Zander
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Kurz erklärt
Der Zander ist ein großer Raubfisch aus der Familie der Echten Barsche. Er wird meist 50 cm bis 1 m lang und lebt in trüben Flüssen, nährstoffreichen Seen und im Brackwasser der Ostsee. Mit seinen besonderen Augen sieht er auch in der Dämmerung und in trübem Wasser gut und jagt vor allem kleine Fische. Der Zander ist ein beliebter Speisefisch und Angelfisch.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Sander lucioperca |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Meist um 50 cm, ausgewachsen 70 bis 100 cm; als Höchstlänge werden 100 bis 120 cm angegeben |
| Körpergewicht | Große Zander bis etwa 12 bis 15 kg; höchstes veröffentlichtes Gewicht laut FishBase 20 kg |
| Ernährung | Fischfresser: vor allem kleine Schwarmfische wie Stint, Ukelei, Rotauge und Barsch; Jungtiere fressen zuerst Zooplankton und Insektenlarven |
| Lebenserwartung | Höchstalter bis 17 Jahre (FishBase, Thünen-Institut) |
| Sozialverhalten | Meist in kleinen Gruppen, dämmerungs- und nachtaktiv; Männchen bewachen zur Laichzeit das Nest |
| Herkunft | Mittel- und Osteuropa bis Mittelasien (Kaspisches Meer und Aralsee) |
| Verbreitung | Ursprünglich östlich der Elbe über Schweden, Finnland und Russland bis zum Kaspischen Meer; durch Besatz heute in weiten Teilen Europas und bis nach Nordafrika AsienEuropa |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2024) |
| Sonstiges | Regional auch Schill, Hechtbarsch oder Sander genannt, englisch pike-perch. Die Gattung Sander umfasst fünf Arten, darunter den Walleye aus Nordamerika. |
Was ist ein Zander?
Der Zander (Sander lucioperca) ist ein Raubfisch aus der Familie der Echten Barsche. Er gehört zu den größten heimischen Echten Barschen Mitteleuropas. In manchen Gegenden heißt er auch Schill, Hechtbarsch oder Sander, auf Englisch pike-perch.
Zur Gattung Sander gehören fünf Arten. In Europa leben neben dem Zander noch der Wolgazander und der Meerzander, in Nordamerika der Walleye und der Sauger. Alle Zanderarten kommen nur auf der Nordhalbkugel vor.
Aussehen und Körperbau
Körperform: Der Zander hat einen stromlinienförmigen, lang gestreckten Körper mit einem recht spitzen Kopf. Die Haut ist mit Kammschuppen bedeckt.
Farbe: Rücken und Seiten sind graugrün bis bräunlich, der Bauch ist hell bis weißlich. Über den Körper ziehen sich acht bis zwölf dunkle Querbinden, oft auch wolkige Flecken. Während der Laichzeit verändert sich die Musterung.
Flossen: Typisch für Barsche ist die zweigeteilte Rückenflosse. Der vordere Teil wird von harten, stacheligen Strahlen gestützt, der hintere von weichen Strahlen. Beide Rückenflossen sind gefleckt.
Maul und Zähne: Das Maul ist groß, die Maulspalte reicht bis hinter das Auge. Darin sitzen viele kleine Zähne und vorn zwei lange Hundszähne. Mit ihnen hält der Zander seine Beute fest.
Augen: Auffällig sind die großen, glasig wirkenden Augen. Hinter der Netzhaut liegt eine lichtspiegelnde Schicht, das Tapetum lucidum. Sie macht das Auge in schwachem Licht empfindlicher.
Größe und Gewicht: Ein typischer Zander ist etwa 50 cm lang. Ausgewachsene Tiere erreichen 70 bis 100 cm, als Höchstlänge werden 100 bis 120 cm genannt. Das Gewicht wird meist mit bis zu 12 bis 15 kg angegeben. Das höchste veröffentlichte Gewicht in der Fischdatenbank FishBase liegt bei 20 kg.
Männchen und Weibchen: Außerhalb der Laichzeit lassen sich die Geschlechter von außen nicht sicher unterscheiden. Im Frühjahr erkennt man die Weibchen an ihrem gewölbten, mit Eiern gefüllten Bauch.
Verbreitung und Lebensraum
Heimat: Ursprünglich lebt der Zander in Europa östlich der Elbe. Sein natürliches Gebiet reicht über Schweden, Finnland und Russland bis zum Kaspischen Meer. Auch im Einzugsgebiet von Ostsee, Schwarzem Meer und Aralsee ist er heimisch. In Deutschland bildet die Elbe die westliche Grenze des natürlichen Vorkommens.
Durch Menschen verbreitet: Weil der Zander ein begehrter Speisefisch ist, wurde er in vielen Gewässern ausgesetzt. Heute lebt er auch in Westeuropa und durch Besatz sogar in der Türkei, in Marokko und in Tunesien. Einige Länder berichten, dass sich die eingeführten Zander nachteilig auf die heimische Tierwelt auswirken.
Lieblingsgewässer: Zander mögen trübes Wasser. Sie leben in mittelgroßen und großen Flüssen, in nährstoffreichen Seen, in Haffen und in Küstengewässern mit Brackwasser. Dort vertragen sie einen Salzgehalt bis etwa 11 Promille, wie in den Boddengewässern der Ostsee. Fischereibiologen beschreiben den typischen „Zandersee“ als flach (bis etwa 10 m tief), trüb und mit wenigen Unterwasserpflanzen.
Im Gewässer: Je nach Jahreszeit hält sich der Zander im freien Wasser oder in Bodennähe auf. Meist lebt er in 2 bis 3 m Tiefe, es wurden aber auch Tiere bis in 30 m Tiefe gefunden.
Ernährung
Der Zander ist ein Fischfresser. Erwachsene Tiere jagen vor allem kleine Schwarmfische, die im freien Wasser leben. Dazu gehören Stint, Ukelei, Rotauge und Barsch. Der Stint gilt als Lieblingsbeute.
Vom Plankton zum Fisch: Frisch geschlüpfte Zanderlarven fressen winzige Krebstiere wie Wasserflöhe und Ruderfußkrebse. Später kommen Larven von Zuckmücken und Eintagsfliegen dazu. Schon im ersten Sommer stellen die jungen Zander auf Fische um und wachsen danach schnell.
Kannibalismus: Findet ein Zander keine Beutefische in passender Größe, frisst er auch kleinere Artgenossen. In Fischzuchten ist das ein großes Problem, weil dadurch viele Jungfische verloren gehen.
Verhalten und Lebensweise
Jäger der Dämmerung: Zander sind dämmerungs- und nachtaktiv. Sie leben und jagen meist in kleinen Gruppen. Ihr guter Geruchssinn und ihre lichtempfindlichen Augen helfen ihnen, auch in dunklem und trübem Wasser Beute zu finden.
Vorteil im trüben Wasser: Gerade in nährstoffreichen Gewässern mit geringer Sichttiefe hat der Zander dadurch einen Vorteil gegenüber anderen Raubfischen wie dem Hecht. Dort findet er weniger Nahrungskonkurrenz.
Wanderungen: Zur Laichzeit unternehmen Zander kurze Wanderungen. Tiere, die im Brackwasser fressen, ziehen dafür ins Süßwasser. Es wurden Wanderungen von bis zu 250 km beobachtet. Viele Zander kehren zum Laichen an ihren Heimatplatz zurück.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Laichzeit: In Mitteleuropa laicht der Zander meist im April und Mai, wenn das Wasser 12 bis 15 °C warm wird. Im Süden, etwa in Frankreich und Italien, kann es schon Ende Februar so weit sein, in Skandinavien dauert sie bis Anfang Juli.
Geschlechtsreife: Männchen werden mit 2 bis 3 Jahren und einer Länge von etwa 29 bis 37 cm geschlechtsreif. Weibchen brauchen etwa ein Jahr länger: Sie sind mit 3 bis 6 Jahren und 40 bis 44 cm so weit.
Das Zandernest: Die Fische suchen flache Uferbereiche mit sandigem oder kiesigem Grund in etwa 1 bis 4 m Tiefe. Dort säubern die Männchen eine Stelle von Schlamm und legen eine flache Grube an, das „Zandernest“. Es ist etwa 50 cm breit und 5 bis 10 cm tief. Oft nutzen die Fische auch Wurzeln, Zweige oder Wasserpflanzen als Unterlage.
Eiablage: Zander laichen paarweise, meist in der Morgendämmerung oder nachts. Das Weibchen legt pro Kilogramm Körpergewicht 150.000 bis 200.000 Eier ab. Die Eier sind sehr klein und kleben am Untergrund fest. Das Männchen befruchtet sie.
Der Vater passt auf: Nach dem Laichen schwimmt das Weibchen davon. Das Männchen bleibt am Nest, fächelt den Eiern mit seinen Brustflossen frisches Wasser zu und verteidigt das Gelege gegen Räuber, bis die Jungen schlüpfen.
Schlupf: Wie schnell die Larven schlüpfen, hängt von der Wassertemperatur ab. Bei 10 °C dauert es etwa 10 bis 11 Tage, bei 20 °C nur 5 bis 6 Tage. Die frisch geschlüpften Larven sind nur etwa 5 mm lang.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Das Männchen muss das Gelege gegen Räuber verteidigen, und junge Zander werden auch von älteren Artgenossen gefressen. In Binnenseen sind junge Zander eine typische Winternahrung des Kormorans. Für das Stettiner Haff konnten Forschende zeigen, dass Kormorane den Zanderbestand über sieben Jahre stark verringert hatten.
Gefährdung: Die Rote Liste der IUCN stuft den Zander weltweit als nicht gefährdet (LC) ein (IUCN, 2024).
Rückgang in manchen Gewässern: Zander profitieren von nährstoffreichem, trübem Wasser. Werden Seen und Küstengewässer sauberer und klarer, gehen die Zanderbestände dort oft zurück. In Mecklenburg-Vorpommern sinken deshalb unter anderem die Fänge der Berufsfischer.
Der Zander als Speisefisch und Angelfisch
Beliebter Speisefisch: Der Zander hat zartes Fleisch und ist in Deutschland ein beliebter Speisefisch. Nach Schätzungen des Fisch-Informationszentrums machte er 2023 etwa 1,1 % der hierzulande verzehrten Fische, Krebs- und Weichtiere aus. Verkauft wird er frisch oder tiefgefroren, meist als Filet.
Viel Import: Die heimische Fischerei und Fischzucht können die Nachfrage von etwa 12.000 bis 13.000 Tonnen pro Jahr (Schätzung des Fisch-Informationszentrums von 2020) nicht decken. Der größte Teil kommt als tiefgekühltes Filet aus Ländern wie Finnland, Estland, Russland und vor allem Kasachstan. Zander wird inzwischen auch in Deutschland in Fischzuchten mit geschlossenen Kreislaufanlagen aufgezogen.
Angelfisch: Bei Anglern ist der Zander sehr begehrt. Welche Schonzeit und welches Mindestmaß gelten, ist in Deutschland Sache der Bundesländer. Es gibt 16 unterschiedliche Landesfischereigesetze und Verordnungen, dazu kommen für einige Fischarten Regeln der EU. Wer angeln möchte, braucht außerdem einen Fischereischein und für die meisten Gewässer zusätzlich eine Erlaubnis.
Häufige Fragen zum Zander
Wie groß wird ein Zander?
Die meisten Zander sind etwa 50 cm lang. Ausgewachsene Tiere werden 70 bis 100 cm lang, als Höchstlänge werden 100 bis 120 cm angegeben. Das Gewicht liegt meist bei bis zu 12 bis 15 kg, das höchste veröffentlichte Gewicht beträgt 20 kg.
Was frisst ein Zander?
Zander fressen fast nur Fische, vor allem kleine Schwarmfische wie Stint, Ukelei, Rotauge und Barsch. Junge Zander beginnen mit Zooplankton und Insektenlarven und stellen schon im ersten Sommer auf Fische um. Bei Futtermangel fressen sie auch Artgenossen.
Wann ist die Laichzeit beim Zander?
In Mitteleuropa laichen Zander meist im April und Mai, sobald das Wasser 12 bis 15 °C erreicht. Im Süden Europas beginnt die Laichzeit früher, in Skandinavien später. Das Männchen bewacht danach das Nest, bis die Larven schlüpfen.
Warum sieht der Zander im Dunkeln so gut?
In seinem Auge liegt hinter der Netzhaut eine spiegelnde Schicht, das Tapetum lucidum. Sie reflektiert das Licht und macht das Auge in schwachem Licht empfindlicher. Deshalb kann der Zander in der Dämmerung, nachts und in trübem Wasser jagen.
Was ist der Unterschied zwischen Zander und Hecht?
Beide sind große Raubfische mit langem Körper, gehören aber zu verschiedenen Familien. Der Zander ist ein Barsch mit zweigeteilter Rückenflosse, Kammschuppen und Hundszähnen, der Hecht hat eine einzige Rückenflosse weit hinten und ein entenschnabelförmiges Maul. Der Zander jagt oft in kleinen Gruppen in trübem Wasser, der Hecht lauert allein zwischen Wasserpflanzen.
Ist der Zander gefährdet?
Nein, die IUCN stuft den Zander weltweit als nicht gefährdet ein (2024). In einzelnen Gewässern gehen die Bestände aber zurück, zum Beispiel wenn das Wasser klarer und nährstoffärmer wird oder wenn Kormorane viele Jungfische fressen.
Ähnliche Tiere
- Hecht - ebenfalls ein großer Raubfisch, der aber aus dem Hinterhalt zwischen Pflanzen jagt
- Quappe - ein weiterer Raubfisch in heimischen Flüssen und Seen
- Welsartige - zu ihnen gehört der Wels, ein weiterer großer Raubfisch im Süßwasser
- Karpfen - in Karpfenteichen werden junge Zander oft als Nebenfisch aufgezogen
Quellen
- Segelken-Voigt, A., Stüeken, M. & Rapp, T. (2021): Biologie und Ökologie des Zanders. In: Der Zander - Beiträge zur Produktion in Aquakultur. Mitteilungen der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern, Heft 63 (darin auch: Winkler, H. M.: Zur fischereilichen Situation des Zanders)
- Zander - Fischbestände Online (Thünen-Institut)
- Sander lucioperca, Pike-perch - FishBase
- Freyhof, J. (2024): Sander lucioperca. The IUCN Red List of Threatened Species
- Deutscher Angelfischerverband & Bundesamt für Naturschutz (2016): Fisch des Jahres 2016 - Der Hecht (Esox lucius)
- Bundesweite Regelungen zur Ausübung der Angelfischerei - Deutscher Angelfischerverband (DAFV)
Größenvergleich
Ein Zander erreicht eine Körpergröße von 50 cm bis 1,2 m. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und einen Erwachsenen (1,8 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Zander ist etwa 4-mal so groß wie ein Fußball.
Gewichtsvergleich
Ein Zander bringt 20 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine Hauskatze (4 kg), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Der Zander wiegt so viel wie etwa 5 Hauskatzen.