern, Gebüschen und Hecken, an Feldrainen und Wegrändern, auf Wiesen mit Büschen, in Gärten und in Weinbergen. Heiße, trockene Orte meidet sie dagegen. In den Alpen kommt sie bis in etwa 2.000 Meter Höhe vor.

Ihren Namen hat sie vermutlich von den Weinbergen. Dort ist der Boden oft sehr kalkreich, und als die Art ihren Namen bekam, fand man sie in Weinbaugebieten häufiger als anderswo. Durch moderne Bodenbearbeitung und Pflanzenschutzmittel ist sie in vielen Weinbergen inzwischen selten geworden.

Ernährung

Weinbergschnecken sind Pflanzenfresser. Sie fressen Pflanzenteile und schaben Algenbelag ab. Dazu raspeln sie die Nahrung mit ihrer Radula ab und ziehen sie in den Schlund. Dabei entsteht ein leises Kratzgeräusch.

Ob sie frische oder welke Blätter bevorzugen, wird unterschiedlich beschrieben. Nach Angaben des Naturschutzbundes Österreich ziehen Weinbergschnecken welke Pflanzen oft den frischen grünen vor und tauchen deshalb nur selten in Gartenbeeten auf. Eine Unterrichtshandreichung der Pädagogischen Hochschule Weingarten schreibt dagegen, dass sie frische Pflanzenteile mögen und in Gärten an Salat, Gemüse und Kräutern fressen können. Wahrscheinlich hängt das vom Angebot ab.

Ganz wichtig ist Kalk. Die Schnecke braucht ihn für ein festes Gehäuse und für ihren Winterdeckel. Sie nimmt ihn aus dem Boden oder mit der Nahrung auf. Bekommt sie zu wenig Kalk, bleibt ihr Haus dünn und zerbrechlich.

Verhalten und Lebensweise

Weinbergschnecken sind vor allem nachts und in der Dämmerung unterwegs, wenn es kühler ist. Am meisten fressen sie zwischen Sonnenuntergang und Mitternacht.

Kriechen auf Schleim

Die Schnecke gleitet auf einer Schleimschicht, die ihr Fuß bildet. Von unten, etwa durch eine Glasscheibe betrachtet, sieht man Muskelwellen, die vom Kopf zum hinteren Ende über die Sohle laufen. So kommt sie auf etwa 3 bis 4 Meter pro Stunde. Der Schleim schützt vor dem Austrocknen und schreckt kleine Feinde ab. Die Schnecke kann ihn dem Untergrund anpassen: Über scharfe Kanten, sogar über eine Rasierklinge, kriecht sie auf zähem Schleim, ohne sich zu verletzen. Auch senkrechte Glaswände kann sie hinaufkriechen. Mithilfe ihrer Schleimspur findet sie am nächsten Tag zu einer Futterstelle zurück.

Der Winterdeckel

Wird es im Herbst kalt, gräbt sich die Weinbergschnecke in die Erde ein und verschließt die Höhle von innen. Dann zieht sie sich tief in ihr Haus zurück. Aus Drüsen im Mantel scheidet sie eine kalkhaltige Flüssigkeit aus, die zu einem harten Deckel erstarrt. Fachleute nennen diesen WinterdeckelEpiphragma. Er schützt vor Austrocknung und Feinden. Luftdicht ist er aber nicht, sodass die Schnecke weiter atmen kann.

Im Winter fährt die Schnecke ihren Stoffwechsel stark herunter und fällt in eine Winterstarre. Sie gibt dabei vermehrt Wasser ab, wodurch ihr Blut mehr Salze enthält. Das erschwert die Bildung von Eiskristallen, sodass sie längere Zeit Temperaturen von minus 4 Grad übersteht.

Steigt die Temperatur im Frühjahr über etwa 8 Grad und ist es feucht genug, wacht die Schnecke auf. Sie stößt den Deckel mit dem Fuß ab und gräbt sich aus. Fehlt ihr Kalk, kann sie den Deckel auch wieder auflösen und den Kalk zurückgewinnen. Auch in langen Trockenzeiten im Sommer verschließen Weinbergschnecken ihr Gehäuse, damit sie nicht austrocknen.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Weinbergschnecken sind Zwitter: Jedes Tier bildet männliche und weibliche Geschlechtszellen. Selbst befruchten können sie sich aber nicht, sie brauchen immer einen Partner.

Gepaart wird nach dem Winter, etwa von Mai bis Juli oder August. Vorher umwerben sich zwei Schnecken stundenlang. Sie richten sich dabei auf und legen ihre Fußsohlen aneinander. Dann stoßen sie sich gegenseitig einen kleinen Liebespfeil aus Kalk in den Fuß. Das Sekret auf dem Pfeil regt den Partner an und erhöht die Chance, dass die Samen aufgenommen werden. Danach übergeben sich die beiden Schnecken gegenseitig ein Paket mit Samenzellen.

Einige Wochen nach der Paarung, je nach Quelle nach vier bis acht Wochen, gräbt die Schnecke eine kleine Erdhöhle und legt ihre Eier hinein. Meist sind es 40 bis 50 Eier, die Angaben reichen von 20 bis 60. Die Eier sind rund, haben eine Kalkschale und messen etwa 5 bis 6 Millimeter. Nach etwa 25 Tagen schlüpfen die Jungschnecken. Ihre Schale ist noch weich. Zunächst bleiben sie in der Höhle und fressen die leeren Eischalen. Nach 10 bis 14 Tagen kriechen sie an die Oberfläche. Um die Jungen kümmern sich die Eltern nicht.

Die Jungschnecken wachsen langsam. Erst nach drei Überwinterungen haben sie ihre volle Gehäusegröße erreicht und sind geschlechtsreif. In der Natur werden Weinbergschnecken etwa fünf bis höchstens acht Jahre alt, in Gefangenschaft auch älter als zehn Jahre.

Feinde und Gefährdung

Vor allem junge Weinbergschnecken haben viele Feinde: Vögel, Kröten, Mäuse und Insekten. Auch Frösche, Laufkäfer, Igel, Blindschleichen und Hundertfüßer fressen Schnecken. Der Schleim ist zwar nicht giftig, hält aber manche Angreifer ab.

Die größte Gefahr ging lange vom Menschen aus. Weinbergschnecken gelten seit Jahrhunderten als Delikatesse. Sie wurden gesammelt, in „Schneckengärten“ gemästet und vor allem in der Fastenzeit verkauft. Durch das Absammeln wurden sie gebietsweise fast ausgerottet. Hinzu kommen Veränderungen ihrer Lebensräume.

Die Rote Liste der IUCN stuft die Weinbergschnecke weltweit als nicht gefährdet (LC) ein, die aktuelle Bewertung stammt von 2025.

Schutz in Deutschland: Sammeln verboten

In Deutschland gehört die Weinbergschnecke zu den besonders geschützten Arten. Sie steht in der Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung. Das gilt für die heimischen Bestände. Außerdem ist sie in Anhang V der europäischen FFH-Richtlinie aufgeführt. Dort stehen Arten, deren Entnahme aus der Natur kontrolliert werden muss.

Für besonders geschützte Tiere gilt das Bundesnaturschutzgesetz (§ 44): Man darf ihnen nicht nachstellen, sie nicht fangen, verletzen oder töten und ihre Eier nicht aus der Natur entnehmen. Auch Besitz und Handel mit Tieren aus der Natur sind verboten. Wer Weinbergschnecken im Wald oder am Wegrand einsammelt, verstößt also gegen das Gesetz.

Ausnahmen kann nur die zuständige Behörde eines Bundeslandes erlauben. Für das Sammeln sieht die Bundesartenschutzverordnung solche Ausnahmen nur für Schnecken vor, deren Gehäuse mindestens 30 Millimeter breit ist. Auch wer Weinbergschnecken für den Unterricht im Klassenzimmer halten möchte, braucht eine Ausnahmegenehmigung. Eine Alternative sind Schnecken aus einer Zucht.

Die Schnecken, die im Restaurant als Delikatesse serviert werden, stammen aus Zuchten. Oft sind es gar keine heimischen Weinbergschnecken, sondern verwandte Arten aus Süd- und Osteuropa, zum Beispiel die größere Helix lucorum aus der Türkei oder die Gefleckte Weinbergschnecke (Cornu aspersum) aus dem Mittelmeerraum und Westeuropa.

Häufige Fragen zur Weinbergschnecke

Darf man Weinbergschnecken sammeln?

Nein. In Deutschland sind Weinbergschnecken besonders geschützt. Man darf sie in der Natur nicht fangen, mitnehmen oder töten. Ausnahmen für Tiere mit mindestens 30 Millimeter breitem Gehäuse kann nur die zuständige Landesbehörde erlauben.

Was macht die Weinbergschnecke im Winter?

Sie gräbt sich in die Erde ein und verschließt ihr Haus mit einem Deckel aus Kalk, dem Epiphragma. Darunter verfällt sie in eine Winterstarre. Erst wenn es im Frühjahr wärmer als etwa 8 Grad ist, stößt sie den Deckel ab und kommt wieder hervor.

Was frisst eine Weinbergschnecke?

Sie frisst Pflanzenteile und Algenbelag, die sie mit ihrer Raspelzunge abschabt. Außerdem nimmt sie Kalk auf, den sie für ihr Gehäuse braucht.

Wie alt wird eine Weinbergschnecke?

In der Natur wird sie etwa fünf bis höchstens acht Jahre alt. In Gefangenschaft kann sie auch älter als zehn Jahre werden. Geschlechtsreif ist sie erst nach drei Wintern.

Wie schnell ist eine Weinbergschnecke?

Eine Weinbergschnecke schafft etwa 3 bis 4 Meter in der Stunde. Für 100 Meter bräuchte sie also mehr als einen ganzen Tag.

Warum heißt die Weinbergschnecke so?

Weinberge liegen oft auf sehr kalkreichem Boden, und die Schnecke braucht viel Kalk. Als sie ihren Namen bekam, fand man sie dort häufiger als anderswo. Heute lebt sie auch in Wäldern, Hecken und Gärten.

Ähnliche Tiere

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Weinbergschnecke
10 cm

Eine Weinbergschnecke erreicht eine Körpergröße von 10 cm. Damit passt sie bequem zwischen eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) und einen Fußball (22 cm) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Die Weinbergschnecke ist etwa 4-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Weinbergschnecke
30 g

Eine Weinbergschnecke bringt 30 g auf die Waage. Das ist schwerer als eine 1-Euro-Münze (7,5 g), aber leichter als eine Tafel Schokolade (100 g). Anders ausgedrückt: Die Weinbergschnecke wiegt so viel wie etwa 4 1-Euro-Münzen.