Königskrabbe
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Kurz erklärt
Die Königskrabbe ist einer der größten Krebse der Welt. Von Beinspitze zu Beinspitze misst sie bis zu 1,5 m, große Männchen wiegen fast 11 kg. Sie stammt aus dem Nordpazifik und dem Beringmeer. In den 1960er-Jahren setzten russische Forscher sie in der Barentssee aus, wo sie sich seitdem ausbreitet.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Paralithodes camtschaticus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 23 bis 28 cm |
| Körpergewicht | 10,9 kg |
| Ernährung | Fleischfresser: Muscheln, Seesterne, Seeigel, Würmer und Aas |
| Lebenserwartung | 20 bis 30 Jahre |
| Sozialverhalten | Jungtiere bilden Haufen aus Zehntausenden Tieren, erwachsene Tiere wandern in Gruppen |
| Herkunft | Nordpazifik, Beringmeer und Ochotskisches Meer |
| Verbreitung | Von British Columbia über Alaska bis Japan; eingeführt in die Barentssee vor Russland und Nordnorwegen AsienEuropaNordamerikaMeer |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1815 durch Wilhelm Gottlieb Tilesius von Tilenau |
| Gefährdung | NE Nicht bewertet |
| Sonstiges | Die Körpergröße bezeichnet die Länge des Rückenpanzers. Die Beinspannweite erreicht rund 1,5 m. Das Gewicht gilt für den schwersten dokumentierten Bullen; Weibchen bleiben mit bis zu 4,8 kg deutlich leichter. |
Aussehen und Körperbau
Die Königskrabbe ist nach Angaben der US-Meeresbehörde NOAA die größte aller kommerziell befischten Krabbenarten. Ihr Rückenpanzer, der Carapax, wird nach Angaben der Wildtierbehörde Alaskas bis zu 11 Zoll lang, also rund 28 cm. In norwegischen Gewässern überschreiten die Tiere nach Messungen des Meeresforschungsinstituts in Bergen nur selten 23 cm Panzerlänge.
Die Spannweite ist der eigentliche Hingucker. Von der Spitze des einen Beins zur Spitze des gegenüberliegenden misst ein großes Männchen knapp fünf Fuß, also etwa 1,5 Meter. Das entspricht ungefähr der Körpergröße eines Grundschulkindes.
Das Gewicht: Der schwerste dokumentierte Bulle wog 24 Pfund, umgerechnet rund 10,9 kg. Das schwerste bekannte Weibchen brachte 10,5 Pfund auf die Waage, also etwa 4,8 kg. Beide Tiere wurden auf ein Alter von 20 bis 30 Jahren geschätzt. In norwegischen Gewässern werden Königskrabben selten schwerer als 8 kg.
Farbe und Panzer: Die Tiere sind dunkelrot bis bläulich-rot oder bräunlich gefärbt und über und über mit spitzen Dornen besetzt. Der Hinterleib ist fächerförmig unter den hinteren Panzerrand geklappt. An dieser Klappe lässt sich das Geschlecht sofort erkennen: Männchen haben eine schmale, dreieckige Klappe, Weibchen eine breite und runde.
Die Beine: Wie alle Zehnfußkrebse hat die Königskrabbe fünf Beinpaare. Das erste trägt die Scheren, die drei folgenden sind die langen Laufbeine, und das fünfte ist stark verkleinert und unter dem hinteren Panzerrand versteckt. Dieses versteckte Beinpaar hat eine besondere Aufgabe: Die Weibchen putzen damit ihre Eier, die Männchen übertragen damit bei der Paarung ihre Spermien.
Die beiden Scheren sind unterschiedlich groß. Bei ausgewachsenen Tieren ist meist die rechte die größere. Sie dient als kräftiges Werkzeug zum Knacken harter Beute, während die kleinere linke Schere feinere Bissen greift.
Keine echte Krabbe
Trotz ihres Namens gehört die Königskrabbe nicht zu den echten Krabben, sondern zur Gruppe der Mittelkrebse (Anomura). Damit steht sie den Einsiedlerkrebsen näher als den echten Krabben. Verräterisch sind die nur drei sichtbaren Laufbeinpaare und der asymmetrisch unter den Körper geklappte Hinterleib. Echte Krabben haben vier gleichwertige Laufbeinpaare.
Innerhalb der Familie der Stein- und Königskrabben ist sie eng verwandt mit der Blauen Königskrabbe (Paralithodes platypus) und der Braunen oder Goldenen Königskrabbe (Lithodes aequispinus).
Wie genau diese Familie einzuordnen ist, sehen Fachleute unterschiedlich: Das World Register of Marine Species stellt sie zu den Einsiedlerkrebsen im weiteren Sinn (Überfamilie Paguroidea), andere Einteilungen führen für sie eine eigene Überfamilie Lithodoidea. In beiden Fällen bleibt es dabei, dass die Königskrabbe keine echte Krabbe ist.
Verbreitung und Lebensraum
Die ursprüngliche Heimat der Königskrabbe liegt im Nordpazifik: von British Columbia in Kanada über den Golf von Alaska, die Aleuten und das Beringmeer bis zum Ochotskischen Meer und nach Japan. Die größten Bestände in Alaska leben in der Bristol Bay und rund um den Kodiak-Archipel.
Die Tiere leben am Meeresboden, von der Gezeitenzone bis in Tiefen von 100 Faden, also etwa 180 Metern, und tiefer. Erwachsene Tiere halten sich zur Nahrungssuche meist in weniger als 650 Fuß (rund 200 m) Tiefe auf dem Festlandsockel auf. Weiche Böden aus Schlick und Schlamm sind ihnen am liebsten.
Königskrabben wandern regelmäßig: Im Spätwinter ziehen sie ins flache Wasser, wo im Frühjahr die Larven schlüpfen und die Paarung stattfindet. Danach geht es zurück in tieferes Wasser. Bei Kodiak wurden bei Männchen jährliche Wanderungen von bis zu 100 Meilen hin und zurück gemessen, zeitweise mit einer Meile pro Tag.
Die Königskrabbe in der Barentssee
In den 1960er-Jahren setzten russische Wissenschaftler Königskrabben in der Barentssee aus, um dort eine neue Fischereiressource zu schaffen. Der Plan ging auf, allerdings gründlicher als gedacht. Die Krabbe breitete sich im südlichen Teil der Barentssee nach Osten und Westen aus und erreichte die norwegische Küste.
Heute ist sie dort eine wichtige Fischereiressource und zugleich ein Problemfall. Norwegen fährt deshalb eine doppelte Strategie: Östlich des 26. Längengrads ist der Fang durch eine Quote von jährlich 1.000 bis 2.000 Tonnen geregelt, westlich davon gibt es einen freien Fang auf alle Größen, um eine weitere Ausbreitung zu bremsen. In der russischen Wirtschaftszone werden jährlich etwa 9.000 bis 10.000 Tonnen angelandet.
Untersuchungen zeigen, was die Krabbe am Meeresboden anrichtet: In Gebieten mit hoher Krabbendichte verschwinden große Bodentiere wie Stachelhäuter, Muscheln und Spritzwürmer. Die Zahl der Arten und die Körpergrößen gehen zurück, dominierend werden kleine, schnellwüchsige Borstenwürmer. Frisst die Krabbe die Laichballen des Seehasen, kann das dessen Nachwuchszahlen drücken. Beim Lodde, einem wichtigen Speisefisch der Barentssee, ließ sich dagegen kein Effekt nachweisen. Weil die Larven rund zwei Monate frei im Wasser treiben und sogar Temperaturen nahe 20 Grad überstehen, kann sich die Art weit verbreiten.
Ernährung
Königskrabben fressen fast alles, was sie mit ihren Scheren greifen und knacken können. Kleine Krabben ernähren sich von Algen, kleinen Würmern, jungen Muscheln und anderen kleinen Tieren. Größere Tiere nehmen ein viel breiteres Spektrum: Würmer, Muscheln, Miesmuscheln, Seepocken, andere Krebse, Fische, Seesterne, Seeigel, Sanddollars und Schlangensterne. Auch Aas wird nicht verschmäht. In der Barentssee frisst die Königskrabbe praktisch alle festsitzenden Bodentiere, vor allem auf Weichböden.
Fortpflanzung und Entwicklung
Ein Weibchen trägt seine befruchteten Eier etwa ein Jahr lang unter der Hinterleibsklappe mit sich herum und putzt sie regelmäßig mit dem versteckten fünften Beinpaar. Ein Gelege umfasst nach Angaben der US-Meeresbehörde NOAA zwischen 50.000 und 500.000 Eier.
Aus den Eiern schlüpfen winzige Larven, die eher wie Garnelen aussehen. Sie treiben zwei bis drei Monate im freien Wasser und fressen Plankton. Dann sinken sie zu Boden, häuten sich und sehen zum ersten Mal aus wie kleine Krabben, allerdings nicht größer als eine Münze. Sie siedeln sich in weniger als 90 Fuß, also rund 27 m Wassertiefe an.
Junge Königskrabben verstecken sich zunächst in Muschelschill, zwischen Steinen, Algen und Moostierchen. Später bilden sie die berühmten Pods: Haufen aus Zehntausenden Tieren, die sich tagsüber übereinanderstapeln und nachts gemeinsam auf Nahrungssuche gehen. Vermutlich ist das eine Schutzstrategie gegen Fressfeinde, ähnlich wie das Schwarmverhalten von Fischen.
Wachsen kann ein Krebs nur, indem er seinen Panzer abwirft. Junge Königskrabben häuten sich in den ersten Jahren viele Male, später immer seltener. Mit vier bis fünf Jahren sind sie geschlechtsreif. Weibchen müssen sich vor jeder Paarung häuten, Männchen nicht; alte Bullen behalten ihren Panzer manchmal ein bis zwei Jahre. Direkt nach der Häutung ist das Tier weich und wehrlos, bis der neue Panzer aushärtet.
Feinde
Junge und frisch gehäutete Königskrabben haben viele Feinde. Dazu zählen Pazifischer Kabeljau, Groppen, Heilbutt und Gelbflossen-Scholle, außerdem Kraken, Seeotter und andere Königskrabben, die durchaus auch Artgenossen fressen. Mehrere Arten von Schnurwürmern haben sich sogar auf die Eier der Königskrabbe spezialisiert. Ausgewachsene Tiere mit hartem Panzer sind dagegen kaum noch angreifbar.
Bedeutung für den Menschen
Die Königskrabbe war historisch die wichtigste Schalentier-Fischerei Alaskas. Zwischen 1975 und 2018 fingen US-Fischer dort fast 854 Millionen Pfund im Wert von rund 2,5 Milliarden US-Dollar. 1980/81 folgte kurz nach einem Rekordfang der Zusammenbruch: Innerhalb von drei Jahren fiel der Fang um das Sechzigfache, die vier wichtigsten Fanggebiete wurden erstmals komplett geschlossen. Als Hauptgrund gilt, dass über lange Zeit zu wenige Jungkrabben das Erwachsenenalter erreichten.
Heute wird streng nach den "drei S" gefischt: size, sex, season. Nur Männchen ab einer bestimmten Größe dürfen gefangen werden, und während Paarung und Häutung ruht die Fischerei. Die Reusen müssen Fluchtöffnungen haben, damit verlorene Fanggeräte nicht weiterfischen. Die Fangmenge wird jedes Jahr neu aus Bestandsschätzungen berechnet.
Trotzdem bleibt die Lage angespannt: Die Fischerei in der Bristol Bay wurde in den Saisons 2021/22 und 2022/23 geschlossen, weil zu wenige geschlechtsreife Weibchen vorhanden waren. Bei den Pribilof-Inseln ruht die Fischerei seit 1999.
Die Weltnaturschutzunion IUCN hat die Königskrabbe bislang nicht bewertet. Die Bestände in Alaska werden stattdessen von NOAA Fisheries und der Wildtierbehörde Alaskas überwacht.
Häufige Fragen zur Königskrabbe
Wie groß wird eine Königskrabbe?
Der Rückenpanzer wird bis zu 28 cm lang. Viel beeindruckender ist die Beinspannweite: Von Beinspitze zu Beinspitze misst ein großes Männchen rund 1,5 m.
Wie schwer wird eine Königskrabbe?
Der schwerste dokumentierte Bulle wog 24 Pfund, also rund 10,9 kg. Weibchen bleiben deutlich leichter, der Rekord liegt bei etwa 4,8 kg. In norwegischen Gewässern werden die Tiere selten schwerer als 8 kg.
Ist die Königskrabbe eine echte Krabbe?
Nein. Sie gehört zu den Mittelkrebsen und ist damit näher mit den Einsiedlerkrebsen verwandt als mit echten Krabben. Man erkennt das an den nur drei sichtbaren Laufbeinpaaren und am asymmetrisch untergeklappten Hinterleib.
Wie kam die Königskrabbe in die Barentssee?
Russische Wissenschaftler setzten sie in den 1960er-Jahren dort aus, um eine neue Fischereiressource zu schaffen. Von dort breitete sie sich im südlichen Teil der Barentssee bis an die norwegische Küste aus.
Ist die Königskrabbe in Europa ein Problem?
In Gebieten mit hoher Krabbendichte verschwinden große Bodentiere wie Seesterne, Muscheln und Spritzwürmer, und die Artenzahl geht zurück. Deshalb erlaubt Norwegen westlich des 26. Längengrads einen freien Fang, um die Ausbreitung zu bremsen. Östlich davon wird die Krabbe als Ressource mit Quote bewirtschaftet.
Was frisst eine Königskrabbe?
Muscheln, Würmer, Seepocken, Seesterne, Seeigel, Schlangensterne, kleine Fische, andere Krebse und Aas. Junge Tiere fressen zusätzlich Algen. Sie knacken harte Beute mit der größeren rechten Schere.
Wie alt wird eine Königskrabbe?
Nach Angaben der Wildtierbehörde Alaskas 20 bis 30 Jahre. Die schwersten bekannten Tiere wurden auf genau dieses Alter geschätzt.
Ähnliche Tiere
- Krabbe - die echten Krabben zum Vergleich
- Einsiedlerkrebs - nächster Verwandter aus der Gruppe der Mittelkrebse
- Yeti-Krabbe - ebenfalls ein Mittelkrebs, entdeckt in der Tiefsee
- Hummer - großer Zehnfußkrebs mit kräftigen Scheren
- Garnele - kleiner Verwandter aus derselben Ordnung
- Seestern - steht bei der Königskrabbe auf dem Speiseplan
- Wirbellose - alle wirbellosen Tiere im Lexikon
- Tiere im Meer - weitere Tiere, die im Meer leben
Quellen
Größenvergleich
Wie groß ist die Königskrabbe wirklich? Mit 23 bis 28 cm überragt sie einen Fußball (22 cm) deutlich, kommt aber noch nicht an einen Kind (1,2 m) heran. Selbst eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) wirkt daneben noch winzig.
Gewichtsvergleich
Eine Königskrabbe bringt 10,9 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine Hauskatze (4 kg), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Die Königskrabbe wiegt so viel wie etwa 3 Hauskatzen.