Raufußhühner

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Balzender Birkhahn mit roten Rosen über den Augen und gefächertem Schwanz im trockenen Heidekraut
Spjutkastare / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kurz erklärt

Raufußhühner sind Hühnervögel aus den kalten und gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel. Ihren Namen haben sie von den befiederten Füßen, die im Winter wie Schneeschuhe wirken. In Deutschland leben vier Arten: Auerhuhn, Birkhuhn, Haselhuhn und Alpenschneehuhn. Alle vier sind bei uns selten geworden und stehen auf der Roten Liste.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameTetraoninae
Abstammung
  • Klasse: Vögel
  • Ordnung: Hühnervögel (Galliformes)
  • Familie: Fasanenartige (Phasianidae)
  • Unterfamilie: Raufußhühner (Tetraoninae)
KörpergrößeJe nach Art sehr verschieden: Alpenschneehuhn 34 bis 36 cm, Auerhenne 54 bis 63 cm, Auerhahn etwa 90 cm
KörpergewichtJe nach Art und Geschlecht sehr verschieden; der Auerhahn als größte Art Mitteleuropas wiegt 3 bis 6,5 kg, die Auerhenne 1,5 bis 2,5 kg
ErnährungÜberwiegend pflanzlich: Knospen, Triebe, Blätter, Beeren, im Winter auch Nadeln und Kätzchen; Küken fressen anfangs vor allem Insekten
SozialverhaltenWaldhühner leben eher einzeln und bilden im Herbst und Winter Trupps, Schneehühner im Winter teils Schwärme von über 100 Vögeln; Balz je nach Art paarweise oder auf gemeinsamen Balzplätzen
HerkunftVermutlich nördliche Breiten; genetische Studien deuten auf einen Ursprung in Nordamerika hin
Verbreitung Gemäßigte, boreale und arktische Zone der Nordhalbkugel in Europa, Asien und Nordamerika; in Deutschland vor allem in den Alpen und einzelnen Mittelgebirgen AsienEuropaNordamerika
SonstigesGruppenseite. Die IUCN bewertet jede Art einzeln: Auerhuhn, Birkhuhn und Haselhuhn (je LC, 2024) sowie Alpenschneehuhn (LC, 2025) gelten weltweit als nicht gefährdet. In Deutschland stehen alle vier Arten auf der Roten Liste der Brutvögel (2021).

Was sind Raufußhühner?

Raufußhühner sind Hühnervögel, die an Kälte und Schnee angepasst sind. Ihren Namen verdanken sie ihren befiederten Füßen. Zu ihnen gehören das Auerhuhn, das Birkhuhn, das Haselhuhn und die Schneehühner. Sie leben in den gemäßigten, borealen und arktischen Gebieten der Nordhalbkugel, also in Europa, Asien und Nordamerika.

Wie viele Arten gibt es? Der Aktionsplan der Weltnaturschutzunion IUCN für Raufußhühner zählte 2006 weltweit 18 Arten. Im selben Jahr teilte die Amerikanische Ornithologen-Union eine nordamerikanische Art in zwei Arten auf (Dendragapus obscurus und Dendragapus fuliginosus). Bei einigen Arten ist umstritten, zu welcher Gattung sie gehören. Deshalb findet man für das Birkhuhn und das Haselhuhn in Büchern unterschiedliche wissenschaftliche Namen, zum Beispiel Lyrurus tetrix oder Tetrao tetrix für das Birkhuhn.

Familie oder Unterfamilie? Fachleute sind sich einig, dass die Raufußhühner eine eigene, klar abgegrenzte Gruppe innerhalb der Hühnervögel bilden. Uneinig sind sie, ob diese Gruppe eine eigene Familie (Tetraonidae) ist oder eine Unterfamilie (Tetraoninae) der Fasanenartigen (Phasianidae). Genetische Untersuchungen sprechen für die Einordnung als Unterfamilie. Daher ordnen viele Fachleute die Raufußhühner heute bei den Fasanenartigen ein.

Raufußhühner in Deutschland

In Deutschland brüten vier Arten. Sie leben vor allem in den Alpen und in einigen Mittelgebirgen und sind alle selten geworden.

ArtGrößeLebensraumRote Liste Deutschland (2021)
Auerhuhn (Tetrao urogallus)Hahn etwa 90 cm, Henne 54 bis 63 cmalte, lichte Nadel- und Nadelmischwälder in Alpen und Mittelgebirgenvom Aussterben bedroht
Birkhuhn (Lyrurus tetrix)deutlich kleiner als das AuerhuhnWald- und Baumgrenze mit Zwergsträuchern, Heide- und Moorgebietestark gefährdet
Haselhuhn (Tetrastes bonasia)etwa so groß wie ein Rebhuhnunterholzreiche Nadel- und Laubmischwälderstark gefährdet
Alpenschneehuhn (Lagopus muta)34 bis 36 cmAlpen oberhalb der Baumgrenze, etwa 1.600 bis 2.500 mextrem selten (Kategorie R)

Aussehen und Körperbau

Einige Merkmale unterscheiden Raufußhühner von anderen Hühnervögeln:

  • Befiederte Läufe und Nasenlöcher: Der untere Teil der Beine ist mit Federn bedeckt, ebenso die Nasenlöcher.
  • Keine Sporne: Raufußhühner haben keine Sporne an den Beinen.
  • Schneeschuhe: Im Winter tragen die Zehen Federn oder kleine Schuppen an den Seiten. Sie helfen den Vögeln, auf dem Schnee zu laufen.
  • Langer Darm: Ihr Darm ist besonders lang und hat große Blinddärme. Darin helfen Bakterien, schwer verdauliche Pflanzenfasern aufzuschließen.

Männchen und Weibchen sehen bei manchen Arten sehr verschieden aus, vor allem beim Auerhuhn und beim Birkhuhn. Die Hähne sind auffälliger gefärbt und können bis doppelt so groß sein wie die gut getarnten Hennen. Über den Augen haben sie leuchtend rote oder gelbe nackte Hautstellen, die man beim Birkhuhn „Rosen“ nennt. Bei Arten, die als Paar zusammenleben, sehen Männchen und Weibchen sich dagegen recht ähnlich.

Größe: Das Auerhuhn ist der größte Hühnervogel Mitteleuropas. Ein Auerhahn misst etwa 90 Zentimeter und wiegt 3 bis 6,5 Kilogramm, die Henne ist mit 54 bis 63 Zentimetern und 1,5 bis 2,5 Kilogramm viel kleiner. Das Haselhuhn ist die kleinste heimische Art und nur etwa so groß wie ein Rebhuhn. Das Alpenschneehuhn ist etwa so groß wie eine Taube.

Farbwechsel: Das Alpenschneehuhn trägt im Winter bis auf die Schwanzfedern ein weißes Gefieder. Im Sommer sind nur die Flügel weiß, der Rest ist graubraun. So ist es das ganze Jahr über gut getarnt.

Verbreitung und Lebensraum

Raufußhühner kommen in den gemäßigten, borealen und arktischen Zonen der Nordhalbkugel vor. Nach der Einteilung im Aktionsplan der IUCN leben die vier Arten der Gattung Tetrao nur in Europa und Asien, die fünf Arten der Gattungen Centrocercus und Tympanuchus nur in Amerika. Zwei Schneehuhn-Arten leben sowohl in Eurasien als auch in Nordamerika.

Fast jeder Lebensraum des Nordens hat sein eigenes Raufußhuhn:

  • Tundra und Hochgebirge: Schneehühner (Lagopus) leben in der Arktis und oberhalb der Baumgrenze.
  • Prärie: Einige Arten leben in den Graslandschaften Nordamerikas.
  • Wald: Auerhuhn, Haselhuhn und weitere Arten bewohnen Wälder.

Die meisten Raufußhühner sind Spezialisten und brauchen einen ganz bestimmten Lebensraum. Bei den drei Waldhühnern Europas zeigt sich das gut: Das Birkhuhn lebt in jungen Waldstadien und an der Baumgrenze, das Haselhuhn im dichten, nachwachsenden Wald und das Auerhuhn im alten, reifen Wald.

In Bayern lebt das Auerhuhn in den Alpen und verstreut in der Rhön, im Bayerischen Wald, im Fichtelgebirge und im Nürnberger Reichswald. Das Alpenschneehuhn kommt in Deutschland nur in den bayerischen Alpen vor, zum Beispiel im Karwendel, im Estergebirge und im Nationalpark Berchtesgaden.

Ernährung

Raufußhühner fressen überwiegend Pflanzen. Im Winter leben sie von Nahrung, die wenig Energie liefert, aber reichlich vorhanden ist: Knospen und Nadeln von Nadelbäumen. Dafür brauchen sie ihren langen Darm.

  • Auerhuhn: Beerensträucher, vor allem Heidelbeere, Knospen und Blätter von Laubbäumen, junge Gräser und Kräuter; im Winter Nadeln und Knospen, vor allem von Kiefer und Tanne.
  • Birkhuhn: Blätter, Knospen und Blüten, im Winter auch Birkenkätzchen und Nadeln. Im Sommer kommen Insekten und Spinnen dazu.
  • Haselhuhn: Im Winter Kätzchen und Knospen von Weichhölzern, im Herbst Beeren wie Holunder, Himbeere, Eberesche und Heidelbeere.
  • Alpenschneehuhn: Knospen, Triebe und Beeren, im Sommer auch Insekten.

Die Küken brauchen in den ersten Wochen energiereiche Nahrung und fressen vor allem Insekten und andere Wirbellose, beim Haselhuhn zum Beispiel Ameisen.

Verhalten: So überstehen Raufußhühner den Winter

Anders als viele andere Vögel fliegen Raufußhühner im Winter nicht in den Süden. Sie bleiben das ganze Jahr in ihrem Gebiet. Um sich warm zu halten, graben sie Höhlen in den Schnee. Alpenschneehühner lassen sich einschneien oder legen über einen Meter lange Schlafhöhlen im Schnee an.

Im Winter müssen Raufußhühner mit ihrer Energie sparsam umgehen. Störungen durch Tourismus und Wintersport kosten sie viel Energie. Für das Alpenschneehuhn sind deshalb Skitouren abseits der ausgewiesenen Pisten eine besondere Gefahr.

Wie gesellig Raufußhühner sind, hängt von der Art ab. Waldhühner leben eher einzeln, schließen sich im Herbst und Winter aber zu Trupps zusammen. Schneehühner bilden im Winter Schwärme von mehr als hundert Vögeln. Wo mehrere Arten nebeneinander leben, entstehen häufig Mischlinge zwischen den Arten. Diese sind aber meist unfruchtbar.

Balz und Fortpflanzung

Bei der Partnerwahl gehen die Arten sehr verschiedene Wege:

  • Gemeinsame Balzplätze: Birkhähne treffen sich auf traditionellen Balzplätzen im offenen Gelände. Jeder Hahn verteidigt dort ein kleines Revier. Sein kullernder und zischender Ruf ist mehrere Kilometer weit zu hören. Auch Auerhähne balzen gemeinsam, haben dabei aber feste, dauerhafte Reviere.
  • Paare: Haselhühner und Schneehühner leben überwiegend in Einehe als Paar.

Die Paarung findet im April oder Mai statt, etwa zur Zeit der Schneeschmelze. Raufußhühner sind Bodenbrüter. Im Schnitt legt die Henne je nach Art 5 bis 12 Eier, beim Birkhuhn meist 7 bis 10. Nur das Weibchen brütet. Nach etwa drei bis vier Wochen schlüpfen die Küken. Sie sind Nestflüchter und verlassen das Nest kurz nach dem Schlüpfen.

Fast immer kümmert sich nur die Mutter um die Jungen. Eine Ausnahme ist das Moorschneehuhn (Lagopus lagopus), bei dem beide Eltern die Küken führen und beschützen. Beim Birkhuhn bleiben die Küken bis zum September im Familienverband. Raufußhühner brüten nur einmal im Jahr. Geht das Gelege früh verloren, legt die Henne manchmal ein zweites Mal.

Gefährdung und Schutz

Weltweit stuft die IUCN die vier heimischen Arten als nicht gefährdet ein: Auerhuhn, Birkhuhn und Haselhuhn (LC, 2024) sowie das Alpenschneehuhn (LC, 2025). In Deutschland sieht es anders aus. Auf der Roten Liste der Brutvögel von 2021 stehen alle vier Arten:

  • Auerhuhn: vom Aussterben bedroht
  • Birkhuhn: stark gefährdet (2016 noch vom Aussterben bedroht)
  • Haselhuhn: stark gefährdet
  • Alpenschneehuhn: extrem selten (Kategorie R: natürlicherweise selten, oft am Rand des Verbreitungsgebiets)

Ursachen: Raufußhühner brauchen große, naturnahe Lebensräume und reagieren empfindlich auf Veränderungen. Beim Birkhuhn verschwanden viele Moore und Heiden durch Entwässerung, Torfabbau und Aufforstung. Beim Haselhuhn gingen lichte, strauchreiche Wälder zurück. Das Auerhuhn leidet unter dem Verlust alter, lichter Wälder und unter Störungen zur Balzzeit und im Winter, etwa durch Tourismus oder Forstarbeiten. Im Hochgebirge kommen Erschließungen für den Wintersport dazu.

Das Birkhuhn war Vogel des Jahres 1980. Laut NABU ist es in Deutschland wie in fast allen anderen europäischen Ländern extrem selten geworden.

Häufige Fragen zu Raufußhühnern

Warum heißen Raufußhühner so?

Der Name bezieht sich auf ihre befiederten Füße. Bei Raufußhühnern sind die Läufe befiedert, und im Winter tragen die Zehen Federn oder kleine Schuppen. Diese „Schneeschuhe“ helfen ihnen, auf dem Schnee zu laufen.

Welche Raufußhühner leben in Deutschland?

In Deutschland brüten vier Arten: Auerhuhn, Birkhuhn, Haselhuhn und Alpenschneehuhn. Sie leben vor allem in den Alpen und in einigen Mittelgebirgen. Das Alpenschneehuhn gibt es nur in den bayerischen Alpen.

Gehören Raufußhühner zu den Fasanen?

Viele Fachleute ordnen sie heute als Unterfamilie bei den Fasanenartigen ein, genetische Studien stützen das. Andere führen sie als eigene Familie. Unbestritten ist, dass sie eine eigene Gruppe innerhalb der Hühnervögel bilden.

Was fressen Raufußhühner im Winter?

Im Winter fressen sie vor allem Knospen und Nadeln von Nadelbäumen, das Birkhuhn auch Birkenkätzchen. Diese Nahrung liefert wenig Energie, ist aber reichlich vorhanden. Ein besonders langer Darm hilft beim Verdauen.

Welches ist das größte Raufußhuhn?

In Mitteleuropa ist es das Auerhuhn. Ein Auerhahn wird etwa 90 Zentimeter lang und wiegt 3 bis 6,5 Kilogramm. Die Henne ist deutlich kleiner und leichter.

Warum sind Raufußhühner in Deutschland so selten?

Ihre Lebensräume sind kleiner geworden: Moore wurden entwässert, und lichte, strauchreiche Wälder sind seltener geworden. Dazu kommen Störungen durch Freizeitsport, die im Winter wertvolle Energie kosten. Deshalb stehen alle vier heimischen Arten auf der Roten Liste.

Ähnliche Tiere

  • Auerhuhn - das größte Raufußhuhn Europas mit eigener Steckbrief-Seite
  • Fasan - ein weiterer Hühnervogel, der auch in Deutschland lebt
  • Wachtel - ein kleiner heimischer Hühnervogel und Bodenbrüter
  • Truthahn - ein großer Hühnervogel aus Nordamerika, dessen Hähne ebenfalls auffällig balzen
  • Huhn - das Haushuhn gehört wie die Raufußhühner zu den Hühnervögeln

Quellen