Brillenbär
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Kurz erklärt
Der Brillenbär ist der einzige Bär Südamerikas und lebt in den Anden. Seinen Namen hat er von den hellen Ringen um die Augen, die bei jedem Bären anders aussehen. Er frisst vor allem Pflanzen, besonders Bromelien und Früchte, und klettert sehr gut. Weil seine Wälder schrumpfen und er gejagt wird, gilt er als gefährdet.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Tremarctos ornatus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Kopf-Rumpf-Länge meist 1,3 bis 1,9 m, Schulterhöhe 60 bis 90 cm, Schwanz kürzer als 10 cm; Weibchen sind nur etwa zwei Drittel so groß wie Männchen |
| Körpergewicht | Männchen 100 bis 175 kg, selten bis 200 kg; Weibchen 60 bis 80 kg. Zwei vermessene wilde Weibchen in Kolumbien wogen im Mittel nur 37,5 kg |
| Ernährung | Allesfresser, der vor allem Pflanzen frisst: Bromelien und Früchte, außerdem Palmblattstiele, Bambussprosse, Kakteen und Mais; Fleisch wie Insekten, kleine Säugetiere, Aas oder gelegentlich Rinder macht nur einen kleinen Teil aus |
| Lebenserwartung | In Menschenobhut im Durchschnitt etwa 20 Jahre, manche Tiere werden Ende 20 oder Anfang 30; wie alt wilde Brillenbären werden, ist unbekannt |
| Sozialverhalten | Einzelgänger; zur Paarung bleiben Männchen und Weibchen ein bis zwei Wochen zusammen |
| Herkunft | Südamerika (Anden) |
| Verbreitung | Anden von Venezuela über Kolumbien, Ecuador und Peru bis Bolivien und Nordargentinien; von etwa 200 m bis über 4.000 m Höhe Südamerika |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1825 durch F. G. Cuvier (als Ursus ornatus) |
| Gefährdung | VU Gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2017) |
| Sonstiges | Im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) in Anhang I; in Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien gesetzlich geschützt. |
Was ist ein Brillenbär?
Der Brillenbär (Tremarctos ornatus) ist der einzige Bär Südamerikas. Er lebt in den Anden. Im Englischen heißt er „Spectacled Bear“ (Brillenbär) oder „Andean Bear“ (Andenbär). In mehreren Andenkulturen wird er „Jukumari“ genannt, was einfach „Bär“ bedeutet.
Seine nächsten Verwandten sind ausgestorben. Der Brillenbär ist der letzte lebende Vertreter der Kurzschnauzenbären (Tremarctinae). Zu dieser Gruppe gehörten auch die ausgestorbenen Bärengattungen Arctodus in Nordamerika und Arctotherium in Südamerika. Ob die Kurzschnauzenbären eine eigene Unterfamilie bilden, ist unter Fachleuten allerdings umstritten.
Der Name: Der Gattungsname Tremarctos setzt sich aus den griechischen Wörtern für „Loch“ und „Bär“ zusammen. Er spielt auf ein ungewöhnliches Loch im Oberarmknochen an. Der Artname ornatus bezieht sich auf die hellen Fellflecken um Augen, Schnauze, Kehle und Brust. Beschrieben hat den Bären 1825 F. G. Cuvier, damals unter dem Namen Ursus ornatus. Das erste beschriebene Tier soll aus Chile stammen. Dort kommt der Brillenbär aber gar nicht vor.
Paddington: Der berühmte Kinderbuchbär Paddington aus Peru soll ein Brillenbär sein. Anders als Paddington haben echte Brillenbären allerdings ein dunkles Fell.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht: Der Brillenbär ist ein mittelgroßer Bär. Von Kopf bis Rumpf misst er meist 1,3 bis 1,9 Meter, an der Schulter ist er 60 bis 90 Zentimeter hoch. Der Schwanz ist kürzer als 10 Zentimeter. Männchen wiegen 100 bis 175 Kilogramm, selten bis 200 Kilogramm. Weibchen sind viel kleiner: Sie erreichen nur etwa zwei Drittel der Größe der Männchen und wiegen 60 bis 80 Kilogramm. Zwei vermessene wilde Weibchen in Kolumbien wogen sogar nur 37,5 Kilogramm im Durchschnitt.
Fell: Das Fell ist dicht, lang und rau. Meist ist es schwarz, manchmal dunkelbraun bis rotbraun.
Die „Brille“: Um die Augen, an der Schnauze, an Kehle und Brust haben die meisten Brillenbären cremeweiße bis gelbliche Abzeichen. Bei manchen Tieren bilden sie Ringe um beide Augen, die wie eine Brille aussehen. Viele Bären haben aber nur halbe Ringe, ungleiche Flecken oder fast gar keine Zeichnung, andere ein fast ganz helles Gesicht. Die Zeichnung ist bei jedem Bären anders, ähnlich wie ein Fingerabdruck. Bei jungen Bären ist sie meist auffälliger, mit dem Alter wird sie oft schmaler. Verwandte Bären haben nicht unbedingt ähnliche Muster.
Kopf und Gebiss: Der Brillenbär hat die kürzeste Schnauze aller Bären und einen breiten, schweren Schädel mit dicken Knochen. Große Backenzähne und ein Unterkiefer, der mahlende Bewegungen erlaubt, passen zu seiner überwiegend pflanzlichen Nahrung.
Pfoten: Wie alle Bären ist er ein Sohlengänger. Seine Vorderbeine sind länger als die Hinterbeine, die Krallen kurz und gebogen. Wie der Große Panda hat er einen vergrößerten Sesambeinknochen, einen sogenannten „falschen Daumen“. Wofür der genau gut ist, ist noch nicht geklärt.
Verbreitung und Lebensraum
Brillenbären leben in den tropischen Anden. Ihr Verbreitungsgebiet ist schmal und lang gestreckt: etwa 4.600 Kilometer lang und nur 200 bis 650 Kilometer breit. Es reicht durch sechs Länder: Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien und Argentinien. Dass Brillenbären auch im Norden Argentiniens leben, ist erst seit 2014 durch Haar- und Kotproben sicher belegt. Ob es sie in Panama gibt, ist bis heute unklar.
Lebensraum: Brillenbären leben von etwa 200 Metern bis über 4.000 Meter Höhe. Am liebsten sind sie in feuchten Nebelwäldern der Berge. Sie kommen aber auch im niedrigen, krüppeligen Elfenwald höherer Lagen vor, im Páramo und in der Puna, den Graslandschaften des Hochlands. Im Westen Perus leben sie sogar in Dornwäldern und Buschwüsten im Tiefland. Je nach Jahreszeit wandern sie zwischen verschiedenen Höhenstufen hin und her, dem Futter hinterher.
Ernährung: Bromelien und Früchte
Der Brillenbär ist zwar ein Allesfresser, aber er frisst vor allem Pflanzen. Seine wichtigste Nahrung sind fast überall Bromelien, das sind Ananasgewächse. Der Smithsonian-Zoo in Washington nennt ihn die einzige Bärenart, von der bekannt ist, dass sie Bromelien frisst.
- Puya im Grasland: Im Hochland ist die Bodenbromelie Puya über weite Teile des Jahres das einzige reichlich vorhandene Futter. Der Bär reißt die steifen, dornigen Blätter ab, um an das Herz der Pflanze zu kommen. Es sieht ein wenig aus wie eine Ananas, schmeckt aber fade. Interessant: Die Bären fressen nur etwa jede zehnte dieser Pflanzen, vielleicht weil sie sich in ihren Nährstoffen unterscheiden.
- Tillandsien in den Bäumen: Im Wald klettert der Bär auf Bäume, um Bromelien der Gattung Tillandsia zu fressen, die auf Ästen wachsen. Er frisst nur den unteren, weichen Teil und lässt die Blätter fallen. Diese Reste am Waldboden verraten, dass ein Bär hier gefressen hat.
Je nach Jahreszeit und Gegend machen Bromelien zwischen weniger als 15 und 90 Prozent seiner Nahrung aus. Der zweite wichtige Teil sind Früchte von Sträuchern und Bäumen, zum Beispiel aus der Familie der Lorbeer-, Maulbeer- und Heidekrautgewächse. Je mehr Früchte reif sind, desto weniger Bromelien frisst er.
Was er sonst frisst: Palmblattstiele, Bambussprosse, Orchideenknollen, in trockenen Gebieten Kakteenfrüchte und die weiche Rinde eines bestimmten Baumes (Bombax discolor). In der Nähe von Dörfern plündert er Maisfelder.
Fleisch: Insekten, Schnecken und kleine Säugetiere frisst er auch, doch Fleisch ist nie ein großer Teil seiner Nahrung. Gelegentlich erbeutet er Hirsche oder unbewachte Rinder auf der Weide. Wie viel Fleisch von selbst getöteten Tieren stammt und wie viel von Aas, ist umstritten. Ein Versuch zeigte, wie gut Brillenbären Fleisch riechen: Ein kleines Stück Rindfleisch lockte zwei Bären mit Sendern aus 1 bis 5 Kilometern Entfernung an, sie kamen nach 5 bis 15 Stunden.
Verhalten und Lebensweise
Ein Kletterkünstler: Der Brillenbär klettert sehr viel. Der Smithsonian-Zoo bezeichnet ihn als die am stärksten auf Bäume spezialisierte Bärenart. In Bäumen baut er aus umgeknickten Ästen Plattformen, um an Futter zu kommen oder um darauf zu ruhen. Frisst er tagelang an einem toten Rind, legt er in der Nähe Ruhenester am Boden und in Bäumen an.
Tagaktiv: In einem Untersuchungsgebiet in Bolivien waren Brillenbären nur tagsüber aktiv. Sie schliefen 9 bis 12 Stunden pro Nacht und machten tagsüber kurze Pausen. In anderen Gegenden sind sie etwas häufiger auch nachts unterwegs, aber trotzdem vor allem am Tag aktiv. Der Smithsonian-Zoo in Washington beschreibt Brillenbären dagegen als vorwiegend nachtaktiv. Die Quellen widersprechen sich hier also.
Kein Winterschlaf: In seiner Heimat findet er das ganze Jahr über Futter. Deshalb hält er keinen Winterschlaf.
Einzelgänger: Brillenbären leben allein. Ihre Streifgebiete sind etwa 10 bis 150 Quadratkilometer groß, die der Männchen größer als die der Weibchen. Die Gebiete überlappen sich stark. An besonders ergiebigen Futterplätzen wie Maisfeldern oder Kakteenhainen und an Wasserstellen treffen sich manchmal mehrere Bären.
Samenverbreiter: Weil der Brillenbär so viele Früchte frisst, verbreitet er Samen und ist damit wichtig für die Pflanzenwelt.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Über die Fortpflanzung wilder Brillenbären ist wenig bekannt, das meiste Wissen stammt aus Zoos. Paare wurden in der Natur zwischen März und Oktober beobachtet. Männchen und Weibchen bleiben dann ein bis zwei Wochen zusammen und paaren sich oft.
Keimruhe: Weibchen können mehrmals paarungsbereit werden, in Zoos bis zu viermal im Jahr. Nach der Paarung nistet sich der Keim oft nicht sofort in der Gebärmutter ein, sondern ruht eine Weile. So kommen die Jungen zu einer Zeit mit viel Futter zur Welt. Deshalb schwankt die Tragzeit stark, zwischen 120 und 254 Tagen.
- Wurf: 1 bis 3 Junge, meist ein oder zwei
- Neugeborene: 300 bis 500 Gramm schwer, 22,5 bis 28 Zentimeter lang, schwarz, zahnlos und blind
- Augen: öffnen sich nach etwa vier Wochen
- Erste Ausflüge: Mit etwa drei Monaten verlassen die Jungen zum ersten Mal die Höhle.
- Geschlechtsreife: Weibchen mit 4 bis 7 Jahren; sie können alle zwei Jahre Junge bekommen.
Feinde und Gefährdung
In ihrer Einstufung von 2017 führt die IUCN den Brillenbären als gefährdet (VU). Verlässliche Zählungen gibt es weder für das ganze Verbreitungsgebiet noch für einzelne Länder. Grobe Schätzungen reichen von etwa 13.000 bis 25.000 Tieren.
Lebensraumverlust: Wälder werden für Felder gerodet, durch Straßen zerschnitten und für Bergbau zerstört. Dadurch verliert der Bär nicht nur Futterplätze, er kommt auch Menschen, Feldern und Vieh näher. Im Norden des Verbreitungsgebiets leben viele Brillenbären in kleinen, voneinander getrennten Waldinseln.
Konflikte und Wilderei: Bauern töten Brillenbären, wenn sie Maisfelder plündern oder Vieh reißen. Wilderer verkaufen Körperteile für die Medizin oder für Rituale, manche Bären werden lebend gefangen und verkauft. Zwar ist der Brillenbär in den fünf Hauptländern seines Verbreitungsgebiets gesetzlich geschützt und steht im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) in Anhang I. Doch Gesetzeslücken und fehlende Kontrollen schwächen den Schutz.
Hoffnung: In einigen Gebieten gibt es Schutzpläne, bei denen die Dorfgemeinschaften mitarbeiten. Naturschutzorganisationen versuchen, getrennte Waldgebiete durch Korridore zu verbinden. In Nordperu entdeckten Forschende der Universität Göteborg 2021 ein Gebiet mit etwa 10 Bären pro 100 Quadratkilometer, deutlich mehr als erwartet. Dort beobachteten sie auch einen Bären mit hellem, goldbraunem Fell, der tatsächlich ein wenig an Paddington erinnerte.
Häufige Fragen zum Brillenbären
Warum heißt der Brillenbär Brillenbär?
Wegen der hellen Ringe um seine Augen, die bei manchen Tieren wie eine Brille aussehen. Viele Brillenbären haben aber nur halbe Ringe oder fast keine Gesichtszeichnung.
Wo lebt der Brillenbär?
In den Anden Südamerikas, von Venezuela über Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien bis in den Norden Argentiniens. Am liebsten lebt er in feuchten Bergnebelwäldern.
Was frisst ein Brillenbär?
Vor allem Pflanzen: Bromelien und Früchte, dazu Palmblattstiele, Bambus, Kakteen und Mais. Fleisch wie Insekten, kleine Tiere oder Aas macht nur einen kleinen Teil aus.
Wie groß und schwer wird ein Brillenbär?
Brillenbären sind von Kopf bis Rumpf 1,3 bis 1,9 Meter lang. Männchen wiegen 100 bis 175 Kilogramm, selten bis 200 Kilogramm. Weibchen sind deutlich kleiner und wiegen meist 60 bis 80 Kilogramm.
Ist Paddington ein Brillenbär?
Ja, der Kinderbuchbär Paddington aus Peru soll ein Brillenbär sein. Echte Brillenbären haben aber ein schwarzes bis dunkelbraunes Fell.
Hält der Brillenbär Winterschlaf?
Nein. In seiner Heimat findet er das ganze Jahr über genug zu fressen.
Ähnliche Tiere
- Malaienbär - ebenfalls ein Bär mit sehr kurzem Schädel
- Amerikanischer Schwarzbär - etwa gleich groß wie der Brillenbär
- Kragenbär - hat ähnlich behaarte Fußsohlen
- Großer Panda - hat ebenfalls einen „falschen Daumen“
Quellen
- Velez-Liendo, X. & García-Rangel, S. (2017): Tremarctos ornatus. The IUCN Red List of Threatened Species 2017
- Vela-Vargas, I. M. et al. (2021): Tremarctos ornatus (Carnivora: Ursidae). Mammalian Species 53(1006), 78-94
- Wilson, D. E. & Mittermeier, R. A. (Hrsg.) (2009): Andean Bear, Tremarctos ornatus. Handbook of the Mammals of the World, Band 1, Lynx Edicions (via Plazi)
- Andean bear - Smithsonian's National Zoo and Conservation Biology Institute
- Hope for threatened bear species - University of Gothenburg, 02.09.2021
Größenvergleich
Ein Brillenbär erreicht eine Körpergröße von 1,3 bis 1,9 m. Damit passt er bequem zwischen ein Kind (1,2 m) und einen Elefanten (3,5 m) auf unserer Vergleichsskala.
Gewichtsvergleich
Ein Brillenbär bringt 60 bis 200 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Kind (25 kg), aber leichter als ein Auto (1,5 t). Anders ausgedrückt: Der Brillenbär wiegt so viel wie etwa 5 Kinder.