Doppelfüßer

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Roter Doppelfüßer mit zahlreichen gleichförmigen Körperringen und vielen kurzen gelblichen Beinen kriecht über braunes Falllaub
Charles J. Sharp / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kurz erklärt

Doppelfüßer sind Tausendfüßer mit zwei Beinpaaren an fast jedem Körperring. Weltweit sind über 12.000 Arten beschrieben, in Deutschland leben 124 Arten und Unterarten. Sie fressen vor allem abgestorbene Pflanzenteile und helfen so, Laub und Holz abzubauen. Der Rekordhalter Eumillipes persephone hat 1.306 Beine, mehr als jedes andere bekannte Tier.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameDiplopoda
Abstammung
  • Klasse: Doppelfüßer (Diplopoda)
KörpergrößeJe nach Art sehr verschieden; heimische Beispiele: Craspedosoma 10 bis 15 mm, Blaniulus guttulatus bis 16 mm, Polyzonium germanicum bis 17 mm; der tropische Riesenschnurfüßer Scaphiostreptus seychellarum knapp 30 cm
KörpergewichtJe nach Art sehr verschieden; keine zusammenfassenden Angaben in Fachquellen
ErnährungZersetzer: vor allem abgestorbene Pflanzenteile wie Laubstreu und morsches Holz, auch Algen und Pilze; selten lebende Pflanzen oder Aas
LebenserwartungJe nach Art; einzelne Tiere werden über 7 Jahre alt
SozialverhaltenLeben versteckt in Laubstreu, unter Steinen und in Baumstümpfen
HerkunftAlle Kontinente außer der Antarktis
Verbreitung Auf sechs Kontinenten in fast allen Lebensräumen der Erde; in Deutschland 124 etablierte Arten und Unterarten AfrikaAsienEuropaNordamerikaSüdamerikaAustralien
EntdeckungÜber 12.000 beschriebene Arten (Brewer et al. 2012)
SonstigesGruppenseite: Doppelfüßer sind eine ganze Klasse. Eine Gesamteinstufung auf der Roten Liste gibt es nicht. In Deutschland sind 15 Arten bestandsgefährdet (Rote Liste 2026). Rekord: Eumillipes persephone mit 1.306 Beinen.

Was sind Doppelfüßer?

Doppelfüßer (Diplopoda) sind Gliederfüßer mit einem langen Körper aus vielen Ringen. Zusammen mit den Hundertfüßern, den Zwergfüßern und den Wenigfüßern bilden sie die Gruppe der Tausendfüßer (Myriapoda). Oft meint man mit "Tausendfüßer" im engeren Sinn nur die Doppelfüßer.

Kennzeichen: Typisch für Doppelfüßer ist, dass fast jeder Körperring zwei Beinpaare trägt. Der englische Name "millipede" bedeutet dagegen "tausend Füße". Bis 2021 kannte man allerdings keine Art mit mehr als 750 Beinen.

Artenzahl: Weltweit sind über 12.000 Arten beschrieben. Wie viele es wirklich gibt, weiß niemand genau. Eine Studie von 2012 schätzte je nach Rechenweg zwischen etwa 13.400 und 20.500 Arten. Viele Gegenden, vor allem in den Tropen, sind kaum erforscht.

Uralte Tiere: Doppelfüßer leben seit mehr als 400 Millionen Jahren auf der Erde. Sie gehörten zu den ersten Tieren, die Luft atmeten. Manche ausgestorbenen Arten wurden zwei Meter lang.

Aussehen und Körperbau

Kopf: Der Kopf ist meist groß und trägt ein Paar Fühler, die meist aus acht Gliedern bestehen. Viele Arten haben auf jeder Kopfseite eine Gruppe aus 3 bis 100 einfachen Augen. An der Fühlerbasis sitzt bei vielen Arten ein kleines Sinnesorgan, das Schläfenorgan. Es misst vermutlich die Feuchtigkeit. Die Unterseite des Kopfes bedeckt eine große Mundklappe.

Die Doppelringe: Der Rumpf besteht aus vielen Ringen. Die ersten vier Ringe sind einfach gebaut:

  • Der erste Ring ist ein großer Rückenschild und hat keine Beine.
  • Die Ringe 2 bis 4 tragen je ein Beinpaar.
  • Alle weiteren Ringe sind Doppelringe, die aus zwei verschmolzenen Segmenten entstanden sind. Sie tragen je zwei Beinpaare.

Die Doppelringe sind nur auf dem Rücken ganz verwachsen, an der Bauchseite sind die beiden Hälften noch zu erkennen.

Panzer: Bei den meisten Doppelfüßern ist die Körperhülle hart. Fettartige Stoffe schützen vor dem Austrocknen, eingelagerter Kalk macht den Panzer fest. Nur den Pinselfüßern fehlt der Kalk.

Atmung: Doppelfüßer atmen über feine Röhren, die Tracheen. Ihre Öffnungen liegen dicht neben den Beinen.

Wie viele Beine? Die Zahl schwankt stark. Pinselfüßer der Gattung Polyxenus haben nur 13 Beinpaare. Die meisten Beine hat Eumillipes persephone mit 1.306 Beinen, also 653 Beinpaaren.

Größe: Der bei uns vorkommende Saugfüßer Polyzonium germanicum wird bis 17 mm lang, Arten der Gattung Craspedosoma 10 bis 15 mm. Blaniulus guttulatus wird bis 16 mm lang und hat leuchtend karminrote Flecken. Sehr groß werden manche tropischen Arten: Scaphiostreptus seychellarum von den Seychellen erreicht knapp 30 cm Körperlänge und hat 139 Beinpaare.

Drei Körperformen

Je nach Lebensweise sehen Doppelfüßer sehr unterschiedlich aus. Man unterscheidet drei Typen:

  1. Bulldog-Typ: Die Schnurfüßer sind lang und im Querschnitt rund. Beim Wühlen im Boden drücken sie mit Kopf und Rückenschild wie mit einem Rammbock. Bei Gefahr rollen sie sich spiralig ein.
  2. Kugel-Typ: Die Saftkugler haben einen kurzen, breiten Körper mit nur 17 bis 19 Beinpaaren. Bei Gefahr rollen sie sich zu einer perfekten Kugel ein. Deshalb verwechselt man sie leicht mit Rollasseln, die zu den Landasseln gehören. Die tropischen Riesenkugler werden bis 10 cm groß.
  3. Keil-Typ: Die Bandfüßer haben seitliche Kiele an den Körperringen. Dadurch ist ihr Rücken breit und flach. Sie leben vor allem zwischen der oberen Laubschicht, unter Steinen und Rinde.

Der Rekord: 1.306 Beine

2021 stellte ein Forschungsteam den neuen Beinrekord vor: Eumillipes persephone.

Fundort: Die Tiere wurden im August 2020 in der Region Goldfields im Westen Australiens entdeckt, und zwar in einem Bohrloch, das für die Suche nach Bodenschätzen angelegt worden war. Das Rekordtier steckte in 60 Meter Tiefe. Insgesamt fanden die Forschenden acht Tiere in 15 bis 60 Meter Tiefe.

Aussehen: Ein Weibchen hatte 330 Körperringe und 1.306 Beine. Es war 95,7 mm lang, aber nur 0,95 mm breit, also dünn wie ein Faden. Männchen hatten bis zu 208 Ringe und 818 Beine. Weil die Art tief unter der Erde lebt, ist sie hell cremefarben und hat keine Augen. Dafür besitzt sie einen kegelförmigen Kopf mit sehr großen Fühlern und einem Schnabel zum Fressen.

Der alte Rekord: Vorher hielt Illacme plenipes aus Kalifornien den Rekord mit 750 Beinen. Die beiden Arten sind nur entfernt verwandt. Ihr ähnlicher, fadenförmiger Körperbau hat sich unabhängig voneinander entwickelt, vermutlich als Anpassung an das Leben im Boden.

Name:Eumillipes heißt "echter Tausendfüßer", denn es ist der erste mit mehr als 1.000 Beinen. Persephone ist in der griechischen Sage die Göttin der Unterwelt.

Bedroht: Die Art lebt in einer Gegend mit vielen Bodenschätzen. Die Forschenden warnen, dass der Bergbau ihren Lebensraum bedroht.

Verbreitung und Lebensraum

Doppelfüßer leben auf sechs Kontinenten, nur nicht in der Antarktis, und kommen in fast allen Lebensräumen der Erde vor. In Deutschland leben 124 etablierte Arten und Unterarten.

Die meisten heimischen Doppelfüßer leben in der Laubstreu der Wälder, unter Steinen und in Baumstümpfen. Nur wenige Arten klettern auf Bäume und Sträucher. Der Pinselfüßer Polyxenus lebt gern unter der Baumrinde und gelangt so bis in die Baumkronen.

Ernährung: die Müllabfuhr des Waldbodens

Doppelfüßer fressen vor allem totes Pflanzenmaterial wie Laub und morsches Holz, dazu Algen und Pilze. Nur selten fressen sie lebende Pflanzen oder Aas. Manche Arten mit spitzen, nach vorn gerichteten Mundwerkzeugen saugen vermutlich Pilzfäden aus.

Damit sind Doppelfüßer wichtige Zersetzer: Sie helfen, abgestorbene Pflanzen abzubauen, und tragen so zu gesunden Böden bei. In vielen Lebensräumen an Land gehören sie zu den wichtigsten Verwertern von abgestorbenem Material.

Verteidigung: Einrollen und Wehrsekret

Doppelfüßer haben keine Giftklauen. Sie schützen sich auf andere Weise:

  • Einrollen: Viele Arten rollen sich bei Gefahr spiralig oder zu einer Kugel ein.
  • Wehrsekret: Viele Doppelfüßer haben seitlich am Körper Wehrdrüsen. Daraus geben sie zum Teil hochgiftige Flüssigkeiten ab. Das Sekret tritt meist langsam als gelber, brauner, manchmal kirschroter oder weißer Tropfen aus.
  • Spritzen: Einige tropische Arten können ihr Sekret bis zu 30 cm weit spritzen.

Manche Doppelfüßer enthalten in ihrem Abwehrsekret Alkaloide. Pfeilgiftfrösche nehmen diese Giftstoffe auf und speichern sie in ihrem Körper.

Fortpflanzung und Entwicklung

Paarung: Die meisten Doppelfüßer übertragen ihre Spermien in kleinen Päckchen, den Spermatophoren. Viele Männchen haben dafür umgewandelte Beine, die Gonopoden. Bei den Pinselfüßern setzen die Männchen ihre Spermatophoren an Fäden ab, die sie mit Spinndrüsen am zweiten Beinpaar ziehen.

Eier: Manche Arten legen ihre Eier als Klumpen in feuchte Erde oder Mulm. Die meisten heimischen Arten bauen einen Kokon für die Eier. Je nach Gruppe besteht er aus Körperhaaren, aus einem Gespinst oder aus Erde, die vorher durch den Darm gewandert ist.

Wachsen mit jeder Häutung: Die meisten Doppelfüßer schlüpfen mit nur sieben Körperringen und wenigen Beinen aus dem Ei. Bei jeder Häutung bilden sich am Hinterende neue Doppelringe mit neuen Beinpaaren. Bei manchen Gruppen wachsen sogar nach dem Erwachsenwerden noch Ringe dazu.

Erwachsen und alt: Viele Doppelfüßer werden erst nach 1 bis 3 Jahren geschlechtsreif. Einige sterben kurz nach der Paarung oder Eiablage. Andere häuten sich in ein Zwischenstadium, in dem sie sich nicht fortpflanzen, und werden später wieder fortpflanzungsfähig. Einzelne Tiere werden über 7 Jahre alt.

Unterschied zwischen Doppelfüßern und Hundertfüßern

Doppelfüßer und Hundertfüßer gehören beide zu den Tausendfüßern und werden oft verwechselt. Sie unterscheiden sich aber deutlich:

MerkmalDoppelfüßerHundertfüßer
Beinezwei Beinpaare pro Körperringein Beinpaar pro Körperring
Beinpaare13 bis 65315 bis 181 (laut Lexikon der Biologie)
Giftklauenkeineja, das erste Beinpaar ist zu Giftklauen umgebildet
Ernährungvor allem abgestorbene Pflanzen, Algen und PilzeRäuber
Arten weltweitüber 12.000etwa 3.000
Arten in Deutschland12458

Hundertfüßer sind schnelle, nachtaktive Räuber. Doppelfüßer dagegen zersetzen totes Pflanzenmaterial. Weil sie zwei Beinpaare pro Ring haben, besitzen Doppelfüßer meist sogar mehr Beine als typische Hundertfüßer.

Gefährdung

Doppelfüßer sind eine ganze Klasse mit Tausenden Arten. Eine gemeinsame Einstufung auf der weltweiten Roten Liste gibt es deshalb nicht.

In Deutschland erschien 2026 eine neue Rote Liste. Von den 124 heimischen Arten und Unterarten sind 15 bestandsgefährdet: 3 sind vom Aussterben bedroht, 9 stark gefährdet, 2 gefährdet, und bei einer ist das Ausmaß der Gefährdung unbekannt. Eine Art gilt als ausgestorben oder verschollen. 83 Arten sind ungefährdet. Für 12 Arten und Unterarten hat Deutschland eine besondere Verantwortung, weil sie nur oder fast nur hier vorkommen oder ihre Bestände stark von anderen getrennt sind.

Ursachen: Vor allem gehen Lebensräume verloren, etwa Trockenrasen, Heiden, Moore, Auenwälder und naturnahe Mischwälder mit viel Totholz. Auch intensive Landwirtschaft, Pestizide, Dünger und der Klimawandel setzen den Tieren zu.

Häufige Fragen zu Doppelfüßern

Wie viele Beine hat ein Doppelfüßer?

Das hängt von der Art ab. Die wenigsten Beine haben Pinselfüßer mit 13 Beinpaaren. Rekordhalter ist Eumillipes persephone aus Australien mit 1.306 Beinen.

Was ist der Unterschied zwischen Hundertfüßer und Doppelfüßer?

Doppelfüßer haben an den meisten Körperringen zwei Beinpaare, Hundertfüßer nur eines. Hundertfüßer sind Räuber mit Giftklauen, Doppelfüßer fressen vor allem abgestorbene Pflanzenteile.

Sind Doppelfüßer giftig?

Sie haben keine Giftklauen. Viele Arten können sich aber mit einem Sekret aus Wehrdrüsen an den Körperseiten verteidigen, das zum Teil hochgiftig ist. Einige tropische Arten spritzen es bis zu 30 cm weit.

Was fressen Doppelfüßer?

Vor allem abgestorbene Pflanzenteile wie Laub und morsches Holz, dazu Algen und Pilze. Damit helfen sie, totes Pflanzenmaterial abzubauen.

Wie alt werden Doppelfüßer?

Viele Arten werden erst nach 1 bis 3 Jahren geschlechtsreif. Einzelne Tiere können über 7 Jahre alt werden.

Wie viele Arten von Doppelfüßern gibt es?

Weltweit sind über 12.000 Arten beschrieben, Schätzungen reichen bis über 20.000. In Deutschland leben 124 Arten und Unterarten.

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Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Doppelfüßer
30 cm

Ein Doppelfüßer erreicht eine Körpergröße von 30 cm. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Ein Kind wäre dagegen noch rund 4-mal so groß.