Wespenspinne
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Kurz erklärt
Die Wespenspinne ist eine auffällige Radnetzspinne mit gelb, weiß und schwarz gestreiftem Hinterleib, der an eine Wespe erinnert. Die Weibchen werden bis etwa 2,5 cm groß, die Männchen sind viel kleiner und unscheinbar. Ihr Netz erkennt man an einem weißen Zickzackband in der Mitte. Früher lebte sie vor allem im Mittelmeerraum, heute ist sie in fast ganz Deutschland verbreitet. Für Menschen ist sie harmlos.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Argiope bruennichi |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Weibchen meist 14 bis 17 mm, im Süden auch über 20 mm, nach NABU bis 25 mm; Männchen etwa 4 bis 6 mm |
| Ernährung | Insekten, die sich im Radnetz verfangen, vor allem Heuschrecken; auch Fliegen, Bienen, Raupen, Schmetterlinge und Wanzen |
| Lebenserwartung | Etwa ein Jahr; die Weibchen sterben im Herbst, nachdem sie ihre Eikokons gebaut haben |
| Sozialverhalten | Einzelgänger |
| Herkunft | Mittelmeerraum |
| Verbreitung | Fast ganz Europa bis Südskandinavien und Finnland, Nordafrika und weite Teile Asiens bis Korea und Japan AfrikaAsienEuropa |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1772 durch Johann Anton Scopoli (als Araneus bruennichi) |
| Gefährdung | NE Nicht bewertet |
| Sonstiges | Spinne des Jahres 2001; ihr Netz trägt ein auffälliges weißes Zickzackband, das Stabiliment |
Eine Spinne im Wespenkostüm
Die Wespenspinne (Argiope bruennichi) ist eine der auffälligsten Spinnen in Deutschland. Das Weibchen trägt auf dem Hinterleib ein Muster aus gelben, weißen und schwarzen Querstreifen. Damit sieht es ein bisschen aus wie eine Wespe, daher der Name. Weil sie so gestreift ist, wird sie manchmal auch Zebraspinne oder Tigerspinne genannt.
Die Wespenspinne gehört zu den Echten Radnetzspinnen, wie die bekannte Gartenkreuzspinne und die Kürbisspinne. Radnetzspinnen bauen kreisrunde Netze mit Speichen, in denen sich fliegende und springende Insekten verfangen.
Woher kommt der Name? Der Naturforscher Johann Anton Scopoli beschrieb die Art 1772 als Araneus bruennichi. Damit ehrte er den dänischen Naturforscher Morten Thrane Brünnich. Im Jahr 1827 stellte der Franzose Jean Victor Audouin sie in die Gattung Argiope. Argiope ist eine Frauengestalt aus der griechischen Sage. Der Name spielt vermutlich auf den silbrig-weißen Vorderkörper der Weibchen an.
2001 wurde die Wespenspinne zur Spinne des Jahres gewählt.
Aussehen und Körperbau
Das Weibchen: Der Vorderkörper ist dicht silbrig-weiß behaart. Der Hinterleib ist eher flach, läuft hinten spitz zu und trägt das kontrastreiche Streifenmuster. Die acht Beine sind gelblich-braun mit dunklen Ringen. Die kräftige Färbung zeigen nur erwachsene Weibchen so deutlich.
Das Männchen: Die Männchen sehen ganz anders aus. Sie sind hellbraun und nur verwaschen gemustert. Deshalb werden sie leicht übersehen.
Größe: Bei der Wespenspinne sind die Weibchen viel größer als die Männchen, Fachleute sprechen von einem starken Größenunterschied der Geschlechter.
| Körperlänge | |
|---|---|
| Weibchen | meist 14 bis 17 mm, im Süden auch über 20 mm, nach NABU bis 25 mm |
| Männchen | etwa 4 bis 6 mm |
Ein Weibchen ist damit etwa drei- bis viermal so groß wie ein Männchen.
Verwechslungsgefahr? Weibchen der Wespenspinne sind in Deutschland kaum zu verwechseln. Eine sehr ähnliche Art, Argiope trifasciata, lebt in Europa nur in Spanien, Portugal, auf Malta und Sizilien. Bei ihr sind die einzelnen Querstreifen auf dem Hinterleib durch schmale Rillen voneinander getrennt.
Verbreitung und Lebensraum
Herkunft: Ursprünglich stammt die Wespenspinne aus dem warmen Mittelmeerraum. Heute kommt sie in fast ganz Europa vor, außerdem in Nordafrika und in weiten Teilen Asiens bis nach Korea und Japan.
Ausbreitung nach Norden: Die Wespenspinne ist ein bekanntes Beispiel für eine Tierart, die sich nach Norden ausbreitet:
- 1845 gab es einen ersten Nachweis im Raum Berlin. Lange war sie in Deutschland nur an wenigen warmen Orten zu finden, etwa am Kaiserstuhl in Baden-Württemberg und um Berlin.
- Um 1930 begann laut Erbgut-Untersuchungen an Museumsexemplaren eine erste, kleine Ausbreitung nach Norden.
- 1935 wurde sie in Polen nachgewiesen, in den 1960er Jahren im Raum Köln.
- 1999 erreichte sie Schweden, 2004 Norwegen (etwa 100 km südlich von Oslo) und 2005 Finnland.
Heute ist die Wespenspinne in Deutschland weit verbreitet und eine der am häufigsten gemeldeten Spinnenarten.
Warum breitet sie sich aus? Ganz sicher ist das nicht. Der Klimawandel spielt wahrscheinlich eine Rolle. Forschende haben aber herausgefunden, dass sich bei der Ausbreitung auch das Erbgut verändert hat. Früher getrennte Linien der Art haben sich vermischt, und die Spinnen im Norden kommen offenbar mit anderen Temperaturen zurecht als ihre Vorfahren. Außerdem lassen sich junge Spinnen an Fäden vom Wind forttragen. Warme Bahndämme und Brachflächen entlang von Gleisen dienen ihnen als Trittsteine.
Lebensraum: Die Wespenspinne mag sonnige, offene Flächen mit niedrigen bis halbhohen Pflanzen. Man findet sie auf Trockenrasen, Wiesen, Heiden, Brachflächen, an Wegrändern und in Gärten, aber auch auf Feuchtwiesen. Wichtig ist, dass es dort viele Heuschrecken gibt. Wälder meidet sie.
Das Netz mit dem Zickzackband
Aufbau: Die Wespenspinne baut ein großes Radnetz, meist dicht über dem Boden. Die Netzmitte hängt gewöhnlich 20 bis 70 cm hoch, das Netz ist meist 30 bis 40 cm breit. Die Spinne spannt es zwischen Grashalmen und anderen Pflanzen auf und spinnt dafür manchmal einzelne Halme zusammen.
Das Stabiliment: Typisch für die Wespenspinne ist ein dichtes, weißes Zickzackband aus Spinnseide oberhalb und unterhalb der Netzmitte. Fachleute nennen es Stabiliment. Daran kann man das Netz leicht vom Netz einer Kreuzspinne unterscheiden. Junge Spinnen und Männchen bauen manchmal kreisförmige oder unvollständige Bänder.
Wozu dient das Zickzackband? Trotz seines Namens stabilisiert das Stabiliment das Netz nicht. Wofür es genau da ist, ist noch nicht geklärt. Forschende diskutieren mehrere Möglichkeiten:
- Es tarnt die Spinne, die in der Netzmitte sitzt.
- Es lockt Beutetiere an.
- Es dient als Vorrat an wertvoller Spinnseide.
- Es sammelt Wassertropfen zum Trinken.
- Wenn die Spinne bei Gefahr ihr Netz schnell schwingen lässt, verschwimmen Streifen und Zickzackband zu einem hell-dunklen Muster. Das könnte Angreifer verwirren.
Vermutlich hat das Band mehrere Aufgaben, und seine Form ändert sich je nach Umwelt und Zustand der Spinne.
Ernährung
Die Wespenspinne frisst Insekten, die sich in ihrem Netz verfangen. Weil ihr Netz so tief hängt, erwischt sie vor allem springende Insekten wie Heuschrecken. Daneben fängt sie alle möglichen Insekten, die am Netzstandort vorkommen, zum Beispiel Fliegen, Bienen, Raupen, Schmetterlinge und Wanzen.
So überwältigt sie die Beute: Mittelgroße und große Beutetiere wickelt die Spinne zuerst sorgfältig in Spinnseide ein und tötet sie dann mit einem Giftbiss. Bei Schmetterlingen macht sie es meist umgekehrt: erst beißen, dann einwickeln. Vermutlich, weil Schmetterlinge sich wegen ihrer lockeren Flügelschuppen schnell aus Netzen befreien können. Sehr kleine Beute frisst sie manchmal ohne Einwickeln und Biss.
Verdauung außerhalb des Körpers: Das Gift der Wespenspinne verflüssigt die Weichteile der Beute. Diesen Brei saugt die Spinne anschließend aus.
Verhalten und Lebensweise
Die Wespenspinne ist eine Einzelgängerin. Den größten Teil ihres Lebens sitzt das Weibchen in der Netzmitte und wartet auf Beute.
Jahreslauf: Je nach Wetter findet man ab Mai die ersten jungen Wespenspinnen. Erwachsene Tiere sieht man von Juli bis Oktober. Weil viele Männchen nach der Paarung sterben, trifft man im Herbst fast nur noch Weibchen an.
Ist die Wespenspinne gefährlich? Nein. Die Wespenspinne ist für Menschen harmlos. Sie ist sehr friedlich und beißt fast nie. Ihre Giftklauen sind so schwach, dass sie die menschliche Haut kaum durchdringen können. Der Nationalpark Donau-Auen hält sie sogar für zu schwach dafür. Die Wespenstreifen sind also nur ein Kostüm, einen Stachel hat die Spinne nicht.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Balz: Ab Ende Juni suchen die kleinen Männchen die Netze erwachsener Weibchen auf. Zuerst zupfen sie am Rand des Netzes, dann arbeiten sie sich zupfend zum Weibchen in der Mitte vor. Ist das Weibchen bereit, bleibt es ruhig und hebt seinen Körper etwas an.
Gefährliche Paarung: Die Paarung ist für das Männchen lebensgefährlich. Sobald es sein Begattungsorgan mit dem Weibchen verbindet, beginnt das Weibchen, es in Spinnseide einzuwickeln. In etwa 70 Prozent der Fälle endet dieser Angriff für das Männchen tödlich. Um zu überleben, muss es spätestens nach etwa 10 Sekunden abspringen. Kleinere Männchen haben dabei bessere Chancen.
Der zweite Versuch: Überlebt ein Männchen, kehrt es oft verletzt zum selben Weibchen zurück. Die zweite Paarung endet dann immer tödlich. Das Männchen versucht diesmal gar nicht mehr zu fliehen und überträgt möglichst viele Spermien.
Beschädigte Geschlechtsteile: Bei der Paarung wird das Begattungsorgan des Männchens oft beschädigt, Teile davon brechen ab und bleiben im Weibchen stecken. Eine Studie zeigte, dass das dem Männchen trotzdem nützt: Paart sich danach ein anderes Männchen mit dem Weibchen, dauert dessen Paarung deutlich kürzer. Weil bei der Wespenspinne die Dauer der Paarung über die Vaterschaft entscheidet, zeugt das erste Männchen so mehr Nachkommen. Bessere Überlebenschancen hat es dadurch aber nicht.
Der Kokon: Ab Ende August baut das Weibchen einen oder mehrere braune, kugelförmige Eikokons und hängt sie gut getarnt in die Pflanzen. In einen Kokon legt es 100 bis 200 Eier. Die Kokons bestehen aus dicken Fadenschichten und einer pergamentartigen Außenhaut. Im Volksmund nennt man sie „Tabaksbeutel“. Das Weibchen bewacht den Kokon noch eine Zeit lang und stirbt dann.
Winter im Kokon: Nach Angaben des Nationalparks Donau-Auen schlüpfen etwa vier Wochen nach der Eiablage die Jungspinnen. Sie bleiben aber den ganzen Winter über im Kokon, der sie vor Kälte und Nässe schützt. Erst im nächsten Frühjahr verlassen sie ihn und bauen eigene Netze. Bis zum Sommer sind sie erwachsen. Eine Wespenspinne lebt also nur etwa ein Jahr.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Vögel und kleine Säugetiere fressen auch große Spinnen. Nach Angaben des NABU schützt die auffällige Färbung die Wespenspinne vor diesen Feinden. Viele Jungspinnen sterben im Kokon, etwa durch Pilze. Außerdem gibt es eine Schlupfwespe, Tromatobia ornata, die ihre Eier ausschließlich in die Kokons der Wespenspinne legt.
Gefährdung: Auf der weltweiten Roten Liste der IUCN ist die Wespenspinne nicht bewertet. In Deutschland ist sie häufig. In Nordrhein-Westfalen gilt sie zum Beispiel laut NABU als „nicht gefährdet“.
Häufige Fragen zur Wespenspinne
Ist die Wespenspinne giftig oder gefährlich?
Die Wespenspinne hat wie fast alle Spinnen Gift, mit dem sie Insekten tötet. Für Menschen ist sie aber harmlos. Sie beißt sehr ungern, und ihre Giftklauen sind zu schwach, um die menschliche Haut ohne Weiteres zu durchdringen.
Wie groß wird eine Wespenspinne?
Weibchen sind meist 14 bis 17 mm lang, im Süden auch über 20 mm und nach NABU bis 25 mm. Männchen werden nur etwa 4 bis 6 mm groß und sind hellbraun.
Was frisst die Wespenspinne?
Vor allem Heuschrecken, die in ihr tief hängendes Netz springen. Sie fängt aber auch Fliegen, Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten.
Wozu dient das Zickzackband im Netz?
Das Band heißt Stabiliment. Es stabilisiert das Netz nicht, sondern hat vermutlich mehrere Aufgaben, etwa die Spinne zu tarnen oder Beute anzulocken. Genau erforscht ist das noch nicht.
Warum frisst das Weibchen das Männchen?
Bei der Wespenspinne wickelt das Weibchen das Männchen schon während der Paarung ein. In etwa 70 Prozent der Fälle stirbt das Männchen bei der ersten Paarung, bei einer zweiten Paarung immer. Bei dieser zweiten Paarung überträgt das Männchen dafür möglichst viele Spermien.
Wann sieht man Wespenspinnen?
Erwachsene Wespenspinnen findet man von Juli bis Oktober, besonders auf sonnigen Wiesen mit halbhohem Gras. Im Spätsommer, wenn die Sonne tief steht, fallen ihre Netze besonders auf.
Ähnliche Tiere
- Kürbisspinne - eine grüne Verwandte aus der Familie der Echten Radnetzspinnen
- Zitterspinne - eine langbeinige Spinne, die oft in Häusern lebt
- Winkelspinne - eine große Spinne, die man im Herbst in Wohnungen trifft
- Wespe - das Insekt, dem die Wespenspinne ihren Namen verdankt
- Heuschrecke - die wichtigste Beute der Wespenspinne
Quellen
- Argiope bruennichi - Wiki der Arachnologischen Gesellschaft (AraGes)
- Wespenspinne - NABU Nordrhein-Westfalen
- Wespenspinne (Argiope bruennichi) - Nationalpark Donau-Auen
- Krehenwinkel, H. & Tautz, D. (2013): Northern range expansion of European populations of the wasp spider Argiope bruennichi is associated with global warming-correlated genetic admixture and population-specific temperature adaptations. Molecular Ecology 22, 2232-2248
- Nessler, S. H., Uhl, G. & Schneider, J. M. (2007): Genital damage in the orb-web spider Argiope bruennichi (Araneae: Araneidae) increases paternity success. Behavioral Ecology 18, 174-181
- Argiope bruennichi - World Spider Catalog, Naturhistorisches Museum Bern
Größenvergleich
Die Wespenspinne ist mit 4 mm bis 2,5 cm ein echtes Leichtgewicht auf der Größenskala. Selbst ein Fußball (22 cm) überragt sie um ein Vielfaches. Dafür passt die Wespenspinne bequem auf eine Handfläche - oder sogar auf einen Fingernagel!