Zobel

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Zobel der Unterart Ezo-Zobel mit hellgelbem Fell und dunklen Beinen im Schnee auf Hokkaido
Tokumi / Wikimedia Commons / Copyrighted free use

Kurz erklärt

Der Zobel ist ein Marder aus den Nadelwäldern Sibiriens und Nordasiens. Er hat einen langen, schlanken Körper, kurze Beine und ein weiches, dichtes Fell. Wegen dieses Fells wird er seit Jahrhunderten gejagt. Heute ist der Zobel wieder häufig und gilt als nicht gefährdet.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameMartes zibellina
Abstammung
  • Ordnung: Raubtiere
  • Unterordnung: Hundeartige
  • Familie: Marder
  • Unterfamilie: Guloninae
  • Gattung: Echte Marder
  • Art: Zobel
Körpergröße35 bis 56 cm
Körpergewicht700 g bis 1,8 kg
ErnährungAllesfresser: vor allem kleine Nagetiere, dazu Vögel, Fische, Insekten, Beeren und Zirbelnüsse
LebenserwartungIn freier Natur meist unter 9 Jahren, in Gefangenschaft bis etwa 22 Jahre (Angaben schwanken)
SozialverhaltenLebt in eigenen Revieren, Männchen helfen teils bei der Versorgung der Jungen
HerkunftNordasien
Verbreitung Russland östlich des Urals mit Sachalin, Nordost-Kasachstan, Mongolei, Nordchina, Nordkorea und Hokkaidō (Japan) Asien
EntdeckungErstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2016)
SonstigesDie Körpergröße ist die Kopf-Rumpf-Länge, dazu kommt ein etwa 7 bis 12 cm langer Schwanz. Weibchen sind kleiner und leichter als Männchen.

Was ist ein Zobel?

Der Zobel (Martes zibellina) ist ein Raubtier aus der Familie der Marder. Er gehört zur Gattung der Echten Marder und ist eng mit dem Baummarder verwandt, der auch in Deutschland lebt. Seine Heimat sind die großen Nadelwälder im Norden Asiens, die man Taiga nennt.

Bekannt ist der Zobel vor allem wegen seines Fells. Zobelpelz gehört seit Jahrhunderten zu den wertvollsten Fellen der Welt. Auch der Name kommt aus dem Pelzhandel: Das deutsche Wort „Zobel“ stammt aus slawischen Sprachen, auf Russisch heißt das Tier sobol.

Der schwedische Naturforscher Carl von Linné beschrieb den Zobel 1758 und nannte ihn Mustela zibellina. Seit 1925 wird er zur Gattung Martes gezählt.

Aussehen und Körperbau

Der Zobel hat den typischen Körperbau eines Marders: einen langen, schlanken Rumpf und eher kurze Beine. Er sieht dem Baummarder sehr ähnlich. Im Vergleich hat der Zobel aber einen längeren Kopf, längere Ohren und einen kürzeren Schwanz. Sein Fell ist weicher und seidiger.

Größe und Gewicht: Männchen sind etwas größer und schwerer als Weibchen. Nach Angaben des Animal Diversity Web der Universität Michigan sind:

  • Männchen 38 bis 56 cm lang (ohne Schwanz), mit einem 9 bis 12 cm langen Schwanz, und wiegen 880 bis 1.800 Gramm.
  • Weibchen 35 bis 51 cm lang, mit einem 7 bis 11,5 cm langen Schwanz, und wiegen 700 bis 1.560 Gramm.

Andere Quellen nennen etwas abweichende Werte. Im Winter sind Zobel 7 bis 10 Prozent schwerer als im Sommer. Die größten Zobel leben in Kamtschatka, im Altai und im Ural, die kleinsten im Gebiet der Flüsse Ussuri und Amur.

Fell und Farbe: Die Fellfarbe reicht von Hellbraun bis fast Schwarz. Der Rücken und die Beine sind meist dunkler als der Bauch, der Kopf ist oft etwas heller als der Rumpf. An Kehle und Brust haben viele Zobel einen hellen Fleck. Er kann grau, weißlich, blassgelb oder orange sein. Besonders dunkle Zobel leben am Baikalsee, in Jakutien und am Amur.

Im Winter trägt der Zobel ein langes, dichtes und seidiges Fell. Im Sommer ist das Fell kürzer, rauer und dunkler. Das Fell wechselt zweimal im Jahr: zwischen März und Mai und zwischen August und November. Das Besondere am Zobelfell: Es fühlt sich in jeder Richtung glatt an, auch wenn man gegen den Strich streicht.

Verbreitung und Lebensraum

Früher lebte der Zobel in weiten Teilen des nördlichen Eurasiens, bis nach Skandinavien. Heute kommt er westlich des Uralgebirges nicht mehr vor. Sein Verbreitungsgebiet umfasst:

  • Russland: fast ganz Sibirien vom Ural bis zum Pazifik, dazu die Insel Sachalin
  • Kasachstan: den äußersten Nordosten
  • Mongolei: das Altai-Gebirge und die Wälder am Chöwsgöl-See
  • China: einige getrennte Gebiete im Nordwesten und Nordosten
  • Nordkorea und die japanische Insel Hokkaidō

Der Zobel lebt in dichten Nadel- und Mischwäldern mit Fichten, Kiefern, Lärchen, Sibirischen Zirbelkiefern und Birken. Er kommt im Flachland genauso vor wie im Gebirge. Nur sehr karge, hohe Berggipfel meidet er.

Ernährung

Der Zobel ist ein Allesfresser, frisst aber vor allem Fleisch. Den größten Teil seiner Nahrung machen kleine Nagetiere aus. In Sibirien sind Polarrötelmäuse seine wichtigste Beute, sie machen dort mehr als die Hälfte seiner Nahrung aus. Außerdem frisst er:

  • Hörnchen, Streifenhörnchen, Pfeifhasen, Bisamratten und Hasen
  • ab und zu Murmeltiere oder junge Moschustiere
  • Vögel und Vogeleier
  • Fische, die er mit den Vorderpfoten fängt
  • Insekten und Nacktschnecken
  • Honig aus Bienennestern

Auch Pflanzen spielen eine große Rolle, besonders wenn Beutetiere knapp sind. Zobel fressen Beeren wie Heidelbeeren, Samen und die Nüsse der Zirbelkiefer.

Manchmal folgt der Zobel den Spuren von Wölfen und Bären und frisst die Reste ihrer Beute. Nacktschnecken reibt er vor dem Fressen am Boden, um den Schleim zu entfernen. Bei sehr schlechtem Wetter legt er in seinem Bau Vorräte an.

Verhalten und Lebensweise

Zobel halten sich meist am Boden auf, können aber gut auf Bäume und Felsen klettern. In ihrem Revier haben sie mehrere Nester, zum Beispiel in hohlen Baumstämmen, in Erdspalten oder unter Baumwurzeln. Die Nester polstern sie mit trockenen Pflanzen und Haaren aus.

Aktivität: Zobel sind vor allem in der Dämmerung unterwegs, manchmal auch nachts. In der Paarungszeit sind sie auch tagsüber aktiv. Nach anderen Angaben jagen Zobel auch regelmäßig am Tag. Bei sehr kaltem Wetter oder Schneestürmen bleiben sie oft mehrere Tage im Nest.

Revier: Ein Zobel nutzt ein Gebiet von 4 bis 30 km². Wie groß es ist, hängt davon ab, wie viel Nahrung es dort gibt. Am Tag legt ein Zobel darin 6,5 bis 12 km zurück. Markierte Zobel entfernten sich meist nicht weiter als 30 km vom Ort ihrer Markierung. Einzelne Männchen wanderten aber 100 bis 200 km weit, nach einer Umsiedlung sogar bis zu 300 km. Sein Revier markiert er mit Duftstoffen aus Drüsen am Bauch.

Sinne und Bewegung: Auf der Jagd verlässt sich der Zobel vor allem auf sein sehr gutes Gehör und seinen Geruchssinn. Er bewegt sich meist in kleinen Sprüngen von 40 bis 70 cm Weite fort.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Die Paarungszeit liegt im Sommer, etwa von Mitte Juni bis Anfang oder Mitte August. Bei der Werbung laufen und springen Männchen und Weibchen umher und geben brummende Laute von sich, ähnlich wie Katzen. Wo viele Männchen leben, kämpfen sie heftig um die Weibchen.

Keimruhe: Nach der Paarung wächst das befruchtete Ei zunächst nicht weiter. Erst etwa acht Monate später nistet es sich in der Gebärmutter ein. Das nennt man Keimruhe. Die eigentliche Entwicklung des Jungtiers dauert danach nur 25 bis 30 Tage. Insgesamt vergehen von der Paarung bis zur Geburt 245 bis 298 Tage.

Geburt: Die Jungen kommen zwischen Ende März und Anfang Mai zur Welt, oft in einem Nest aus Moos, Blättern und trockenem Gras in einem hohlen Baum. Ein Wurf hat 1 bis 7 Junge, meist sind es 2 oder 3. Die Neugeborenen sind blind, fast nackt, 10 bis 12 cm lang und wiegen nur 25 bis 35 Gramm.

Aufzucht: Nach 30 bis 36 Tagen öffnen die Jungen die Augen und verlassen bald darauf zum ersten Mal das Nest. Mit sieben Wochen werden sie nicht mehr gesäugt. Die Mutter füttert sie dann mit hervorgewürgter Nahrung. Die Männchen helfen mit: Sie verteidigen das Revier und bringen Futter für die Mutter und die Jungen. Im zweiten Lebensjahr sind junge Zobel geschlechtsreif.

Lebenserwartung: Je nach Gebiet überlebt nur etwa ein Fünftel bis ein Drittel der jungen Zobel das erste Lebensjahr. Die Angaben zum Höchstalter gehen auseinander. Nach einer Quelle werden in freier Natur nur wenige Zobel älter als 9 Jahre, das nachgewiesene Höchstalter liegt bei 18 Jahren. In Gefangenschaft wurden Zobel bis zu 22 Jahre alt. Eine andere Quelle nennt für wilde Zobel höchstens 8 Jahre und für Tiere auf Pelzfarmen 18 Jahre.

Kidus: Mischling aus Zobel und Baummarder

Im Uralgebirge leben Zobel und Baummarder im selben Gebiet. Dort paaren sich die beiden Arten manchmal miteinander. Der Mischling heißt Kidus. Er ist etwas kleiner als ein Zobel, hat gröberes Fell und einen langen, buschigen Schwanz. Kidusse können meist selbst keine Jungen bekommen.

Feinde und Gefährdung

Der Zobel hat scharfe Krallen und Zähne, mit denen er sich verteidigt. Zu seinen Feinden gehören größere Raubtiere wie Wölfe, Füchse, Vielfraße, Luchse und Tiger sowie Adler und große Eulen wie der Uhu.

Der größte Feind des Zobels war lange der Mensch. Zobelfelle sind seit Jahrhunderten ein begehrtes Handelsgut. In Russland waren sie ein Zeichen von Reichtum. Unterworfene Völker Sibiriens mussten ihre Abgaben an den russischen Staat in Zobelfellen bezahlen.

Anfang des 20. Jahrhunderts war der Zobel deshalb selten geworden. 1916 wurde am Baikalsee das Barguzin-Naturschutzgebiet gegründet, um die dortigen Zobel zu schützen. Es war das erste Naturschutzgebiet im Russischen Reich. In der Sowjetunion wurde die Jagd verboten und später nur noch eingeschränkt erlaubt. Zwischen 1940 und den 1960er-Jahren wurden außerdem rund 19.000 bis 20.000 Zobel in der Natur ausgesetzt. Die Angaben zu den genauen Zeiträumen unterscheiden sich je nach Quelle.

Diese Maßnahmen und die Zucht auf Pelzfarmen halfen dem Zobel. Heute leben schätzungsweise 1,1 bis 1,3 Millionen Zobel in freier Natur. Auf der Roten Liste der IUCN gilt der Zobel als nicht gefährdet (IUCN, 2016). Für die Unterart auf der japanischen Insel Hokkaidō reichen die Daten für eine Einstufung nicht aus.

Häufige Fragen zum Zobel

Was ist ein Zobel?

Der Zobel ist ein Marder, also ein kleines Raubtier mit langem, schlankem Körper. Er lebt in den Nadelwäldern Sibiriens und Nordasiens. Berühmt ist er für sein weiches, wertvolles Fell.

Ist der Zobel ein Marder?

Ja. Der Zobel gehört zur Familie der Marder und zur Gattung der Echten Marder. Sein naher Verwandter, der Baummarder, lebt auch in Deutschland. Beide sehen sich sehr ähnlich, der Zobel hat aber längere Ohren und einen kürzeren Schwanz.

Kann man einen Zobel als Haustier halten?

Der Zobel ist ein Wildtier und kein Haustier. In freier Natur nutzt er ein Revier von 4 bis 30 km² und läuft jeden Tag viele Kilometer. Zobel werden zwar auf Pelzfarmen gezüchtet, dort geht es aber um ihr Fell. Ältere Berichte beschreiben jung aufgezogene Zobel als verspielt, neugierig und zahm.

Welche Farbe hat ein Zobel?

Das Fell ist je nach Tier hellbraun bis fast schwarz. Der Rücken und die Beine sind meist dunkler als der Bauch. An der Kehle haben viele Zobel einen hellen, manchmal gelblichen oder orangen Fleck.

Wo lebt der Zobel?

Der Zobel lebt in Russland östlich des Urals, im Nordosten Kasachstans, in der Mongolei, im Norden Chinas, in Nordkorea und auf der japanischen Insel Hokkaidō. Er bewohnt dichte Nadelwälder im Flachland und im Gebirge.

Gibt es auch einen Fisch namens Zobel?

Ja. Der Zobel oder Scheibpleinzen (Ballerus sapa) ist ein Karpfenfisch. Er lebt in Flüssen wie der Donau und der Wolga und wird selten länger als 35 cm. Über den Main-Donau-Kanal ist er inzwischen bis in den Rhein gelangt. Mit dem Marder hat er nur den Namen gemeinsam.

Ähnliche Tiere

  • Baummarder - enger Verwandter aus Europa
  • Hermelin - ein weiterer Marder mit wertvollem Winterfell
  • Nerz - ein weiterer Marder, der am Wasser lebt
  • Vielfraß - großer Marder aus der Taiga und ein Feind des Zobels
  • Wiesel - kleine Verwandte aus der Familie der Marder
  • Dachs - kräftiger Marder, der in Erdbauen lebt

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Zobel
35 bis 56 cm

Wie groß ist der Zobel wirklich? Mit 35 bis 56 cm überragt er einen Fußball (22 cm), kommt aber noch nicht an ein Kind (1,2 m) heran. Selbst eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) wirkt daneben noch winzig.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Zobel
700 g bis 1,8 kg

Ein Zobel bringt 700 g bis 1,8 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als eine Hauskatze (4 kg). Anders ausgedrückt: Der Zobel wiegt so viel wie etwa 3 Fußbälle.