Yeti-Krabbe
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Kurz erklärt
Die Yeti-Krabbe ist ein weißer, stark behaarter Krebs aus der Tiefsee. Sie lebt in rund 2.200 Metern Tiefe an heißen Quellen im Südpazifik und wurde erst 2005 entdeckt. Mit ausgestreckten Scheren ist sie etwa 15 cm groß. Auf ihren Borsten wachsen Bakterien, von denen sie sich vermutlich ernährt.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Kiwa hirsuta |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 15 cm |
| Körpergewicht | Keine verlässlichen Angaben |
| Ernährung | Vermutlich vor allem Bakterien, die auf den eigenen Borsten wachsen, dazu tierische Nahrung wie Muschelfleisch |
| Lebenserwartung | Unbekannt |
| Sozialverhalten | Kaum erforscht, etwa ein bis zwei Tiere pro 10 Quadratmeter beobachtet |
| Herkunft | Südpazifik |
| Verbreitung | Heiße Quellen am Pazifisch-Antarktischen Rücken, rund 1.200 km südlich der Osterinsel, in etwa 2.200 m Tiefe Meer |
| Entdeckung | Entdeckt im März 2005, im selben Jahr beschrieben von Enrique Macpherson, William Jones und Michel Segonzac |
| Gefährdung | NE Nicht bewertet |
| Sonstiges | Die Körpergröße ist die Länge mit ausgestreckten Scheren. Der Panzer des ersten beschriebenen Tieres war rund 5 cm lang. |
Was ist die Yeti-Krabbe?
Die Yeti-Krabbe (Kiwa hirsuta) ist ein Krebs aus der Tiefsee. Ihren Spitznamen verdankt sie dem Yeti, dem sagenhaften zotteligen Schneemenschen aus dem Himalaya. Wie er ist sie hell gefärbt und hat ein „Fell“. Das sind in Wirklichkeit dichte Borsten an Beinen und Scheren.
Trotz ihres Namens ist die Yeti-Krabbe keine echte Krabbe. Sie gehört zu den Mittelkrebsen und ist mit den Einsiedlerkrebsen näher verwandt als mit Hummern. Auf Englisch wird sie auch „yeti lobster“ oder „furry lobster“ genannt, also „Yeti-Hummer“ oder „pelziger Hummer“. Auch das ist irreführend, denn ein Hummer ist sie ebenfalls nicht.
Als Forscher das Tier genauer untersuchten, stellten sie fest: Die Yeti-Krabbe passt in keine bekannte Familie. Deshalb stellten sie für sie eine ganz neue Familie auf, die Kiwaidae. Nach Angaben der Woods Hole Oceanographic Institution war es erst die zweite neue Familie von Tiefseekrabben seit Mitte des 19. Jahrhunderts.
Aussehen und Körperbau
Größe: Mit ausgestreckten Scheren misst die Yeti-Krabbe ungefähr 15 cm. Der Panzer des ersten gefangenen Tieres war nur etwa 5 cm lang. Er ist etwa ein Drittel länger als breit. Die Scheren sind mehr als doppelt so lang wie der Panzer. Zum Gewicht gibt es keine verlässlichen Angaben.
Farbe: Das Tier ist fast vollständig weiß. Nur die Dornen an den Scheren sind gelblich.
Borsten: Die Beine, die Scheren und die Unterseite des Körpers sind dicht mit Borsten besetzt. Die meisten davon sind biegsam, federartig und etwa 1,5 cm lang. Sie sind gelblich weiß und fühlen sich an wie die Borsten einer Zahnbürste. Auf ihnen wachsen dichte Büschel fadenförmiger Bakterien. Daneben gibt es etwas kürzere, harte Borsten mit kleinen Widerhaken.
Augen: Die Augen sind stark zurückgebildet und haben keinen Farbstoff mehr. Die Yeti-Krabbe ist deshalb vermutlich blind. In der völlig dunklen Tiefsee braucht sie ihre Augen kaum. Sie orientiert sich mit ihren Fühlern und anderen Sinnen.
Beine: Wie alle Zehnfußkrebse hat die Yeti-Krabbe fünf Beinpaare. Das vorderste Paar trägt die großen Scheren. Der Ansatz des letzten Beinpaars liegt versteckt unter dem Bauchschild.
Verbreitung und Lebensraum
Die Yeti-Krabbe lebt im Südpazifik, am Pazifisch-Antarktischen Rücken. Das ist ein Gebirge am Meeresboden. Der Fundort liegt rund 1.200 km südlich der Osterinsel in etwa 2.200 Metern Tiefe.
Dort gibt es Hydrothermalquellen. Das sind Spalten und Schlote im Meeresboden, aus denen heißes, mineralreiches Wasser strömt. Manche Schlote sehen aus wie qualmende Schornsteine und heißen deshalb „Schwarze Raucher“. Die Yeti-Krabben leben in der Nähe dieser Quellen, auf frischer Lava oder an Stellen, an denen warmes Wasser aus dem Boden sickert.
Bisher kennt man die Art nur von drei Quellfeldern, die nah beieinander liegen. Sie tragen die Namen Sebastian's Steamer, Pâle Étoile und Annie's Anthill und liegen zwischen 2.204 und 2.228 Metern tief. Wahrscheinlich gibt es weitere Vorkommen, aber große Teile der Tiefsee sind noch nicht erforscht.
Nahe den Quellen leben pro 10 Quadratmeter etwa ein bis zwei Yeti-Krabben. Ihre Nachbarn sind unter anderem Tiefseemuscheln, andere Krebse, Krabben und Meeresschnecken.
Ernährung
Wie genau sich die Yeti-Krabbe ernährt, ist noch nicht vollständig geklärt. Forscher haben mehrere Ideen:
- Bakterien als Nahrung: Die Bakterien auf den Borsten könnten der Krabbe als Futter dienen. Die Krabbe würde sie also auf ihrem eigenen Körper „anbauen“. Auf Videoaufnahmen sieht man, wie Yeti-Krabben ihre behaarten Scheren über das heiße, mineralreiche Wasser der Quellen halten.
- Entgiftung: Das Quellwasser enthält giftige Stoffe, zum Beispiel Schwefelverbindungen. Möglicherweise machen die Bakterien diese Stoffe für die Krabbe unschädlich.
- Tierische Nahrung: Bei der Entdeckung beobachteten Forscher, wie Yeti-Krabben das Fleisch von Muscheln fraßen, die beim Einsammeln beschädigt worden waren. Die Tiere fressen also vermutlich auch Fleisch.
Leben ohne Sonnenlicht
Die Bakterien auf den Borsten sind etwas Besonderes. Pflanzen brauchen Sonnenlicht, um Nahrung herzustellen. In 2.200 Metern Tiefe gibt es aber kein Sonnenlicht. Diese Bakterien gewinnen ihre Energie stattdessen aus chemischen Stoffen im Quellwasser, etwa aus Schwefelverbindungen. Damit bauen sie aus Kohlenstoff neue Nährstoffe auf. Diesen Vorgang nennt man Chemosynthese. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Bakterien auf der Yeti-Krabbe die dafür nötigen Werkzeuge in Form von Enzymen besitzen.
Bei einer verwandten Art, der 2011 beschriebenen Kiwa puravida von der Küste Costa Ricas, konnten Forscher nachweisen: Die Bakterien auf ihren Scheren sind ihre wichtigste Nahrung. Die Krebse schwenken ihre Scheren rhythmisch hin und her, als würden sie tanzen. So kommen die Bakterien vermutlich besser an die Stoffe im Wasser heran und wachsen schneller. Mit besonderen Borsten an den Mundwerkzeugen streifen die Krebse die Bakterien dann ab und fressen sie. Ob die Yeti-Krabbe das genauso macht, ist noch nicht bewiesen.
Verhalten und Fortpflanzung
Über das Verhalten der Yeti-Krabbe weiß man bisher nur sehr wenig. Die Tiere leben in großer Tiefe und lassen sich nur mit Tauchbooten oder Tauchrobotern beobachten.
Auch zur Fortpflanzung gibt es kaum Beobachtungen. Die Yeti-Krabbe gehört zu einer Gruppe von Zehnfußkrebsen, deren Weibchen ihre Eier bis zum Schlüpfen unter dem Hinterleib mit sich tragen. Wie viele Eier sie legt und wie lange die Entwicklung dauert, ist nicht bekannt.
Mehr weiß man von der verwandten Art Kiwa tyleri aus dem Südpolarmeer. Dort ziehen sich die Weibchen, sobald sie Eier tragen, von den heißen Quellen in kühleres Wasser zurück. So schützen sie ihre Eier vor den schwankenden Temperaturen und den giftigen Stoffen an den Quellen. Sie legen nur wenige, aber große Eier mit viel Dotter. Die geschlüpften Larven müssen später selbst eine aktive Quelle finden, um dort zu überleben.
Entdeckung
Die Yeti-Krabbe wurde im März 2005 bei einer Expedition des Monterey Bay Aquarium Research Institute (MBARI) entdeckt. Die Biologin Cindy Van Dover und der französische Meeresbiologe Michel Segonzac tauchten mit dem Tauchboot „Alvin“ zum Meeresboden. Dort fielen ihnen große, weiße Krebse mit langen, haarigen Armen auf. Am Ende eines sechsstündigen Tauchgangs saugte der Pilot ein Männchen mit einem Saugschlauch in einen Probenbehälter.
Segonzac untersuchte das Tier im Labor. Zusammen mit Enrique Macpherson und William Jones beschrieb er es noch 2005 als neue Art. Öffentlich bekannt gemacht wurde die Entdeckung im März 2006.
Der Gattungsname Kiwa stammt von einer Gottheit der Krebstiere aus der Sagenwelt Polynesiens. Der Artname hirsuta ist Latein und bedeutet „zottig“ oder „haarig“.
Verwandte Arten
Lange war die Yeti-Krabbe die einzige bekannte Art ihrer Familie. Inzwischen wurden weitere Yeti-Krabben entdeckt. Das Weltregister der Meerestiere (WoRMS) führt fünf Arten der Gattung Kiwa:
- Kiwa hirsuta, beschrieben 2005 aus dem Südpazifik
- Kiwa puravida, beschrieben 2011, lebt an Methanquellen vor Costa Rica in etwa 1.000 Metern Tiefe
- Kiwa tyleri, beschrieben 2015, lebt in großen Ansammlungen an heißen Quellen im Südpolarmeer
- Kiwa araonae, beschrieben 2016
- Kiwa gemma, beschrieben 2024
Gefährdung
Die Rote Liste der IUCN hat die Yeti-Krabbe nicht bewertet (Stand: September 2026). Wie viele Tiere es gibt, ist unbekannt. Fachleute diskutieren, wie sich die Lebensräume an Hydrothermalquellen vor möglichem Tiefseebergbau schützen lassen.
Häufige Fragen zur Yeti-Krabbe
Wie groß ist eine Yeti-Krabbe?
Mit ausgestreckten Scheren ist eine Yeti-Krabbe etwa 15 cm groß. Ihr Panzer allein misst nur rund 5 cm. Das meiste der Länge machen also die langen, behaarten Scheren aus.
Wo lebt die Yeti-Krabbe?
Sie lebt im Südpazifik, rund 1.200 km südlich der Osterinsel. Dort sitzt sie in etwa 2.200 Metern Tiefe an heißen Quellen am Meeresboden. Bisher kennt man sie nur von drei nah beieinander liegenden Quellfeldern.
Ist die Yeti-Krabbe eine echte Krabbe?
Nein. Sie gehört zu den Mittelkrebsen und ist näher mit Einsiedlerkrebsen verwandt als mit Hummern. Echte Krabben bilden eine eigene Gruppe. Der Name „Krabbe“ ist nur ein Spitzname.
Warum ist die Yeti-Krabbe behaart?
Die „Haare“ sind Borsten. Auf ihnen wachsen Bakterien, die ihre Energie aus Stoffen im Quellwasser gewinnen. Forscher vermuten, dass die Yeti-Krabbe diese Bakterien frisst. Möglicherweise helfen die Bakterien ihr auch, giftige Stoffe aus dem Wasser unschädlich zu machen.
Kann die Yeti-Krabbe sehen?
Vermutlich nicht. Ihre Augen sind stark zurückgebildet und haben keinen Farbstoff. In der Tiefsee ist es ohnehin stockdunkel. Die Yeti-Krabbe orientiert sich deshalb mit ihren Fühlern und anderen Sinnen.
Wann wurde die Yeti-Krabbe entdeckt?
Forscher entdeckten sie im März 2005 mit dem Tauchboot „Alvin“. Noch im selben Jahr wurde sie wissenschaftlich beschrieben. Öffentlich bekannt wurde der Fund im März 2006.
Ähnliche Tiere
- Einsiedlerkrebs - ebenfalls ein Mittelkrebs
- Königskrabbe - ein weiterer Krebs mit „Krabbe“ im Namen
- Krabbe - Überblick über die echten Krabben
- Hummer - trotz des englischen Namens „yeti lobster“ kein naher Verwandter
- Garnele - ein weiterer Zehnfußkrebs
- Blobfisch - ein anderer bekannter Bewohner der Tiefsee
Quellen
- Macpherson, E., Jones, W. & Segonzac, M. (2005): A new squat lobster family of Galatheoidea (Crustacea, Decapoda, Anomura) from the hydrothermal vents of the Pacific-Antarctic Ridge. Zoosystema 27 (4), 709-723 (Plazi)
- Lurking Benignly on the Seafloor, the 'Yeti' Crab is Discovered - Woods Hole Oceanographic Institution
- Goffredi, S. K. et al. (2008): Epibiotic bacteria associated with the recently discovered Yeti crab, Kiwa hirsuta. Environmental Microbiology 10, 2623-2634
- Thurber, A. R., Jones, W. J. & Schnabel, K. (2011): Dancing for Food in the Deep Sea: Bacterial Farming by a New Species of Yeti Crab. PLoS ONE 6 (11), e26243
- Marsh, L. et al. (2015): In hot and cold water: differential life-history traits are key to success in contrasting thermal deep-sea environments. Journal of Animal Ecology 84, 898-913
- Kiwa hirsuta - World Register of Marine Species (WoRMS)
- Yeti-Krabbe - Wikipedia
Größenvergleich
Eine Yeti-Krabbe erreicht eine Körpergröße von 15 cm. Damit passt sie bequem zwischen eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) und einen Fußball (22 cm) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Die Yeti-Krabbe ist etwa 7-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze.