Südchinesischer Tiger
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Kurz erklärt
Der Südchinesische Tiger ist eine kleine Unterart des Tigers aus Süd- und Ostchina. In freier Natur hat seit den frühen 1970er-Jahren kein Fachmann mehr ein Tier gesehen, deshalb gilt er als möglicherweise in der Natur ausgestorben. Heute leben nur noch etwas mehr als 200 Tiere in Zoos. Sie alle stammen von nur sechs wild gefangenen Tigern ab.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Panthera tigris amoyensis |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 2,2 bis 2,65 m |
| Körpergewicht | 100 bis 175 kg |
| Ernährung | Fleischfresser: vor allem Wildschweine und Hirsche |
| Lebenserwartung | 20 bis 26 Jahre |
| Sozialverhalten | Einzelgänger |
| Herkunft | Süd- und Ostchina |
| Verbreitung | Früher Süd- und Ostchina, heute in freier Natur verschollen Asien |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1905 durch Max Hilzheimer |
| Gefährdung | CR Vom Aussterben bedroht (Rote Liste der IUCN, 2008) |
| Sonstiges | Die IUCN führt die Unterart als vom Aussterben bedroht mit dem Zusatz „möglicherweise in der Natur ausgestorben". Längen- und Gewichtsangaben nach Mazák (1981): Gesamtlänge mit Schwanz, Männchen 230 bis 265 cm und 130 bis 175 kg, Weibchen 220 bis 240 cm und 100 bis 115 kg. |
Aussehen und Körperbau
Der Südchinesische Tiger ist eine der kleinsten Tigerunterarten. Nach den Maßtabellen des Zoologen Vratislav Mazák erreichen Männchen eine Gesamtlänge von 230 bis 265 cm und ein Gewicht von 130 bis 175 kg. Weibchen bleiben mit 220 bis 240 cm und 100 bis 115 kg kleiner. Zum Vergleich: Männchen des Sibirischen Tigers werden 270 bis 330 cm lang, Männchen des Königstigers 270 bis 310 cm und bis zu 258 kg schwer.
Bei diesen Längen ist der Schwanz mitgemessen. Er macht bei Tigern etwa ein Drittel der Gesamtlänge aus.
Wie alle Tiger hat auch der Südchinesische Tiger ein rotorangenes bis rotockerfarbenes Fell mit dunklen, überwiegend senkrechten Streifen. Kehle, Brust und Bauchseite sind weiß. Jedes Tier trägt ein eigenes Streifenmuster, ähnlich einem Fingerabdruck.
Zwei Merkmale teilt er mit allen Großkatzen der Gattung Panthera:
- Die längsten Eckzähne aller heute lebenden Katzen. Mit ihnen packt der Tiger die Kehle seiner Beute.
- Krallen von 80 bis 100 mm Länge, über die Krümmung gemessen. Sie lassen sich einziehen und werden nur zum Zupacken und zur Verteidigung ausgefahren.
Verbreitung: wo der Südchinesische Tiger lebte
Sein Name ist Programm: Diese Unterart lebte ausschließlich in China. Die Typuslokalität, also der Fundort des zuerst beschriebenen Tieres, liegt bei Hankou in der Provinz Hubei. Beschrieben wurde die Unterart 1905 von dem deutschen Zoologen Max Hilzheimer.
Die IUCN führt als letztes bekanntes Verbreitungsgebiet die Provinzen Jiangxi, Fujian, Guangdong und Hunan - und zwar mit dem Zusatz „möglicherweise ausgestorben". Ursprünglich reichte das Gebiet über 16 Kreise (counties); in zwölf davon gilt der Tiger als sicher verschwunden. Sein Lebensraum waren bewaldete Berg- und Hügellandschaften im Süden und Osten des Landes.
In der Natur verschwunden
Die Zahlen aus den vergangenen 70 Jahren erzählen eine Geschichte des schnellen Zusammenbruchs:
- 1950er-Jahre: Der Bestand wird auf über 4.000 Tiere geschätzt.
- 1950er bis 1970er: Großangelegte Kampagnen zur Ausrottung von Tigern und der Verlust großer Waldflächen lassen den Bestand einbrechen. Erst in den 1970er-Jahren wird die Art unter besonderen Schutz gestellt.
- 1982: Nur noch geschätzte 150 bis 200 Tiere leben in freier Natur.
- Anfang der 1990er: In elf Schutzgebieten in Fujian, Hunan und Guangdong werden Spuren und Kratzmarken gefunden. Für eine Bestandsschätzung reichen diese Hinweise nicht aus.
- 2001 und 2002: Umfangreiche Untersuchungen mit Transekten und Kamerafallen in acht Schutzgebieten in fünf Provinzen finden keinen einzigen belastbaren Nachweis. Gleichzeitig sind die Bestände der Beutetiere sehr niedrig und der Lebensraum stark zerschnitten.
Seit den frühen 1970er-Jahren hat kein Wildhüter und kein Biologe mehr einen wilden Südchinesischen Tiger gesehen. Der letzte gesicherte Nachweis ist ein Tier, das damals eingefangen wurde. Unbestätigte Meldungen von Einheimischen gibt es bis heute, doch geprüft werden konnte keine davon.
Die chinesische Regierung selbst geht davon aus, dass es keine bestätigten wildlebenden Tiere mehr gibt. Deshalb führt die IUCN die Unterart als vom Aussterben bedroht (CR) mit dem Zusatz „möglicherweise in der Natur ausgestorben". Ein offizieller Wechsel in die Kategorie „in der Natur ausgestorben" (EW) ist bisher nicht erfolgt, weil nicht das gesamte historische Verbreitungsgebiet lückenlos abgesucht wurde. Die Bewertung stammt aus dem Jahr 2008 und wurde seitdem nicht neu erstellt.
Leben in Zoos: alle Tiere stammen von sechs Vorfahren ab
Die einzige Hoffnung für die Unterart sind die Tiere in Menschenobhut. Ihre Geschichte lässt sich genau nachzeichnen, weil seit Jahrzehnten ein Zuchtbuch geführt wird:
- Seit 1955 wurden laut Zuchtbuch insgesamt 27 männliche und 20 weibliche Südchinesische Tiger in Gefangenschaft gehalten.
- 1963 gelang im Zoo Guiyang Qianling die erste Nachzucht.
- Alle heute lebenden Tiere stammen von nur zwei wild gefangenen Männchen und vier wild gefangenen Weibchen ab. Daraus entstanden zwei Zuchtlinien, eine in Shanghai und eine in Guiyang.
- Zwischen 1972 und 1984 wuchs die Zahl von 13 auf 49 Tiere. Danach kamen weniger Jungtiere zur Welt, und viele überlebten nicht - ein typisches Zeichen für Inzucht in einer kleinen Population.
- Seit 1994 steuert die Chinesische Vereinigung der Zoologischen Gärten das Zuchtprogramm zentral und tauscht Tiere zwischen den Zoos aus.
- 2020 lebten nach dem Zuchtbuch 205 Tiere in 16 chinesischen Zoos und 18 weitere im Laohu Valley Reserve in Südafrika.
Eine genetische Untersuchung von 29 Tieren aus dem Jahr 2023 zeigte, dass die beiden Zuchtlinien bis heute unterscheidbar sind und dass die Population trotz ihrer kleinen Ausgangsgröße noch eine mittlere genetische Vielfalt besitzt. Die Forschenden empfehlen, Tiere aus beiden Linien gezielt miteinander zu verpaaren.
Ein Wermutstropfen bleibt: Schon eine ältere Untersuchung von fünf Zootieren fand zwei sehr unterschiedliche Erblinien, von denen eine nicht vom Indochinesischen Tiger zu unterscheiden war. Nicht alle Tiere im Zuchtprogramm sind also zweifelsfrei reine Südchinesische Tiger.
Ernährung
Tiger sind reine Fleischfresser und jagen allein. Ihre Hauptbeute sind mittelgroße bis große Huftiere, vor allem Wildschweine und verschiedene Hirscharten wie Sikahirsch, Sambar und Muntjak. Rinderartige wie Gaur und Banteng gehören ebenfalls dazu. Fehlt große Beute, nehmen Tiger auch Vögel, Schildkröten, Frösche, Fische oder Nagetiere.
Die Jagd ist ein Anschleichpirschen: Der Tiger nähert sich von der Seite oder von hinten so dicht wie möglich und greift dann aus kurzer Entfernung an. Er wirft die Beute um und hält sie mit einem Kehlbiss fest, bis sie erstickt. Kleinere Tiere tötet er mit einem Nackenbiss. Erfolgreich ist nur ein kleiner Teil der Versuche: Auf einen Riss kommen 10 bis 20 gescheiterte Anläufe.
Große Beute zieht der Tiger anschließend ins Dickicht, frisst sich satt, ruht und kehrt später zurück. Verlässt er den Riss, deckt er ihn oft mit Laub und Erde ab.
Weil es in den Wäldern Südchinas heute kaum noch Wildschweine und Hirsche in ausreichender Dichte gibt, wäre selbst ein überlebender Tiger dort nur schwer zu ernähren. Dieser Mangel an Beute ist einer der Gründe, warum Fachleute ein Überleben für unwahrscheinlich halten.
Verhalten und Lebensweise
Tiger leben als Einzelgänger in großen Streifgebieten, die sie mit Duftmarken und Kratzspuren an Bäumen kennzeichnen. Die Reviere der Weibchen sind kleiner als die der Männchen; ein Männchenrevier überlappt oft mit denen mehrerer Weibchen. Wie groß ein Revier ist, hängt vor allem davon ab, wie viel Beute es gibt.
Beim Aufspüren der Beute verlassen sich Tiger stärker auf Gehör und Sehsinn als auf den Geruch. Tagsüber ruhen sie in dichter Deckung, unter Wurzeltellern, in Höhlen oder im hohen Gras. Anders als die meisten Katzen gehen Tiger gern ins Wasser und schwimmen gut.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Tiger können sich zu jeder Jahreszeit paaren, am häufigsten geschieht das zwischen Ende November und der ersten Aprilhälfte. Ein Weibchen ist alle drei bis neun Wochen für etwa drei bis sechs Tage paarungsbereit.
Die Tragzeit dauert im Mittel 104 bis 106 Tage, in Einzelfällen 96 bis 111 Tage. Ein Wurf umfasst meist zwei oder drei Junge, selten eines bis vier, ganz ausnahmsweise sechs. Die Neugeborenen wiegen 780 bis 1.600 g; Kopf und Rumpf messen 31,5 bis 40 cm, der Schwanz 13 bis 16 cm.
So entwickeln sich die Jungtiere:
- Augen und Ohren sind zunächst geschlossen. Die Augen öffnen sich nach 6 bis 14 Tagen, die Ohren nach 9 bis 11 Tagen.
- Die Milchzähne brechen ab der zweiten bis dritten Lebenswoche durch und sind nach 6 bis 8 Wochen vollständig.
- Ab dem zweiten Monat begleiten die Jungen die Mutter auf ihren Streifzügen und fressen erste feste Nahrung.
- Mit fünf oder sechs Monaten nehmen sie an der Jagd teil. Die Mutter bringt ihnen das Anschleichen, Anspringen und Töten bei.
- Nach etwa zwei Jahren trennen sie sich von der Mutter, manche bleiben noch ein drittes Jahr.
Weibchen sind mit drei bis vier Jahren geschlechtsreif, Männchen mit vier bis fünf. In freier Natur bekommt eine Tigerin erst dann wieder Nachwuchs, wenn sich der vorherige Wurf selbstständig gemacht hat - also meist alle zwei bis vier Jahre. Tiger können 20 bis 26 Jahre alt werden.
Wie viele Tigerunterarten gibt es?
Darüber streitet die Fachwelt seit Jahren. Eine Untersuchung von 2015 kam anhand von Körperbau, Fellzeichnung und Erbgut auf nur zwei Unterarten: eine auf dem Festland und eine auf den Sundainseln. Eine Genom-Untersuchung von 2018 fand dagegen sechs lebende Unterarten, darunter den Südchinesischen Tiger. Dieser Einteilung folgt auch die aktuelle Rote Liste.
Drei weitere Unterarten, die früher anhand des Körperbaus unterschieden wurden, sind bereits ausgestorben: der Kaspische Tiger, der Java-Tiger und der Bali-Tiger.
Die Art Tiger insgesamt führt die IUCN als stark gefährdet (EN); die aktuelle Bewertung wurde 2022 veröffentlicht. Weltweit leben demnach zwischen 3.726 und 5.578 Tiger, davon etwa 3.140 erwachsene Tiere.
Gibt es Pläne für eine Wiederansiedlung?
Ja. Die chinesische Forstverwaltung hat das Ziel ausgegeben, Südchinesische Tiger wieder auszuwildern. Ein Weg führte über eine ungewöhnliche Station: Im Rahmen eines 2005 genehmigten Projekts wurden im Zoo geborene Tiger nach Südafrika gebracht, wo sie in privaten Reservaten das Jagen an lebender Beute lernen sollten. Tiger sind dort keine heimische Art, und genau das brachte dem Projekt in der internationalen Fachwelt viel Kritik ein.
Weitere Hindernisse benennt die IUCN klar: die geringe genetische Vielfalt der Zuchttiere, ihre unsichere Reinrassigkeit, das Fehlen ausreichend großer Waldgebiete in China und vor allem der Mangel an Beutetieren. Ein zweites, längerfristiges Programm sucht deshalb gezielt nach Gebieten, die groß genug für eine dauerhaft überlebensfähige Tigerpopulation wären.
Häufige Fragen zum Südchinesischen Tiger
Ist der Südchinesische Tiger ausgestorben?
In freier Natur mit hoher Wahrscheinlichkeit ja. Die IUCN führt ihn als vom Aussterben bedroht mit dem Zusatz „möglicherweise in der Natur ausgestorben". Seit den frühen 1970er-Jahren hat kein Fachmann mehr ein wildes Tier gesehen. In Zoos lebt die Unterart weiter.
Wie viele Südchinesische Tiger gibt es noch?
Nach dem Zuchtbuch lebten 2020 insgesamt 205 Tiere in 16 chinesischen Zoos sowie 18 Tiere im Laohu Valley Reserve in Südafrika. In freier Natur ist kein einziges Tier bestätigt.
Wie groß und wie schwer wird ein Südchinesischer Tiger?
Männchen erreichen nach Mazák (1981) 230 bis 265 cm Gesamtlänge mit Schwanz und 130 bis 175 kg Gewicht, Weibchen 220 bis 240 cm und 100 bis 115 kg. Damit gehört die Unterart zu den kleinsten Tigern.
Warum ist der Südchinesische Tiger verschwunden?
Drei Ursachen wirkten zusammen: großangelegte Kampagnen zur Ausrottung von Tigern ab den 1950er-Jahren, der Verlust und die Zerschneidung der Wälder und der starke Rückgang seiner Beutetiere. In den 1950er-Jahren lebten noch über 4.000 Tiere, 1982 waren es geschätzt 150 bis 200.
Was hat der Südchinesische Tiger gefressen?
Vor allem Wildschweine und Hirsche wie Sikahirsch, Sambar und Muntjak. Bei Beutemangel nehmen Tiger auch kleinere Tiere. Gejagt wird allein, durch Anschleichen und einen Angriff aus kurzer Entfernung.
Warum sind die Zootiere alle miteinander verwandt?
Weil die gesamte Zuchtpopulation auf nur sechs wild gefangene Tiere zurückgeht: zwei Männchen und vier Weibchen. Deshalb sind Inzucht und der Verlust genetischer Vielfalt die größten Probleme des Zuchtprogramms.
Ähnliche Tiere
- Tiger - Überblick über die Art und alle Unterarten
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- Tiere in Asien - alle Tiere des Kontinents im Lexikon
Quellen
- Nyhus, P. (2008): Panthera tigris ssp. amoyensis. The IUCN Red List of Threatened Species
- Goodrich, J. et al. (2022): Panthera tigris. The IUCN Red List of Threatened Species
- Mazák, V. (1981): Panthera tigris. Mammalian Species 152, American Society of Mammalogists
- Tilson, R., Traylor-Holzer, K. & Jiang, Q.M. (1997): The decline and impending extinction of the South China tiger. Oryx 31: 243-252
- Tilson, R. et al. (2004): Dramatic decline of wild South China tigers Panthera tigris amoyensis: field survey of priority tiger reserves. Oryx 38: 40-47
- Population genomic analysis provides evidence of the past success and future potential of South China tiger captive conservation. BMC Biology (2023)
Größenvergleich
Mit 2,2 bis 2,65 m gehört der Südchinesischer Tiger zu den größeren Tieren in unserem Lexikon. Ein Erwachsener (1,8 m) ist dagegen deutlich kleiner, während ein Elefant mit 3,5 m noch einiges an Größe drauflegt.
Gewichtsvergleich
Ein Südchinesischer Tiger bringt 100 bis 175 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Erwachsener (75 kg), aber leichter als ein Auto (1,5 t).