Wisent
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Kurz erklärt
Der Wisent ist ein Wildrind und das größte Landsäugetier Europas. Bullen werden bis zu 1,88 Meter hoch und können 800 Kilogramm und mehr wiegen. In den 1920er-Jahren war der Wisent in der Wildnis ausgerottet und überlebte nur in Zoos und Gehegen. Dank Zucht und Auswilderung leben heute wieder über 11.000 Wisente, die meisten davon in Freiheit.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Bison bonasus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Körperlänge bis 2,70 m (Kühe) bzw. 3 m (Bullen); Schulterhöhe bis 1,66 m (Kühe) bzw. 1,88 m (Bullen) |
| Körpergewicht | Erwachsene Tiere je nach Geschlecht und Alter etwa 350 bis 800 kg; für große Bullen werden auch 800 bis 1.000 kg angegeben |
| Ernährung | Pflanzenfresser und Wiederkäuer: rund 90 Prozent Gräser, Seggen und Kräuter, dazu Triebe, Blätter und Rinde von Bäumen und Sträuchern |
| Lebenserwartung | Frei lebend: Kühe bis etwa 24 Jahre, Bullen selten älter als 14 bis 16 Jahre; im Gehege Kühe bis 28 Jahre |
| Sozialverhalten | Gemischte Herden aus Kühen, Jungtieren und Kälbern, meist 8 bis 13 Tiere; ältere Bullen leben oft allein und kommen zur Brunft zur Herde |
| Herkunft | Europa |
| Verbreitung | Wieder angesiedelt in Mittel- und Osteuropa (vor allem Polen, Belarus, Russland, Litauen, Ukraine, Rumänien, Slowakei) und im Kaukasus; ursprünglich fast ganz Europa AsienEuropa |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | NT Potenziell gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2020) |
| Sonstiges | Bestand Ende 2023: 11.180 Wisente weltweit, davon 8.812 in frei lebenden Herden (Europäisches Wisent-Zuchtbuch). Streng geschützt nach der FFH-Richtlinie der EU (Anhänge II und IV). |
Europas größtes Landtier
Der Wisent (Bison bonasus) ist ein Wildrind und das größte und schwerste Landsäugetier Europas. Er wird auch Europäischer Bison genannt. Sein naher Verwandter ist der Bison Nordamerikas. Der Wisent ist etwas kleiner, hat aber längere Haare an Stirn und Hals, und sein Fell wirkt weniger zottelig. Manche Fachleute stellen Wisent und Bison in die Gattung Bos, zu der auch das Hausrind gehört. Deshalb liest man manchmal auch den Namen Bos bonasus.
Seit der Ausrottung des Auerochsen (Ur) ist der Wisent das letzte wild lebende Rind Europas. Seine Geschichte ist eine der bekanntesten Rettungsgeschichten im Artenschutz: In den 1920er-Jahren war er in der Wildnis ausgerottet, heute leben wieder Tausende Wisente frei.
Aussehen und Körperbau
Größe: Wisent-Bullen werden bis zu 3 m lang und an der Schulter bis zu 1,88 m hoch. Kühe bleiben mit bis zu 2,70 m Länge und 1,66 m Schulterhöhe kleiner.
Gewicht: Erwachsene Wisente wiegen je nach Geschlecht und Alter etwa 350 bis 800 kg. Kühe sind deutlich leichter als Bullen. Für große Bullen werden in der Fachliteratur auch 800 bis 1.000 kg genannt.
Der Buckel: Typisch ist der hohe Buckel über den Schultern. Er besteht aus langen Dornfortsätzen der Brustwirbel, die von kräftigen Muskeln umgeben sind. Bei Bullen ist er stärker ausgeprägt als bei Kühen. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern wird etwa ab dem dritten Lebensjahr deutlich, ausgewachsen sind Wisente mit etwa fünf Jahren.
Fell: Das Fell ist goldbraun bis dunkelbraun. An der Stirn und unter dem Hals wachsen deutlich längere Haare als am übrigen Körper, eine Art Mähne.
Verbreitung und Lebensraum
Früher: Nach der letzten Eiszeit lebten Wisente in weiten Teilen Europas und Westasiens, von Frankreich bis zum Ural und zum Kaukasus und nach Norden bis Südschweden. Bis ins Hochmittelalter kamen sie noch in Mittel- und Osteuropa vor. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es nur noch zwei Restbestände: im Białowieża-Urwald im Osten Polens und im Kaukasus. Dort waren sie der Flachland-Wisent und der Kaukasus-Wisent.
Heute: Wisente leben wieder in vielen frei lebenden Herden, vor allem in Polen, Belarus, Russland, Litauen, der Ukraine, Rumänien und der Slowakei sowie im Kaukasus. Die bekannteste Herde lebt im Białowieża-Urwald: Ende 2023 zählte man allein im polnischen Teil 892 Wisente.
Lebensraum: Wisente mögen abwechslungsreiche Landschaften aus Wald und offenen Flächen. Am besten eignen sich Laub- und Mischwälder mit Lichtungen, Wiesen, Kahlschlägen und jungen Anpflanzungen. In Białowieża verbringen inzwischen mehr als 60 Prozent der Wisente den Winter außerhalb des Waldes auf den umliegenden Feldern und Wiesen.
Ernährung
Wisente sind Pflanzenfresser und wie alle Rinder Wiederkäuer. Sie würgen das Futter nach dem Fressen wieder hoch und kauen es ein zweites Mal.
Was fressen Wisente? Etwa 90 Prozent ihrer Nahrung sind Gräser, Seggen und Kräuter. Den Rest liefern Bäume und Sträucher: junge Triebe, Blätter und Rinde. Im Sommer ist der Anteil von Baumnahrung etwas höher als im Herbst. Moose, Schachtelhalme und Pilze spielen kaum eine Rolle.
Winterfütterung: In Wintern mit geschlossener Schneedecke bekommen Wisente in vielen Gebieten Heu. Trotzdem knabbern sie weiter an Zweigen und Rinde. Die Zufütterung soll auch verhindern, dass die Tiere zu viele Schäden im Wald oder auf Feldern anrichten.
Tagesablauf: Im Sommer verbringen Wisente etwa 60 Prozent ihrer aktiven Zeit mit Fressen, 30 Prozent mit Ruhen und Wiederkäuen und den Rest mit Umherziehen.
Verhalten und Lebensweise
Die Herde: Wisente leben in gemischten Herden aus Kühen, zwei- bis dreijährigen Jungtieren und Kälbern. Meist bestehen sie aus 8 bis 13 Tieren, auf offenen Flächen schließen sich manchmal mehr zusammen. Die Herden sind keine festen Familien: Ihre Zusammensetzung ändert sich mit den Jahreszeiten.
Die Bullen: Ältere Bullen leben meist allein, jüngere bilden kleine Gruppen von durchschnittlich zwei Tieren. Nur zur Paarungszeit stoßen die Bullen zu den Herden der Kühe.
Gärtner des Waldes: Wisente verändern ihren Lebensraum. Durch ihr Fressen schaffen sie offene Stellen im Wald und beeinflussen, welche Bäume nachwachsen. Außerdem verbreiten sie die Samen von rund 178 Pflanzenarten, zum Beispiel in ihrem Fell. Davon profitieren viele andere Tiere und Pflanzen. Deshalb gelten Wisente als Schlüsselart.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Brunft: Die Paarungszeit frei lebender Wisente dauert von Juli bis Oktober. Dann schließen sich die fortpflanzungsfähigen Bullen den Herden an. Treffen zwei starke Bullen aufeinander, kann es zum Kampf kommen. Der stärkere Bulle bleibt dann dicht bei einer paarungsbereiten Kuh, bis es zur Paarung kommt.
Tragzeit und Geburt: Die Tragzeit dauert 254 bis 277 Tage, im Mittel 264 Tage. Die Kälber kommen meist zwischen Mai und Juli zur Welt. Fast immer bringt eine Kuh ein einziges Kalb zur Welt. Zur Geburt verlässt sie die Herde und kehrt nach einigen Tagen mit dem Jungen zurück. Eine Kuh bekommt meist etwa alle zwei Jahre ein Kalb.
Die ersten Tage: Schon 22 bis 45 Minuten nach der Geburt steht das Kalb auf, meist trinkt es in der ersten Stunde zum ersten Mal Milch. In den ersten Tagen liegt es viel, mit etwa einem Monat folgt es der Mutter sicher durch die Herde.
Erwachsen werden: Kühe werden meist im dritten Lebensjahr geschlechtsreif und bekommen im vierten ihr erstes Kalb. Junge Bullen sind früher zeugungsfähig, kommen aber gegen ältere Bullen meist erst ab etwa sechs Jahren zum Zug. Die fruchtbarste Zeit eines Bullen liegt etwa zwischen dem 6. und 12. Lebensjahr.
Lebensdauer: Die älteste bekannte Kuh aus einer frei lebenden Herde wurde 24 Jahre alt. Frei lebende Bullen werden selten älter als 14 bis 16 Jahre. Im Gehege erreichten Kühe bis 28 Jahre.
Rettung in letzter Minute
Ausgerottet: Jagd und der Verlust ihres Lebensraums ließen die Wisente verschwinden. Im Białowieża-Urwald gab es ab etwa 1919 keine Wisente mehr, 1927 war der Wisent auch im Kaukasus und damit in freier Wildbahn endgültig ausgerottet. Nur wenige Tiere überlebten in Zoos und privaten Gehegen.
Das Zuchtbuch: 1923 wurde in Deutschland die Internationale Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents gegründet. 1931 erfasste ihr Mitglied Goerd von der Groeben alle reinblütigen Wisente, die noch lebten. Daraus entstand das Europäische Wisent-Zuchtbuch. Es war ein Vorreiter und wurde zum Vorbild für viele spätere Zuchtprogramme bedrohter Arten. Seit 1991 wird es vom Białowieża-Nationalpark in Polen geführt. Man unterscheidet zwei Zuchtlinien: die reine Flachlandlinie und die Flachland-Kaukasus-Linie mit Erbgut eines Kaukasus-Wisents.
Zurück in die Freiheit: 1929 kamen die ersten Zoo-Wisente zurück nach Białowieża, zunächst in ein Gehege. 1952 wurden dort die ersten Tiere freigelassen. Viele weitere Auswilderungen in Osteuropa folgten.
Der Erfolg: Ende 2023 lebten laut Wisent-Zuchtbuch 11.180 Wisente auf der Welt. 8.812 davon lebten in frei lebenden Herden, 658 in halbwilden Herden und 1.710 in Gehegen und Zoos. In Polen allein waren es 2.820 Tiere.
Wisente in Deutschland
Das Projekt im Rothaargebirge: 2013 ließ ein Trägerverein im Kreis Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen acht Wisente frei. Es war die erste Auswilderung von Wisenten in Deutschland. Die Herde wuchs auf rund 40 Tiere, fast alle in Freiheit geboren. 2019 meldete das Land NRW die Herde an die EU, die sie seitdem als frei lebend und damit streng geschützt führt.
Der Streit: Die Wisente zogen bis in den benachbarten Hochsauerlandkreis. Waldbesitzer beklagten Schäden durch die Tiere, es folgte ein jahrelanger Rechtsstreit. Der Trägerverein konnte das Projekt schließlich nicht mehr fortführen und ging in die Insolvenz. Die Wisente leben seitdem in einem provisorischen Gehege bei Bad Berleburg.
Wie geht es weiter? Im Januar 2026 brachten der WWF Deutschland und der Tierpark Berlin sechs Wisente aus dem Rothaargebirge in den Shahdag-Nationalpark in Aserbaidschan, wo eine Wisent-Population im Kaukasus aufgebaut wird. Bis 2027 sollen weitere Tiere folgen. Für die übrigen Wisente in Bad Berleburg suchen Land, Kreis und Bezirksregierung noch nach einer Lösung. Eine frei lebende Wisentherde gibt es in Deutschland derzeit also nicht, wohl aber Wisente in vielen Wildparks und Zoos.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Ein erwachsener Wisent hat kaum Feinde. Der Wolf kann aber Kälber und junge Tiere erbeuten. Forschende in Białowieża vermuten, dass die wachsende Zahl der Wölfe dort ein Grund dafür ist, dass es in manchen Herden weniger Jungtiere gibt.
Gefährdungsstatus: Die IUCN stuft den Wisent heute als potenziell gefährdet (Near Threatened) ein (Plumb, Kowalczyk & Hernandez-Blanco, 2020). In der EU ist er als prioritäre Art nach der FFH-Richtlinie streng geschützt.
Probleme heute:
- Geringe genetische Vielfalt: Alle heutigen Wisente stammen von sehr wenigen Tieren ab, die in Zoos überlebt haben.
- Getrennte Herden: Rund drei Viertel der frei lebenden Herden sind durch große Entfernungen oder Hindernisse von ihren Nachbarn getrennt. Die meisten Herden sind klein.
- Konflikte mit Menschen: Wisente fressen auf Feldern und schälen Rinde. Wächst eine Herde zu stark, sinkt die Akzeptanz in der Bevölkerung.
- Krankheiten und Parasiten: Wo sich viele Wisente im Winter an Futterstellen drängen, befallen sie mehr Parasiten.
Häufige Fragen zum Wisent
Was ist der Unterschied zwischen Wisent und Bison?
Beide sind nahe verwandte Wildrinder. Der Wisent lebt in Europa und im Kaukasus, der Bison in Nordamerika. Der Wisent ist etwas kleiner, hat längere Haare an Stirn und Hals, und sein Fell ist weniger zottelig als das des Bisons.
Wie groß und schwer wird ein Wisent?
Bullen werden bis 3 m lang und bis 1,88 m hoch, Kühe bis 2,70 m lang und 1,66 m hoch. Erwachsene Tiere wiegen etwa 350 bis 800 kg, große Bullen nach manchen Angaben bis 1.000 kg.
Was frisst ein Wisent?
Vor allem Gräser, Seggen und Kräuter, sie machen rund 90 Prozent der Nahrung aus. Dazu kommen Triebe, Blätter und Rinde. Im Winter bekommen Wisente in vielen Gebieten zusätzlich Heu.
Gibt es wilde Wisente in Deutschland?
Derzeit nicht. Die 2013 im Rothaargebirge ausgewilderte Herde lebt inzwischen in einem Gehege bei Bad Berleburg, sechs Tiere wurden 2026 nach Aserbaidschan gebracht. Wisente kann man in Deutschland aber in vielen Wildparks und Zoos sehen.
Wie viele Wisente gibt es noch?
Ende 2023 lebten laut Europäischem Wisent-Zuchtbuch 11.180 Wisente, davon 8.812 in frei lebenden Herden. In den 1920er-Jahren war die Art in der Wildnis ausgerottet.
Wo kann man wilde Wisente sehen?
Der bekannteste Ort ist der Białowieża-Urwald an der Grenze zwischen Polen und Belarus. Dort lebt die größte frei lebende Herde, Ende 2023 waren es im polnischen Teil 892 Tiere. Rund 140.000 Besucher kommen laut Animal Diversity Web jedes Jahr, um die Wisente zu sehen.
Ähnliche Tiere
- Bison - der nahe Verwandte aus Nordamerika
- Auerochse - das ausgestorbene Wildrind Europas
- Yak - ein Wildrind aus dem Hochland Asiens
- Wasserbüffel - ein weiteres großes Rind
- Elch - teilt sich mit dem Wisent Wälder in Osteuropa
- Wolf - kann Kälber und junge Wisente erbeuten
Quellen
- Plumb, G., Kowalczyk, R. & Hernandez-Blanco, J.A. (2020): Bison bonasus. The IUCN Red List of Threatened Species
- Księga Rodowodowa Żubrów (European Bison Pedigree Book) - Białowieski Park Narodowy
- Bison bonasus (European bison) - Animal Diversity Web, University of Michigan
- Olech, W. et al. (2024): How large the European bison population in Białowieska Forest should be in future? European Bison Conservation Newsletter 15: 15-24
- Eine Lösung für das Projekt „Wisente am Rothaarsteig“, Pressemitteilung vom 29. Januar 2026 - Kreis Siegen-Wittgenstein
- Steckbrief Wisent - BUND NRW
Größenvergleich
Ein Wisent erreicht eine Körpergröße von 2,7 bis 3 m. Damit passt er bequem zwischen einen Erwachsenen (1,8 m) und einen Elefanten (3,5 m) auf unserer Vergleichsskala.
Gewichtsvergleich
Ein Wisent bringt 350 kg bis 1 t auf die Waage. Das ist schwerer als ein Erwachsener (75 kg), aber leichter als ein Auto (1,5 t). Anders ausgedrückt: Der Wisent wiegt so viel wie etwa 9 Erwachsene.