Königspinguin
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Kurz erklärt
Der Königspinguin ist mit 85 bis 95 cm der zweitgrößte Pinguin der Welt, nur der Kaiserpinguin ist größer. Man erkennt ihn an den leuchtend orangefarbenen Flecken am Kopf. Er brütet auf Inseln rund um die Antarktis und baut kein Nest: Das Ei liegt auf den Füßen der Eltern. Bis ein Küken selbstständig ist, vergehen mehr als ein Jahr, so lange wie bei keinem anderen Pinguin.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Aptenodytes patagonicus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 85 bis 95 cm |
| Körpergewicht | Schwankt stark: zu Beginn der Brutzeit 10 bis 15 kg, am Ende der Brutzeit oft nur 8 bis 11 kg; gemessen wurden 9,3 bis 17,3 kg, im Durchschnitt 11,8 kg |
| Ernährung | Fleischfresser: vor allem Laternenfische, im Winter mehr Tintenfische |
| Lebenserwartung | In Menschenobhut bis 26 Jahre; für wild lebende Königspinguine gibt es keine veröffentlichten Zahlen |
| Sozialverhalten | Brütet in großen, dichten Kolonien; die Küken sammeln sich in Kindergärten (Crèches) |
| Herkunft | Subantarktis |
| Verbreitung | Brütet auf subantarktischen Inseln zwischen etwa 45° und 55° südlicher Breite, unter anderem Südgeorgien, Falklandinseln, Crozet- und Kerguelen-Inseln, Prinz-Edward-Inseln, Heard und Macquarie, außerdem im Süden Chiles SüdamerikaAntarktisMeer |
| Entdeckung | Wissenschaftlich beschrieben 1778 durch Miller; erst 1844 trennte George Robert Gray ihn vom Kaiserpinguin |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2020) |
| Sonstiges | Weltweit etwa 1,6 Millionen Brutpaare. Die einst größte Kolonie auf der Île aux Cochons (Crozet-Inseln) ist seit den 1980er-Jahren um 88 Prozent geschrumpft. |
Was ist ein Königspinguin?
Der Königspinguin (Aptenodytes patagonicus) ist der zweitgrößte Pinguin der Welt. Zusammen mit dem Kaiserpinguin bildet er die Gattung der Großpinguine (Aptenodytes). Der Gattungsname kommt aus dem Griechischen und bedeutet „federloser Taucher“.
Als europäische Seefahrer im frühen 18. Jahrhundert die ersten Königspinguine sahen, hielten sie ihn für den größten lebenden Pinguin. Erst 1844 erkannte George Robert Gray vom Britischen Museum, dass der noch größere Kaiserpinguin eine eigene Art ist.
Fachleute unterscheiden heute zwei Unterarten:
- A. p. patagonicus brütet auf Südgeorgien, den Falklandinseln und im Süden Chiles.
- A. p. halli brütet auf den Kerguelen, den Crozet-Inseln, den Prinz-Edward-Inseln, auf Heard und den McDonaldinseln sowie auf der Macquarieinsel.
Äußerlich lassen sich die beiden Unterarten nicht unterscheiden.
Aussehen und Körperbau
Größe: Ein Königspinguin ist 85 bis 95 Zentimeter groß. Männchen sind etwas größer als Weibchen, im Gefieder sehen beide Geschlechter gleich aus.
Gewicht: Wie schwer ein Königspinguin ist, hängt stark von der Jahreszeit ab. Kommen die Vögel zur Balz in die Kolonie, wiegen sie 10 bis 15 Kilogramm. Am Ende der Brutzeit sind es oft nur noch 8 bis 11 Kilogramm. In Messungen lag das Gewicht zwischen 9,3 und 17,3 Kilogramm, im Durchschnitt bei 11,8 Kilogramm.
Gefieder: Kopf und Kehle sind fast schwarz. An beiden Kopfseiten sitzt ein leuchtend orangefarbener, löffelförmiger Fleck, der über einen schmalen Streifen bis zur oberen Brust reicht. Dort geht das Orange in Hellgelb und schließlich in den weißen Bauch über. Rücken und Flügel sind grau und schwarz mit silbrigem Schimmer. Eine schmale schwarze Linie trennt die Seiten vom weißen Bauch.
Schnabel: Der Schnabel ist lang und schlank. Am Unterschnabel sitzt ein farbiger Streifen, rosarot bis orangegelb. Er reflektiert UV-Licht, das Menschen nicht sehen können. Vermutlich zeigt er anderen Pinguinen, wie gesund und erwachsen ein Tier ist.
Jungvögel: Küken tragen ein dunkelbraunes Daunenkleid. Junge Königspinguine sind blasser gefärbt als die Eltern und bekommen ihre volle Farbe erst mit etwa drei Jahren.
Königspinguin oder Kaiserpinguin?
Die beiden nächsten Verwandten werden oft verwechselt. So unterscheidet man sie:
| Merkmal | Königspinguin | Kaiserpinguin |
|---|---|---|
| Größe | 85 bis 95 cm | noch größer, der größte Pinguin |
| Körperform | schlanker | massiger |
| Farbe | kräftiger, leuchtend orange Ohrflecken | blasser, die Farbe der Ohrflecken ist anders |
| Schnabel | länger und schlanker | kürzer |
| Flügel | im Verhältnis zum Körper größer | kleiner |
| Brutgebiet | subantarktische Inseln, eisfreie Strände | meist Festeis an der Küste der Antarktis |
| Brutzeit | Sommer, Küken überwintern in der Kolonie | antarktischer Winter |
Verbreitung und Lebensraum
Königspinguine brüten auf vielen subantarktischen Inseln zwischen etwa 45 und 55 Grad südlicher Breite. Dazu gehören Südgeorgien, die Falklandinseln, die Crozet-Inseln, die Kerguelen, die Prinz-Edward-Inseln, Heard und Macquarie. Gelegentlich tauchen sie auf den Südlichen Sandwichinseln auf, und in Patagonien scheinen sich gerade einige neue Kolonien zu bilden. Südlich von 60 Grad südlicher Breite wurde noch keine Kolonie gefunden. Einzelne umherstreifende Vögel wurden aber schon in Brasilien, in Südafrika und an der Küste der Antarktis gesehen.
Brutplätze: Die Kolonien liegen an Stränden, in Tälern und auf Moränen, die frei von Schnee und Eis sind. Königspinguine bevorzugen flaches Gelände nahe am Meer, denn sie klettern nicht gern.
Größe der Kolonien: Königspinguine brüten in großen, dichten Kolonien. Die größten mit mehreren hunderttausend Brutpaaren gibt es auf Südgeorgien und den Crozet-Inseln. Weltweit gibt es nach Angaben des Australischen Antarktisprogramms etwa 1,6 Millionen Brutpaare.
Junge und nicht brütende Vögel ziehen weit umher. Die Küken dagegen bleiben das ganze Jahr in der Kolonie.
Ernährung und Tauchen
Königspinguine sind beim Futter recht wählerisch. Ihre wichtigste Beute sind Laternenfische (Myctophiden), kleine Fische der Hochsee. Vor allem in der Brutzeit fressen sie kaum etwas anderes. Im Winter steigt der Anteil von Tintenfischen in ihrer Nahrung.
Zum Fischen schwimmen sie in die Gewässer knapp nördlich der antarktischen Polarfront. Dabei entfernen sie sich bis zu 500 Kilometer von ihrer Kolonie. Sie tauchen 25 bis 322 Meter tief, bleiben bis zu etwa zehn Minuten unter Wasser und schwimmen dabei rund 12 Kilometer pro Stunde schnell.
Verhalten und Lebensweise
Königspinguine sind sehr gesellig. Streit ist in den Kolonien selten. Jedes Brutpaar verteidigt aber eine Fläche von etwa einem halben Quadratmeter gegen seine Nachbarn. Begehrt sind die Plätze in der Mitte der Kolonie. Die Vögel dort sind aggressiver und brüten erfolgreicher als die am Rand. Bei Schneesturm drängen sie sich eng zusammen, um Wärme zu sparen.
Erkennen an der Stimme: Weil Königspinguine kein Nest bauen, gibt es in der Kolonie keinen festen Treffpunkt. Eltern und Küken finden sich deshalb über ihre Rufe. Königspinguine können mit ihrem Stimmorgan, der Syrinx, zwei Töne gleichzeitig erzeugen. Die Eltern rufen drei bis sieben Silben, und das Küken erkennt sie mitten im Lärm am tieferen der beiden Töne. Den Ruf seiner Eltern lernt es vermutlich in seinen ersten fünf Lebenswochen.
Balz: Das Männchen trompetet laut und reckt sich mit erhobenem Schnabel zu voller Größe. Nimmt ein Weibchen an, stellen sich beide gegenüber, verbeugen sich, schütteln sich, rufen und recken die Schnäbel in die Luft. Königspinguine bleiben ihrem Partner seltener treu als kleinere Pinguinarten. Kommen die Partner nicht zur selben Zeit in die Kolonie, verzögert sich die Brut, oder einer von ihnen sucht sich einen neuen Partner.
Fortpflanzung: der längste Brutzyklus aller Pinguine
Königspinguine haben einen viel längeren Brutzyklus als jeder andere Pinguin. Zählt man die Mauser vor der Brut mit, dauert er 13 bis 16 Monate. Vom Schlüpfen bis zur Selbstständigkeit eines Kükens vergehen allein 14 bis 16 Monate.
- Mauser: Vor der Brut wechseln beide Partner etwa einen Monat lang ihr Gefieder.
- Eiablage: Die Eier werden zwischen November und April gelegt. Das Weibchen legt ein einziges grünlich-weißes Ei.
- Brüten auf den Füßen: Königspinguine bauen kein Nest. Das Ei liegt auf den Füßen und wird von einer Bauchfalte bedeckt, die es warm hält.
- Schichtwechsel: Das Männchen übernimmt die erste Brutschicht, während das Weibchen zum Fressen ins Meer geht. Danach wechseln sich beide ab, eine Schicht dauert 5 bis 22 Tage. Nach etwa 54 Tagen schlüpft das Küken. Es wiegt im Durchschnitt 430 Gramm.
- Hungern für das Ei: In der ersten Brutschicht verliert das Männchen etwa 30 Prozent seines Gewichts. Fällt es auf rund 10 Kilogramm, muss es sich entscheiden: Ei aufgeben oder weiter warten. Verlassene Eier werden meist nicht ersetzt.
Der lange Winter der Küken: Im Mai sind die Küken groß genug, um sich in Kindergärten (Crèches) zusammenzuschließen, während beide Eltern auf See sind. Den Winter überstehen sie vor allem mit ihren Fettreserven. Die Eltern kommen nur unregelmäßig zum Füttern, und manchmal vergehen mehrere Monate zwischen zwei Mahlzeiten. Erst im folgenden Frühjahr und Sommer werden die Jungen selbstständig.
Nur jedes zweite Jahr erfolgreich: Weil ein erfolgreiches Paar so lange mit seinem Küken beschäftigt ist, beginnt es die nächste Brut spät. Späte Küken sind vor dem Winter meist zu klein, um zu überleben. Dafür kann das Paar im Jahr darauf wieder früh brüten. Deshalb sind Königspinguine meist nur jedes zweite Jahr erfolgreich, oft zweimal in drei Jahren.
Geschlechtsreif werden Königspinguine mit 3 bis 5 Jahren.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Im Meer jagen Seeleoparden und Schwertwale erwachsene Königspinguine, außerdem Seebären. In den Kolonien rauben Raubmöwen, Scheidenschnäbel und Riesensturmvögel Eier und Küken. Auf den Falklandinseln tun das auch Truthahngeier und Karakaras.
Gefahr durch den Menschen: Im 19. und frühen 20. Jahrhundert töteten Robbenfänger auf den subantarktischen Inseln zuerst die Pelzrobben. Danach nutzten sie Königspinguine, um aus ihnen Öl zu gewinnen. Viele Bestände wurden dabei fast ausgelöscht. Seit dem Ende dieser Jagd haben sie sich an den meisten Brutplätzen erholt.
Rote Liste: In ihrer Einstufung von 2020 führt die IUCN den Königspinguin als nicht gefährdet (LC). Der weltweite Bestand scheint in den letzten Jahrzehnten stabil zu sein.
Der rätselhafte Einbruch auf der Île aux Cochons
Einzelne Kolonien sind trotzdem stark geschrumpft. Die Kolonie auf der Île aux Cochons in den Crozet-Inseln galt in den 1980er-Jahren als größte Königspinguin-Kolonie der Welt und als zweitgrößte Pinguinkolonie überhaupt. Forschende werteten 2018 Luftbilder aus dem Hubschrauber und Satellitenbilder aus. Das Ergebnis: Die Kolonie ist in 35 Jahren um 88 Prozent geschrumpft, von etwa 500.000 auf rund 60.000 Paare. Eine überzeugende Erklärung für diesen beispiellosen Rückgang fanden sie nicht. Sie fordern, die Ursachen dringend weiter zu erforschen.
Königspinguine und Tourismus: Auf den Falklandinseln sind Königspinguine bei Besuchern die beliebtesten Pinguine. In einer Studie besuchten alle Touristen ihre Kolonie und blieben dort im Schnitt 63 Minuten.
Häufige Fragen zum Königspinguin
Wie groß ist ein Königspinguin?
Ein Königspinguin ist 85 bis 95 Zentimeter groß und wiegt je nach Jahreszeit etwa 8 bis 17 Kilogramm. Damit ist er nach dem Kaiserpinguin der zweitgrößte Pinguin.
Was ist der Unterschied zwischen Königspinguin und Kaiserpinguin?
Der Kaiserpinguin ist größer und massiger, der Königspinguin schlanker und bunter mit leuchtend orangefarbenen Ohrflecken und längerem Schnabel. Der Königspinguin brütet im Sommer auf eisfreien subantarktischen Inseln, der Kaiserpinguin im antarktischen Winter auf dem Meereis.
Wo leben Königspinguine?
Sie brüten auf Inseln rund um die Antarktis, etwa auf Südgeorgien, den Falklandinseln, den Crozet-Inseln und den Kerguelen. Auf dem antarktischen Festland gibt es keine Kolonien.
Was fressen Königspinguine?
Hauptsächlich kleine Laternenfische. Im Winter fressen sie mehr Tintenfische. Für die Jagd tauchen sie bis über 300 Meter tief.
Warum dauert die Aufzucht beim Königspinguin so lange?
Ein Küken braucht vom Schlüpfen bis zur Selbstständigkeit 14 bis 16 Monate und muss dabei einen ganzen Winter in der Kolonie überstehen. Deshalb schaffen die meisten Paare nur alle zwei Jahre ein Küken.
Ist der Königspinguin gefährdet?
Nein. Die IUCN stuft ihn als nicht gefährdet ein, weltweit gibt es etwa 1,6 Millionen Brutpaare. Einzelne Kolonien wie die auf der Île aux Cochons sind aber stark geschrumpft.
Ähnliche Tiere
- Kaiserpinguin - der größte Pinguin und nächste Verwandte des Königspinguins
- Eselspinguin - brütet ebenfalls auf subantarktischen Inseln
- Goldschopfpinguin - ein kleinerer Pinguin des Südpolarmeers
- Seeleopard - jagt Pinguine im Meer
- Schwertwal - ein weiterer Feind des Königspinguins
Quellen
- King penguin - Australian Antarctic Program
- Aptenodytes patagonicus (king penguin) - Animal Diversity Web, University of Michigan
- BirdLife International (2020): Aptenodytes patagonicus. The IUCN Red List of Threatened Species 2020
- Emperor penguin - Australian Antarctic Program
- Weimerskirch, H. et al. (2018): Massive decline of the world's largest king penguin colony at Ile aux Cochons, Crozet. Antarctic Science 30(4), 236-242
Größenvergleich
Ein Königspinguin erreicht eine Körpergröße von 85 bis 95 cm. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Königspinguin ist etwa 4-mal so groß wie ein Fußball.
Gewichtsvergleich
Ein Königspinguin bringt 8 bis 17,3 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine Hauskatze (4 kg), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Der Königspinguin wiegt so viel wie etwa 3 Hauskatzen.