Zauneidechse

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Männliche Zauneidechse mit leuchtend grünen Flanken und grünem Kopf, braunem Rückenband mit dunklen Flecken und hellen Linien liegt auf einem Stein
böhringer friedrich / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Die Zauneidechse ist eine kräftige, bis 24 Zentimeter lange Eidechse mit kurzen Beinen und großem Kopf. Im Frühling leuchten die Männchen an den Seiten grün, die Weibchen bleiben braun. Sie lebt an sonnigen Böschungen, Waldrändern, Bahndämmen und in Gärten und frisst vor allem Insekten. In Deutschland ist sie streng geschützt.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameLacerta agilis
Abstammung
  • Klasse: Reptilien
  • Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
  • Familie: Echte Eidechsen (Lacertidae)
  • Gattung: Lacerta
  • Art: Zauneidechse
KörpergrößeGesamtlänge großer Tiere meist 18 bis 20 cm, selten über 22 cm, Rekord in Deutschland 24 cm; Kopf-Rumpf-Länge in Deutschland bis etwa 9,5 cm; der Schwanz ist etwa 1,5-mal so lang wie Kopf und Rumpf
KörpergewichtErwachsene Tiere meist etwa 7 bis 15 g; das längste in Deutschland vermessene Tier wog 18,6 g
ErnährungInsektenfresser: vor allem Heuschrecken, Käfer, Schmetterlinge und Hautflügler, dazu Spinnen, Asseln, Tausendfüßer, Schnecken und Regenwürmer
LebenserwartungIm Freiland meist 4 bis 7 Jahre; das Höchstalter in der Natur wird auf etwa 12 bis 14 Jahre geschätzt
SozialverhaltenSehr ortstreu; feste Paare bilden sich meist nicht, zur Paarungszeit verteidigen Männchen ihr Revier
HerkunftEuropa und Asien
Verbreitung Von Südengland und Frankreich über Mittel- und Osteuropa bis zum Baikalsee; fehlt in Irland und im größten Teil Italiens und der Iberischen Halbinsel; in Deutschland in allen Bundesländern AsienEuropa
EntdeckungErstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2021)
SonstigesStreng geschützt als Art des Anhangs IV der FFH-Richtlinie. Rote Liste Deutschland (2020): Vorwarnliste.

Was ist eine Zauneidechse?

Die Zauneidechse (Lacerta agilis) gehört zur Familie der Echten Eidechsen. In Deutschland gilt sie noch als häufig, in Sachsen ist sie die größte Eidechsenart. Im Vergleich zu den schlankeren Wald- und Mauereidechsen wirkt sie kräftig und etwas plump.

Woher kommt der Name? Vermutlich heißt sie so, weil sie bei Gefahr gern in heckenartige Umzäunungen flüchtet. Der wissenschaftliche Name kommt aus dem Lateinischen: Lacerta heißt „Eidechse“, agilis bedeutet „flink“ oder „beweglich“.

Aussehen und Körperbau

Größe: Große Zauneidechsen erreichen 18 bis 20 cm Gesamtlänge, mehr als 22 cm sind selten. Das längste in Deutschland vermessene Tier war 24 cm lang und 18,6 g schwer. Ohne Schwanz, also von der Schnauze bis zum Körperende, misst eine Zauneidechse in Deutschland bis etwa 9,5 cm. Der dicke Schwanz ist etwa anderthalbmal so lang wie Kopf und Rumpf und läuft nicht in einer langen, dünnen Spitze aus. Zauneidechsen wachsen ihr Leben lang weiter.

Gewicht: In einer Leipziger Population wogen Männchen 7,2 bis 13,1 g und Weibchen 7,5 bis 15,1 g, im Mittel also etwa 11 g.

Körperbau: Typisch sind der gedrungene Körper, die kurzen, kräftigen Beine und der große, hohe Kopf mit kurzer, stumpfer Schnauze. Am Hals sitzt ein Halsband aus 7 bis 12 großen Schuppen mit gezacktem Hinterrand. Die Augen haben eine rote bis goldgelbe Iris.

Färbung: Die Grundfarbe ist gelbbraun, graubraun oder braun. Auf dem Rücken verläuft ein auffälliges Muster aus dunklen Flecken und hellen Linien. An den Seiten sitzen weiße, dunkel umrandete Augenflecken. An der Rückenzeichnung können Fachleute einzelne Tiere wiedererkennen.

Männchen, Weibchen und Jungtiere

  • Männchen: Vor allem zur Paarungszeit im Frühling sind Flanken, Kehle und oft auch die Kopfseiten und Vorderbeine leuchtend grün. Die Unterseite ist grünlich mit schwarzen Flecken. Männchen haben eine deutlich verdickte Schwanzwurzel.
  • Weibchen: Sie sind bräunlich, beige oder grau und haben kaum Grün. Ihre Unterseite ist gelblich oder cremeweiß.
  • Jungtiere: Sie sind einfarbig braun und haben an jeder Seite bis zu drei Reihen weißer Augenflecken.

Daneben gibt es seltene Farbvarianten, etwa Tiere mit einfarbig rotbraunem Rücken. Ganz selten tragen Männchen eine grüne Oberseite oder eine blaue Kehle. Dann kann man sie mit der Smaragdeidechse verwechseln.

Verbreitung und Lebensraum

Die Zauneidechse hat das zweitgrößte Verbreitungsgebiet aller Eidechsen Eurasiens. Es reicht von Südengland und Frankreich über Mittel- und Osteuropa bis zum Baikalsee in Sibirien. Im Norden kommt sie bis nach Südschweden und ins Baltikum vor, im Süden bis zu den Pyrenäen, zum Nordrand der Alpen, auf den Balkan und bis zum Kaukasus. In Irland fehlt sie, ebenso im größten Teil Italiens und der Iberischen Halbinsel.

In Deutschland lebt die Zauneidechse in allen Bundesländern, von den Küstendünen bis in etwa 1.700 m Höhe. Die meisten Vorkommen liegen aber im Flachland und im Hügelland. Im atlantisch geprägten Nordwesten ist sie deutlich seltener als in den übrigen Regionen.

Lebensraum: Ursprünglich lebte die Zauneidechse in Waldsteppen und Flussauen. Heute findet man sie vor allem in Landschaften, die der Mensch geprägt hat: an Böschungen, Bahndämmen, Weg- und Feldrändern, Waldrändern, in Heiden, Dünen, Trockenrasen, Steinbrüchen, Sand- und Kiesgruben, Weinbergen, Gärten, Parks und auf Friedhöfen. Fachleute nennen sie deshalb einen Kulturfolger.

Ein guter Zauneidechsen-Lebensraum braucht drei Dinge:

  • Sonnenplätze wie Steine, Totholz oder freie Bodenstellen, möglichst nach Süden ausgerichtet
  • Verstecke in dichter Vegetation, unter Steinen, in Erdlöchern oder Reisighaufen
  • offene, lockere Bodenstellen, in die die Weibchen ihre Eier eingraben können

In Norddeutschland ist die Zauneidechse eng an Sandböden gebunden.

Ernährung

Die Zauneidechse ist ein Insektenfresser. Am häufigsten frisst sie Heuschrecken, Grillen, Käfer, Schmetterlinge und Hautflügler wie Wespen, Bienen und Ameisen. Außerdem stehen Spinnen, Asseln, Hundert- und Tausendfüßer, Schnecken und Regenwürmer auf dem Speiseplan. Manchmal erbeutet sie sogar kleinere Reptilien, etwa junge Bergeidechsen. Was sie frisst, hängt vor allem davon ab, welche Beutetiere gerade häufig sind.

Verhalten und Lebensweise

Sonnenbaden: Um ihre Körpertemperatur zu regeln, braucht die Zauneidechse Sonnenplätze und schattige Stellen. Ihre Vorzugstemperatur liegt bei etwa 38,6 °C. Im Frühjahr und Herbst ist sie erst am späten Vormittag aktiv. An sonnigen Sommertagen sonnt sie sich morgens kurz und jagt dann versteckt in der Krautschicht. Erst am späten Nachmittag kommt sie meist wieder heraus. Bei großer Hitze und bei nasskaltem Wetter bleibt sie im Versteck.

Jahreslauf: Die Männchen und die halbwüchsigen Tiere kommen oft schon ab Anfang März aus ihren Winterquartieren, die Weibchen etwa drei Wochen später. Sobald sie genug Fettreserven angelegt haben, ziehen sich die erwachsenen Tiere ab September wieder zurück. Die jungen Eidechsen bleiben häufig bis Mitte Oktober aktiv. Den Winter verbringen Zauneidechsen in Winterstarre, in Felsspalten, alten Baumstümpfen, Erdbauen anderer Tiere oder selbst gegrabenen Röhren in 10 cm bis 1,5 m Tiefe.

Ortstreue: Zauneidechsen sind sehr ortstreu. Der Aktionsraum eines Männchens wird mit mindestens 120 m² angegeben, der eines Weibchens mit 110 m². Entlang von Bahnstrecken wurden aber auch Wanderungen von zwei bis vier Kilometern in einem Jahr nachgewiesen.

Schwanz abwerfen: Bei Gefahr kann die Zauneidechse einen Teil ihres Schwanzes abwerfen. Der Schwanz wächst nach, wird aber nicht wieder so lang wie vorher und ist etwas anders gefärbt.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Paarung: Ab Mitte April häuten sich die Männchen und tragen dann ihr leuchtend grünes Hochzeitskleid. Die Paarungszeit beginnt Ende April oder Anfang Mai. Die Männchen verteidigen nun ihr Revier gegen Rivalen, alte Männchen haben oft Bissnarben an Kopf und Nacken. Ein paarungsbereites Weibchen trommelt mit den Vorderfüßen und bewegt den Schwanz schlängelnd. Das Männchen packt es mit einem Biss an der Schwanzwurzel. Männchen und Weibchen paaren sich meist mit mehreren Partnern.

Eiablage: Nach der Paarung liegt das Weibchen viel in der Sonne, damit sich die Eier gut entwickeln. Zwischen Ende Mai und Anfang August, meist im Juni oder Anfang Juli, gräbt es seine Eier an einer sonnigen, offenen Stelle etwa 4 bis 10 cm tief in den Boden ein. Das passiert meist in der Dämmerung oder nachts. Ein Gelege enthält etwa 4 bis 15 weichschalige Eier, die 11 bis 15 mm lang sind. Manchmal folgt ein zweites Gelege. Oft nutzen mehrere Weibchen denselben Eiablageplatz.

Schlupf: Wie lange die Eier brauchen, hängt stark von der Temperatur ab. Meist schlüpfen die Jungen nach etwa 53 bis 73 Tagen, frühestens ab Ende Juli. Unter 18 °C können sich die Eier nicht fertig entwickeln. Frisch geschlüpfte Zauneidechsen sind nur 4,5 bis 6,5 cm lang und wiegen etwa ein halbes Gramm. In den ersten Monaten stirbt der Großteil von ihnen, bis zu 90 Prozent. Geschlechtsreif werden Zauneidechsen meist im dritten oder vierten Lebensjahr.

Feinde und Gefährdung

Natürliche Feinde: Zauneidechsen werden von vielen Tieren gejagt. Dazu gehören Marderartige wie das Hermelin und der Baummarder, Igel, Wildschweine, Greifvögel, Rabenvögel und Würger wie der Neuntöter sowie Schlangen wie die Ringelnatter und die Schlingnatter. Eine große Gefahr sind freilaufende Hauskatzen.

Lebensdauer: Im Freiland werden Zauneidechsen meist vier bis sieben Jahre alt. Wie alt sie höchstens werden können, ist nicht genau bekannt. Geschätzt wird ein Höchstalter von etwa 12 bis 14 Jahren.

Situation in Deutschland: In der Roten Liste der Reptilien Deutschlands von 2020 steht die Zauneidechse auf der Vorwarnliste. Sie ist zwar noch häufig, ihr Bestand ist aber langfristig stark zurückgegangen und nimmt auch aktuell stark ab. Gründe sind vor allem:

  • Bebauung, neue Straßen und Bahntrassen, auch Solarparks
  • intensive Landwirtschaft, Flurbereinigung und der Verlust von Säumen, Hecken und Brachen
  • zu häufiges oder zu tiefes Mähen und das Zuwachsen offener Flächen
  • Pflügen von Flächen, in denen Eidechsen überwintern, denn in Winterstarre können sie nicht fliehen
  • Gift gegen Insekten und Unkraut, das ihnen die Nahrung nimmt

Oft leben die letzten Zauneidechsen eines Gebiets an Bahnstrecken. Viele Bestände sind klein und voneinander isoliert.

Warum ist die Zauneidechse streng geschützt?

Die Zauneidechse ist eine Art des Anhangs IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) der Europäischen Union. In Deutschland ist sie nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Außerdem steht sie im Anhang II der Berner Konvention, eines europäischen Abkommens zum Schutz wildlebender Tiere und Pflanzen.

Ihr Erhaltungszustand gilt laut Bundesamt für Naturschutz in allen drei Regionen Deutschlands, der atlantischen, der kontinentalen und der alpinen, als „ungünstig-unzureichend“.

Was bedeutet das bei Bauprojekten? Weil die Zauneidechse so streng geschützt ist, müssen ihre Vorkommen bei vielen Bauvorhaben erfasst und berücksichtigt werden. Die Fachleute der Roten Liste warnen allerdings, dass manche Schutzmaßnahmen nicht wirken. Das gilt zum Beispiel für Umsiedlungen in ungeeignete oder schon besiedelte Flächen oder für Ersatzlebensräume, die kleiner und schlechter sind als die ursprünglichen.

Weltweit: Auf der Roten Liste der IUCN gilt die Zauneidechse als nicht gefährdet (Least Concern). Die aktuelle Einstufung wurde 2021 veröffentlicht.

So kann man Zauneidechsen helfen

  • Hecken, Säume und kleine Strukturen wie Lesestein- und Holzhaufen erhalten oder anlegen
  • Säume und Böschungen möglichst nur im Winter mähen, mindestens 15 cm hoch, und von innen nach außen arbeiten, damit die Tiere fliehen können
  • Komposthaufen zwischen Anfang Juni und Ende September nicht umsetzen, weil darin Eier liegen können
  • auf Mittel gegen Insekten und Unkraut verzichten

Häufige Fragen zur Zauneidechse

Wie groß wird eine Zauneidechse?

Große Tiere erreichen 18 bis 20 cm, einschließlich Schwanz, mehr als 22 cm sind selten. Das größte in Deutschland vermessene Tier war 24 cm lang. Der Schwanz macht mehr als die Hälfte der Gesamtlänge aus.

Was frisst eine Zauneidechse?

Vor allem Insekten wie Heuschrecken, Käfer, Schmetterlinge, Wespen und Ameisen. Dazu kommen Spinnen, Asseln, Tausendfüßer, Schnecken und Regenwürmer.

Warum sind Zauneidechsen grün?

Grün sind nur die Männchen, und das vor allem zur Paarungszeit im Frühling. Weibchen und Jungtiere sind braun bis grau gefärbt.

Steht die Zauneidechse unter Naturschutz?

Ja. Sie ist in der EU durch Anhang IV der FFH-Richtlinie geschützt und in Deutschland nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. In der Roten Liste Deutschlands steht sie auf der Vorwarnliste.

Wo legt die Zauneidechse ihre Eier ab?

Das Weibchen gräbt sie an sonnigen, offenen Stellen mit lockerem Boden etwa 4 bis 10 cm tief ein. Nach etwa zwei Monaten schlüpfen die Jungen.

Wie alt wird eine Zauneidechse?

In freier Natur meist vier bis sieben Jahre. Das Höchstalter wird auf etwa 12 bis 14 Jahre geschätzt.

Ähnliche Tiere

  • Blindschleiche - ein weiteres heimisches Reptil
  • Ringelnatter - eine heimische Schlange, die Zauneidechsen jagt
  • Echse - Überblick über die Echsen
  • Neuntöter - ein Vogel, der Eidechsen erbeutet
  • Hermelin - ein kleiner Marder, der Zauneidechsen erbeutet

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Zauneidechse
18 bis 24 cm

Wie groß ist die Zauneidechse wirklich? Mit 18 bis 24 cm überragt sie eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) deutlich, kommt aber noch nicht an ein Kind (1,2 m) heran. Anschaulich gesprochen: Man müsste etwa 9 1-Euro-Münzen übereinander stapeln, um so groß wie eine Zauneidechse zu werden. Selbst eine Biene (1,5 cm) wirkt daneben noch winzig.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Zauneidechse
7 bis 19 g

Die Zauneidechse wiegt nur 7 bis 19 g - ein echtes Federgewicht! Selbst eine Tafel Schokolade (100 g) bringt ein Vielfaches davon auf die Waage. Dafür ist die Zauneidechse leicht genug, um bequem in eine Hand zu passen.