Zwergpinguin
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Kurz erklärt
Der Zwergpinguin ist mit etwa 33 Zentimetern und rund einem Kilogramm der kleinste Pinguin der Welt. Er lebt an den Küsten Neuseelands und Südaustraliens. Sein Rücken ist blau gefärbt, der Bauch weiß. Erst in der Dämmerung kommt er in Gruppen aus dem Meer an Land, auf Phillip Island in Australien sogar vor Zuschauern.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Eudyptula minor |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 33 cm |
| Körpergewicht | 1 kg |
| Ernährung | Fleischfresser: kleine Schwarmfische, Tintenfische und Krebstiere |
| Lebenserwartung | Bekanntes Höchstalter 25 Jahre (New Zealand Birds Online) |
| Sozialverhalten | Brütet einzeln, locker verteilt oder in Kolonien; kommt abends in Gruppen an Land; Paare bleiben während einer Brutzeit zusammen |
| Herkunft | Neuseeland und Südaustralien |
| Verbreitung | Küsten der Nord- und Südinsel Neuseelands, der Stewart- und Chathaminseln sowie Südwest- und Südostaustraliens AustralienMeer |
| Entdeckung | 1781 von J. R. Forster beschrieben |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2020) |
| Sonstiges | Kleinste Pinguinart der Welt. Einzige Pinguinart, die in einer Brutzeit mehr als ein Gelege haben kann. 2015 schlugen Forschende vor, die australischen Zwergpinguine als eigene Art Eudyptula novaehollandiae abzutrennen. |
Der kleinste Pinguin der Welt
Der Zwergpinguin (Eudyptula minor) ist die kleinste Pinguinart der Welt. Er lebt an den Küsten Neuseelands und im Süden Australiens. In Neuseeland ist er der häufigste Pinguin und kommt an fast allen Küsten vor.
Viele Namen: Im Englischen heißt er "little penguin", "little blue penguin", "blue penguin" oder in Australien "fairy penguin". Die Māori in Neuseeland nennen ihn "kororā". Der Gattungsname Eudyptula bedeutet "guter kleiner Taucher". Das passt, denn der Zwergpinguin jagt geschickt im flachen Wasser.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht: Ein Zwergpinguin ist nur etwa 33 Zentimeter groß und wiegt rund 1 Kilogramm. Männchen sind etwas größer als Weibchen und haben einen kräftigeren Schnabel.
Gefieder: Der Rücken ist mittel- bis dunkelblau, manchmal mit grünlichem Schimmer. Der Bauch ist weiß. Das dunkle Blaugrau im Gesicht reicht bis knapp unter das Auge. Kurz vor der jährlichen Mauser kann der Rücken blassbraun aussehen.
Schnabel, Augen, Füße: Der Schnabel ist kräftig, dunkelgrau und an der Spitze hakenförmig. Die Augen sind blaugrau oder haselnussbraun. Beine und Füße sind weißlich bis rosa, die Fußsohlen dunkel.
Weiße Flügelränder: Zwergpinguine von der Banks-Halbinsel und aus North Canterbury in Neuseeland sind auf dem Rücken am hellsten. Ihre Flügel haben breitere weiße Ränder als bei anderen Zwergpinguinen, deshalb heißen sie auf Englisch auch "white-flippered penguin".
Jungvögel: Frisch flügge Jungvögel sind auf dem Rücken leuchtend blau und deutlich kleiner als die Eltern.
Verwechslung: Junge Schopfpinguine, zum Beispiel junge Tawaki (englisch Fiordland crested penguin), sehen auf den ersten Blick ähnlich aus. Sie sind aber mindestens anderthalbmal so groß und haben vor oder über dem Auge etwas Gelb.
Verbreitung und Lebensraum
Neuseeland: Zwergpinguine leben an den Küsten der Nord- und der Südinsel, auf der Stewart-Insel, den Chathaminseln und vielen kleineren Inseln davor. Die größten Kolonien Neuseelands liegen auf Motunau Island mit 1.650 Nestern, in der Pohatu Bay auf der Banks-Halbinsel mit 1.250 Paaren und in Oamaru mit über 1.000 Tieren.
Australien: Häufig sind Zwergpinguine auch im Südwesten und Südosten Australiens. Die größte Zwergpinguin-Kolonie der Welt liegt auf Phillip Island im Bundesstaat Victoria.
Am und im Meer: Während der Brutzeit bleiben Zwergpinguine meist im Umkreis von 25 Kilometern um die Küste. Außerhalb der Brutzeit schwimmen sie auch weiter hinaus aufs Meer. Insgesamt verbringen sie rund 80 Prozent ihrer Zeit im Wasser.
Nistplätze: Ihre Nester legen Zwergpinguine nah am Meer an: in selbst gegrabenen oder fremden Erdhöhlen, in Höhlen und Felsspalten, unter Baumstämmen oder Büschen. Sie nisten auch in Nistkästen, Rohren, Holzstapeln und unter Häusern.
Ernährung
Zwergpinguine sind Fleischfresser. Sie jagen kleine Schwarmfische, Tintenfische und Krebstiere. Wie viel von jeder Beute auf dem Speiseplan steht, ist von Ort zu Ort verschieden. In Neuseeland sind zum Beispiel Pfeilkalmare (Nototodarus sloanii), Sprotten (Sprattus antipodum) und Larven von Fangschreckenkrebsen wichtige Beutetiere.
Jagd: Zwergpinguine verfolgen ihre Beute tauchend, meist in weniger als 50 Meter Tiefe. Sie jagen allein oder in kleinen Gruppen von selten mehr als sechs Tieren. In der Brutzeit suchen sie in Neuseeland ihr Futter im Umkreis von 20 Kilometern um die Kolonie. Die Pinguine von Phillip Island fressen meist im Umkreis von 50 Kilometern. Im Winter schwimmen manche von ihnen nach Westen in Richtung Portland oder in die Port Phillip Bay bei Melbourne.
Verhalten und Lebensweise
Nachtaktiv an Land: Tagsüber sind Zwergpinguine auf See. Erst in der Abenddämmerung kommen sie zurück zu ihren Nistplätzen. Vorher sammeln sie sich vor der Küste in kleinen Gruppen, den sogenannten "Flößen". Diese Gruppen schwimmen gemeinsam an Land und bestehen jeden Abend aus denselben Tieren.
Laut: In der Kolonie ist es nachts nicht still. Der Hauptruf am Nest ist ein lautes Schreien, das mit einem quietschenden Einatmen endet. Dazu kommen tiefe Knurrlaute. Auf See halten die Pinguine mit einem kurzen Bellen Kontakt. Wenn sie unter Häusern brüten, halten sie die Bewohner mit ihrem Lärm manchmal wach.
Mauser: Einmal im Jahr, meist zwischen Januar und März, wechseln Zwergpinguine alle Federn gleichzeitig. In dieser Zeit müssen sie etwa zwei Wochen lang ununterbrochen an Land bleiben.
Fortpflanzung und Nachwuchs
- Brutpaare: Zwergpinguine brüten als einzelne Paare, locker verteilt oder in Kolonien. Ein Paar bleibt mindestens während einer Brutzeit zusammen. Viele Paare kehren immer wieder an denselben Nistplatz zurück.
- Eier: Das Weibchen legt 1 bis 2 Eier. Sie sind weiß oder leicht braun gesprenkelt. In Neuseeland werden die Eier zwischen Juli und Mitte November gelegt.
- Mehrere Bruten: Als einzige Pinguinart können Zwergpinguine in einer Brutzeit mehr als ein Gelege haben. In Neuseeland beginnen zweite oder sogar dritte Gelege manchmal noch im Dezember. Das kommt aber nur in wenigen Kolonien vor.
- Brüten: Beide Eltern brüten abwechselnd. Nach rund fünf Wochen schlüpfen die Küken, New Zealand Birds Online nennt 30 bis 39 Tage.
- Aufzucht: In den ersten 18 bis 38 Tagen hudern die Eltern die Küken, sie wärmen sie also unter ihrem Körper. Gefüttert werden die Küken von beiden Eltern. Nach 7 bis 8 Wochen sind die Jungen flügge.
- Erwachsen: Mit 2 bis 3 Jahren brüten Zwergpinguine zum ersten Mal. Das höchste bekannte Alter liegt bei 25 Jahren.
Pinguinparade auf Phillip Island
Auf Phillip Island, etwa 90 Autominuten von Melbourne entfernt, liegt die größte Zwergpinguin-Kolonie der Welt. Jeden Abend, das ganze Jahr über, kommen die Pinguine aus dem Meer und watscheln über den Strand zu ihren Bruthöhlen. Besucher sehen ihnen von Tribünen und Holzstegen aus zu. Die "Penguin Parade" betreibt das Schutzgebiet Phillip Island Nature Parks. Jeden Abend zählen Mitarbeitende, wie viele Pinguine den Strand überqueren. So erkennen Forschende, ob der Bestand wächst oder schrumpft.
Fast verschwunden: Früher gab es auf Phillip Island zehn Zwergpinguin-Kolonien. Bis in die 1980er-Jahre waren neun davon verschwunden. Schuld waren neue Häuser, Autos, die nachts durch die Kolonie fuhren, Feuer und Haustiere. Fachleute sagten voraus, dass auch die letzte Kolonie bis Ende der 1990er-Jahre verschwinden würde.
Gerettet: Daraufhin startete ein Schutzprogramm. Der Bundesstaat Victoria begann, die Häuser der Siedlung Summerland Estate zurückzukaufen, die mitten in der letzten Kolonie lag. Der Erfolg ist deutlich: Mitte der 1980er-Jahre lebten dort etwa 12.000 Zwergpinguine, heute sind es schätzungsweise 40.000.
Eine Art oder zwei?
Lange galten alle Zwergpinguine als eine einzige Art. Erbgut-Untersuchungen zeigten aber zwei deutlich getrennte Linien: eine, die nur in Neuseeland lebt, und eine in Australien, die auch im Südosten Neuseelands in der Region Otago vorkommt.
Der Vorschlag: 2015 empfahl ein Forschungsteam um Stefanie Grosser von der Universität Otago, die australischen Zwergpinguine als eigene Art abzutrennen: Eudyptula novaehollandiae. Die neuseeländischen Tiere sollen weiter Eudyptula minor heißen. Für zwei Arten sprechen nicht nur die Gene:
- Die Federn unterscheiden sich in der Blaufärbung und Helligkeit.
- Die Rufe sind verschieden, und Weibchen bevorzugen die Rufe von Männchen ihrer eigenen Linie.
- Laut der Studie wurde in Neuseeland nur in Otago, wo die australische Linie lebt, beobachtet, dass die Pinguine in Gruppen gemeinsam an Land kommen. New Zealand Birds Online beschreibt solche Gruppen allerdings allgemein für Neuseeland.
- Nur bei der australischen Linie gibt es zwei Bruten in einer Saison.
Wo beide Linien zusammen leben, mischen sie sich nur selten.
Einwanderer aus Australien: 2016 untersuchte ein Team um Grosser das Erbgut alter Überreste von Zwergpinguinen aus Neuseeland. Das Ergebnis: Die australischen Zwergpinguine kamen wahrscheinlich erst zwischen 1500 und 1900 in den Südosten Neuseelands. Vorher waren die einheimischen Zwergpinguine dort durch den Menschen stark zurückgegangen, und die Einwanderer ersetzten sie.
Noch nicht überall anerkannt: New Zealand Birds Online führt die beiden Linien derzeit als Unterarten (E. m. novaehollandiae und E. m. minor). Auch die IUCN bewertet in ihrer Einstufung von 2020 den Zwergpinguin noch als eine Art.
Feinde und Gefährdung
Die Rote Liste der IUCN stuft den Zwergpinguin in ihrer Einstufung von 2020 als nicht gefährdet (Least Concern, LC) ein.
In Neuseeland gilt er trotzdem als abnehmend. Viele Kolonien schrumpfen, weil eingeschleppte Raubtiere wie Katzen, Hunde und Frettchen die Pinguine fressen. Weitere Gefahren sind:
- Stellnetze, in denen sich Pinguine im Meer verfangen
- Autos, die viele erwachsene Pinguine überfahren, wo Küstenstraßen zwischen Brutplatz und Meer verlaufen
- Bebauung der Küste und Hausbesitzer, die Pinguine unter ihren Häusern aussperren, weil sie laut sind und nach Fisch riechen
Schutz hilft: Zwergpinguine reagieren gut auf Schutzmaßnahmen. Wo Raubtiere bekämpft und Nistkästen aufgestellt werden, wachsen die Bestände wieder, zum Beispiel im Hafen von Wellington, auf der Banks-Halbinsel und in Oamaru.
Häufige Fragen zum Zwergpinguin
Wie groß ist ein Zwergpinguin?
Ein Zwergpinguin ist nur etwa 33 Zentimeter groß und wiegt rund 1 Kilogramm. Damit ist er der kleinste Pinguin der Welt.
Wo lebt der Zwergpinguin?
Er lebt an den Küsten Neuseelands und im Südwesten und Südosten Australiens. Die größte Kolonie der Welt liegt auf Phillip Island bei Melbourne.
Was frisst ein Zwergpinguin?
Zwergpinguine fressen kleine Schwarmfische, Tintenfische und Krebstiere. Sie jagen tauchend, meist in weniger als 50 Meter Tiefe.
Was ist die Pinguinparade?
Auf Phillip Island kommen die Zwergpinguine jeden Abend in Gruppen aus dem Meer und watscheln zu ihren Bruthöhlen. Besucher können ihnen von Tribünen aus zusehen. Dank eines Schutzprogramms leben dort heute etwa 40.000 Zwergpinguine.
Wie alt werden Zwergpinguine?
Das höchste bekannte Alter liegt bei 25 Jahren. Zum ersten Mal brüten sie mit 2 bis 3 Jahren.
Ist der Zwergpinguin gefährdet?
Weltweit nicht: Die IUCN stuft ihn seit 2020 als nicht gefährdet ein. In Neuseeland nehmen viele Kolonien aber ab, vor allem durch Katzen, Hunde, Frettchen und den Straßenverkehr.
Ähnliche Tiere
- Gelbaugenpinguin - ein weiterer Pinguin aus Neuseeland
- Galapagos-Pinguin - ein weiterer Pinguin außerhalb der Antarktis
- Brillenpinguin - ein weiterer Pinguin außerhalb der Antarktis
- Felsenpinguin - ein weiterer Pinguin
- Adeliepinguin - ein Pinguin aus der Antarktis
Quellen
- BirdLife International (2020): Eudyptula minor. The IUCN Red List of Threatened Species 2020
- Flemming, S. A. (2013, aktualisiert 2022): Little penguin | kororā. In: Miskelly, C. M. (Hrsg.): New Zealand Birds Online
- Penguin Parade - Phillip Island Nature Parks
- Research - Phillip Island Nature Parks
- Grosser, S., Burridge, C. P., Peucker, A. J. & Waters, J. M. (2015): Coalescent modelling suggests recent secondary-contact of cryptic penguin species. PLOS ONE 10, e0144966
- Grosser, S., Rawlence, N. J., Anderson, C. N. K., Smith, I. W. G., Scofield, R. P. & Waters, J. M. (2016): Invader or resident? Ancient-DNA reveals rapid species turnover in New Zealand little penguins. Proceedings of the Royal Society B 283, 20152879
Größenvergleich
Mit 33 cm gehört der Zwergpinguin zu den kleineren Tieren in unserem Lexikon. Ein Fußball (22 cm) ist dagegen kleiner, während ein Kind mit 1,2 m noch einiges an Größe drauflegt.
Gewichtsvergleich
Ein Zwergpinguin bringt 1 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als eine Hauskatze (4 kg).