Zaunkönig
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Kurz erklärt
Der Zaunkönig ist einer der kleinsten Vögel Europas: Er wiegt weniger als ein Zehn-Cent-Stück und trägt seinen kurzen Schwanz fast immer steil aufgestellt. Für seine Größe hat er die lauteste Stimme unter unseren Vögeln, sein Gesang ist bis zu 500 Meter weit zu hören. Das Männchen baut mehrere kugelige Moosnester und wirbt damit um mehrere Weibchen.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Troglodytes troglodytes |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 9,5 bis 11 cm |
| Körpergewicht | 7,5 bis 11 g |
| Ernährung | Fleischfresser: Spinnen, Weberknechte, Insekten und deren Larven, im Winter auch Samen und Beeren |
| Lebenserwartung | Meist 3 bis 4 Jahre, höchstens etwa 7 Jahre |
| Sozialverhalten | Einzelgänger, in kalten Nächten Schlafgemeinschaften |
| Herkunft | Unbekannt |
| Verbreitung | Europa, Nordafrika und große Teile Asiens AfrikaAsienEuropa |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2021) |
| Sonstiges | In Deutschland und Österreich war der Zaunkönig Vogel des Jahres 2004, in der Schweiz 2012. |
Aussehen und Körperbau
Der Zaunkönig ist ein winziger, rundlicher Singvogel. Nur die beiden Goldhähnchen sind in Europa noch kleiner. Er misst 9,5 bis 11 cm von der Schnabelspitze bis zum Schwanzende und wiegt meist 7,5 bis 11 Gramm, also weniger als ein Zehn-Cent-Stück. Seine Flügel spannen zusammen nur 14 bis 15 cm.
Gefieder: Oben ist der Zaunkönig rotbraun, unten heller fahlbraun. Über Flügel, Flanken und Schwanz ziehen sich feine dunkle Wellenlinien. Ein undeutlicher heller Streifen verläuft über dem Auge. Männchen und Weibchen sehen gleich aus, auch Jungvögel unterscheiden sich kaum von ihren Eltern.
Der aufgestellte Schwanz: Das auffälligste Erkennungszeichen ist der kurze Stummelschwanz, den der Vogel fast immer steil nach oben stellt. Bei Aufregung stelzt er ihn noch höher und singt lauter.
Schnabel und Beine: Der Schnabel ist dünn, spitz und leicht gebogen. Damit kommt der Zaunkönig in die engsten Ritzen. Die Beine sind kräftig und fleischfarben bis bräunlich. Beim Weibchen sind die Flügel 45 bis 48 Millimeter lang, beim Männchen 49 bis 53 Millimeter.
Der wissenschaftliche Name Troglodytes troglodytes bedeutet „Höhlenbewohner“. Er passt gleich doppelt: zum kugeligen, höhlenartigen Nest und zur Vorliebe des Vogels für dunkle Verstecke unter Wurzeln, in Mauerspalten und in Reisighaufen.
Verbreitung und Lebensraum
Der Zaunkönig ist die einzige Art der Familie der Zaunkönige (Troglodytidae), die außerhalb Amerikas lebt. Alle übrigen Arten dieser Familie kommen nur in Nord-, Mittel- und Südamerika vor. Früher zählte man auch zwei nordamerikanische Vögel zur selben Art. Seit einer Revision im Jahr 2010 gelten sie als eigene Arten: der Winterzaunkönig (Troglodytes hiemalis) und der Pazifikzaunkönig (Troglodytes pacificus). Der Zaunkönig selbst besiedelt heute Europa, Nordafrika sowie Vorder-, Zentral- und Ostasien bis nach Japan. Fachleute unterscheiden meist 28 Unterarten, mehrere davon leben nur auf einzelnen Inseln wie Island, den Färöern oder St. Kilda.
Er lebt überall dort, wo es dicht und unordentlich ist: in Hecken, Brombeergestrüpp, Unterholz, an ausgespülten Bachufern mit freiliegendem Wurzelwerk, in Parks und naturnahen Gärten. Besonders gern hält er sich in der Nähe von Wasser auf, weil er dort auch im Winter Nahrung findet. In den Bergen steigt er bis in Höhen von 4.000 Metern.
Zugverhalten: In Nordafrika bleibt der Zaunkönig das ganze Jahr am selben Ort. In Mittel- und Südeuropa sowie in Asien ist er Teilzieher, in Skandinavien, im Baltikum und in Russland Zugvogel. Bei uns kann man ihn deshalb rund ums Jahr beobachten. Im Winter weichen viele Vögel aus den Bergwäldern in die Täler aus und tauchen in Scheunen, Ställen und Gewächshäusern auf.
Ernährung
Der Zaunkönig ist das ganze Jahr über ein Fleischfresser. Auf seinem Speiseplan stehen vor allem Spinnen und Weberknechte, dazu Milben, Asseln, Tausendfüßer, kleine Krebstiere und viele Insekten: Nachtfalter, Mücken, Fliegen, Ohrwürmer, Wanzen, Ameisen und deren Eier und Larven. Auch Kaulquappen und andere Kleintiere aus flachem Wasser frisst er. Im Winter kommen Samen dazu, gelegentlich auch Brombeeren, Himbeeren oder Holunderbeeren.
Gesucht wird fast immer bodennah: im Wurzelwerk, unter Reisig, am Gewässerrand. Der Vogel huscht dabei fast wie eine Maus durch das Dickicht und stochert mit dem schmalen Schnabel in Rindenspalten und Astlöchern. Unverdauliche Reste wie Chitinpanzer würgt er als kleine Ballen wieder heraus. Weibchen suchen ihre Nahrung fast nur in Bodennähe, Männchen klettern auch in höhere Äste.
Der lauteste Sänger für seine Größe
Der Gesang des Männchens ist schmetternd laut, voller Triller und Roller, und endet abrupt. Er besteht aus etwa 130 verschiedenen Lauten. Eine Strophe dauert meist vier bis fünf Sekunden, manchmal bis zu sieben. Am Ursprungsort erreicht der Gesang bis zu 90 Dezibel, damit ist er bis zu 500 Meter weit zu hören. Kein anderer heimischer Vogel ist gemessen an seiner Körpergröße so laut.
Ein erfahrenes Männchen beherrscht im Schnitt rund 21 Strophentypen. Junge Männchen singen anfangs leiser und einfacher und lernen erst im Lauf des ersten Jahres dazu. Weibchen singen ebenfalls, aber leiser und schlichter. Während der Brutzeit tragen Paare oft ein Duett vor. Bei Störung ruft der Zaunkönig ein hartes „tek tek“ oder ein ratterndes „zerrr“.
Verhalten und Lebensweise
Zaunkönige sind tagaktiv und ganzjährig territorial. Die Männchen verteidigen ihr Revier hartnäckig: Reicht Singen von einer erhöhten Warte nicht aus, verfolgen sie Rivalen und liefern sich heftige Kämpfe. Weibchen dulden einander dagegen in unmittelbarer Nachbarschaft und verteidigen im Winter nur ihr eigenes Nahrungsrevier. Nähert sich eine Katze oder ein Eichhörnchen, zischen vor allem die Männchen laut und vertreiben den Störenfried oft tatsächlich.
Größere Strecken fliegt der Zaunkönig ungern. Er hüpft lieber von Deckung zu Deckung und überquert offenes Wasser im Tiefflug.
Schlafgemeinschaften: In sehr kalten Nächten rücken Zaunkönige eng zusammen. Bis zu zwanzig Vögel drängen sich dann in einem alten Zaunkönignest oder in einem Nistkasten aneinander, den Kopf nach innen, den Schwanz nach außen. So verlieren sie deutlich weniger Wärme. Manche dieser Schlafplätze werden über mehrere Winter hinweg genutzt.
Fortpflanzung: viele Nester, mehrere Weibchen
In Mitteleuropa brütet er meist zweimal, Ende April bis Mai und noch einmal im Juni oder Juli. Anders als die meisten Singvögel lebt das Männchen in der Regel mit mehreren Weibchen zusammen.
- Nester im Rohbau: Im Frühjahr baut das Männchen mehrere kugelige Nester, bis zu acht Stück noch vor der ersten Paarung, danach oft zwei bis vier weitere. Sie bestehen aus feuchtem Moos, Blättern, Halmen und Wurzeln, sind etwa 16 cm hoch und 13 cm breit und haben ein seitliches Einschlupfloch von nur 2,5 cm Durchmesser. Sie sitzen meist unter zwei Metern Höhe unter Wurzeln, in Hecken, unter Stegen oder in Mauern.
- Werbung: Das Männchen singt vom Nest aus. Kommt ein Weibchen näher, schlüpft es singend hinein und zeigt sein Bauwerk vor. Das Weibchen prüft das Nest von innen und entscheidet dann.
- Ausbau und Eier: Nach der Paarung polstert das Weibchen das gewählte Nest mit Moos, Wolle und Federn aus. Fünf bis sechs Tage später legt es das erste Ei, danach täglich eines mehr, bis fünf bis acht Eier im Nest liegen. Sie sind mattweiß mit rostroten Punkten und wiegen frisch nur 1,36 Gramm.
- Brut und Aufzucht: Das Weibchen brütet 14 bis 18 Tage allein und muss sich dabei selbst versorgen. Die Jungen schlüpfen nackt und blind. Das Männchen füttert nur gelegentlich mit. Nach 14 bis 17 Tagen verlassen die Jungen das Nest, bei Gefahr schon nach zehn Tagen.
Die nicht belegten Nester dienen später als Schlafplätze. Im Schnitt werden Zaunkönige drei bis vier Jahre alt, höchstens etwa sieben.
Feinde und Gefährdung
Eier und Junge sind vor allem durch Eichelhäher und andere Rabenvögel, Ratten, Mäuse und Igel bedroht. Erwachsene Vögel werden von Katzen, Mardern, Füchsen sowie von Sperber, Habicht und Falken geschlagen. Auch der Kuckuck legt gelegentlich ein Ei in ein Zaunkönignest.
Der größte Feind ist jedoch das Wetter. Weil der kleine Körper viel Wärme verliert, brechen die Bestände nach langen Frost- und Schneeperioden regional um bis zu 80 Prozent ein. Innerhalb weniger Jahre erholen sie sich meist wieder.
Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN steht der Zaunkönig als nicht gefährdet (Least Concern, Einstufung von 2021). Der NABU gibt den Bestand in Deutschland mit 4,0 bis 4,75 Millionen Brutpaaren an, Tendenz steigend. Damit gehört er zu den häufigsten Brutvögeln des Landes. In Deutschland ist er streng geschützt. 2004 war er in Deutschland und Österreich Vogel des Jahres, 2012 in der Schweiz.
Häufige Fragen zum Zaunkönig
Wie groß und wie schwer ist ein Zaunkönig?
Er wird 9,5 bis 11 cm lang und wiegt 7,5 bis 11 Gramm. Damit ist er nach dem Winter- und dem Sommergoldhähnchen der drittkleinste Vogel Europas. Seine Flügelspannweite beträgt nur 14 bis 15 cm.
Warum heißt der Zaunkönig „König“?
Schon in der Antike nannten Aristoteles und Plutarch den kleinen Vogel „König“ oder „Königlein“. Der Name hielt sich in vielen Sprachen. In einer Fabel des Äsop wollen die Vögel den zum König wählen, der am höchsten fliegt. Der Zaunkönig versteckt sich im Gefieder des Adlers und steigt oben noch ein Stück höher. Mit dem Zaun hat sein Name nur insofern zu tun, als er sich gern in Hecken und Gestrüpp aufhält.
Wie laut ist der Gesang des Zaunkönigs?
Er erreicht bis zu 90 Dezibel und ist damit fast 500 Meter weit zu hören. Für einen Vogel von 10 Gramm ist das eine Rekordleistung. Eine Strophe dauert vier bis fünf Sekunden und setzt sich aus rund 130 verschiedenen Lauten zusammen.
Was frisst ein Zaunkönig im Winter?
Auch im Winter frisst er vor allem Spinnen und Insekten, die er in Rindenspalten, unter Reisig und an eisfreien Bachufern findet. Dazu kommen Samen und einzelne Beeren. An Futterhäuschen sieht man ihn selten, weil er lieber am Boden im Dickicht sucht.
Wo baut der Zaunkönig sein Nest?
Das Männchen baut mehrere kugelige Moosnester mit seitlichem Eingang, meist unter zwei Metern Höhe: unter Wurzeln, in Bruchholz, in dichten Hecken, unter Brücken, in Mauerspalten oder in Schuppen. Das Weibchen sucht sich eines davon aus und polstert es aus.
Ist der Zaunkönig ein Zugvogel?
In Mitteleuropa ist er überwiegend Standvogel oder Teilzieher, hier kann man ihn das ganze Jahr sehen. Vögel aus Skandinavien, dem Baltikum und Russland ziehen dagegen im Herbst nach Süden. Ringfunde zeigen, dass sich rund 87 Prozent der beringten Vögel nicht weiter als 50 Kilometer von ihrem Fundort entfernen.
Ähnliche Tiere
- Rotkehlchen - lebt ebenfalls im Unterholz und duldet den Zaunkönig oft als Nachbarn
- Zilpzalp - ähnlich klein, aber schlanker und mit langem Schwanz
- Blaumeise - einer der kleinsten Gartenvögel, deutlich bunter
- Spatz - der Haussperling ist größer und lebt gesellig
- Amsel - ein viel größerer Bodenjäger aus demselben Lebensraum
- Vögel - Übersicht über alle Vogelarten im Lexikon
Quellen
Größenvergleich
Ein Zaunkönig erreicht eine Körpergröße von 9,5 bis 11 cm. Damit passt er bequem zwischen eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) und einen Fußball (22 cm) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Zaunkönig ist etwa 4-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze.
Gewichtsvergleich
Der Zaunkönig wiegt nur 7,5 bis 11 g - ein echtes Federgewicht! Selbst eine Tafel Schokolade (100 g) bringt ein Vielfaches davon auf die Waage. Dafür ist der Zaunkönig leicht genug, um vom Wind davongetragen zu werden.