Zwergseidenäffchen
Zuletzt aktualisiert:

Kurz erklärt
Das Zwergseidenäffchen ist der kleinste Affe der Welt. Sein Körper ist nur etwa 13 Zentimeter lang, dazu kommt ein noch längerer Schwanz, und es wiegt rund 120 Gramm. Es lebt in den Regenwäldern am oberen Amazonas. Mit seinen Zähnen nagt es Löcher in die Baumrinde und frisst den Baumsaft, der daraus austritt.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Cebuella pygmaea |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Kopf-Rumpf-Länge 12 bis 16 cm, im Mittel etwa 13 cm; Schwanz 17 bis 20 cm |
| Körpergewicht | Etwa 100 bis 140 g, im Mittel rund 124 g |
| Ernährung | Vor allem Baumsäfte, Gummi und Harz aus selbst genagten Löchern in der Rinde; außerdem Insekten (besonders Heuschrecken), Spinnen, kleine Echsen, Früchte und Blüten |
| Lebenserwartung | In Menschenobhut über 18 Jahre; Daten aus freier Natur gibt es kaum |
| Sozialverhalten | Familiengruppen aus meist 2 bis 6 Tieren; nur das ranghöchste Paar pflanzt sich fort, alle helfen beim Tragen der Jungen |
| Herkunft | Südamerika (westliches Amazonasgebiet) |
| Verbreitung | Oberes Amazonasgebiet in Kolumbien, Ecuador, Peru, Brasilien und Bolivien; Cebuella pygmaea nördlich, das Weißbauch-Zwergseidenäffchen (Cebuella niveiventris) südlich der Flüsse Napo und Solimões-Amazonas Südamerika |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1823 durch Johann Baptist von Spix |
| Gefährdung | VU Gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2025) |
| Sonstiges | Kleinste echte Affenart der Welt. Nach Erbgutstudien von 2018 und 2021 unterscheidet man zwei Arten: Cebuella pygmaea und das Weißbauch-Zwergseidenäffchen (Cebuella niveiventris). Beide stuft die IUCN seit 2025 als gefährdet (VU) ein. |
Der kleinste Affe der Welt
Das Zwergseidenäffchen (Cebuella pygmaea) ist der kleinste Affe der Welt. Kein anderer lebender echter Affe ist so klein. Sein Körper ist im Mittel nur etwa 13 Zentimeter lang, und es wiegt rund 120 Gramm. Zwergseidenäffchen gehören zu den Krallenaffen (Callitrichidae). Verwandt mit ihnen sind zum Beispiel die Tamarine.
Das Zwergseidenäffchen lebt in den Regenwäldern am oberen Amazonas. Es hat eine besondere Art, sich zu ernähren: Es nagt kleine Löcher in die Baumrinde und frisst den Baumsaft, der daraus hervorquillt.
Ein Äffchen, zwei Arten
Lange galt das Zwergseidenäffchen als eine einzige Art mit zwei Unterarten. Erbgut-Untersuchungen haben aber gezeigt, dass es sich um zwei getrennte Arten handelt:
| Art | Verbreitung |
|---|---|
| Cebuella pygmaea | nördlich der Flüsse Napo und Solimões-Amazonas |
| Weißbauch-Zwergseidenäffchen (Cebuella niveiventris) | südlich der Flüsse Napo und Solimões-Amazonas |
Die beiden Arten sehen sich sehr ähnlich. Die meisten Weißbauch-Zwergseidenäffchen haben, wie ihr Name sagt, einen weißlichen Bauch. Ihre Färbung schwankt aber stark, manche Tiere haben eine deutlich dunklere Unterseite.
Nach einer Schätzung von 2021 haben sich die beiden Arten vor etwa 2,5 Millionen Jahren getrennt. Ein Forscherteam schlug 2018 die Aufteilung vor. Offen blieb zunächst, welche der beiden Arten den alten Namen pygmaea tragen muss.
Ein Rätsel aus München: Der Naturforscher Johann Baptist von Spix hatte das Zwergseidenäffchen 1823 beschrieben. Sein Tier war ein zahmes Äffchen, das ihm am oberen Amazonas nahe der Ortschaft Tabatinga geschenkt worden war, vermutlich von einem Angehörigen der Tikuna. Unklar war, von welcher Flussseite es stammte. Spix' ausgestopftes Originaltier liegt bis heute in der Zoologischen Staatssammlung München. Forscher haben daraus 2021 alte DNA gewonnen und mit heutigen Zwergseidenäffchen verglichen. Das Ergebnis: Das Münchner Tier stammt von der Nordseite des Flusses. Deshalb heißen die Zwergseidenäffchen im Norden Cebuella pygmaea, die im Süden Cebuella niveiventris.
Manche Fachleute stellen das Zwergseidenäffchen in die Gattung Callithrix und nennen es Callithrix pygmaea. Die Rote Liste der IUCN führt es unter Cebuella.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht:
- Kopf und Körper: 12 bis 16 Zentimeter, im Mittel etwa 13 Zentimeter
- Schwanz: 17 bis 20 Zentimeter, also länger als der Körper
- Gewicht: etwa 100 bis 140 Gramm, im Mittel rund 124 Gramm
Männchen und Weibchen sehen gleich aus. Die Weibchen können etwas schwerer sein.
Fell: Das Fell ist gelbbraun und grau. Auf Kopf und Rücken ist es gelblich, grünlich oder schwarz gesprenkelt. So sind die Äffchen zwischen Ästen und Blättern gut getarnt. Um Gesicht und Hals ist das Haar länger und sieht aus wie eine kleine Löwenmähne. Auf den Wangen haben sie weiße Abzeichen und auf der Nase einen hellen Längsstreifen. Der Schwanz ist schwarz geringelt.
Krallen statt Nägel: Zwergseidenäffchen haben an den Fingern und Zehen spitze Krallen. Nur die große Zehe trägt einen flachen Nagel. Mit den Krallen können sie sich an senkrechten Baumstämmen festhalten.
Zähne als Werkzeug: Die unteren Schneidezähne sind lang und scharf. Damit bohren die Äffchen Löcher in die Rinde.
Babys: Neugeborene haben einen grauen Kopf und ein gelbliches, schwarz gesprenkeltes Fell. Schon im ersten Lebensmonat bekommen sie die Färbung der Erwachsenen.
Verbreitung und Lebensraum
Zwergseidenäffchen leben am oberen Amazonas im Westen Südamerikas. Ihr Verbreitungsgebiet reicht über Teile von Kolumbien, Ecuador, Peru, Brasilien und Bolivien. Die großen Flüsse Napo und Solimões-Amazonas trennen die beiden Arten voneinander.
Lebensraum: Am liebsten leben Zwergseidenäffchen in Wäldern an Flussufern im Tiefland. Dort halten sie sich in den unteren Etagen des Waldes auf. Den Boden meiden sie, und höher als etwa 18 Meter klettern sie selten. Man findet sie auch in Sekundärwäldern, also in nachgewachsenem Wald.
Ernährung: Baumsaft vom Fass
Zwergseidenäffchen sind Baumsaftfresser. Den größten Teil ihrer Nahrung machen Gummi, Saft, Harz und andere Ausscheidungen von Bäumen aus.
So funktioniert es:
- Mit den langen unteren Schneidezähnen nagt das Äffchen ein fast kreisrundes Loch in die Rinde.
- Aus dem Loch quillt Pflanzensaft, den die Tiere fressen.
- Eine Gruppe legt an einem Baum viele solcher Löcher an. Die ältesten Löcher sitzen unten am Stamm, die neueren weiter oben.
- Gibt der Baum nicht mehr genug Saft her, zieht die Gruppe zu einem neuen Futterbaum weiter.
Die Äffchen nehmen dabei nicht einfach jeden Baum, sondern suchen sich bestimmte Arten aus. Weil sie nur ein kleines Wohngebiet haben, könnten sie dort von Früchten allein vermutlich nicht leben.
Weitere Nahrung: Nach dem Baumsaft fressen Zwergseidenäffchen am liebsten Insekten, vor allem Heuschrecken. Dazu kommen Spinnen, kleine Echsen, Früchte und Blüten.
Konkurrenz am Futterbaum: Größere Krallenaffen, etwa Tamarine, vertreiben Zwergseidenäffchen manchmal von ihrem Futterbaum, um die schon gebohrten Löcher selbst zu nutzen. Auch Ameisen können eine Gruppe zum Umzug zwingen.
Verhalten und Lebensweise
Zwergseidenäffchen sind tagaktive Baumbewohner. Ein typischer Tag sieht so aus:
- Morgens: Kurz nach Sonnenaufgang verlassen alle Tiere gemeinsam den Schlafplatz, der meist in der Nähe des aktuellen Futterbaums liegt. Es folgt die erste Fresszeit.
- Dazwischen: Zeit für das Miteinander, zum Beispiel gegenseitige Fellpflege
- Nachmittags: die zweite Fresszeit, danach geht es zurück zum Schlafplatz
Beim Fressen klammern sich die Äffchen mit ihren Krallen an senkrechte Stämme. Unterwegs laufen sie meist auf allen vieren über die Äste.
Familie: Eine Gruppe besteht meist aus 2 bis 6 Tieren: einem erwachsenen Paar und seinem Nachwuchs. Die Tiere markieren ihr Gebiet mit Duftdrüsen und verteidigen es.
Verständigung: Die Rufe der Zwergseidenäffchen klingen für uns wie Vogelgezwitscher. Manche Laute sind so hoch, dass sie im Ultraschall liegen und Menschen sie gar nicht hören können.
- Lauter Triller mit offenem Mund: Alarm, zum Beispiel wenn sich ein Feind nähert
- Leiser, quietschender Triller: Kontaktruf, an dem sich die Tiere erkennen
- Leises Zwitschern: zeigt Unterordnung
Forscher haben beobachtet, dass Zwergseidenäffchen ihre Triller sogar verändern, wenn sie einen neuen Partner bekommen.
Fortpflanzung und Nachwuchs
In einer Gruppe bekommt meist nur das ranghöchste Weibchen Junge, und zwar mit dem ranghöchsten Männchen.
- Tragzeit: etwa 4,5 Monate, der Zoo Leipzig nennt 133 bis 140 Tage
- Zwillinge: Meist kommen zweieiige Zwillinge zur Welt, seltener ein einzelnes Junges oder Drillinge.
- Gewicht bei der Geburt: etwa 16 Gramm
- Schnell wieder trächtig: Etwa drei Wochen nach der Geburt kann sich das Weibchen erneut paaren. So bekommt das ranghöchste Paar etwa alle 5 bis 6 Monate Zwillinge.
Alle helfen mit: Bei Zwergseidenäffchen ist die Aufzucht Teamarbeit. Der Vater und die älteren Geschwister tragen die Babys, putzen sie und bringen ihnen Futter. Schon nach dem ersten Lebenstag übernehmen sie immer mehr das Tragen. In einer Studie mit sechs Familien in Menschenobhut trug in fünf Gruppen meist der Vater die Jungen. Die Mutter säugt die Babys und beschützt sie bei Gefahr.
Großwerden: Mit etwa drei Wochen werden die Jungen selbstständiger, gesäugt werden sie aber etwa 3 Monate lang. Ihr Erwachsenengewicht erreichen sie mit etwa zwei Jahren. Die Jungen bleiben in der Familie, bis zwei weitere Würfe geboren sind, und helfen dann bei deren Aufzucht.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Weil sie so klein sind, werden Zwergseidenäffchen von Greifvögeln, kleinen Katzen und kletternden Schlangen gejagt. Ihr gesprenkeltes Fell tarnt sie, und mit Alarmrufen warnen sie sich gegenseitig.
Lebenserwartung: Wie alt Zwergseidenäffchen in freier Natur werden, ist kaum bekannt. In Menschenobhut können sie über 18 Jahre alt werden.
Gefährdungsstatus: Die Rote Liste der IUCN stuft Cebuella pygmaea seit 2025 als gefährdet (Vulnerable) ein (de la Torre und andere, 2025). Auch das Weißbauch-Zwergseidenäffchen gilt seit 2025 als gefährdet. Ältere Quellen, die noch von einer einzigen Art ausgehen, führen das Zwergseidenäffchen als nicht gefährdet. Örtlich leiden die Äffchen unter dem Verlust ihres Lebensraums.
Heimtierhandel: Zwergseidenäffchen waren als Heimtiere beliebt. Wegen des internationalen Handels wurden sie Ende der 1970er Jahre in Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) aufgenommen, die strengste Schutzstufe. Später wurden sie in Anhang II eingestuft. In Menschenobhut sind Zwergseidenäffchen anfällig für Krankheiten, die zum Beispiel Hausmäuse übertragen können.
Häufige Fragen zum Zwergseidenäffchen
Wie groß wird ein Zwergseidenäffchen?
Der Körper ist 12 bis 16 Zentimeter lang, im Mittel etwa 13 Zentimeter. Der Schwanz misst noch einmal 17 bis 20 Zentimeter. Ein Zwergseidenäffchen wiegt etwa 100 bis 140 Gramm.
Ist das Zwergseidenäffchen wirklich der kleinste Affe der Welt?
Ja. Fachleute bezeichnen die Zwergseidenäffchen als die kleinsten lebenden echten Affen und als die kleinsten Affen Amerikas. Ihr Körper ist im Mittel nur 13 Zentimeter lang.
Was frisst ein Zwergseidenäffchen?
Es frisst vor allem Baumsaft, Gummi und Harz. Dafür nagt es mit den unteren Schneidezähnen Löcher in die Rinde. Dazu kommen Insekten, besonders Heuschrecken, sowie Spinnen, kleine Echsen, Früchte und Blüten.
Wie viele Junge bekommt ein Zwergseidenäffchen?
Meist bekommt das Weibchen Zwillinge, seltener ein oder drei Junge. Das ranghöchste Paar einer Gruppe kann etwa alle fünf bis sechs Monate Nachwuchs bekommen. Vater und Geschwister tragen die Babys herum.
Wo lebt das Zwergseidenäffchen?
Es lebt in den Tieflandregenwäldern am oberen Amazonas, in Teilen von Kolumbien, Ecuador, Peru, Brasilien und Bolivien. Dort hält es sich vor allem in den unteren Etagen von Wäldern an Flussufern auf.
Ist das Zwergseidenäffchen gefährdet?
Ja. Seit 2025 stuft die IUCN beide Zwergseidenäffchen-Arten als gefährdet ein. Wegen des Handels mit Heimtieren steht die Art außerdem unter dem Schutz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens.
Ähnliche Tiere
- Lisztaffe - ein weiterer Krallenaffe aus Südamerika
- Goldenes Löwenäffchen - ein Krallenaffe aus Brasilien
- Kaiserschnurrbarttamarin - ein Tamarin aus dem Amazonasgebiet
- Rothandtamarin - ein weiterer Tamarin aus Südamerika
- Totenkopfaffe - ein kleiner Affe aus Südamerika
- Grauer Mausmaki - ein sehr kleiner Primat aus Madagaskar
Quellen
- Boubli, J.P. et al. (2021): Ancient DNA of the pygmy marmoset type specimen Cebuella pygmaea (Spix, 1823) resolves a taxonomic conundrum. Zoological Research 42: 761-771
- Boubli, J.P. et al. (2018): How many pygmy marmoset (Cebuella Gray, 1870) species are there? A taxonomic re-appraisal based on new molecular evidence. Molecular Phylogenetics and Evolution 120: 170-182
- Callithrix pygmaea (pygmy marmoset) - Animal Diversity Web, University of Michigan Museum of Zoology
- Weißbauch-Zwergseidenäffchen - Tierlexikon des Zoo Leipzig
- de la Torre, S. et al. (2025): Cebuella pygmaea. The IUCN Red List of Threatened Species 2025
- de la Torre, S. et al. (2025): Cebuella niveiventris. The IUCN Red List of Threatened Species 2025
Größenvergleich
Stell dir vor, du stellst eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) neben ein Zwergseidenäffchen: Das Zwergseidenäffchen ist um einiges größer. Neben einem Fußball (22 cm) wirkt es mit seinen 12 bis 16 cm aber wiederum etwas kleiner. Genauer gesagt ist das Zwergseidenäffchen etwa 6-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze.
Gewichtsvergleich
Ein Zwergseidenäffchen bringt 100 bis 140 g auf die Waage. Das ist schwerer als eine 1-Euro-Münze (7,5 g), aber leichter als ein Fußball (430 g). Anders ausgedrückt: Das Zwergseidenäffchen wiegt so viel wie etwa 16 1-Euro-Münzen.