Säbelschnäbler
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Kurz erklärt
Der Säbelschnäbler ist ein schwarz-weißer Watvogel mit langen, graublauen Beinen und einem dünnen, nach oben gebogenen Schnabel. Mit diesem Schnabel schwenkt er durch flaches Wasser und weichen Schlick und fängt kleine Tiere. In Deutschland brütet er vor allem an der Nordseeküste im Wattenmeer. Dort ist sein Bestand seit Ende der 1990er-Jahre stark zurückgegangen.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Recurvirostra avosetta |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Körperlänge etwa 42 bis 46 cm |
| Körpergewicht | Durchschnittlich etwa 275 g (BTO) |
| Ernährung | Kleine Wassertiere: Insekten, Krebstiere und Würmer, ab und zu Jungfische |
| Lebenserwartung | Im Schnitt etwa 6 Jahre nach Erreichen des Brutalters; ein von der BTO beringter Vogel wurde mindestens 24 Jahre und 8 Monate alt |
| Sozialverhalten | Brütet in Kolonien, sucht oft in kleinen Gruppen nach Nahrung |
| Verbreitung | Ufer salzhaltiger, schlammiger Gewässer an den Küsten Europas und in den Steppen Asiens; Überwinterung unter anderem in Frankreich, Portugal, Senegal und an anderen Küsten Afrikas, teils schon in Mitteleuropa AfrikaAsienEuropa |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2021) |
| Sonstiges | In Deutschland auf der Vorwarnliste der Roten Liste; Brutbestand laut NABU 3.900 bis 4.300 Paare mit stark abnehmendem Trend. Das Wattenmeer ist das wichtigste Brutgebiet der Art auf dem ostatlantischen Zugweg. |
Was für ein Vogel ist der Säbelschnäbler?
Der Säbelschnäbler (Recurvirostra avosetta) ist ein eleganter Watvogel aus der Ordnung der Regenpfeiferartigen. Watvögel suchen ihr Futter im flachen Wasser und im Schlick. Unverwechselbar macht ihn sein dünner, nach oben gebogener Schnabel. Schon der wissenschaftliche Gattungsname Recurvirostra bedeutet „hochgebogener Schnabel“.
Seinen deutschen Namen hat er von der Art, wie er Nahrung sucht: Er hält den Schnabel waagerecht ins Wasser, öffnet ihn leicht und schwenkt ihn rhythmisch hin und her, als würde er mit einem Säbel fechten. In den Niederlanden heißt er „Kluut“, in Dänemark „Klyde“, beides nach seinem Ruf.
In Deutschland lebt er vor allem an der Nordseeküste. Das Wattenmeer ist für den Säbelschnäbler das wichtigste Brutgebiet auf dem ostatlantischen Zugweg.
Aussehen und Körperbau
Der Säbelschnäbler ist 42 bis 46 Zentimeter lang. Nach Angaben des britischen Vogelforschungsinstituts BTO wiegt er im Schnitt etwa 275 Gramm.
- Gefieder: Fast der ganze Vogel ist weiß. Oberkopf und Nacken sind schwarz bis schwarzbraun, dazu kommen schwarze Streifen an den Schultern und schwarze Spitzen an den Flügeln.
- Schnabel: Er ist schwarz, sehr dünn und im vorderen Drittel stark nach oben gebogen. Zum Picken, Stochern oder Klopfen taugt er kaum, er ist ganz auf das Durchsieben von feinem Schlick spezialisiert.
- Beine: Die Beine sind lang und graublau. Im Flug ragen sie weit über den Schwanz hinaus. Daran und an den schwarzen Flügelspitzen erkennt man ihn auch aus der Ferne.
Zwischen Möwen ist der Säbelschnäbler wegen seiner schwarz-weißen Färbung manchmal überraschend schwer zu entdecken. Sein Ruf klingt wie ein klangvolles „plütt plütt plütt“.
Verbreitung und Lebensraum
Säbelschnäbler leben an den Ufern schlammiger, salzhaltiger Gewässer. Sie brüten an Küsten in Europa und an Steppenseen in Asien. In Deutschland brütet er vor allem in Brackwasserlagunen an der Küste. Brackwasser ist eine Mischung aus Salz- und Süßwasser. Auf dem Zug rastet er auch an Süßwasserseen im Binnenland.
Das Wattenmeer ist für den Säbelschnäbler besonders wichtig. Hier erreicht die Art den nördlichen Rand ihres Brutgebiets. Etwa ein Sechstel der 58.400 bis 74.300 europäischen Brutpaare brütet nach Angaben aus dem Jahr 2015 im Wattenmeer. Am liebsten sucht er Nahrung im Schlickwatt entlang der Festlandsküste. Im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer brüten die meisten Paare in den Salzwiesen am Festland, auf den Inseln ist er deutlich seltener. Schleswig-Holstein beherbergt rund 3,6 Prozent aller Säbelschnäbler weltweit.
Zugvogel oder Standvogel? Der Säbelschnäbler kann beides sein. Manche überwintern schon in Mitteleuropa, andere fliegen bis an die Küsten Afrikas. Aus dem Wattenmeer ziehen die Jungvögel im September als Erste los. Die Altvögel wechseln zunächst noch ihr Gefieder im Wattenmeer und folgen im November. Ihre Winterquartiere liegen in Frankreich, Portugal und im Senegal.
In Großbritannien war der Säbelschnäbler als Brutvogel verschwunden. 1947 brütete er erstmals wieder an der Küste von Suffolk. Seitdem hat sich der britische Bestand stark vergrößert, im Mittel der Jahre 2015 bis 2019 auf 2.138 Paare.
Ernährung: Seihen im Schlick
Säbelschnäbler fressen kleine Wassertiere: vor allem Insekten, Krebstiere und Würmer, ab und zu auch junge Fische.
So funktioniert die Nahrungssuche:
- Der Vogel watet durch seichtes Wasser oder sehr feinen Schlick.
- Er pendelt mit dem Kopf hin und her und zieht die leicht geöffnete Schnabelspitze seitwärts durch den suppigen Schlick.
- Kleine Tiere bleiben im Schnabel hängen. So schöpft er Beute aus dem Schlick, aus dem Wasser und von der Wasseroberfläche.
Oft stehen mehrere Säbelschnäbler in kleinen Gruppen zusammen und wirbeln mit den Füßen Kleintiere auf. Im Wattenmeer sucht nur der Löffler auf ähnliche Weise nach Futter. Er ist aber viel größer und hat einen löffelförmigen Schnabel.
Die Küken haben noch kürzere Schnäbel und picken deshalb auch gezielt nach Nahrung.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Säbelschnäbler brüten in Kolonien. Das Nest ist eine Bodenmulde im Schlick, im Schlamm oder im Spülsaum, die nur mit wenig Material ausgelegt wird. Manche Paare brüten sogar auf Äckern hinter den Deichen.
- Eier: Meist 3 bis 4 Eier, selten 2 oder 5
- Brutzeit: 23 bis 25 Tage, beide Eltern brüten
- Küken: Sie sind Nestflüchter mit Daunenkleid
- Flügge: nach 35 bis 42 Tagen
- Bruten: eine Brut pro Jahr
Kurz nach dem Schlüpfen führen die Eltern ihre Küken in eigene Aufzuchtgebiete, zum Beispiel an breite Priele in den Salzwiesen. Diese liegen meist einige hundert Meter von der Kolonie entfernt, manchmal sogar mehrere Kilometer.
Die Küken sind erstaunlich flink. Dank Schwimmhäuten zwischen den Zehen können sie paddeln und sogar tauchen. Bei Gefahr verstecken sie sich unter Uferkanten oder ducken sich bewegungslos auf den Boden, während die Eltern laut warnen. Die Küken frieren leicht, deshalb wärmen die Altvögel sie regelmäßig unter ihrem Gefieder.
Wie alt wird ein Säbelschnäbler?
Säbelschnäbler, die das Brutalter erreichen, leben laut BTO im Schnitt etwa 6 Jahre. Meist brüten sie zum ersten Mal mit 2 Jahren. Der älteste von der BTO beringte Säbelschnäbler wurde mindestens 24 Jahre und 8 Monate alt.
Gefährdung und Schutz
Weltweit gilt der Säbelschnäbler laut IUCN als nicht gefährdet (LC, 2021). Im Wattenmeer und in Deutschland geht es ihm aber schlecht:
- Rückgang im Wattenmeer: Seit Ende der 1990er-Jahre nimmt der Bestand im ganzen Wattenmeer deutlich und stetig ab. Heute brüten dort weniger als 5.000 Paare. Zuerst gingen die Zahlen in den Niederlanden und in Niedersachsen zurück, seit 2008 auch in Schleswig-Holstein.
- Deutschland: Der NABU nennt 3.900 bis 4.300 Brutpaare und einen Rückgang um 64 Prozent. Er steht auf der Vorwarnliste der Roten Liste.
- Zu wenig Nachwuchs: Von 2009 bis 2012 wurden in keinem der 17 untersuchten Gebiete im Wattenmeer mehr als 0,32 Junge pro Paar flügge, oft überhaupt keine. Das reicht nicht, um den Bestand zu erhalten.
Warum? Die Hauptursache sind Raubtiere wie der Fuchs, die Eier und Küken fressen. Auch Überflutungen zerstören Gelege. Ob die Küken überleben, hängt außerdem vor allem vom Wetter ab.
Schutz: Der Säbelschnäbler wird in Deutschland stark geschützt, vor allem gegen Fressfeinde. Forschende verfolgen einzelne Vögel mit GPS-Sendern, um mehr über ihre Wege im Brutgebiet und auf dem Zug zu erfahren. Wer an der Küste unterwegs ist, kann helfen, indem er Schutzgebiete und Abstände zu Brutkolonien respektiert.
Häufige Fragen zum Säbelschnäbler
Warum heißt der Säbelschnäbler so?
Wegen seines dünnen, nach oben gebogenen Schnabels und der Art, wie er ihn benutzt. Er schwenkt den Schnabel im flachen Wasser hin und her, als würde er mit einem Säbel fechten.
Was frisst ein Säbelschnäbler?
Er frisst kleine Wassertiere wie Insekten, Krebstiere und Würmer, manchmal auch junge Fische. Er seiht sie mit seitlichen Schnabelbewegungen aus dem Schlick und dem Wasser.
Wo kann man Säbelschnäbler in Deutschland sehen?
Vor allem an der Nordseeküste im Wattenmeer, besonders im Schlickwatt am Festland und in den Salzwiesen. Im Sommer brüten sie dort in Kolonien. Auf dem Durchzug rasten sie auch an Seen im Binnenland.
Wie groß und schwer ist ein Säbelschnäbler?
Er wird 42 bis 46 Zentimeter lang und wiegt im Schnitt etwa 275 Gramm.
Ist der Säbelschnäbler gefährdet?
Weltweit nicht, die IUCN stuft ihn als nicht gefährdet ein. Im Wattenmeer geht sein Bestand aber seit Ende der 1990er-Jahre stark zurück, vor allem weil Füchse und andere Raubtiere Eier und Küken fressen. In Deutschland steht er auf der Vorwarnliste.
Wohin ziehen Säbelschnäbler im Winter?
Die Säbelschnäbler aus dem Wattenmeer überwintern in Frankreich, Portugal und im Senegal. Die Jungvögel brechen im September auf, die Altvögel erst im November.
Ähnliche Tiere
- Austernfischer - ein schwarz-weißer Watvogel mit rotem Schnabel, der ebenfalls im Wattenmeer brütet
- Wattwurm - ein typischer Bewohner des Schlickwatts, in dem der Säbelschnäbler nach Nahrung sucht
- Flamingo - ein weiterer langbeiniger Vogel mit auffällig gebogenem Schnabel
- Reiher - langbeinige Vögel, die ebenfalls im flachen Wasser jagen
- Möwe - häufige Küstenvögel, zwischen denen der Säbelschnäbler leicht zu übersehen ist
Quellen
- BirdLife International (2021): Recurvirostra avosetta. The IUCN Red List of Threatened Species 2021
- Säbelschnäbler - Vogelporträt des NABU
- Avocet - BirdFacts des British Trust for Ornithology (BTO)
- Säbelschnäbler - Artensteckbrief des Nationalparks Wattenmeer
- Klinner-Hötker, B., Leyrer, J. & Piening, C. (2020): Bruterfolgsmonitoring im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer 2020 - Säbelschnäbler. Michael-Otto-Institut im NABU (PDF)
- Der Säbelschnäbler - Tier des Monats, Schutzstation Wattenmeer (PDF)
Größenvergleich
Stell dir vor, du stellst einen Fußball (22 cm) neben einen Säbelschnäbler: Der Säbelschnäbler ist größer. Neben einem Kind (1,2 m) wirkt er mit seinen 42 bis 46 cm aber wiederum deutlich kleiner.
Gewichtsvergleich
Ein Säbelschnäbler bringt 275 g auf die Waage. Das ist schwerer als eine Tafel Schokolade (100 g), aber leichter als ein Fußball (430 g). Anders ausgedrückt: Der Säbelschnäbler wiegt so viel wie etwa 3 Tafeln Schokolade.