Brückenechse

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Brückenechse mit olivgrüner, schuppiger Haut, Stachelkamm im Nacken und sich häutender Rückenpartie liegt auf sandigem Boden
Phillip Capper / Wikimedia Commons / CC BY 2.0

Kurz erklärt

Die Brückenechse heißt in Neuseeland Tuatara und lebt nur dort. Sie sieht aus wie eine Echse, ist aber keine: Sie ist die letzte Überlebende einer uralten Reptiliengruppe aus der Zeit der Dinosaurier. Brückenechsen wachsen sehr langsam, werden bis zu 100 Jahre alt und haben ein lichtempfindliches drittes Auge auf dem Kopf.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameSphenodon punctatus
Abstammung
  • Klasse: Reptilien
  • Ordnung: Rhynchocephalia (Sphenodontia)
  • Familie: Sphenodontidae
  • Gattung: Sphenodon
  • Art: Brückenechse
KörpergrößeGesamtlänge etwa 40 cm (Weibchen) bis 60 cm (große Männchen); erwachsene Männchen meist um 50 cm
Körpergewicht0,4 bis 1 kg (ADW), erwachsene Männchen bis etwa 1,5 kg (DOC); Weibchen bleiben kleiner
ErnährungFleischfresser: vor allem Käfer, Wētā, Würmer, Tausendfüßer und Spinnen; außerdem Eidechsen sowie Eier und Küken von Seevögeln
LebenserwartungIm Durchschnitt etwa 60 Jahre, einzelne Tiere bis etwa 100 Jahre
SozialverhaltenEinzelgänger, die in Erdbauen leben
HerkunftNeuseeland
Verbreitung Neuseeland: in freier Natur auf 32 kleinen Inseln vor der Nordostküste der Nordinsel und in den Marlborough Sounds; durch Umsiedlungen auch auf weiteren Inseln und in Schutzgebieten auf dem Festland Australien
Entdeckung1842 von Gray beschrieben
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2019)
SonstigesIn Neuseeland stuft das Department of Conservation die Brückenechse als „At Risk - Relict“ ein. Von 1989 bis 2009 wurde eine zweite Art, Sphenodon guntheri, unterschieden; heute gilt die Brückenechse als eine einzige Art.

Keine Echse: die letzte ihrer Art

Die Brückenechse (Sphenodon punctatus) heißt in Neuseeland Tuatara. Das Wort stammt aus der Sprache der Māori und bedeutet „stacheliger Rücken“. Für die Māori ist die Brückenechse ein Taonga, ein besonderer Schatz.

Trotz ihres deutschen Namens ist die Brückenechse keine Echse. Sie ist das einzige noch lebende Mitglied einer eigenen Reptilienordnung, der Rhynchocephalia (auch Sphenodontia genannt). Erbgut-Analysen zeigen, dass sich ihre Linie schon vor rund 250 Millionen Jahren von der Linie der Eidechsen und Schlangen getrennt hat. Enge lebende Verwandte hat sie nicht. Weil sie Merkmale besitzt, die teils an Eidechsen, teils an Schildkröten und Vögel erinnern, war ihr Platz im Stammbaum lange umstritten.

Ein Überbleibsel aus der Urzeit: Die Rhynchocephalia entstanden vor etwa 250 bis 240 Millionen Jahren. Im Erdmittelalter, zur Zeit der Dinosaurier, waren sie artenreich und auf der ganzen Welt verbreitet. Danach schrumpfte ihr Verbreitungsgebiet immer weiter. Die jüngsten Fossilien außerhalb Neuseelands stammen aus Argentinien und sind etwa 70 Millionen Jahre alt. Überlebt hat nur die Brückenechse in Neuseeland. Deshalb ist sie für Forschende auf der ganzen Welt so interessant. Oft wird sie „lebendes Fossil“ genannt. Das stimmt aber nur zum Teil: Sie ähnelt ihren ausgestorbenen Vorfahren stark, hat aber auch eigene, neue Merkmale entwickelt.

Ein riesiges Erbgut: Ihr Erbgut ist mit rund 5 Milliarden Bausteinen eines der größten, das bisher bei Wirbeltieren entschlüsselt wurde.

Aussehen und Körperbau

Größe und Gewicht: Die Brückenechse ist das größte Reptil Neuseelands. Erwachsene Männchen sind etwa 50 Zentimeter lang und wiegen bis zu 1,5 Kilogramm. Weibchen bleiben kleiner. Insgesamt reicht die Länge von etwa 40 Zentimetern bei Weibchen bis 60 Zentimetern bei großen Männchen.

Stachelkamm: Vom Nacken über den Rücken zieht sich ein Kamm aus Stacheln. Beim Männchen ist er besonders auffällig. Es kann die Stacheln aufrichten, um Weibchen zu beeindrucken oder wenn es mit anderen Männchen kämpft. Bei Weibchen ist der Kamm schwächer ausgebildet.

Farbe und Haut: Brückenechsen sind olivgrün, braun oder orangerot gefärbt. Im Laufe ihres Lebens kann sich die Farbe verändern. Einmal im Jahr häuten sie sich.

Besondere Merkmale:

  • Keine äußeren Ohren: Von außen sind keine Ohren zu sehen.
  • Mit dem Kiefer verwachsene Zähne: Ihre Zähne sind mit dem Kieferknochen verwachsen. Das unterscheidet sie von allen anderen heute lebenden Reptilien mit Zähnen.
  • Langsamer Stoffwechsel: Ihr Grundumsatz ist extrem niedrig. Deshalb fressen sie seltener als andere Reptilien.

Das dritte Auge

Oben auf dem Kopf haben Brückenechsen ein drittes Auge, das Scheitelauge. Ähnliches gibt es auch bei Eidechsen. Es besitzt eine Netzhaut, eine Linse und Nervenenden, dient aber nicht zum Sehen. Bei jungen Brückenechsen ist es unter der Haut noch zu erkennen. Nach einigen Monaten wachsen Schuppen und Farbstoffe darüber, dann ist es kaum noch sichtbar.

Das Scheitelauge reagiert auf Licht. Forschende vermuten, dass es den Tieren hilft, die Jahreszeit oder sogar die Tageszeit einzuschätzen.

Verbreitung und Lebensraum

Früher lebten Brückenechsen auf dem ganzen neuseeländischen Festland. Ihre Kieferknochen wurden in Höhlen, Sanddünen, Mooren und in Abfallhaufen der Māori gefunden. Als europäische Siedler nach Neuseeland kamen, gab es auf der Nord- und Südinsel vermutlich kaum noch Brückenechsen.

Heute leben wilde Brückenechsen auf 32 Inseln. Diese liegen vor der Nordostküste der Nordinsel und in den Marlborough Sounds. Die Inseln sind frei von Ratten und anderen eingeschleppten Raubtieren. Oft sind sie von Klippen umgeben und dem Wind ausgesetzt.

Nachbarn aus der Luft: Auf den meisten Inseln brüten Seevögel. Ihr Kot düngt den Boden. Dadurch leben dort viele Wirbellose und Eidechsen, die den Brückenechsen als Beute dienen.

Neue Heimat: Durch Umsiedlungen gibt es inzwischen etwa zehn weitere Bestände auf Inseln und in Schutzgebieten auf dem Festland. Der weltweite Bestand wird auf rund 100.000 Tiere geschätzt.

Ernährung

Brückenechsen sind Fleischfresser. Am meisten fressen sie wirbellose Tiere:

  • Käfer
  • Wētā, grillenähnliche Insekten aus Neuseeland, die so groß wie eine Maus werden können, darunter die Riesen-Wētā
  • Würmer
  • Tausendfüßer
  • Spinnen

Den Rest ihrer Nahrung machen Eidechsen sowie Eier und Küken von Seevögeln aus. Manchmal fressen sie sogar ihre eigenen Jungen. Auf die Jagd gehen sie vor allem nachts.

Verhalten und Lebensweise

Nachtaktiv und sonnenhungrig: Brückenechsen sind vor allem nachts aktiv. An warmen Tagen sonnen sie sich aber gern. Ist es kalt, bleiben sie in ihren Bauen. Dank ihrer Tarnfarbe und weil sie oft lange still sitzen, sind sie schwer zu entdecken. So lauern sie auch ihrer Beute auf.

Kälte macht ihnen wenig aus: Für ein Reptil sind Brückenechsen ungewöhnlich: Sie bleiben auch bei kühlem Wetter aktiv. Ihre bevorzugte Körpertemperatur liegt bei etwa 16 bis 21 °C, das ist die niedrigste aller Reptilien. Versuche haben gezeigt, dass sie bei dauerhaft mehr als 25 °C nicht gedeihen.

Einzelgänger im Erdbau: Jede Brückenechse lebt für sich in einem Bau, den sie manchmal gegen Artgenossen verteidigt. Kämpfen zwei Männchen, blähen sie sich auf, stellen ihren Stachelkamm auf und färben die Haut zwischen Schultern und Nackenkamm dunkler.

Langsames Wachstum: Brückenechsen wachsen so langsam wie kaum ein anderes Reptil. Sie werden etwa 35 Jahre lang immer größer.

Fortpflanzung und Entwicklung

  • Paarung: Brückenechsen paaren sich vom neuseeländischen Hochsommer bis zum Frühherbst, von Januar bis März. Die Männchen haben kein äußeres Geschlechtsorgan. Bei der Paarung pressen die Tiere ihre Kloaken aufeinander.
  • Eiablage: Die Eier werden erst im folgenden Frühjahr oder Frühsommer gelegt, von Oktober bis Dezember. Ein Weibchen legt 5 bis 18 Eier, aber nur etwa alle vier Jahre.
  • Lange Wartezeit: Bis die Jungen schlüpfen, vergehen 12 bis 15 Monate. Im Winter ruht die Entwicklung im Ei.
  • Temperatur entscheidet: Ob aus einem Ei ein Männchen oder ein Weibchen schlüpft, hängt von der Temperatur ab. Unter 22 °C entstehen Weibchen, darüber Männchen.
  • Spät erwachsen: Geschlechtsreif werden Brückenechsen erst mit 10 bis 20 Jahren.

Lebenserwartung: Nach Angaben des neuseeländischen Department of Conservation werden Brückenechsen im Durchschnitt etwa 60 Jahre alt, einzelne Tiere bis zu 100 Jahre. Das Schutzgebiet Zealandia hält es für wahrscheinlich, dass sie sogar älter als 100 Jahre werden können.

Feinde und Gefährdung

Die Rote Liste der IUCN führt die Brückenechse seit ihrer Einstufung von 2019 als nicht gefährdet (LC). In Neuseeland stuft das Department of Conservation sie als „At Risk - Relict“ ein. Weil die Brückenechse nur auf Inseln überlebt hat, ist sie sehr anfällig für Veränderungen ihres Lebensraums.

Ratten: Sie sind die größte Gefahr. Ratten reisen als blinde Passagiere auf Booten mit und gelangen so auf neue Inseln.

  • Die Pazifische Ratte (Kiore) wiegt bis zu 80 Gramm und lebt seit mindestens 1.000 Jahren in Neuseeland. Sie frisst Eier und frisch geschlüpfte Brückenechsen. Weil sich Brückenechsen so langsam vermehren, sterben sie dort, wo Kiore leben, auf Dauer aus.
  • Wanderratten (bis 450 Gramm) und Hausratten (bis 200 Gramm) kamen mit den Europäern ins Land.
  • Mäuse fressen kleine Insekten, die sonst heimischen Reptilien und Vögeln als Nahrung dienen.

Weitere Gefahren:

  • Brände und das Zertrampeln von Lebensraum durch Menschen, die verbotenerweise auf den Inseln landen
  • Wilderei: Bevor die Brückenechse 1895 gesetzlich geschützt wurde, wurden Hunderte Tiere an Museen und private Sammlungen ins Ausland verschickt. Sie gehörte damit zu den ersten geschützten heimischen Tierarten Neuseelands.
  • Geringe genetische Vielfalt: Viele Inselbestände sind klein und voneinander getrennt. Das macht sie anfälliger für Krankheiten und Klimaveränderungen.
  • Klimawandel: Wärmere Nester bringen mehr Männchen hervor. Das könnte das Verhältnis von Männchen und Weibchen aus dem Gleichgewicht bringen.

Rückkehr aufs Festland: das Schutzprojekt Zealandia

Mehr als 200 Jahre lang gab es auf dem neuseeländischen Festland keine wilden Brückenechsen mehr. Das änderte sich 2005 im Schutzgebiet Zealandia in Wellington:

  • Die Umsiedlung: In Absprache mit den Māori-Gruppen Ngāti Koata und Wellington Tenths Trust brachten Fachleute 70 Brückenechsen von der Insel Takapourewa (Stephens Island) nach Zealandia. Es war die erste Rückkehr von Brückenechsen auf das Festland.
  • Ein Experiment: 60 Tiere kamen in einen eingezäunten Forschungsbereich ohne Mäuse, 10 Tiere wurden außerhalb freigelassen. Nach einem Jahr lebten noch mindestens 80 Prozent der Tiere. Die Mäuse schadeten ihnen kaum.
  • Verstärkung: 2007 folgten weitere 130 Brückenechsen von Takapourewa.
  • Erfolg: Heute pflanzen sich die Brückenechsen in Zealandia innerhalb und außerhalb des Forschungsbereichs fort. Die Gründertiere erkennt man an kleinen Perlen im Nacken. Außerdem trägt jedes umgesiedelte Tier einen kleinen Transponder, ähnlich einem Mikrochip.

Auch an anderen Orten hilft der Mensch nach: Eier werden ausgebrütet und die Jungtiere aufgezogen. So konnten Brückenechsen auf vier weitere Inseln gebracht werden, auf denen sie vermutlich früher lebten. Dass sich Ratten inzwischen von Inseln entfernen lassen, unterstützt diese Arbeit. Auf den meisten Brückenechsen-Inseln gilt ein Landeverbot, damit keine Ratten oder Mäuse eingeschleppt werden.

Häufige Fragen zur Brückenechse

Ist die Brückenechse ein Dinosaurier?

Nein. Die Brückenechse ist ein Reptil, aber kein Dinosaurier. Sie gehört zu den Rhynchocephalia, einer sehr alten Reptiliengruppe, die zur Zeit der Dinosaurier artenreich war. Von dieser Gruppe hat nur die Brückenechse überlebt.

Warum ist die Brückenechse keine Echse?

Echsen wie Eidechsen und Geckos gehören zusammen mit den Schlangen zu einer anderen Reptiliengruppe. Die Linie der Brückenechse hat sich schon vor rund 250 Millionen Jahren davon getrennt. Sie bildet eine eigene Ordnung.

Wie alt kann eine Brückenechse werden?

Im Durchschnitt etwa 60 Jahre, einzelne Tiere werden bis zu 100 Jahre alt. Sie wachsen etwa 35 Jahre lang und werden erst mit 10 bis 20 Jahren geschlechtsreif.

Hat die Brückenechse wirklich ein drittes Auge?

Ja. Oben auf dem Kopf sitzt das Scheitelauge mit Netzhaut und Linse. Zum Sehen dient es nicht, aber es reagiert auf Licht und hilft vermutlich, Jahres- und Tageszeiten zu erkennen.

Was frisst eine Brückenechse?

Vor allem Käfer, Wētā, Würmer, Tausendfüßer und Spinnen. Dazu kommen Eidechsen sowie Eier und Küken von Seevögeln.

Wo kann man Brückenechsen sehen?

Wilde Brückenechsen leben auf 32 Inseln vor Neuseeland, die meist nicht betreten werden dürfen. Im Schutzgebiet Zealandia in Wellington sind sie dagegen oft zu sehen, besonders wenn sie sich an warmen Tagen sonnen.

Ähnliche Tiere

  • Echse - von der Linie der Echsen und Schlangen trennte sich die Brückenechse vor rund 250 Millionen Jahren
  • Gecko - eine echte Echse zum Vergleich
  • Echter Leguan - ebenfalls eine echte Echse
  • Komodowaran - ein Waran und damit auch eine echte Echse
  • Kiwi - ein Vogel aus Neuseeland

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Brückenechse
40 bis 60 cm

Eine Brückenechse erreicht eine Körpergröße von 40 bis 60 cm. Damit passt sie bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Brückenechse
400 g bis 1,5 kg

Eine Brückenechse bringt 400 g bis 1,5 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine Tafel Schokolade (100 g), aber leichter als eine Hauskatze (4 kg). Anders ausgedrückt: Die Brückenechse wiegt so viel wie etwa 10 Tafeln Schokolade.