Wiesel

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Hermelin im braunen Sommerfell mit weißer Kehle und Brust steht zwischen Gras und Blättern und schaut direkt in die Kamera
Frank Liebig / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 de

Kurz erklärt

Wiesel sind kleine Raubtiere aus der Familie der Marder. Bei uns sind damit fast immer zwei Arten gemeint: das winzige Mauswiesel und das größere Hermelin. Beide haben einen langen, dünnen Körper und kurze Beine und jagen vor allem Mäuse, sogar in deren Gängen. Das Hermelin erkennt man an seiner schwarzen Schwanzspitze, dem Mauswiesel fehlt sie.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameMustela
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
  • Familie: Marder (Mustelidae)
  • Unterfamilie: Wieselartige (Mustelinae)
  • Gattung: Mustela
KörpergrößeKopf-Rumpf-Länge: Mauswiesel 12 bis 25 cm (Deutscher Jagdverband), Hermelin in Großbritannien 24 bis 31 cm (Mammal Society); dazu ein Schwanz von 3 bis 14 cm
KörpergewichtMauswiesel 30 bis 100 g (Deutscher Jagdverband), Hermelin 140 bis 445 g (Mammal Society, Großbritannien)
ErnährungFleischfresser: vor allem Mäuse und andere Kleinsäuger, dazu Vögel, Eier, Eidechsen, Amphibien, Fische und Insekten; das Hermelin erbeutet auch Kaninchen
LebenserwartungIn freier Natur meist nur 1 bis 2 Jahre; Mauswiesel in Gefangenschaft bis 7 Jahre
SozialverhaltenEinzelgänger mit eigenem Revier; die Mutter zieht die Jungen allein auf
HerkunftNordhalbkugel
Verbreitung Europa, Nordafrika, Nord- und Zentralasien bis Japan, Norden Nordamerikas; in Neuseeland eingeführt AfrikaAsienEuropaNordamerikaAustralien
SonstigesGruppenbegriff: Mit „Wiesel“ sind im Deutschen meist das Mauswiesel (Kleines Wiesel, Mustela nivalis) und das Hermelin (Großes Wiesel, Mustela erminea) gemeint. Beide gelten weltweit als nicht gefährdet (IUCN). In der Roten Liste der Säugetiere Deutschlands (2020) reichen bei beiden die Daten nicht für eine Einstufung.

Was ist ein Wiesel?

„Wiesel“ ist kein Name für eine einzelne Tierart. Im Deutschen meint man damit fast immer eines von zwei kleinen Raubtieren, die bei uns leben:

  • das Mauswiesel (Mustela nivalis), auch Kleines Wiesel, Zwergwiesel oder Hermännchen genannt
  • das Hermelin (Mustela erminea), auch Großes Wiesel genannt

Beide gehören zur Gattung Mustela in der Familie der Marder (Mustelidae). Innerhalb der Marder zählen sie zu den sogenannten Wieselartigen oder Stinkmardern (Mustelinae). Zu dieser Gruppe rechnet der Deutsche Jagdverband auch den Iltis, den Nerz und den Mink.

Das Mauswiesel ist das kleinste Raubtier der Erde, das Hermelin das zweitkleinste Raubtier in Deutschland. Die beiden sehen sich ähnlich, lassen sich mit etwas Übung aber gut auseinanderhalten.

Mauswiesel und Hermelin im Vergleich

MerkmalMauswieselHermelin
Andere NamenKleines Wiesel, ZwergwieselGroßes Wiesel
Kopf-Rumpf-LängeMännchen 17 bis 25 cm, Weibchen 12 bis 17 cmMännchen etwa 17 bis 30 cm, Weibchen etwa ein Viertel kleiner
GewichtMännchen 60 bis 100 g, Weibchen 30 bis 60 getwa 230 bis 300 g
Schwanzkurz, einfarbig braunlänger, mit schwarzer Spitze
Grenze Rücken/Bauchwellig und unregelmäßiggerade Linie
Winterfellnur im hohen Norden weiß, in Mitteleuropa sehr seltenin kalten Gegenden weiß, Schwanzspitze bleibt schwarz
Mäuse pro Tagetwa fünfetwa zwei

Längen und Gewichte für Deutschland nach Angaben des Deutschen Jagdverbands.

Die Größe: Das Mauswiesel ist etwa halb so groß wie das Hermelin. Der Deutsche Jagdverband fasst das kurz zusammen: mausgroß gegen handgroß. Die britische Mammal Society nennt einen anschaulichen Test: Der Kopf eines Mauswiesels passt durch einen Ehering, der Kopf eines erwachsenen Hermelins nicht.

Der Schwanz: Das sicherste Erkennungszeichen ist die schwarze Schwanzspitze des Hermelins. Sie bleibt das ganze Jahr über schwarz. Das Mauswiesel hat einen kürzeren Schwanz ohne schwarze Spitze.

Das Fell: Beim Hermelin trennt eine gerade Linie den braunen Rücken vom hellen Bauch. Beim Mauswiesel verläuft diese Grenze wellig, und oft sitzt ein brauner Fleck im Mundwinkel. Sein Fell ist außerdem insgesamt kürzer.

Aussehen und Körperbau

Wiesel sind perfekt für die Jagd in engen Gängen gebaut. Ihr Körper ist lang gestreckt und schlank, die Beine sind kurz. Der Kopf ist klein, beim Mauswiesel länglich und flach, beim Hermelin eher dreieckig. Die runden Ohren liegen eng am Kopf an.

Im Sommer sind Rücken, Kopf und Schwanz braun, beim Mauswiesel hellbraun bis rotbraun, beim Hermelin rötlich braun. Kehle, Brust und Bauch sind weiß bis cremefarben.

Bei beiden Arten sind die Männchen deutlich größer als die Weibchen. Ein Mauswiesel-Männchen kann fast doppelt so schwer sein wie ein Weibchen.

Spuren von Wieseln sieht man am ehesten im Schlamm oder im Schnee. Wie alle Raubtiere haben sie fünf Zehen an jedem Fuß. Die Abdrücke des Mauswiesels sind nur etwa 1 cm breit und damit die kleinsten Fußspuren aller Raubtiere. Die des Hermelins sind ungefähr doppelt so groß.

Werden Wiesel im Winter weiß?

Das hängt von der Art und vom Wohnort ab:

  • Hermelin: In kalten Gegenden wird es im Winter ganz oder teilweise weiß. Die schwarze Schwanzspitze bleibt immer erhalten.
  • Mauswiesel: In Nordeuropa, Sibirien und Nordamerika wird es im Winter einfarbig weiß. In Mitteleuropa kommt das laut Jagdverband nur sehr selten vor. In Großbritannien bleiben Mauswiesel das ganze Jahr braun.

Verbreitung und Lebensraum

Wiesel leben auf der Nordhalbkugel. Das Mauswiesel kommt in ganz Europa vor, außer in Irland, auf Island und auf Zypern, und auch in Nordafrika. Weiße Wintertiere gibt es außerdem in Sibirien und Nordamerika. Das Hermelin lebt in Europa nördlich der Pyrenäen, Alpen und Karpaten, in Nord- und Zentralasien, in Japan sowie in Teilen Grönlands, Kanadas und im Norden der USA. Nach Neuseeland haben Menschen ab 1879 beide Arten gebracht, dort gefährden sie heute am Boden brütende Vögel. In Deutschland sind beide Arten verbreitet.

Lebensraum: Beide Wiesel mögen offene, abwechslungsreiche Landschaften und meiden geschlossene Wälder. Das Mauswiesel bevorzugt trockene Stellen wie Hecken, Brachen, Böschungen und trockene Gräben. Das Hermelin lebt gern in Feldern und Wiesen mit Hecken, Feldgehölzen und Streuobstwiesen und mag die Nähe von Gewässern. Das Mauswiesel steigt in den Bergen bis etwa 3.000 m, das Hermelin bis 3.400 m.

Verstecke: Als Unterschlupf übernehmen Wiesel meist die Nester ihrer Beutetiere. Auch Baumhöhlen, Stein- und Holzhaufen, alte Mauern und Maulwurfsgänge dienen als Unterschlupf. Mauswiesel ziehen im Winter manchmal in Ställe, Keller oder auf Dachböden.

Ernährung: Spezialisten für Mäuse

Wiesel sind Fleischfresser. Ihre wichtigste Beute sind Mäuse. Das Mauswiesel ist sogar noch stärker auf Mäuse angewiesen als das Hermelin. Es frisst daneben Bilche, Eidechsen, Amphibien, Insekten, kleine Vögel und Eier, manchmal auch junge Hasen und nestjunge Kaninchen.

Das Hermelin erbeutet neben Mäusen auch Ratten, Spitzmäuse und Wasserschermäuse. In Großbritannien jagt es vor allem dort, wo es viele gibt, auch Kaninchen, die viel größer sind als es selbst. Wird die Nahrung knapp, frisst es Vögel, Eier, Früchte und sogar Regenwürmer. Gelegentlich jagt es unter Wasser und fängt Amphibien und Fische.

Jagd im Tunnel: Mit ihrem schmalen Körper verfolgen Wiesel Mäuse bis tief in deren Gänge. Deshalb kann vor allem das Mauswiesel zu jeder Tages- und Jahreszeit jagen. Es hält keinen Winterschlaf und jagt selbst unter einer dicken Schneedecke in Tunneln.

Tödlicher Biss: Das Hermelin durchsucht Hecken, Gräben und Steinmauern oft im Zickzack. Seine Beute tötet es mit einem gezielten Biss in den Nacken, auch Tiere, die größer sind als es selbst.

Großer Hunger: Nach Angaben des Deutschen Jagdverbands frisst ein Mauswiesel etwa fünf Mäuse am Tag, ein Hermelin etwa zwei. Findet das Hermelin mehr Beute, als es braucht, legt es in einem Versteck Vorräte an.

Verhalten und Lebensweise

Einzelgänger: Wiesel leben allein. Männchen und Weibchen haben getrennte Reviere, die Reviere der Männchen sind größer. Ein Mauswiesel streift in einem Gebiet von etwa 1 bis 15 Hektar umher. Darin nutzt es mehrere Verstecke, die es abwechselnd aufsucht. Hermeline markieren ihre Reviere mit Duftstoffen und verteidigen sie gegen Artgenossen desselben Geschlechts. Im Frühjahr wandern die Männchen beider Arten weit umher, um Weibchen zu finden.

Aktivität: Das Mauswiesel ist bei Tag und bei Nacht unterwegs. Das Hermelin ist vor allem am Tag und in der Dämmerung aktiv und legt bis zu 15 km in einer Nacht zurück. Das Mauswiesel ist ein sehr schneller Läufer, und beide Arten schwimmen gut.

Laute: Mauswiesel verständigen sich mit zischenden und singenden Lauten. Hermeline trillern leise, keckern oder zirpen. Wenn sie drohen, stoßen sie sehr hohe Schreie aus.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Bei der Fortpflanzung unterscheiden sich die beiden Wiesel stark.

Mauswiesel: Es kann sich das ganze Jahr über paaren, die Hauptzeit liegt im Februar und März. Nach einer Tragzeit von etwa fünf bis sechs Wochen kommen 3 bis 9 Junge zur Welt, meist 4 bis 7. In Jahren mit vielen Mäusen bekommt ein Weibchen zweimal Junge. Die Jungen töten laut Mammal Society schon mit acht Wochen selbst Beute. Mit 9 bis 12 Wochen löst sich die Familie auf. Junge Weibchen können in einem guten Mäusejahr schon mit zwei bis drei Monaten selbst Junge bekommen.

Hermelin: Es hat eine Besonderheit, die Keimruhe. Die Weibchen werden im Frühsommer befruchtet. Der Embryo entwickelt sich aber erst einmal nicht weiter, sondern ruht neun bis zehn Monate. Erst im folgenden Frühjahr wächst er in etwa vier Wochen heran. Die Jungen werden zwischen März und Mai geboren, so fällt ihre Aufzucht in die günstige Jahreszeit. Sie sind bei der Geburt blind, taub und kaum behaart. Der Jagdverband nennt vier bis sechs Junge pro Wurf, in Großbritannien sind es 6 bis 12. Mit etwa 12 Wochen sind sie selbstständig.

Feinde, Lebensdauer und Gefährdung

Kurzes Leben: Wiesel werden meist nicht alt. Beim Mauswiesel erreichen nur 20 bis 25 Prozent das zweite Lebensjahr. In Großbritannien werden nur etwa 10 Prozent älter als zwei Jahre. In Jahren mit wenigen Mäusen verhungern viele Tiere, und kaum eines bekommt Junge. Mauswiesel erholen sich davon aber schnell und besiedeln verlassene Gebiete wieder, sobald es genug Beute gibt. Bei Hermelinen erreichen Weibchen in freier Natur laut Jagdverband ein Höchstalter von etwas mehr als drei Jahren, Männchen nur von ein bis zwei Jahren. Die Mammal Society gibt für das Hermelin eine Lebensdauer von 5 bis 8 Jahren an, betont aber, dass viele nicht älter als ein bis zwei Jahre werden.

Der Mensch: In Großbritannien werden Wiesel seit langem von Wildhütern und Geflügelhaltern mit Fallen verfolgt, weil sie Küken und Hühner töten können. Auf die Bestände hat das nach Einschätzung der Mammal Society kaum dauerhafte Folgen. Früher wurden Hermeline auch wegen ihres weißen Winterfells gejagt. Hermelinmäntel waren beim Adel beliebt, weil das reine Weiß als Zeichen für Unschuld und Reinheit galt.

Situation in Deutschland: Beide Wiesel unterliegen dem Jagdrecht, die Jagdzeit nach Bundesjagdrecht reicht vom 1. August bis 28. Februar. In der Roten Liste der Säugetiere Deutschlands von 2020 werden Mauswiesel und Hermelin als häufig eingeschätzt. Für eine Einstufung reichen die Daten aber nicht aus, weil großräumige Zählungen fehlen. Die Fachleute halten einen Rückgang für wahrscheinlich, weil die intensive Landwirtschaft die Zahl der Wühlmäuse verringert hat.

Weltweit: Auf der Roten Liste der IUCN gelten beide Arten als nicht gefährdet (Least Concern).

Häufige Fragen zum Wiesel

Ist ein Wiesel ein Marder?

Ja. Wiesel gehören zur Familie der Marder und dort zur Gruppe der Wieselartigen. Zu dieser Gruppe zählen auch Iltis, Nerz und Mink.

Wie groß wird ein Wiesel?

Das Mauswiesel ist ohne Schwanz 12 bis 25 cm lang und wiegt 30 bis 100 g. Das Hermelin wird bis etwa 30 cm lang und ist ungefähr doppelt so groß. Bei beiden Arten sind die Männchen größer als die Weibchen.

Was frisst ein Wiesel?

Vor allem Mäuse, die es bis in ihre Gänge verfolgt. Dazu kommen andere kleine Säugetiere, Vögel, Eier, Eidechsen, Amphibien und Insekten. Das Hermelin erbeutet auch Ratten und Kaninchen.

Wie unterscheidet man Mauswiesel und Hermelin?

Am Schwanz: Das Hermelin hat immer eine schwarze Schwanzspitze, das Mauswiesel nicht. Außerdem ist das Mauswiesel nur etwa halb so groß, und die Grenze zwischen braunem Rücken und hellem Bauch verläuft bei ihm wellig statt gerade.

Ist ein Wiesel gefährlich?

Für Menschen sind Wiesel ungefährlich. Ein Hermelin, das in die Enge getrieben wird, kann allerdings furchtlos angreifen. Gelangt ein Hermelin in einen Hühnerstall, kann es Hühner töten.

Wie alt werden Wiesel?

Die meisten Wiesel werden in freier Natur nur ein bis zwei Jahre alt. Einzelne Hermeline erreichen mehrere Jahre. In Gefangenschaft werden Mauswiesel laut Jagdverband bis zu 7 Jahre alt.

Ähnliche Tiere

  • Mauswiesel - das kleinste Raubtier der Erde, ausführlicher Steckbrief
  • Hermelin - das Große Wiesel mit der schwarzen Schwanzspitze, ausführlicher Steckbrief
  • Nerz - zählt wie die Wiesel zu den Wieselartigen
  • Maus - die wichtigste Beute der Wiesel
  • Kaninchen - wird vom Hermelin gejagt, obwohl es viel größer ist

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Wiesel
12 bis 31 cm

Das Wiesel wird 12 bis 31 cm groß - eher kompakt. Auf unserer Größenskala liegt es zwischen einer 1-Euro-Münze (2,3 cm) und einem Kind (1,2 m). Im direkten Vergleich ist das Wiesel rund 9-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze, aber ein Kind übertrifft das Wiesel noch um das 6-Fache.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Wiesel
30 bis 445 g

Mit 30 bis 445 g gehört das Wiesel zu den leichteren Tieren in unserem Lexikon. Zum Vergleich: Eine 1-Euro-Münze wiegt nur 7,5 g, während eine Hauskatze mit 4 kg deutlich mehr auf die Waage bringt. Man bräuchte ungefähr 32 1-Euro-Münzen, um so viel zu wiegen wie ein Wiesel!