Zebu

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Hellgraues Zebu mit Buckel über den Schultern, kurzen Hörnern und faltiger Wamme am Hals steht auf einer grünen Wiese
The High Fin Sperm Whale / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Das Zebu ist ein Hausrind mit einem großen Buckel über den Schultern und einer weiten Hautfalte am Hals. Es stammt aus Südasien und wurde dort vor rund 8.000 Jahren aus einer wilden Form des Auerochsen gezüchtet. Zebus vertragen Hitze viel besser als unsere Rinder. Deshalb hält man sie heute in vielen warmen Ländern der Erde.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameBos indicus (auch Bos taurus indicus)
Abstammung
  • Unterordnung: Wiederkäuer
  • Familie: Hornträger
  • Unterfamilie: Rinder (Bovinae)
  • Gattung: Eigentliche Rinder (Bos)
  • Art: Zebu (Hausrind)
KörpergrößeJe nach Rasse sehr verschieden, beim Zwergzebu Kreuzbeinhöhe um 105 cm (Kuh) bis 120 cm (Bulle)
KörpergewichtJe nach Rasse etwa 275 kg (Zwergzebu-Kuh) bis 1.000 kg (Brahman-Bulle)
ErnährungPflanzenfresser (Wiederkäuer): Gras, Kräuter, im Winter Heu
SozialverhaltenHerdenbildung
HerkunftSüdasien (Industal im heutigen Pakistan und Nordwestindien)
Verbreitung Tropische und subtropische Gebiete in Asien, Afrika, Süd- und Mittelamerika und Australien; als Zwergzebu auch in Europa AfrikaAsienNordamerikaSüdamerikaAustralien
EntdeckungWissenschaftlich benannt 1758 durch Carl von Linné
SonstigesDas Zebu ist ein Haustier und wird deshalb nicht in der Roten Liste der IUCN bewertet. Sein wilder Vorfahr, der Auerochse, ist ausgestorben.

Was ist ein Zebu?

Das Zebu ist ein Hausrind und damit ein Nutztier, kein Wildtier. Man nennt es auch Buckelrind, denn sein auffälligstes Merkmal ist der Buckel über den Schultern. Zebus sehen damit anders aus als die Rinder, die man auf Weiden in Deutschland sieht. Diese Rinder ohne Buckel nennen Fachleute taurine Rinder. Mehr über sie erfährst du auf der Seite Kuh.

Wissenschaftlicher Name: Zebu und taurines Hausrind wurden lange als zwei Arten geführt: das Zebu als Bos indicus, das taurine Rind als Bos taurus. Manche Fachleute sehen beide als Formen derselben Art an und schreiben Bos taurus indicus für das Zebu. Beide Namen sind in Büchern zu finden. Da Zebus Haustiere sind, gibt es für sie keine Einstufung in der Roten Liste der IUCN.

Herkunft: Vom Auerochsen zum Zebu

Alle Hausrinder stammen vom Auerochsen (Bos primigenius) ab, einem großen Wildrind, das heute ausgestorben ist. Vom Auerochsen gab es mehrere Unterarten.

Lange dachte man, alle Hausrinder seien aus einer einzigen Zähmung entstanden. Untersuchungen des Erbguts haben 1994 aber gezeigt, dass die Rinder Indiens und die Rinder Europas zu zwei sehr verschiedenen Linien gehören. Diese Linien haben sich vor mindestens 200.000 Jahren getrennt, also lange bevor Menschen Rinder zähmten. Fachleute schließen daraus, dass Rinder zweimal unabhängig voneinander zu Haustieren wurden: Die taurinen Rinder entstanden im Nahen Osten, die Zebus in Südasien.

Die Vorfahren der Zebus waren Indische Auerochsen (Bos primigenius namadicus). Nach heutigem Wissen wurden sie vor rund 8.000 Jahren im Industal gezähmt, also im Gebiet des heutigen Pakistans und Nordwestindiens. Von dort breiteten sich die Zebus nach Osten bis nach Südostasien und China aus, später auch nach Westen und nach Afrika.

Aussehen und Körperbau

Zebus erkennt man an mehreren Merkmalen:

  • Buckel: Über den Schultern sitzt ein Buckel. Bei Bullen ist er groß und kräftig, bei Kühen kleiner und eher oval.
  • Wamme: Am Hals hängt eine große, lockere Hautfalte in Falten herab. Fachleute nennen sie Wamme.
  • Fellfarbe: Die Farbe hängt von der Rasse ab. Brahman-Rinder sind meist hell- bis mittelgrau, es gibt aber auch rote bis fast schwarze Tiere. Beim Zwergzebu sind alle Farben erlaubt, am häufigsten sind braune, schwarze, rote und weiße Töne, einfarbig, gefleckt oder gesprenkelt.

Größe und Gewicht: Zebus gibt es in sehr unterschiedlichen Größen. Beim Zwergzebu erreichen Kühe eine Kreuzbeinhöhe (gemessen über dem Becken) um 105 cm und ein Gewicht um 275 kg, Bullen etwa 120 cm und 450 kg. Große Rassen wie das Brahman sind viel schwerer: Brahman-Bullen wiegen ausgewachsen etwa 725 bis 1.000 kg, Kühe etwa 450 bis 635 kg.

Warum Zebus Hitze so gut vertragen

Zebus kommen mit tropischem Klima deutlich besser zurecht als taurine Rinder. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Schwitzen: Rinder geben bei großer Hitze einen großen Teil ihrer Körperwärme über Schweiß ab. Eine Studie an Rindern mit unterschiedlich viel Brahman-Erbgut zeigte: Je mehr Zebu-Anteil ein Tier hatte, desto größer waren seine Schweißdrüsen. Sie lagen außerdem näher an der Hautoberfläche.
  • Haut: Die oberste Hautschicht war bei Tieren mit viel Zebu-Anteil dünner. Außerdem enthielt sie mehr dunklen Farbstoff (Melanin), der vor Sonnenstrahlen schützt.
  • Weniger Plagegeister: Zebus sind widerstandsfähiger gegen Insekten und Parasiten. Ihre Hautdrüsen geben ein öliges Sekret ab, das Insekten abschrecken soll.

Wegen dieser Eigenschaften kreuzen Züchter in warmen Ländern häufig Zebus in ihre Rinderherden ein. In den USA entstand so Anfang des 20. Jahrhunderts aus indischen Zebus und europäischen Rindern das Brahman.

Verbreitung

Ursprünglich lebten Zebus in Südasien. Heute gibt es sie in vielen warmen Regionen der Welt: in Südasien und Südostasien, in weiten Teilen Afrikas, in Brasilien und anderen Ländern Südamerikas und in Australien.

In Afrika haben sich Zebus schon vor langer Zeit mit den dort gehaltenen taurinen Rindern vermischt. Das zeigt sich im Erbgut: Afrikanische Zebus tragen in ihren Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen, Erbanlagen aus der taurinen Linie. Diese Erbanlagen werden nur über die Mütter weitergegeben, stammen also von taurinen Kühen.

In Europa sieht man vor allem Zwergzebus. In Bayern betreut zum Beispiel der Fleischrinderverband die Zucht dieser kleinen Rasse.

Ernährung

Zebus sind Pflanzenfresser und gehören wie alle Rinder zu den Wiederkäuern. Sie fressen vor allem Gras und Kräuter auf der Weide, im Winter Heu. Zuerst schlucken sie das Futter nur grob gekaut hinunter. Später würgen sie es in Ruhe wieder hoch und kauen es ein zweites Mal gründlich. Ihr Magen hat dafür vier Abschnitte.

Das Zwergzebu gilt als genügsam. Nach Angaben des Zuchtverbands eignet es sich hervorragend für die extensive Weidehaltung, also für Weiden, auf denen nur wenige Tiere pro Fläche grasen.

Verhalten und Charakter

Wie alle Rinder sind Zebus Herdentiere. Zwergzebus beschreibt der Fleischrinderverband Bayern als ruhig und umgänglich.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Zebus pflanzen sich ähnlich fort wie andere Hausrinder. Nach einer Tragzeit von gut neun Monaten bringt die Kuh meist ein Kalb zur Welt. Bei Brahman-Kühen dauerte sie in einer großen Untersuchung im Durchschnitt knapp 293 Tage. Zwergzebu-Kühe kalben nach Angaben des Zuchtverbands besonders leicht.

Zebus und taurine Rinder können sich miteinander fortpflanzen.

Nutzung durch den Menschen

In Südasien gehörten Zebus schon in der Jungsteinzeit zu den wichtigsten Nutztieren. In Indien gelten die Rinder vielen Hindus als heilig. Viele von ihnen essen kein Rindfleisch und lassen die Tiere nicht schlachten.

Bekannte Zebu-Rassen sind:

  • Brahman: eine große, meist graue Fleischrinderrasse aus den USA
  • Nelore (Nellore), Gir und Guzerat: Rassen aus Indien, die auch zur Zucht des Brahman beitrugen
  • Zwergzebu: eine kleine, leichte Rasse, die sich gut für die extensive Weidehaltung eignet

Besonderheiten

  • Zwei Zähmungen: Das Zebu ist ein gutes Beispiel dafür, dass Haustiere mehrmals an verschiedenen Orten aus Wildtieren gezüchtet werden konnten.

Häufige Fragen zum Zebu

Was ist der Unterschied zwischen Zebu und Kuh?

Auch ein weibliches Zebu ist eine Kuh. Gemeint ist meist der Unterschied zu unseren Hausrindern: Zebus haben einen Buckel über den Schultern und eine große Hautfalte am Hals. Sie stammen aus Südasien, während unsere Rinder im Nahen Osten zu Haustieren wurden. Zebus vertragen außerdem Hitze viel besser.

Woran erkennt man ein Zebu?

Das wichtigste Merkmal ist der Buckel direkt über den Schultern. Er ist bei Bullen deutlich größer als bei Kühen. Außerdem haben Zebus eine große, faltige Hautfalte am Hals, die Wamme. Unsere Rinder ohne Buckel haben diese Merkmale nicht oder nur schwach ausgeprägt.

Wie groß wird ein Zwergzebu?

Zwergzebu-Kühe erreichen eine Kreuzbeinhöhe um 105 cm und wiegen um 275 kg. Bullen werden etwa 120 cm hoch und um 450 kg schwer. Damit gehört das Zwergzebu zu den kleinen Rinderrassen.

Wo leben Zebus?

Zebus stammen aus Südasien, genauer aus dem Industal im heutigen Pakistan und Nordwestindien. Heute hält man sie in vielen warmen Ländern, zum Beispiel in Indien, in Afrika, in Brasilien, im Süden der USA und in Australien. In Europa findet man vor allem Zwergzebus.

Was frisst ein Zebu?

Zebus fressen vor allem Gras und Kräuter, im Winter Heu. Als Wiederkäuer kauen sie ihr Futter zweimal. Das Zwergzebu gilt als genügsam und eignet sich gut für die extensive Weidehaltung.

Ist das Zebu vom Aussterben bedroht?

Nein. Zebus sind Haustiere und werden in großer Zahl gehalten. Deshalb stehen sie nicht auf der Roten Liste. Ausgestorben ist aber ihr wilder Vorfahr, der Auerochse.

Ähnliche Tiere

  • Kuh - das taurine Hausrind ohne Buckel
  • Auerochse - der ausgestorbene Vorfahr aller Hausrinder
  • Wasserbüffel - ein anderes Rind, das in warmen Ländern als Haustier lebt
  • Yak - ein Rind aus dem Hochland Asiens
  • Schottisches Hochlandrind - eine robuste Rinderrasse für kaltes Klima

Quellen