Wildschwein
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Kurz erklärt
Das Wildschwein ist ein kräftiges Paarhufer-Tier mit borstigem, dunklem Fell und einer rüsselartigen Schnauze. Es lebt in Wäldern und Feldern Europas, Asiens und Nordafrikas und frisst fast alles, von Eicheln bis zu Regenwürmern. Die Weibchen leben mit ihren gestreiften Jungen, den Frischlingen, in Familiengruppen. Das Wildschwein ist der Vorfahre unseres Hausschweins.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Sus scrofa |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Kopf-Rumpf-Länge 90 bis 200 cm, Schulterhöhe 55 bis 110 cm, Schwanz 15 bis 40 cm; Keiler in Deutschland etwa 150 bis 180 cm lang |
| Körpergewicht | Weltweit 44 bis 320 kg; in Deutschland Keiler meist 100 bis 150 kg, Bachen etwa halb bis zwei Drittel so schwer |
| Ernährung | Allesfresser: Eicheln, Bucheckern, Wurzeln, Knollen, Gras und Kräuter, Feldfrüchte, Würmer, Insekten, Mäuse, Vogeleier und Aas |
| Lebenserwartung | In freier Wildbahn selten älter als 7 bis 8 Jahre; einzelne Tiere werden über 20 Jahre alt |
| Sozialverhalten | Bachen und Jungtiere in Familienverbänden (Rotten), erwachsene Keiler meist Einzelgänger |
| Herkunft | Europa, Nordafrika und weite Teile Asiens |
| Verbreitung | Ursprünglich Europa, Nordafrika und weite Teile Asiens; vom Menschen eingeführt in Nord-, Mittel- und Südamerika, Australien und Neuseeland AfrikaAsienEuropaNordamerikaSüdamerikaAustralien |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2019) |
| Sonstiges | Stammform des Hausschweins; in der Jägersprache heißen Wildschweine Schwarzwild |
Keiler, Bache, Frischling: die Namen der Wildschweine
Das Wildschwein ist ein Paarhufer aus der Familie der Echten Schweine. In Europa ist es der einzige wild lebende Vertreter dieser Familie. Es ist die Stammform des Hausschweins: Vor 8.000 bis 10.000 Jahren begannen Menschen, Wildschweine zu zähmen und zu züchten.
Für Wildschweine gibt es viele eigene Namen, die aus der Jägersprache stammen:
- Keiler: das männliche Wildschwein
- Bache: das weibliche Wildschwein
- Frischling: das Jungtier mit gestreiftem Fell
- Überläufer: ein junges Wildschwein im zweiten Lebensjahr
- Rotte: eine Gruppe von Wildschweinen
- Schwarzwild oder Sauen: Wildschweine allgemein
Der Name „Schwarzwild“ und der Spitzname „Schwarzkittel“ kommen von der dunklen Fellfarbe, die im Winter fast schwarz ist.
Aussehen und Körperbau
Im Vergleich zum Hausschwein hat das Wildschwein einen kräftigeren, gedrungenen Körper und längere Beine. Der Kopf ist lang und keilförmig, die Augen sind klein, die Ohren dreieckig. Die Schnauze endet in einem kurzen, sehr kräftigen Rüssel.
Fell: Das dichte Fell besteht aus derben Borsten. Im Sommer ist es braunschwarz, im Winter überwiegend schwarz. Je nach Region gibt es große Unterschiede: Manche Wildschweine sind hellgrau, in Zentralasien gibt es fast weiße Tiere. Mit dem Alter wird das Fell oft grauer.
Größe: Wildschweine sind sehr unterschiedlich groß. Weltweit reicht die Kopf-Rumpf-Länge von 90 bis 200 cm, die Schulterhöhe von 55 bis 110 cm. Der Schwanz ist 15 bis 40 cm lang. In Deutschland wird ein Keiler etwa 150 bis 180 cm lang.
Gewicht: In Deutschland wiegen Keiler meist 100 bis 150 kg. Bachen erreichen etwa 50 bis 70 Prozent des Keilergewichts. In Osteuropa werden Wildschweine fast doppelt so schwer. Die größte Unterart lebt im Fernen Osten Russlands: Keiler wiegen dort oft über 300 kg. Die kleinsten Wildschweine leben auf den japanischen Ryukyu-Inseln. Allgemein gilt: Je weiter nördlich Wildschweine leben, desto größer werden sie.
Die Hauer: Beim Keiler biegen sich die oberen Eckzähne nach außen und oben. Die unteren Eckzähne reiben ständig an den oberen und werden dadurch scharf. Bei erwachsenen Keilern sind die Eckzähne rund 20 cm lang, in Ausnahmefällen sogar 30 cm. Sie können Menschen und Tieren schwere Verletzungen zufügen. Die Eckzähne der Bachen sind deutlich kleiner.
Verbreitung und Lebensraum
Ursprünglich lebte das Wildschwein in ganz Europa, in Nordafrika und in weiten Teilen Asiens. Der Mensch hat es außerdem nach Nord-, Mittel- und Südamerika, nach Australien und nach Neuseeland gebracht. Es lebt heute von den gemäßigten Breiten bis in die Tropen.
Lebensraum: Am liebsten leben Wildschweine in Laub- und Mischwäldern mit dichtem Unterholz und feuchten Böden. Besonders viele gibt es in Eichenwäldern. Sie besuchen aber auch Felder, solange dort hohe Pflanzen wie Mais Deckung bieten. Wichtig sind Wasserstellen zum Trinken und Suhlen. Offenes Gelände ohne Deckung und die Hochlagen der Gebirge meiden sie.
In der Stadt: Wildschweine sind sehr anpassungsfähig. In Berlin zum Beispiel leben einzelne Rotten das ganze Jahr in Siedlungen, weil sie dort in Gärten, Parks und Mülltonnen Futter finden.
Häufiger als früher: Vor einigen Jahrzehnten bekam man Wildschweine in vielen Gegenden Deutschlands nur selten zu sehen. Weil sie sich stark vermehren und sehr anpassungsfähig sind, sind sie heute vielerorts häufig. Eine genaue Zählung gibt es nicht.
Ernährung
Wildschweine sind Allesfresser. Mit ihrem Rüssel wühlen sie den Boden um und pflügen ihn regelrecht durch. Dabei finden sie Wurzeln, Knollen, Engerlinge und Regenwürmer.
Pflanzliche Nahrung: Besonders gern fressen sie Eicheln und Bucheckern, weil diese sehr nahrhaft sind. Dazu kommen Gras, Kräuter, Klee, Wildobst und Wasserpflanzen. Wenn im Wald zu wenig Früchte wachsen, gehen sie auf die Felder und fressen Mais, Kartoffeln, Getreide, Erbsen und Bohnen.
Tierische Nahrung: Ihren Eiweißbedarf decken sie mit Insekten, Würmern, Schnecken, Mäusen, Eiern und Jungvögeln von Bodenbrütern, jungen Wildtieren und Aas. In einer Untersuchung in Spanien machten Beutetiere, vor allem Vögel und Flusskrebse, aber nur 4 Prozent der Nahrung aus.
Die Nase führt: Der Geruchssinn der Wildschweine ist hervorragend. Sie riechen Futter auch unter der Erde. Schweine werden deshalb sogar für die Suche nach Trüffeln eingesetzt. Gut hören können Wildschweine ebenfalls. Ihre Augen sind dagegen schwach, Bewegungen nehmen sie aber gut wahr.
Verhalten und Lebensweise
Die Rotte: Wildschweine leben in Familienverbänden. Eine Rotte besteht aus mehreren Bachen mit ihren Jungen und wird von der ältesten, erfahrensten Bache angeführt, der Leitbache. Im Durchschnitt gehören etwa 20 Tiere zu einer Rotte. Junge Keiler verlassen die Gruppe, wenn sie älter werden. Erwachsene Keiler leben meist allein und stoßen nur zur Paarungszeit zu den Rotten.
Aktivität: Wildschweine können tags und nachts unterwegs sein. Wo sie oft gestört oder gejagt werden, sind sie fast nur nachts aktiv. Den Tag verbringen sie dann im Dickicht und brechen erst in der Dämmerung zur Futtersuche auf. Dabei legen sie bis zu 20 km zurück. Zum Ausruhen legen sie sich dicht aneinander in Mulden, die mit Laub und Zweigen gepolstert sind.
Suhlen: Wildschweine wälzen sich gern im Schlamm. Das kühlt und dient der Hautpflege. Danach reiben sie sich an Bäumen und Büschen und hinterlassen so auch eine Duftmarke.
Laute: Wildschweine haben viele verschiedene Laute. Bei Beunruhigung warnen sie mit lautem Schnaufen oder „Blasen“. Bei Angst oder Schmerzen kreischen sie laut. Wütende Keiler schlagen ihre Eckzähne hörbar aufeinander.
Gute Schwimmer: Wildschweine schwimmen ausgezeichnet. Sie wurden schon beim Schwimmen zwischen Inseln beobachtet, die bis zu 7 km voneinander entfernt lagen.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Die Paarungszeit heißt Rauschzeit. In Mitteleuropa liegt sie vor allem zwischen November und Januar. Bei gutem Nahrungsangebot können Bachen aber fast das ganze Jahr paarungsbereit sein. In einer intakten Rotte bestimmt die Leitbache, wann alle Bachen gleichzeitig paarungsbereit werden. Fehlen alte Bachen, pflanzen sich manchmal schon sehr junge Tiere fort.
- Tragzeit: Etwa 4 Monate, genauer 112 bis 130 Tage.
- Der Kessel: Kurz vor der Geburt verlässt die Bache die Rotte. Sie baut sich aus Zweigen und Gras ein Nest im Gestrüpp, den Wurfkessel.
- Geburt: In Mitteleuropa kommen die meisten Frischlinge im späten Winter und im Frühjahr zur Welt. Meist sind es 5 bis 9 Junge, es können aber auch weniger oder mehr sein. Jedes wiegt 750 bis 1.000 g.
- Die ersten Tage: Mutter und Junge bleiben 4 bis 6 Tage im oder am Nest. Dann kehren sie zur Rotte zurück. Dort trinken die Frischlinge manchmal auch bei anderen Bachen.
- Säugezeit: Die Frischlinge werden etwa 3 bis 4 Monate gesäugt. Nach rund zwei Wochen probieren sie schon Würmer und Larven.
- Streifen: Frischlinge haben ein braunes Fell mit hellgelben Längsstreifen, das sie im Unterholz tarnt. Nach etwa vier Monaten verblasst das Muster, mit einem Jahr haben die Jungen die Farbe der Erwachsenen.
Viele Frischlinge sterben in den ersten Wochen, vor allem bei nasskaltem Wetter und durch Krankheiten. Weil Wildschweine viele Junge bekommen, können sie solche Verluste aber gut ausgleichen.
Lebenserwartung: In freier Wildbahn werden Wildschweine selten älter als 7 bis 8 Jahre. Einzelne Tiere können über 20 Jahre alt werden.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Zu den Feinden des Wildschweins gehören Wölfe, Luchse, Rothunde, Tiger und Leoparden. Auch große Reptilien wie Krokodile und Pythons erbeuten Wildschweine. Viele Wildschweine sterben außerdem im Straßenverkehr.
Gefährdung: Auf der Roten Liste der IUCN gilt das Wildschwein als nicht gefährdet (IUCN, 2019). Es ist weit verbreitet und vielerorts sehr häufig. Eine Ausnahme sind einige Inselformen, zum Beispiel die kleine Unterart der Ryukyu-Inseln in Japan, die als bedroht gilt.
Afrikanische Schweinepest (ASP): Diese Viruskrankheit befällt nur Haus- und Wildschweine. Sehr viele erkrankte Tiere sterben daran. Für Menschen ist sie ungefährlich, weil sie nicht auf Menschen übertragen wird. Die ASP wurde 2007 nach Georgien eingeschleppt und breitete sich von dort aus. 2014 erreichte sie das Baltikum und Polen. In Deutschland wurde sie am 10. September 2020 zum ersten Mal nachgewiesen, bei einem Wildschwein im Landkreis Spree-Neiße in Brandenburg. Das Virus verbreitet sich über kranke Tiere und Kadaver, in denen es monatelang ansteckend bleiben kann, aber auch über verunreinigte Lebensmittel, Fahrzeuge und Ausrüstung. Einen zuverlässigen Impfstoff gibt es bisher nicht. Mit solchen Maßnahmen haben Tschechien und Belgien die Seuche bei ihren Wildschweinen schon einmal wieder ausgerottet. Sie kann aber jederzeit neu eingeschleppt werden.
Wildschweine und Menschen
Wildschweine können große Schäden in der Landwirtschaft anrichten. Eine Rotte kann in einer Nacht ein ganzes Maisfeld verwüsten. In Gärten und Parks wühlen sie Rasen und Beete um.
Füttern verboten: Wer Wildschweine füttert oder Gartenabfälle im Wald ablädt, lockt sie dauerhaft in Wohngebiete. Die Tiere verlieren dann ihre Scheu. In Berlin ist das Füttern von Wildtieren deshalb verboten und kann mit bis zu 5.000 Euro bestraft werden.
Begegnung mit einem Wildschwein: Wildschweine greifen Menschen nur selten an. Gefährlich kann es werden, wenn sie sich bedroht fühlen oder in die Enge getrieben werden, und vor allem, wenn eine Bache ihre Frischlinge verteidigt. Die Berliner Umweltverwaltung rät:
- Ruhe bewahren, nicht hektisch wegrennen
- Dem Tier immer einen Fluchtweg lassen und es nicht in eine Ecke drängen
- Langsam zurückziehen und Abstand halten
- Eine Bache mit Frischlingen in großem Bogen umgehen
Häufige Fragen zum Wildschwein
Wie schwer wird ein Wildschwein?
In Deutschland wiegen Keiler meist 100 bis 150 kg, Bachen etwa halb bis zwei Drittel so viel. In Osteuropa und im Fernen Osten werden Keiler viel schwerer, einzelne Tiere wiegen über 300 kg.
Wie heißen Männchen, Weibchen und Junge?
Das Männchen heißt Keiler, das Weibchen Bache. Die Jungen werden Frischlinge genannt, im zweiten Lebensjahr heißen sie Überläufer. Eine Gruppe von Wildschweinen ist eine Rotte.
Wie viele Junge bekommt ein Wildschwein?
Meist bringt eine Bache 5 bis 9 Frischlinge zur Welt, manchmal weniger oder mehr. Die Tragzeit dauert etwa 4 Monate. Die Frischlinge werden rund 3 bis 4 Monate lang gesäugt.
Sind Wildschweine gefährlich?
Wildschweine sind scheu und greifen Menschen nur selten an. Gefährlich wird es, wenn man ein Tier in die Enge treibt oder einer Bache mit Frischlingen zu nahe kommt. Dann gilt: ruhig bleiben, langsam zurückgehen und dem Tier einen Fluchtweg lassen.
Warum haben Frischlinge Streifen?
Die hellen Längsstreifen tarnen die Frischlinge im Unterholz vor Feinden. Nach etwa vier Monaten verblassen sie, und mit etwa einem Jahr sind die Jungen so gefärbt wie die Erwachsenen.
Ist die Afrikanische Schweinepest für Menschen gefährlich?
Nein. Die Afrikanische Schweinepest befällt nur Haus- und Wildschweine und ist nicht auf den Menschen übertragbar. Für die Schweine selbst ist sie aber sehr gefährlich, viele erkrankte Tiere sterben.
Ähnliche Tiere
- Hausschwein - der zahme Nachfahre des Wildschweins
- Warzenschwein - ein Wildschwein aus Afrika mit Gesichtswarzen
- Halsbandpekari - sieht ähnlich aus, gehört aber zu einer eigenen Familie in Amerika
- Hirsch - ebenfalls ein Paarhufer aus unseren Wäldern
- Dachs - ein weiterer Waldbewohner, der den Boden nach Würmern durchwühlt
Quellen
- Sus scrofa. In: Handbook of the Mammals of the World, Vol. 2 (2011) - Plazi TreatmentBank
- Wildschwein (Sus scrofa) - Deutscher Jagdverband
- Das Wildschwein - Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt Berlin
- Afrikanische Schweinepest - Friedrich-Loeffler-Institut
- Sauter-Louis, C. et al. (2021): African Swine Fever in Wild Boar in Europe - A Review. Viruses 13(9), 1717
- Keuling, O. & Leus, K. (2019): Sus scrofa. The IUCN Red List of Threatened Species
Größenvergleich
Ein Wildschwein erreicht eine Körpergröße von 90 cm bis 2 m. Damit passt es bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und einen Elefanten (3,5 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Das Wildschwein ist etwa 7-mal so groß wie ein Fußball.
Gewichtsvergleich
Ein Wildschwein bringt 44 bis 320 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Kind (25 kg), aber leichter als ein Auto (1,5 t). Anders ausgedrückt: Das Wildschwein wiegt so viel wie etwa 7 Kinder.